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Wismut (Bismut) Formel: Bi, trigonal Typlokalität: Grube Wismuthzeche (nahe der Grube Sankt Georg), Schneeberg, Erzgebirge, Sachsen Erstbeschreibung: G. Agricola (1546): De natura fossilium, Libri X. Buch I, S. 186 und Buch VIII, S. 339-340
Massives Wismut mit Bismutit. Schneeberg, Erzgebirge, Sachsen. Größe der Stufe 4 cm. Sammlung und Foto Thomas Witzke. Die ersten Erwähnungen Seit wann das Metall bekannt ist, lässt sich nicht genau sagen. Hinweise, dass man es schon in der Antike kannte, sind sehr unsicher. Eine Erwähnung von Wismuterz findet sich bereits bei Ulrich RÜLEIN von CALW, der als Arzt, Vermesser, Bergbausachverständiger und Astrologe in Annaberg, Freiberg und Leipzig tätig war, in seinem anonym erschienenen "Ein wolgeordnetz unnd nuczlicho büchlin wie man bergwerck suchen und erfinden sol ..." von 1505 im vierten Kapitel. Es wird hier allerdings nur als Begleiter von Silbererz genannt:
In Zusammenhang mit Blei / Saturn wird das Metall in der alchemistischen Schrift "Coelum philosophorum" von dem Alchemisten und Arzt Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt PARACELSUS (1493 - 1541) erwähnt, die jedoch erst nach dessen Tod gedruckt wurde. Jedoch auch bereits zu der Abfassung von dem Manuskript ist es seit mindestens 50 Jahren bekannt gewesen. Wismut von Schneeberg - ein Metall und Mineral Die erste Charakterisierung von Wismut als ein in der Natur vorkommendes Mineral und über eine bloße Erwähnung hinausgehende Beschreibung des Metalls stammt von Georg AGRICOLA. AGRICOLA beschreibt 1546 drei Bleiarten, ein glänzend weißes (Zinn), ein aschgraues (Wismut) und ein schwarzes (Blei). Das aschgraue ist ein Metall, daß die alten Griechen und Lateiner noch nicht gekannt haben. Die Farbe liegt zwischen der von Blei und Zinn. Es ist härter als Blei und Zinn, ist spröde und läßt sich leicht gießen. Das Metall ist schwerer als Zinn, aber leichter als Blei. AGRICOLA bezeichnet es in dem lateinischen Werk als "bisemuthum". Wismut wird in Schneeberg einer Grube gefördert, die deshalb Wismutgrube heißt. Das Metall wird zur Herstellung von Drucklettern verwendet. Nach einem sich nur M.P. nennenden Autor (1847) soll bereits ein alter Lehnbrief von 1477 eine Wismutzeche in Schneeberg erwähnen. Johann MATHESIUS schreibt in seiner Bergpostill oder Sarepta in der neunten Predigt "Vom Zin / Bley / Glet / Wismut und Spießglaß" (1562, in der Auflage von 1679): "Wismut siehet einem weißen kiß ehnlich / zuweilen ist er würflicht wie ein Markasith / lässet sich gern im feuer überwältigen / im schmeltzen menget er sich unters zin / und machet es mürb und ungestalt." Petrus ALBINUS (1589/1590) geht ausführlich in seiner Meißnischen Land- und Bergchronik [als PDF-File (996 KB)] auf das Wismut ein:
Die Herkunft des Namens Wismut Die Entstehung des Namens „Wismut“ ist unsicher. Sehr wahrscheinlich ist, dass die Bezeichnung in Schneeberg entstand. Hier gab es das Mineral sehr reichlich und mußte den Bergleuten also oft in die Hände gekommen sein. Die erste Erklärung stammt von Johann MATHESIUS (1562, in der Auflage von 1679): "Es haltens etliche dafür / weil wismut seine blüt / und mancherley farben hat / wenn es in zechen ausschlegt / und siehet weiß / braun / roth gesprencklich durch einander / es habens die alten Bergleut wismut genennet / daß es blühet wie eine schöne wiesen / darauff allerley farb blumen stehen " Dass Wismut seinen Namen nach der Ähnlichkeit mit blühenden Wiesen hat, erschein jedoch wenig wahrscheinlich. Die am häufigsten zu lesende Erklärung ist, dass das Mineral benannt wurde, weil man es auf "der Wiese mutet". Die Entstehung des Namens muß vor 1477 liegen, wenn ein Lehnbrief den Namen dann schon erwähnt. Es ist auch davon auszugehen, dass der Name dann schon einige Jahre existiert hat und eine gewisse Bekanntheit hat, denn ein ganz frisch "erfundener" Name wird ohne nähere Angaben wohl kaum in einem Lehnbrief auftauchen. Die Erklärung für den Namen trifft aber nur zu, wenn 1) Mutungen auf Wismut für die Zeit vor 1477 charakteristisch sind, um Grund für eine Benennung zu sein, 2) Mutungen in der Wiese für Schneeberg zu dieser Zeit und auch für Wismut typisch sind, und 3) ein größerer Bedarf für dieses Metall besteht, denn sonst würde keine Mutung darauf erfolgen. Es fehlen jegliche Hinweise darauf, dass Mutungen auf Wismut vor 1477 in einem Umfang erfolgten, der Anlass zu einer Benennung geben würde. Nach ALBINUS (1589/1590) ist Wismut erstmals in der Grube St. Georg gefunden worden, die jedoch sicher nicht auf Wismut, sondern auf Silber gemutet wurde. Die Funde haben dann wohl