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Schörl


Formel: NaFe2+3Al6(BO3)3(Si6O18)(OH)4, trigonal

Typlokalität: sächsisches und böhmisches Erzgebirge, speziell Ehrenfriedersdorf, Geyer, Altenberg und die Gegend um Schneeberg (Erzgebirge) sowie Horní Slávkov, Nejdek, Horní Platna, Pernink, Černá Voda und Komáří hurku (Böhmen)

Erstbeschreibung:
RÜLEIN VON CALW, U. (1505): Ein wolgeordnetz: unnd nuczlicho büchlin wie man bergwerck suchen und erfinden sol von allerlay mettal die denn die sieben planeten generieren und würcken yeglicher nach seiner natur ....-Augsburg, gedruckt von Erhart Ratdolt, p. 28
     (erste Erwähnung als "Schörlein")
MATHESIUS, J. (1562): Sarepta oder Bergpostill sampt der Joachimßthalischen kurtzen Chroniken.- Gedruckt zu Nürnberg, durch Johann vom Berg und Ulrich Newber, 233 p.
     (als "Schürl")





          Die erste Erwähnung 1505

Die bisher bekannte älteste Erwähnung von Schörl stammt von dem in Annaberg, Freiberg und Leipzig tätigen Arzt, Vermesser, Bergbausachverständigen und Astrologen Ulrich RÜLEIN VON CALW in seinem anonym erschienenen "Ein wolgeordnetz unnd nuczlicho büchlin wie man bergwerck suchen und erfinden sol ..." von 1505. Im fünften Kapitel "von dem gold ärcz" erwähnt er, dass in den Flüssen, wo "grobspießiger" Schörl vorkommt, kaum Gold zu finden ist. Im sechsten Kapitel "von dem zynärcz" geht er auf den "Zwitter", ein Zinnerz, ein, der dem Schörl ähnlich sieht. Zu entnehmen ist, dass Zinnerz und Schörl zusammen in Flüssen vorkommen:
"Auch wo in dem fließ oder nach be schorlein körner die von gedichten, und subtilen spiß seind erfunden werden darvon nicht weit ist das golt werck aber die körner müessent sein von subtiler speiß dann wo grob spissig schörlein erfunden werden alda ist wenig zu hoffen des besten und subtilisten mettal geschickt als des goldes. [...]
Item ein tail des zwyters wirt geboren in dem flyeß wie yecz unt oben berürt ist von den gold das in dem flyeß gewürkt wirt und wirt etzliches gewaschen großkörnig dein schörlein gleich unn daraus wirt das schönste unn peste zyn das man nendt saiffen zyn wann seine materie wirt gar rain geleutert ..."
In leicht veränderter Schreibweise findet es sich in einer Ausgabe "Ein nützlich Bergbüchlin ..." von 1527 in dem Kapitel "von dem zcynertz":
"Item / ein teil des zwitters wird geboren ynn dem flies / wie ietzund oben berürt ist von dem gold / das ynn dem flies gewirckt wird / und wird etlichs gewaschen / gros körnig / den schorlin gleich / unn darus wird dz schönste unn beste tzin / dz man nennet saiphen tzyn / denn seine materie wird gar reyn geleutert ..."
Vorkommen nennt RÜLEIN VON CALW zu keinem der Erze oder Metalle, jedoch erwähnt er bei den Silbererzen, dass er sein Buch auf das Fürstentum Meißen bezieht: "doch die weil dise land zu meyssen in welchem dises büchlein von den ärcz kurczlichen begriffen ist welche landt mit allen mettallischen ärcz begabt ..."


