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Minerale mit Typlokalität in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen
Gegenwärtig sind etwa 4500 verschiedene Minerale bekannt. Zur Zeit kann davon für 90 eine Typlokalität in
Sachsen, für 14 in
Thüringen und für 27 in
Sachsen-Anhalt angegeben werden.
Wesentliche Arbeiten zu den Typlokalitäten in Sachsen wurden von QUELLMALZ (1979 und 1982) geleistet, Ergänzungen und Korrekturen finden sich bei WITZKE (1992) und eine stark überarbeitete Version erschien im Jahr 2000. Eine Zusammenstellung der Erstbeschreibungen aus Sachsen-Anhalt erfolgte von WITZKE (1999). Für Thüringen fehlte eine derartige Übersicht bisher. Eine Zusammenstellung der Typlokalitäten aller Minerale geben BLACKBURN & DENNEN (1997). Alle diese genannten Arbeiten enthalten jedoch problematische Angaben, Ungenauigkeiten und Fehler, die zum Teil aus prinzipiellen Schwierigkeiten mit alten Beschreibungen resultieren, zum Teil aber auch daraus, dass nicht die (oft kaum aufzufindenden) Originalquellen verwendet, sondern auf sekundäre Referenzen zurückgegriffen wurde oder werden musste. Soweit dies möglich war, wurden für diese Zusammenstellung hier die Originalquellen verwendet. Bei den Recherchen konnten auch erste Beschreibungen oder Erwähnungen einiger Minerale erheblich weiter zurück datiert werden als dies bisher bekannt war, z.B. bei Schörl, Pyromorphit, Kermesit oder Vivianit.
Zahlreiche alte und zum Teil schwer zugängliche Originalquellen sind inzwischen über diese Seite als Acobat-PDF-Files abzurufen ( zur Literatur-Übersicht ).
Das grundlegende Problem mit alten Beschreibungen ist, was man heute als die Erstbeschreibung eines Minerals akzeptiert. Ist derjenige der Entdecker, der es als Erster erwähnt hat, der es als Erster mehr oder weniger ausführlich beschrieben hat, der die erste "richtige" chemische Analyse durchgeführt hat, oder derjenige, der dem Mineral den heute gültigen Namen verliehen hat ?
Prinzipiell gilt, dass eine Erstbeschreibung allgemein öffentlich zugänglich, also in einem Buch oder in einer Zeitschrift publiziert sein muss. Eine Erwähnung in anderer Form, z.B. in Akten oder Urkunden, ist keine Erstbeschreibung, auch wenn sie älter ist. Dies ist beim Fluorit oder Wismut der Fall. Auch unveröffentlichte Manuskripte zählen nicht als Erstbeschreibung.
Im Allgemeinen wird heute bei lange bekannten Mineralen der Autor als Entdecker geführt (bzw. sollte geführt werden), der es als Erster für eigenständig erkannt hat und eine mehr oder weniger brauchbare Beschreibung geliefert hat, unabhängig von der Benennung.
Zwischen einer Erwähnung und einer kurzen Beschreibung gibt es einen fließenden Übergang. Dies bietet natürlich Raum für unterschiedliche Auslegungen. Wie soll man im Fall einer bloßen Erwähnung eines Mineralnamens verfahren ? Ist die Erwähnung von "Koboltblüte" ohne irgend welche weiteren Angaben im Abschnitt "Wißmuth und Kobolt-Ertze" durch Johann Martin MICHAELIS von 1693 schon als Erstbeschreibung zu rechnen ? Ist die "schwartze Bech-Blende" aus den meißnischen (= sächsischen) Bergstädten bei Petrus ALBINUS 1590 die erste Beschreibung von Uraninit ? Ist das von WERNER 1817 als "fasricher Weißer Speiskobold" aufgelistete Mineral ohne irgendwelche Beschreibungen, Erläuterungen oder Vorkommen die Erstbeschreibung von Safflorit ? Ohne eine gewisse Willkür sind derartige Fragen nicht zu entscheiden und können dann auch zu unterschiedlichen Angaben von Erstbeschreibern und Typlokalitäten in der Literatur führen.
