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           Achondrite   -   Fotos und Klassifikation


  Differenzierte Asteroidale Achondrite: Angrite, Aubrite, Ureilite, Brachinite


ACHONDRITE

Primitive Achondrite
PAC-Gruppe

Differenzierte Asteroidale Achondrite

Vesta Meteorite
HED-Gruppe

Mars Meteorite
SNC-Gruppe

Lunare Meteorite
LUN-Gruppe
Achondrite sind eine sehr heterogene Klasse von Steinmeteoriten, die keine Chondren aufweisen. Sie stammen von differenzierten Körpern auf denen es durch Schmelzprozesse zu einer Trennung von Kern und Mantel gekommen ist.
Den Übergang zwischen den undifferenzierten Chondriten und den differenzierten Achondriten stellen die Primitiven Achondrite (PAC) dar: Acapulcoite, Lodranite, Winonaite und Metachondrite. Ihr Chemismus entspricht etwa dem der Chondrite, jedoch wurde die chondritische Textur durch teilweises Schmelzen oder Metamorphose komplett oder nahezu komplett überprägt. Primitive Achondrite stammen von kleineren Asteroiden, die recht schnell erstarrt sind, ohne dass eine vollständige Differentiation erfolgte.

Die differenzierten Achondrite stammen von mittelgroßen bis großen Asteroiden (wie z.B. Vesta), anderen Planeten (Mars und eventuell Merkur) oder dem Erdmond.
Etwa 7,8 % der Meteoritenfälle sind Achondrite.





      Differenzierte Asteroidale Achondrite: Angrite, Aubrite, Ureilite, Brachinite


Angrite
Angrite sind pyroxenreiche Achondrite. Es handelt sich um mafische bis ultramafische Gesteine mit Ca-Al-Ti-Pyroxen, Anorthit, etwas Ca-haltigem Olivin und z.T. Kirschsteinit und anderen Akzessorien wie Spinell, Kamacit oder Troilit. Sie weisen eine mittelkörnige Textur auf und zeigen z.T. poröse Bereiche und blasige Hohlräume. Angrite wurden auf einem größeren, differenzierten, planetaren Körper gebildet. Sie weisen ein sehr hohes Kristallisationsalter von über 4,555 Milliarden Jahren auf, stammen also aus der Anfangszeit des Sonnensystems von einem der ersten differenzierten Körper. Die extreme Na-Armut spricht für einen refraktären, sonnennahen Körper. Alle Angrite weisen eine unterschiedliche CRE (cosmic ray exposure) zwischen 55 und < 6.1 Millionen Jahren auf, was auf einen größeren Körper hinweist, der über längere und bis in die jüngere Zeit von Impakten getroffen wird, durch die Material freigesetzt wird. Eine Herkunft vom Planeten Merkur ist möglich, diskutiert werden nach Reflektanzspektren aber auch die Asteroiden 289 Nenetta und 3819 Robinson aus dem Asteroiden-Hauptgürtel. Es ist möglich, dass die Angrite von verschiedenen Mutterkörpern stammen. Angrite sind sehr selten, bisher sind erst 10 Exemplare bekannt.

Meteorit NWA 2999 (Teilscheibe).
Achondrit, Angrit, plutonisch.


Ultramafisches, plutonisches Gestein mit polygonal-granularer Textur aus Ca-haltigem, Fe-reichem Olivin und Al- und Ti-haltigem Diopsid. Untergeordnet sind Cr-Fe-haltiger Spinell, Na-freier Anorthit und einige weiter Minerale vorhanden. Das Material stammt von einem größeren, differenzierten planetaren Körper, eventuell vom Merkur. NWA 2999 unterscheidet sich etwas von anderen Angriten und könnte eventuell von einem anderen Mutterkörper stammen.

Fund 2004. Nordwest Afrika (Marokko oder Algerien). TKW 392 g.

Größe 10 mm, Gewicht 0,8 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.




Meteorit D'Orbigny (kleine Teilscheibe).
Achondrit, Angrit.


