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Stephanit Formel: Ag5SbS4, orthorhombisch Typlokalität: Freiberg, Schneeberg und Johanngeorgenstadt, Erzgebirge, Sachsen; St. Andreasberg, Niedersachsen (Deutschland); Pribram und Jachymov, Böhmen (Tschechische Republik); Zacatecas (Mexico) und andere Erstbeschreibung: F. Mohs (1824): Grundriss der Mineralogie, Band II, p. 587 (als "prismatischer Melanglanz") W. Haidinger (1845): Handbuch der bestimmenden Mineralogie.- Wien, Braumüller & Seidel, p. 472 (als "Stephanit")
Stephanit. Grube Gesegnete Bergmannshoffnung, Obergruna bei Freiberg, Erzgebirge, Sachsen. Größe der Stufe 2,5 cm. Sammlung und Foto Thomas Witzke. Stephanit gehört zu den Mineralen, die auf Grund ihres Silbergehaltes schon sehr lange bekannt sind und von den Bergleuten gesucht worden. Unter den alten Beschreibungen verbergen sich jedoch mehrere Minerale, die wir heute als Stephanit, Polybasit und Pearceit (und vielleicht noch einige weitere seltene) kennen. Mit den damaligen Methoden ist auf Grund der ähnlichen Kristallform der drei Minerale und der ähnlichen chemischen Zusammensetzung von Stephanit und Polybasit eine Unterscheidung auch kaum möglich gewesen. Die ersten Beschreibungen: mehrere ähnliche Minerale Bei Georg AGRICOLA (1646) dürfte der Stephanit mit unter dem "argentum rude nigrum" zu finden sein. Johannes KENTMANN (1565) führt ein "argentum nigri coloris", aber ohne nähere Beschreibung. Er erwähnt lediglich eine Stufe, auf der es wie "Cypressen" gewachsen sei. Johan Gottschalk WALLERIUS (1847) hat in seinem Mineralsystem "Argentum sulphure arsenico cupro & ferro mineralisatum, minera nigra vel fuliginea". Bei Carl von LINNÉ (1748) findet es sich bei den Silbererzen als "ARGENTUM obscurum. schwarz Erz." Als Vorkommen wird nur allgemein Deutschland genannt. Nur kurz wird es bei Axel von CRONSTEDT (1758, in der Übersetzung von BRÜNNICH, 1770) erwähnt: "Schwarzgülden. Ist von einer schwarzen oder rußigen Farbe; daher es von den Deutschen Silberschwärze, oder rußiges Erz genennet wird." Sprödglaserz, Sprödglanzerz WERNER & HOFFMANN führen 1789 in dem Mineralsystem ein "Spröd-Glaserz" auf, jedoch ohne weitere Charakterisierung oder Fundorte. Martin Heinrich KLAPROTH analysierte 1795 einige Silbererze, darunter auch das "Sprödglaserz":
Eine ausführliche Beschreibung des Spröd-Glanzerzes gibt Friedrich MOHS 1804 in seinem Katalog der Sammlung des Herrn Jacob Friedrich von der Null:
1818 untersuchte Rudolph BRANDES ein "Spödglanzerz" von der Grube Neuer Morgenstern bei Freiberg. Das Material hatte er von BREITHAUPT bekommen. Er findet in dem Material kein Antimon, statt dessen einige Prozente Arsen, außerdem einen deutlichen Kupfergehalt. Auch wenn der Arsengehalt zu niedrig ist, wird deutlich, dass ihm kein Stephanit sondern Pearceit vorgelegen hat. prismatischer Melanglanz: die erste eindeutige Beschreibung Die erste eindeutige Charakterisierung des heute als Stephanit bekannten Minerals findet sich bei Friedrich MOHS 1824 unter dem Namen "prismatischer Melanglanz". Nach Kristallvermessungen kommt er zu dem Ergebnis, dass das Mineral orthorhombisch kristallisiert. MOHS gibt mehrere Formen und auch das Achsenabschnittsverhältnis an. Die Härte bestimmte er mit 2 - 2.5, die Dichte zu 6.269, das Mineral weist eine eisenschwarze Farbe und einen ebensolchen Strich auf. Bei der chemischen Zusammensetzung bezieht sich MOHS auf die Analyse von KLAPROTH. Zm Vorkommen schreibt MOHS:
Carl Caesar von LEONHARD verwendet wieder den Begriff "Schwarzgültigerz" und gibt als Synnonyme "Spröd-Glanzerz, Spröd-Glaserz, Röschgewächs, Röscherz, prismatischer Melanglanz" an. Bei der Beschreibung der Kristallformen und Symmetrie bezieht er sich auf MOHS. Zur chemischen Zusammensetzung gibt LEONHARD die Analysen von KLAPROTH und BRANDES an und schreibt dazu: "Die Genauigkeit der KLAPROTH'schen Zerlegung ist zweifelhaft; nach den vorläufigen Versuchen von BERZELIUS besteht die Substanz aus Schwefel-Silber und Arsenik-Silber; Antimon enthält dieselbe nicht." Auch betrachtet er das "Schilf-Glaserz" von FREIESLEBEN (= Freieslebenit) als wohl identisch mit dem Schwarzgültigerz. 