Eine reine Erwähnung wird hier nicht als Erstbeschreibung angesehen, auch wenn solche frühen Erwähnungen bei den jeweiligen Mineralen mit aufgeführt werden, soweit sie bekannt sind. Es sollte wenigstens etwas an Eigenschaften und/oder ein Fundort genannt werden. Die Auflistung der "Koboltblüte" bei MICHAELIS 1693 ist nach diesem Kriterium keine Erstbeschreibung, die "Bech-Blende" bei ALBINUS 1590 dagegen schon, denn er gibt an, dass sie schwarz ist und in den sächsischen Bergstädten vorkommt. Man muss hier auch die Entstehungszeit der Veröffentlichungen berücksichtigen. Was man für das 16. oder 17. Jahrhundert noch als akzeptable Beschreibung gelten lassen kann, wäre im 19. oder 20. Jahrhundert keine. Jedoch gibt es auch hier Ausnahmen. So enthält z.B. die Erstbeschreibung von Jordisit 1909 durch CORNU nicht viel mehr Daten als ALBINUS' Angaben von 1590 zur Pechblende.
In einigen Grenzfällen erwies es sich als sinnvoll, nicht einen, sondern zwei (oder mehr) Autoren als Erstbeschreiber anzugeben. Dies ist z.B. beim Chlorargyrit der Fall. Nachdem Georg AGRICOLA das Mineral 1530 ohne weitere Angaben lediglich erwähnt hat, führt er es 1546 merkwürdig kurz unter zwei Namen erneut an. Eine bessere Beschreibung findet sich dann 1565 bei Johannes KENTMANN und Georg FABRICIUS. Hier ist es sicher angebracht, den Begriff der Erstbeschreibung nicht zu eng zu fassen und AGRICOLA 1546, KENTMANN und FABRICIUS 1565 als Erstbeschreiber zu nennen. Ähnlich lässt sich beim Safflorit verfahren. Abraham Gottlob WERNER hat ihn 1817 als "fasricher Weißer Speiskobold" aufgelistet, jedoch ohne weitere Angaben. Er hat es zweifellos als eigenständiges Mineral erkannt, jedoch wäre es ohne Bezugnahme anderer Autoren auf WERNERs Benennung heute nicht mehr eindeutig zu identifizieren. Ebenfalls noch 1817 hat August BREITHAUPT das Mineral ausführlich beschrieben und einen Fundort genannt. Hier werden sowohl WERNER als auch BREITHAUPT als Erstbeschreiber geführt.
In vielen Fällen sind der ursprünglich vergebene und der heute akzeptierte Name nicht miteinander identisch. Die heute gültigen Namen wurden vielfach von Mineralsystematikern vergeben (z.B. HAIDINGER, DANA), die die Minerale nicht selbst untersucht und manchmal sicher auch nicht einmal selbst in den Händen hatten. Die chemische Analyse eignet sich auch nicht gut als Kriterium. Manchmal wurden neue Minerale ohne oder nur mit sehr unvollständiger chemischer Analyse beschrieben. Ein anderes Beispiel ist der Kolbeckit, dessen chemische Analyse in der Erstbeschreibung von 1926 ein völliger Fehlschlag war. Das dort als Berylliumsilicophosphat beschriebene Mineral hat sich später als Scandiumphosphat erwiesen.