D'Orbigny ist ein außergewöhnlicher Meteorit und sehr untypischer Angrit. Er weist zahlreiche unregelmäßige Drusen und runde Hohlräume auf. Der Meteorit wurde im Juli 1979 beim Pflügen gefunden, aber zunächst für ein indianisches Artefakt gehalten. Erst 1998 vermutete man einen Meteoriten, was 2000 bestätigt wurde. Er weist eine Vorderseite mit Schmelzkruste und Regmaglypten auf und eine konkave Rückseite. Front- und Rückseite bestehen aus einem grobkörnigen Gestein mit ophitischer Textur. Dazwischen befindet sich das poröse, drusige Gestein. Hauptbestandteile des Meteoriten sind Augit, Anorthit und Olivin. In den unregelmäßigen Drusen finden sich idiomorphe Augit- und Anorthitkristalle. Der Anorthit hat praktisch Endglied-Zusammensetzung. Olivin bildet Kristalle mit rhombischem Querschnitt und Zonierung von Fa20 bis Kirschsteinit. Daneben kommen auch cm-große Olivine und Partien von Olivinit-Gestein vor (Fa9-11). D'Orbigny ist reich an refraktären lithophilen Spurenelementen. Die ungewöhnliche Struktur mit alternierender Lithologie und speziell die drusigen und porösen Bereiche sprechen gegen eine einfache Kristallisation aus einer basaltischen Schmelze sondern eher für ein gerichtetes Wachstum. Bei den Hohlräumen könnte es sich um ursprünglich feste Sphären (eventuell aus CaS) handeln, die später instabil wurden. Es sind keine Anzeichen für Schock oder Metamorphose vorhanden. D'Orbigny weist starke Ähnlichkeiten zu Sahara 99555 auf. Der Vergleich mit anderen Angriten zeigt, dass durch partielles Schmelzen mit oder ohne fraktionierte Kristallisation die Angrit-Suite nicht erklärt werden kann.

Fund Juli 1979. Buenos Aires Provinz, Argentinien. TKW 16,55 kg.

Größe 7 x 5 mm, Gewicht 0,19 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.



Aubrite
Aubrite bestehen im wesentlichen aus weißem, Fe-armen Enstatit und werden deshalb auch als Enstatit-Achondrite bezeichnet. Untergeordnet sind Olivin, Kamacit, Troilit und einige seltene akzessorische Minerale vorhanden. Die Zusammensetzung ist ähnlich der von Enstatit-Chondriten. Aubrite weisen eine magmatische, grobkörnige bis pegmatitische Textur auf. Meist sind sie stark brekziiert, gelegentlich sind Forsterit-reiche chondritische Xenolithe vorhanden. Das Aubrit-Magma ist wahrscheinlich aus einem Enstatit-Chondrit unter sehr reduzierenden Bedingungen entstanden. Brekziierung und Xenolithe weisen auf Kollision des bereits differenzierten Mutterkörpers mit einem chondritischen Asteroiden hin. Spektroskopische Untersuchungen zeigen Ähnlichkeiten mit dem Asteroiden 44 Nysa oder anderen der Hungaria-Familie. Speziell der Asteroid 3103 Eger mit einem erdnahem Orbit steht in Verdacht, der Mutterkörper der Aubrite zu sein. Es sind nur sehr wenige Aubrite bekannt.

Meteorit Peña Blanca Springs (Teilscheibe).
Achondrit, Aubrit.


Der Meteorit weist eine sehr grobe kataklastisch-porphyritische Textur auf. Er enthält weiße Pyroxen-Kristalle (Enstatit) bis mehrere Zentimeter Größe auf. Hauptminerale des Meteoriten sind eisenfreier Enstatit (93 %), Diopsid (5 %), Forsterit (0,5 %) und einige Akzessorien wie Troilit, Oldhamit, Alabandit und Daubreelit u.a. auf. Für das Material wurde ein Mn-Cr-Alter von 4,5629 Milliarden Jahren und ein CRE-Alter (cosmic ray exposure) von 75 Millionen Jahren festgestellt.

Fall 2. August 1946. Peña Blanca Springs, Gage Range, Marathon, Brewster Co., Texas, USA. TKW 70 kg.

Größe 20 x 8 mm, Gewicht 0,84 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.


Meteorit Norton County (kleiner Ausschnitt).
Achondrit, Aubrit.


