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Tischendorfit


Formel: Pd8Hg3Se9

Typlokalität: Eskaborner Stollen, Tilkerode, Harz, Sachsen-Anhalt

Erstbeschreibung:
C.J. Stanley, A.J. Criddle, H.-J. Förster & A.C. Roberts (2002): Tischendorfite, Pd8Hg3Se9, a new mineral from Tilkerode, Harz Mountains, Germany.- Canadian Mineralogist 40, 739-745



Bei der Untersuchung der Selenid-Lagerstätte Tilkerode im Harz, Sachsen-Anhalt, fand Gerhard Tischendorf 1958 in einer Probe als Einschlüsse in Tiemannit zwei nicht identifizierte Minerale. Die Probe stammt aus dem Eskaborner Stollen, von der 60m-Sohle, 5 Meter nördlich vom Blindschacht IV. Erst 1993 und 1994 wurden beide Minerale mittels Mikrosonde untersucht. Dabei zeigte sich, dass es sich um zwei neue Minerale handelt, Ag2Pd3Se4, und Pd8Hg3Se9. Ersteres wurde 1998 als Chrisstanleyit von Hope's Nose, Torquay, Devon, England beschrieben (PAAR et al.). Das zweite Mineral konnte vollständig charakterisiert und schließlich nach Dr. Gerhard Tischendorf (geb. 1927) benannt werden.
Es bildet kleine, xenomorphe bis subidiomorphe Körner bis maximal 100 Mikrometer Durchmesser, eng verwachsen mit anderen Seleniden. Als Begleitminerale finden sich Clausthalit, Tiemannit, Chrisstanleyit, Stibiopalladinit und Gold. Das Mineral weist einen metallischen Glanz auf, ist opak und zeigt einen schwarzen Strich. Die makroskopische Farbe konnte nicht bestimmt werden. Im Auflicht ist Tischendorfit cremefarben oder schwach beige. Das Mineral zeigt keinen Pleochroismus, eine nur schwache Bireflektanz und keine Innenreflexe. Aus der Mikrosondenanalyse ergab sich als Mittelwert aus vier Messungen eine Zusammensetzung von Pd 39.4, Pt 0.1, Ag 0.1, Cu 0.2, Hg 24.9, Pb 1.4, Se 32.0, Summe 99.0 Masse-%. Daraus ergibt sich eine empirische Formel (Pd8.05Pt0.01)(Hg2.70Ag0.20Pb0.15Cu0.07)Se8.82, berechnet für 20 Atome pro Formeleinheit. Das Mineral kristallisiert orthorhombisch, als Raumgruppe kommen Pmmn, P21mn oder Pm21n in Frage. Aus den pulverdiffraktometrischen Daten wurde eine Zelle a = 7.219, b = 16.782, c = 6.467 Å, V = 783.6 Å3. Die berechnete Dichte beträgt 9.13 g/cm3 für Z = 2.
Tischendorfit wurde von der IMA anerkannt (IMA 2001-061). Typmaterial befindet sich u.a. in der Mineralogischen Sammlung der Bergakademie Freiberg.

Literatur:
PAAR, W.H.; ROBERTS, A.C.; CRIDDLE, A.J. & TOPA, D. (1998): A new mineral, chrisstanleyite, Ag2Pd3Se4, from Hope's Nose, Torquai, Devon, England.- Mineralogical Magazine 62, 257-264

STANLEY, C.J.; CRIDDLE, A.J.; FÖRSTER, H.-J. & ROBERS, A.C. (2002): Tischendorfite, Pd8Hg3Se9, a new mineral from Tilkerode, Harz Mountains, Germany.- Canadian Mineralogist 40, 739-745




© Thomas Witzke / Stollentroll

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