Vielen der alten Beschreiber waren auch die Fundorte nicht wichtig und sie haben nur sehr ungenaue oder keine Angaben zum Vorkommen gemacht. Vermutlich sind einige der ohne Fundort beschriebenen Minerale auch sächsische Originale, aber dies ist nicht mehr nachzuvollziehen oder sicher zu belegen. Der Begriff "Typlokalität" ist relativ jung und hat in der Mineralogie erst im 20. Jahrhundert Bedeutung erlangt. Ein Großteil der Probleme rührt aus der Übertragung dieses Begriffes auf die oft viel älteren Beschreibungen her. Ein weiteres Problem ist, dass sich bei einigen Mineralen die Spur irgendwo in alter, obskurer Literatur verliert oder bei alten Beschreibungen nicht mehr sicher nachzuvollziehen ist, was eigentlich gemeint ist.
Das oben genannte Prinzip, was als Erstbeschreibung zu werten sein sollte, ist jedoch weder bei QUELLMALZ (1979 und 1982), WITZKE (1992) oder in der internationalen Zusammenstellung bei BLACKBURN & DENNEN (1997) konsequent angewendet worden. Einige der Mängel und Fehler in den genannten Publikationen sind schon bei WITZKE (2000) beseitigt oder korrigiert worden, und etliche weitere in der Zusammenstellung hier. In einigen Fällen ist aber bisher keine eindeutige Klärung möglich gewesen.
Seit Etablierung der Commission on New Minerals and Mineral Names der International Mineralogical Association (IMA) 1959 ist die Situation eindeutig. Diese Kommission entscheidet über die Anerkennung von neuen Mineralen. Mit der Anerkennung sind die Fragen der Priorität und der Typlokalität eindeutig geregelt.
Literatur
BLACKBURN, W.H. & DENNEN, W.H. (1997): Encyclopedia of Mineral Names.- The Canadian Mineralogist Special Publication 1, Ottawa
QUELLMALZ, W. (1979): "Sächsische Originale" unter den Mineralen.- Fundgrube 15, 64-82
QUELLMALZ, W. (1982): "Sächsische Originale" unter den Mineralen (Ergänzungen und Nachträge 1982).- Fundgrube 18, 100-105
WITZKE, T. (1992): Sächsische Originale unter den Mineralen.- Fundgrube 28, 176-185
WITZKE, T. (1999): Mineralerstbeschreibungen aus Sachsen-Anhalt.- Beiträge zur Mineralogie und Geologie von Sachsen-Anhalt. Aufschluss, Sonderband, 223-249
WITZKE, T. (2000): Mineralerstbeschreibungen aus Sachsen: Geschichte, Fundorte, Entdecker und Benennungen.- Tagungsband 3. Internationaler Bergbau-Workshop 04.10.-07.10.2000 Freiberg/Sachsen, 29-42
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Typlokalität in Sachsen |
Typlokalität in Thüringen |
Typlokalität in Sachsen-Anhalt |
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Annabergit
Argyrodit
Arsenolamprit
Asselbornit
Atelestit
Bergenit
Beyerit
Bismutoferrit
Brendelit
Bunsenit
Chapmanit
Chlorargyrit
Clinomimetesit
Cobaltkoritnigit
Cobaltlotharmeyerit
Cobaltneustädtelit
Cobalttsumcorit
Diaphorit
Emplektit
Erythrin
Eulytin
Ferripyrophyllit
Fluorit
Freibergit
Freieslebenit
Fritzscheit
Greifensteinit
Guerinit
Helvin
Herderit
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Hydrowoodwardit
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Lithiophorit
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Pucherit
Pyromorphit
Pyrostilpnit
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Rappoldit
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Roselit
Roselit-Beta
Safflorit
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Schneebergit
Schörl
Schumacherit
Skorodit
Sphaerocobaltit
Stephanit
Torbernit
Trögerit
Uraninit
Uranocircit
Uranopilit
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Manganit
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Ronneburgit
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Vésigniéit
Wakefieldit-(La)
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Digenit
Douglasit
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Leonit
Manganosit
Maucherit
Naumannit
Pinnoit
Plagionit
Sulfoborit
Tachyhydrit
Tischendorfit
Vanthoffit
Vivianit
Zinkenit
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