Grauer Cronusit, ein seltenes wasserhaltiges Calcium-Chrom-Sulfid. Anschliff für Mikrosonden-Analyse, Foto im Auflicht, parallele Nicols.

Fall 1848. Norton County, Kansas, USA.

Bildbreite 0,14 mm. Sammlung Thomas Witzke, Foto Bernhard Pracejus.



Ureilite
Ureilite werden auch als Olivin-Pigeonit-Achondrite bezeichnet. Es werden monomikte (unbrekziierte) und polymikte Ureilite unterschieden. Erstere sind magmatische Gesteine, die aus grobkörnigem Olivin (Forsterit) und Clinopyroxen (hauptsächlich Pigeonit) sowie Akzessorien wie Graphit, Diamant, Lonsdaleit, Nickel-Eisen oder Troilit bestehen. Polymikte Ureilite weisen verschiedene Klasten aus monomikten Ureilit, Chondriten und anderen auf und dürften regolithischer Entstehung sein. Die Entstehung der Ureilite ist noch nicht genau bekannt. Sie könnten aus hoch fraktionierten Schmelzen eines mäßig differenzierten Asteroiden vom C-Typ gebildet worden sein, der durch einen Impakt zerstört wurde. Es ist möglich, dass die Ureilite von mehreren Mutterkörpern stammen.

Meteorit NWA 2625 (Fragment).
Achondrit, Ureilit, monomikt.


Mittel- bis grobkörniger, monomikter Ureilit mit Forsterit und Pigeonit. Der Meteorit ist reich an Mikro-Diamanten, die vermutlich bei einem Impakt entstanden sind.

Fund 2004. Nordwest Afrika (Marokko oder Algerien). TKW 305 g.

Größe 15 mm, Gewicht 3,08 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.




Meteorit Dar al Gani 1047 (Endstücken).
Achondrit, Ureilit, polymikt.


Polymikte Ureilit-Brekzie, aus dem Regolith des Mutterkörpers. Neben verschiedenen Klasten ist auch vereinzelt etwas Suessit, ein seltenes Eisensilicid, vorhanden.

Fund 16. Mai 1999. Dar al Gani Wüste, Al Jufrah, Libyen (27º 02' 09'' N, 16º 23' 07'' E). TKW 49,8 g.

Größe 21 x 10 mm, Gewicht 1,247 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.





Unten:
Ein Stück mit reichlich metallischem Suessit (ein seltenes Eisensilicid) sowie Forsterit und Enstatit. Von einer analysierten Probe (Mikrosonde).

Größe 12 mm, Gewicht 0,411 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.


Meteorit Almahata Sitta (kleine Teilscheibe), ehemaliger Asteroid 2008 TC3.
Achondrit, Ureilit, polymikt, anomal.


Bei dem Meteoriten Almahata Sitta handelt es sich um die Reste des Asteroiden 2008 TC3. Der Asteroid wurde am 6. Oktober 2008 in rund 500.000 km Entfernung von der Erde entdeckt. Bahnberechnungen ergaben, dass er am 7. Oktober 2008 auf der Erde in Nord-Sudan in der Nubischen Wüste einschlagen wird. Es handelt sich um den ersten vorausberechneten Impakt eines Asteroiden auf der Erde. Der 4 Meter große und etwa 80 Tonnen schwere Körper trat zum vorausberechneten Zeitpunkt über dem nördlichen Sudan mit einer Geschwindigkeit von 12,8 km/s in die Erdatmosphäre ein und explodierte in etwa 37 km Höhe. Reste des Asteroiden erreichten den Boden bei „Almahata Sitta“ (arabisch für Station 6) der Bahnlinie zwischen Wadi Halfa und Al Khurtum, Nordost-Sudan. Gefunden wurden ca. 250 kleine Stücke.
Es handelt sich um einen sehr feinkörnigen, kohlenstoff-reichen, polymikten Ureiliten. In einer kataklastischen Matrix finden sich Mineralfragmente und Olivin- und Pyroxen-dominante Klasten. Bei den Mineralfragmenten handelt es sich um Forsterit (Fa8-15), Ca-armer Pyroxen, Pigeonit, Kamacit und Troilit. Daneben treten auch kohlige Aggregate auf, die hauptsächlich aus Graphit bestehen und Nanodiamanten enthalten. Auch aliphatische Kohlenwasserstoffe wurden nachgewiesen. Der Meteorit weist eine ungewöhnlich hohe Porosität auf. Bei Almahata Sitta handelt es sich wahrscheinlich um eine Agglomeration von feinkörnigem, durch einen Impakt entstandenem Material, dass später durch hohe Temperatur zusammengebacken wurde.