Anlass zur Mutung auf Wismut in der in der Nähe angelegten Wismutzeche gegeben. AGRICOLA spricht noch 1546 von lediglich einer Wismutgrube, wenn es viele geben würde, hätte er dies sicher erwähnt. ALBINUS erwähnt noch, dass die ebenfalls benachbarte, aber später angelegte Neue Ritterzeche ebenfalls auf Wismut gebaut wurde. Der Bezug auf die Wiesen, in der die Mutungen erfolgt sein sollen, erscheint ebenfalls fragwürdig. Wiesen dürften um Schneeberg vor 1477 in der Zeit der Entstehung des Namens wohl kaum typisch sein, vielmehr ist von einer recht waldreichen Umgebung auszugehen. Dies änderte sich dann relativ schnell mit der Intensivierung des Bergbaus. Weiterhin ist nicht nachzuvollziehen, warum Mutungen auf einer Wiese für Wismut typisch sein sollen, denn wenn das ein Grund für eine Benennung ist, müßte hier ja ein Unterschied zu anderen Mutungen bestehen, z.B. auf Silber. Mutungen erfolgen nur, wenn auch ein Bedarf für das Material vorhanden ist. Wofür hat man Wismut in dieser Zeit verwendet ? AGRICOLA (1546), der sich ausgiebig mit der medizinischen Verwendung von Mineralen beschäftigte, gibt an, dass von den drei "Bleiarten" nur das graue Blei, d.h. das eigentliche Blei eine Verwendung in der Medizin findet. Wismut wird zur Herstellung von Drucklettern verwendet, allerdings ist AGRICOLAs Werk fast 100 Jahre nach Erfindung des Buchdrucks durch GUTENBERG erschienen. Die Zusammensetzung der ersten Drucklettern ist nicht bekannt, es sollen keine erhalten geblieben sein. Die ersten Druckwerke von GUTENBERG sind zwischen 1450 und 1454 erschienen. 1470 gab es in Europa erst 17 Druckorte, 1480 bereits 121. Der Name "Wismut" ist aber bereits 1477 etabliert, und wenn das Metall damals schon für Drucklettern verwendet worden ist, dürfte der Bedarf recht gering gewesen sein. Der Bedarf und damit auch die bergbauliche Gewinnung stieg erst nach der Entstehung des Namens. Sehr viel wahrscheinlicher ist eine Ableitung von altdeutsch "wis mat" = weiße Masse. Die Bergleute sind in Schneeberg sicher mit Wismut häufig in Berührung gekommen, bevor es Mutungen darauf gegeben hat. Mit Sicherheit ist ihnen auch die hohe Dichte der weißen bis gelblichen Verwitterungsbildungen aufgefallen und sie werden versucht haben, hier etwas auszuschmelzen. Der Name könnte dann davon auf das Metall übergegangen sein. Einen Hinweis darauf gibt MATHESIUS (1562, in der Auflage von 1679): "erstlich hat man nur die wismatblühet [= Wismutblüte – T.W.] kennet / darnach hat man es auch lernen schmelzen". Fast wortwörtlich übernimmt auch ALBINUS (1589/1590) diese Angabe. Es ist deshalb davon auszugehen, dass der Name Wismut schon vor den ersten Mutungen auf auf das Metall entstanden ist. Literatur: AGRICOLA, G. (1546): De natura fossilium, Libri X. Buch I, S. 186 und Buch VIII, S. 339-340 ALBINUS, P. (1589/1590): Meißnische Land und Bergchronica.- Dresden, p. 41 und 132-133 [als PDF-File (996 KB)] M.P. (1847): Ueber den Wismuth, sein Vorkommen, seine Darstellung und Benutzung.- Allgemeine deutsche Naturhistorische Zeitung, Im Auftrage der Gesellschaft ISIS in Dresden 2, 277-287 (Autor ist vermutlich ein Markscheider Pilz aus Schneeberg) MATHESIUS, J. (1562): Sarepta oder Bergpostill sampt der Joachimßthalischen kurtzen Chroniken.- Gedruckt zu Nürnberg, durch Johann vom Berg und Ulrich Newber MATHESIUS, J. (1679): Berg-Postilla Oder Sarepta, Darinnen von allerley Bergwerck und Metallen / was ihre Eigenschafft und Natur / und wie sie zu Nutz und gut gemacht / guter Bericht gegeben / Mit lehrhaffter und tröstlicher Erklärung aller Sprüche / so in H. Schrifft von Metall reden / und wie der H. Geist in Metallen und Bergarbeit die Articul unsers Christlichen Glaubens fürgebildet ...- Freyberg, gedruckt und verlegt von Zacharias Beckern, p. 392 und 395 [digitale Version (Link zur Sächsischen Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden)] PARACELSUS (Theophrastus Bombastus von Hohenheim) (Manuskript, gedruckt erstmals 1567): Coelum philosophorum, sive, liber vexationum. RÜLEIN von CALW, U. (1505): Ein wolgeordnetz: unnd nuczlicho büchlin wie man bergwerck suchen und erfinden sol von allerlay mettal die denn die sieben planeten generieren und würcken yeglicher nach seiner natur ....-Augsburg, gedruckt von Erhart Ratdolt, p. 20 und 23 RÜLEIN von CALW, U. (1527): Ein nützlich Bergbüchlin von allen Metallen / als Golt / Silber / Zcyn / Kupfer ertz / Eisenstein / Bleyertz / und vom Quecksilber.- Gedruckt zu Erffurd / zu Johan Loersfelt [digitale Version (Link zur Sächsischen Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden)] |
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