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Sphaerocobaltit


Formel: CoCO3, trigonal

Typlokalität: Adam Heber Flacher, Grube Daniel, Schneeberg, Erzgebirge, Sachsen

Erstbeschreibung:
WEISBACH, A. (1877): Mineralogische Mittheilungen. I. Walpurgin, II. Zeunerit und Uranospinit, III. Uranocircit, IV. Bismutosphärit, V. Roselith, VI. Kobaltspath.- Jahrbuch für das Berg- und Hüttenwesen im Königreiche Sachsen, Abhandlungen, p. 42-53




Kleine Kristalle von Sphaerocobaltit. Grube Daniel, Schneeberg, Erzgebirge, Sachsen. Bildbreite 1,3 mm. Sammlung und Foto Thomas Witzke.


 
           Cobaltcarbonat von Schneeberg

Albin WEISBACH, Professor für Mineralogie an der Bergakademie Freiberg, konnte 1877 ein neues Cobaltmineral aus Schneeberg beschreiben [als PDF-File]:
"Schon seit Jahrzehnten kennt man kobalthaltige und desshalb schönrothe (pfirsichblüthrothe) Kalkspäthe, so von Schneeberg (Sidonie Sp., Adam Heber Fl.), hier theils krystallisirt in flachen Rhomboëdern [....]. Doch ist in diesen Calciten und Dolomiten der Kobaltgehalt ein nur geringer, wie man aus dem ferblosen Strich und den niedrigen Dichtigkeiten schliessen darf, denn während für Calcit und Dolomit die Normalgewichte 2,72 bez. 2,89 gelten, fand Breithaupt für die rothen Schneeberger Kalkspäthe 2,73 bis 2,83 [....]. In Gesellschaft des Roselith neuen Vorkommens finden sich nun in sparsamer Menge Sphäroide von äusserlich schwarzem sammetartigen Ansehen, innerlich aber von erythrinrother Farbe, welche das hohe Eigengewicht 4,02 bis 4,13 (22° Cels.) ergaben, also das der gleichfarbigen Kobaltblüthe (3,00) und auch des Roselith (3,56) merklich übersteigen. Dieses Ergebnis veranlasste mich, davon Herrn Bergrath Winkler Mittheilung zu machen, welcher alsbald eine Analyse ausführte und den Körper als Kobaltcarbonat erkannte. Gedachte Sphäroide liefern einen pfirsichblüthrothen Strich, sind von der Härte des Flussspaths, zeigen im Bruch grobstrahlige Structur [....]. Betrachtet man die kuglige Oberfläche unter dem Mikroskop, so ergiebt sich eine Zusammensetzung derselben aus lauter kleinen Kryställchen, deren freie Enden die Combination eines flachen Rhomboëders und der Basis darstellen [....]."
Nach der chemischen Analyse von Clemes WINKLER gibt WEISBACH die Formel des Minerals als "CoCO3" an. Weiter schreibt er:
"Für diesen unsern Kobaltspath würde sich entsprechend den Benennungen Calcit, Magnesit, Siderit der Name Cobaltit als internationaler empfehlen, wenn nicht für den Glanzkobalt der Beudant’sche „Cobaltin“ allgemein Eingang gefunden hätte; deshalb glaube ich der mit Sphärosiderit conformen Benennung „Sphärocobaltit“ den Vorzug geben zu müssen".


           Die Typlokalität von Sphaerocobaltit

In welcher Gruber der "Roselith neuen Vorkommens" gefunden wurde, mit dem der Sphaerocobaltit zusammen auftrat, erwähnt WEISBACH in seiner Beschreibung von 1877 nicht. Er verweist jedoch auf seine Arbeit von 1874 [als PDF-File], in der eben dieses Vorkommen von Roselit genauer beschrieben und der exakte Fundort genannt wird:
"im September erhielt ich nun von Herrn Bergverwalter Tröger in Neustädtel 2 Stufen zugeschickt mit der Bemerkung, daß nachdem seit Jahren in seinen Gruben auf Roselith gefahndet worden, er denselben nun endlich doch in einer neulich aufgeschlossenen Druse des Adam Heber Flachen der Grube Daniel gefunden zu haben vermuthe."

