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Zeunerit


Formel: Cu(UO2)2(AsO4)2 · 10-12 H2O, tetragonal

Typlokalität: Walpurgis Flacher, Grube Weißer Hirsch, Schneeberg, Erzgebirge, Sachsen

Erstbeschreibung:
WEISBACH, A. (1872): Mittheilungen an Professor H.B. Geinitz, Freiberg 9. Februar 1872 (Über Zeunerit).- Neues Jahrbuch für Mineralogie, 206-208




Zeunerit in kleinen grünen Kristallen. Grube Weißer Hirsch, Schneeberg, Erzgebirge, Sachsen. Bildbreite 1,3 mm. Sammlung und Foto Thomas Witzke.



         Das Arsenat-Analogon von Torbernit

Nachdem der Albin WEISBACH, Professor für Mineralogie an der Bergakademie Freiberg, in dem großen Uranerzanbruch von 1871 auf dem Walpurgis Flachen, Grube Weißer Hirsch in Schneeberg schon Trögerit und Walpurgin als neue Minerale beschrieben hatte, kam mit dem Zeunerit ein drittes Uranmineral dazu. WEISBACH stellt das Mineral 1872 [als PDF-File (278 KB)] in einem Brief an Prof. GEINITZ vor:
"Heute vermag ich Ihnen mitzutheilen, dass erwähnter Uranglimmer ebenfalls eine neue Species darstellt, für welche von mir zu Ehren unseres gegenwärtigen Akademie-Directors der Name Zeunerit gewählt wurde. Der Zeunerit sieht dem sog. Kupfer-Uranit täuschend ähnlich, welche Ähnlichkeit sich besonders auf Glanz, Farbe, Krystallisation und Spaltung erstreckt. Auch der Z. ist nämlich grasgrün, sein Krystallsystem tetragonal und seine Spaltbarkeit vollkommen basisch; ebenso sind die Spaltungsflächen perlmutterglänzend. In der Härte findet kein Unterschied statt, nur im Gewicht, indem dasselbe annähernd zu 3,2 gefunden wurde. Die Stufen, welche davon augeblicklich in meinem Besitz sind, zeigen denselben auf eisenschüssigen Quarz oder auf okerigem Brauneisen aufsitzend, in Krystallen von theils tafelförmigem, theils pyramidalem Charakter [...]. Eine der Stufen bietet eine Druse lauter tetragonaler spitzer Pyramiden dar, kaum mit Spuren anderer Flächen, was beim sog. Kupferuranit (Torbernit) sehr grosse Seltenheit sein dürfte; die Polkanten der grössten Pyramiden messen über 4 mm. Veranlassung zur Entdeckung der Species gab übrigens der Umstand, dass dieselbe in Gesellschaft von Arseniaten erschien, die sogenannten Uranglimmer aber ja bekanntlich Phosphate sind".
Die chemische Analyse (siehe Tabelle) wurde von Hüttenmeister Dr. WINCKLER durchgeführt. WEISBACH gibt eine Formel
          
an. Die Punkte bedeuten Sauerstoff. Der Anteil an Arsen muss verdoppelt werden, da das Atomgewicht von As damals zu hoch angenommen wurde. Übertragen in die heutige Schreibweise lautet die Formel Cu3U6As4O31 · 24 H2O. Nach Abzug von "Eisenoxyd" und "Kalkerde" aus der Analyse bei WEISBACH ergibt sich ein Wassergehalt von 15.44 %. Das liegt zwischen dem theoretischen Wassergehalt von Zeunerit (16.96 %) und Metazeunerit (14.04 %). Es wird also ein teilweise entwässerter Zeunerit vorgelegen haben.
WEISBACH benannte das Mineral nach Gustav Anton Zeuner (1828-1907), Direktor der Bergakademie Freiberg.

1873 veröffentlicht WEISBACH [als PDF-File (423 KB)] eine weitere Analyse. Nach dieser Analyse kommt dem Mineral die Formel
          
zu. "Hiernach ist der Zeunerit mit dem gewöhnlichen Kupferuranglimmer (Torbernit) nicht nur chemisch analog zusammengesetzt, sondern auch mit ihm isomorph".


         Röntgenografische Untersuchungen

Generell verlieren viele höher hydratisierte aus der Gruppe der Uranglimmer relativ leicht einen Teil des Kristallwassers in Abhängigkeit von Luftfeuchtigkeit und Temperatur und wandeln sich dabei in die Meta-Formen um. BERMAN (1957) fand bei einer röntgenografischen Analyse von alten Proben von der Grube Weißer Hirsch in Schneeberg aus dem Naturhistorischen Museum Wien ein Spektrum, dass dem von voll hydratisiertem Zeunerit entspricht. Die Gitterparameter des im tetragonalen System, Raumgruppe I4/mmm, kristallisierenden Uranglimmers bestimmte er mit a = 7.18 und c = 21.06 Å. Das Mineral ist optisch einachsig negativ mit den Brechungsindizes omega = 1.610 und epsilon = 1.582. Die gemessene Dichte liegt bei 3.47 g/cm3. Damit zeigte sich, dass Zeunerit auch über mehrere Jahrzehnte stabil bleiben kann und sich nicht oder nur teilweise in Metazeunerit umwandelt.


Literatur:
BERMAN, R. (1957): Studies of uranium minerals. XXIII. Torbernite, zeunerite, and uranosphaerite.- American Mineralogist 42, 905-908

WEISBACH, A. (1871): Vorläufige Mittheilung [Über Trögerit und Walpurgin].- Neues Jahrbuch für Mineralogie, Geologie und Paläontologie, 869-870 [als PDF-File (192 KB)]

WEISBACH, A. (1872): Mittheilungen an Professor H.B. Geinitz, Freiberg 9. Februar 1872 (Über Zeunerit).- Neues Jahrbuch für Mineralogie, 206-208 [als PDF-File (278 KB)]

WEISBACH, A. (1873): Neue Uranerze von Neustädtel bei Schneeberg.- Jahrbuch für das Berg- und Hüttenwesen im Königreiche Sachsen, Abhandlungen, 119-121 [als PDF-File (423 KB)]



Chemische Analyse von Zeunerit (in Masse-%)

    Komponenten nach
  WEISBACH (1872)   
 
  Zeunerit,
  Schneeberg
  (WEISBACH, 1872)   
  Zeunerit,
  Schneeberg
  (WEISBACH, 1873)   
  Zeunerit,
  theoretische
  Zusammensetzung   
  UO3   Uranoxyd   55.6   55.9   53.89
  CuO   Kupferoxyd     8.7     7.7     7.49
  As2O5   Arsensäure   15.1   22.4   21.65
  H2O   Wasser   14.5   14.0   16.96
  Fe2O3   Eisenoxyd     5.2    
  CaO   Kalkerde     1.2    
  Summe      100.3 100.0   99.99




© Thomas Witzke / Stollentroll

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