Fall 7. Oktober 2008. Almahata Sitta, Nordost-Sudan. TKW ca. 5 kg.

Größe 6 x 4 mm, Gewicht 0,08 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.



Brachinite
Brachinite sind ultramafische Gesteine ähnlich terrestrischen Duniten oder Peridotiten. Sie bestehen aus Olivin und untergeordnet Clinopyroxen, Orthopyroxen und Plagioklas. Die Textur ist die von einem Kumulat und belegt Schmelzprozesse und Rekristallisation. Herkunft der Brachinite ist ein A-Typ Asteroid, nach Reflektanzspektren kommen 289 Nenetta oder andere aus dem Hauptasteroidengürtel in Frage. Es ist nicht bekannt, ob die Brachinite von einem relativ heterogenen Körper stammen oder von mehreren verschiedenen Körpern. Bisher sind nur sehr wenige Brachinite bekannt.

Meteorit NWA 5471 (Vollscheibe).
Achondrit, Brachinit.


Der Meteorit enthält im wesentlichen equigranularen Forsterit (Fa 28,2). Schockstadium niedrig, Verwitterungsgrad mäßig.

Fund 2008. Nordwest Afrika. TKW 538 g.

Größe 36 x 13 mm, Gewicht 3,341 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.



ungruppierte Achondrite
.

Meteorit Dhofar 1441 (Vollscheibe).
Achondrit, ungruppiert.


Bei dem Meteoriten handelt es sich um eine Brekzie mit Gesteins- und Mineralklasten in einer feinkörnigen Matrix. Als Gesteinsklasten liegen Basalte, Gabbros, Norite, metamorphe Pyroxen-Feldspat-Gesteine und klastische Brekzien vor. Das Material muss von einem größeren, stark differenzierten Körper stammen. Die Matrix besteht aus Pyroxen und Feldspat. Die Sauerstoffisotopen-Daten (delta 17O = 2.765, delta 18O = 5.508) liegen sehr dicht an der terrestrischen Fraktionierungslinie.

Fund 2003. Dhofar, Oman (18°26.16' N, 54°29.03' E). TKW 268 g.

Größe 42 x 32 mm, Gewicht 3,88 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.



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Literatur siehe Hauptseite Meteorite
Weitere verwendete Literatur:
Almahata Sitta: Zolensky, M.E. et al. (2009): Mineralogy of the Almahata Sitta Ureilite.- 72nd Annual Meteoritical Society Meeting, 5183
D'Orbigny: Kurat, G. et al. (2001): D'Orbigny: a new and unusual angrite.- Lunar and Planetary Science XXXII, 1753; Kurat, G. et al. (2001): D'Orbigny: a new window into angrite genesis.- Lunar and Planetary Science XXXII, 1737; Mittlefehldt, D.W.; Killgore, M. & Lee, M.T. (2002): Petrology and geochemistry of D'Orbigny, geochemistry of Sahara 99555, and the origin of angrites.- Meteoritics & Planetary Science 37, 345-369
Norton County: Handbook of Mineralogy (Cronusit)
NWA 2999: Irving et al. (2005) (http://adsabs.harvard.edu/abs/2005AGUFM.P51A0898I); Irving et al. (2007) Lunar and Planetary Science XXXVIII, 1221; Gellissen et al. (2007) Goldschmidt Conference Abstracts A315 und Gellissen et al. (2007) Lunar and Planetary Science XXXVIII, 1612
Peña Blanca Springs: Lonsdale, J.T. (1947) American Mineralogist 32, 354-364; Lodders, K. & Palme, H. (1991) Lun. Plan. Sci. L. 22, 821



© Thomas Witzke / Stollentroll


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