1829 untersuchte Heinrich ROSE ein Sprödglaserz von Schemnitz (heute Banska Stiavnica, Slovakei), dessen Charakteristik völlig mit der Beschreibung des prismatischen Melanglanzes durch MOHS übereinstimmte. ROSE bestätigte im wesentlichen die damals schon über 30 Jahre alte Analyse von KLAPROTH und seine Daten liegen recht dicht an der theoretischen Zusammensetzung für das Mineral. Stephanit Die heutige Bezeichnung Stephanit wurde 1845 von Haidinger gewählt: Auf der einer alten Spezies beigelegten neuen Namen wünsche ich hier noch besonders die Aufmerksamkeit der Mineralogen festzuhalten. Es ist der Name Stephanit, Seiner kaiserlichen Hoheitunserem durchlauchtigstem ERZHERZOG STEPHAN geweiht, für den prismatischen Melanglanz von MOHS, einen Theil des WERNERischen Sprödglaserzes. die Spezies besitz zusammengesetzte Namen, Trivialnamen genug, aber keinen einzelnen spezifischen Namen, ausser dem BEUDANTischen Psaturose, den wir Deutsche doch nicht als gut bezeichnen können. Wenn ich aber insbesondere diese schöne, und in unserem eigenen Lande sogar technisch wichtige Spezies für den Namen wählen durfte, so glaube ich, mir dazu durch die vor mehr als zwanzig Jahren vollendete krystallographische Bestimmung derselbenwie sie in MOHS Werken enthalten ist, einigen Anspruch erworben zu haben, und ich wünsche dabei die Erinnerung an die Fundorte ausgezeichneter Krystalle, Przibram und Ratiborzitz, festzuhalten, in dem Lande, das eben jezt den hohen, kenntnisreichen Gönner als seinen Chef verehrt." Literatur: BRANDES, R. (1818): Chemische Untersuchung des Sprödglanzerzes von der Grube Neuer Morgenstern bei Freiberg und des Kupferglanzerzes aus Sibirien.- Journ. Chem. Phys. 22, 344-361 BRÜNNICH, (1770): Cronstedts Versuch einer Mineralogie. Vermehret durch Brünnich.- Copenhagen und Leipzig, C.G. Probst und Rothens Erben, p. 188 CRONSTEDT, A. von [das Buch ist anonym ohne Verfasserangabe erschienen] (1758): Försök til Mineralogie eller Mineral Rikets Upställning.- Stockholm GOLDSCHMIDT, V. (1020): Atlas der Krystallformen.- Heidelberg, Carl Winters Universitätsbuchhandlung, Band VI, Tafel 12 u. 13 HAIDINGER, W. (1845): HAndbuch der Mineralogie, enthaltend die Terminologie, Systematik, Nomenklatur und Charakteristik der Naturgeschichte des Mineralreiches.- Wien, bei Braumüller & Seidel, p. 472 und 570 KENTMANN, J. (1565) Nomenclaturae Rerum fossilium, que in Misnia praecipue, & in alijs quoque regionibus inueninuntur.- Tiguri (Zürich), p. 61. In: GESNER, C. (1565): De omni rerum fossilium genere, gemmis, lapidibus metallis, et huiusmodi, libri aliquot, plerique nunc primum editi.- Tiguri KLAPROTH, M.H. (1795): Chemische Untersuchung der Silbererze. Vierter Abschnitt. Sprödes Silberglanzerz.- Beiträge zur chemischen Kenntnis der Mineralkörper 1, 162-166 [als PDF-File (externer Link zu Google Books)] LEONHARD, C.C. von (1826): Handbuch der Oryktognosie.- Heidelberg, bei J.C.B. Mohr, 2. Aufl., p. 638-640 [als PDF-File (externer Link zu Google Books)] LINNÉ, C. (1748): Systema Naturæ sistens regna tria naturæ, in classes et ordines, genera et species, redacta tabulisque æneis illustrata.- Lipsiæ, Godofr. Kiesewetteri MOHS, F. (1804): Des Herrn JAC. FRIED. VON DER NULL Mineralienkabinett, nach einem, durchaus auf äussere Kennzeichen gegründeten Systeme geordnet, beschrieben, und durch Hinzuthuung vieler, dem gegenwärtigen Zustande der Mineralogie angemessener, erläuternder Anmerkungen und nöthiger Berichtigungen, als Handbuch der Oryctognosie brauchbar gemacht.- Wien, p. 160-168 [als PDF-File (externer Link zu Google Books)] MOHS, F. (1824): Prismatischer Melan-Glanz.- Grundriss der Mineralogie, Vol. II, p. 587-591 ROSE, H. (1829): Ueber die in der Natur vorkommenden nicht oxydirten Verbindungen des Antimons und des Arseniks.- Poggendorffs Annalen der Physik und Chemie 15, 451-476 WERNER, A.G. & HOFFMANN, C.A.S. (1789): Mineralsystem des Herrn Inspektor Werners mit dessen Erlaubnis herausgegeben von C.A.S. Hoffmann.- Bergmännisches Journal 2, Band 1, 369-398
Stephanit-Kristalle. Freiberg, Erzgebirge, Sachsen. Größe der Stufe 1,2 cm. Sammlung und Foto Thomas Witzke. Chemische Analyse von Stephanit (in Masse-%)
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