In der Mineralogischen Sammlung der TU Bergakademie Freiberg (Nr. 15183) befindet sich eine 7 cm große Stufe mit Sphaerocobaltit- und Roselit-Kristallen, die WEISBACH 1877 erhielt und die als das Typexemplar anzusehen ist.


           Kristallografische Untersuchung

Eine Einkristall-Strukturanalyse an Sphaerocobaltit wurde von PERTLIK 1986 publiziert. Für die rhomboedrische Zelle mit der Raumgruppe R-3c fand er a = 4.6618 und c = 14.963 Å. Für die Untersuchungen wurde synthetisches Material verwendet.


           Cobaltocalcit oder Sphaerocobaltit ?

1951 benennen Charles PALACHE, Harry BERMAN & Clifford FRONDEL das Mineral um in Cobaltocalcit. Sie fanden den bisherigen Namen unzureichend, da er eine Beziehung zu Cobaltit suggeriert und die Bezeichnung nach den sphärischen Aggregaten für eine Spezies nicht passend sein. Erst 1980 wurde durch die Commission on New Minerals and Mineral Names der International Mineralogical Association der Name Cobaltocalcit gestrichen und "spherocobaltite" als gültiger Name etabliert. Im deutschsprachigen Raum ist die Schreibweise Sphaerocobaltit oder Sphärocobaltit verbreitet.

Die Bezeichnung Cobaltcalcit oder Cobaltocalcit bzw. Varianten davon sind auch für Cobalt-haltigen Calcit verwendet worden und haben so zu Verwechselungen geführt. Generell sind dunkelrosa bis roter Cobalt-haltiger Calcit oder Dolomit (DOUGLASS, 1999), z.B. aus Katanga, DR Congo (ehemals Zaïre) visuell schwer oder nicht von Sphaerocobaltit zu unterscheiden.



Chemische Analyse von Sphaerocobaltit (in Masse-%)

    Komponenten
  nach WINKLER in
  WEISBACH, 1877   
  Sphärocobaltit,
  Schneeberg
  (WEISBACH, 1877) 1)   
  Sphaerocobaltit,
  theoretische
  Zusammensetzung    
  CoO   Kobaltoxydul   58.86   63.00
  CaO   Kalkerde     1.80  
  Fe2O3   Eisenoxyd     3.41  
  CO2   Kohlensäure   34.65   37.00
  H2O   Wasser     1.22  
  Summe         99.94 100.00

1) Analyse von WINKLER


Literatur:
DOUGLASS, D.L. (1999): Cobaltoan Calcites and Dolomites from Katanga.- Mineralogical Record 30, 269-273

International Mineralogical Association, Commission on New Minerals and Mineral Names (1980): (Report).- Mineralogical Magazine 43, 1053-1055

PALACHE, C.; BERMAN, H. & FRONDEL, C. (1951): The System of Mineralogy of James Dwight Dana and Edward Salisbury Dana, Volume II.- New York, London, Sydney, John Wiley and Sons, 7th edition, p. 175-176

PERTLIK, F. (1986): Structures of hydrothermally synthesized cobalt(II) carbonate and nickel(II) carbonate.- Acta Crystallographica C42, 4–5

WEISBACH, A. (1874): Roselith.- Jahrbuch für das Berg- und Hüttenwesen im Königreiche Sachsen, 252-254 [als PDF-File]

WEISBACH, A. (1877): Mineralogische Mittheilungen. I. Walpurgin, II. Zeunerit und Uranospinit, III. Uranocircit, IV. Bismutosphärit, V. Roselith, VI. Kobaltspath.- Jahrbuch für das Berg- und Hüttenwesen im Königreiche Sachsen, Abhandlungen, p. 42-53 [als PDF-File]




© Thomas Witzke / Stollentroll

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