          Die Herkunft der Bezeichnung "Schörl"

Eine ausführliche Diskussion der Etymologie des Wortes "Schörl" wird von ERTL (2006) gegeben. Danach erfolgte die Besiedlung des westlichen Erzgebirges im 12. Jahrhundert durch Bauern aus Franken, der Main-Gegend und Thüringen, während die eigentlichen Waldgebiete zunächst durch Bergleute aus dem Fichtelgebirge erschlossen wurden. Sie bauten die Zinnseifen im Gebiet Neustädtel, Zschorlau, Sosa, Bockau, Eibenstock, Gottesgab, Seiffen, Platten, Bärringen, Hirschenstand, Neuhammer und Neudeck ab. Neben Zinnstein (Cassiterit) fanden sie in den Schwermineralkonzentraten dabei auch Schörl, Wolframit und andere Minerale.
Das zwischen dem Namen Schörl und der Ortschaft Zschorlau eine Beziehung besteht, wurde erstmals von HOFFMANN (1811) angenommen. Er vertrat die Ansicht, dass der Ort seinen Namen nach dem schwarzen Turmalin erhalten hat. Nach ERTL (2006, und Quellen darin) wurde der Ort wahrscheinlich im 13. Jahrhundert gegründet. Vor 1400 waren die Namen Schorl, Schorla (-e, -o) in Gebrauch. ERTL geht davon aus, dass die Bezeichnung "Schorl" für das Mineral deshalb ebenfalls bereits vor 1400 existierte. Eine Ableitung von dem alten Wort "Schor" = Abraum, Unreines, Auswurf, Abfall (LEONHARD, 1826, ERTL, 2006) wird angenommen. Der schwarze Turmalin, der im abgerollten Zustand dem Zinnstein ähnlich sieht (siehe RÜLEIN VON CALW, 1505), täuschte ein wertvolles Erz vor, ohne aber ein ausschmelzbares Metall zu enthalten, und musste von dem Zinnerz vor der Verhüttung abgetrennt werden.
Das Althochdeutsche Wörterbuch (KÖBLER, 1993) kennt allerdings kein "Schor" oder ähnliches Wort in dieser Bedeutung, ebenso verlief die Suche in dem Neuhochdeutsch-Althochdeutschen Wörterbuch ohne Ergebnis. Im mittelhochdeutschen gibt es "schor" = Schaufel oder Spaten (abgeleitet von althochdeutsch "scora" mit der gleichen Bedeutung) bzw. = mit der Schaufel arbeiten, stoßen, schieben, fortschieben, zusammenscharren. Da es sich um Seifenvorkommen handelte, erscheint eine Ableitung davon möglich. Den gleichen Stamm weist "schür" = stoßen, schieben, ausstoßen, aussondern, auf (Mittelhochdeutsche Wörterbücher, online). Auch das althochdeutsche Wort "skorro" oder "scorro" = Klippe, Felsvorsprung bzw. mittelhochdeutsch "schor" oder "schorre" = Felszacke, hohes felsiges Ufer (KÖBLER, 1993) kommt als Wurzel für den Ortsnamen bzw. den Schörl in Frage.


          Schörl in der "Sarepta" von Mathesius

1562 erschien die erste Auflage der "Sarepta oder Bergpostill" von Johannes MATHESIUS, eine Sammlung von 16 Predigten, die zwischen 1552 und 1562 entstanden. MATHESIUS (1504-1565), wirkte nach Studien in Wittenberg und anderen Orten als lutherischer Prediger und Pfarrer in Joachimsthal (Jachymov). Sein Interesse galt speziell dem Bergbau und er besaß auch eine Mineralsammlung. In den Predigten in der "Sarepta oder Bergpostill" verband er christliche Inhalte und moralische Ermahnungen mit praktischen mineralogischen, geologischen, bergmännischen und aufbereitungstechnischen Kenntnissen. In seiner 1559 entstandenen IX. Predigt "Vom Zin / Bley / Glet / Wismut und Spießglaß" geht MATHESIUS auch auf den "schürl" ein. Er erwähnt hier, dass das Mineral schwarz ist, dem Zwitter (ursprünglich wohl Bezeichnung für den Zinnstein, dann auf Zinnstein-haltiges Erz bzw. Gestein übergegangen) ähnlich sieht und gemeinsam mit ihm vorkommt. Gelangt der Schörl zusammen mit den Zinnstein in den Brennofen, entsteht viel Schlacke und das Zinn wird hart und fleckig weiß. MATHESIUS erwähnt nicht explizit Vorkommen von Schörl, jedoch mehrere für den Zinnstein. Nach ERTL können diese Zinnlagerstätten auf Grund des gemeinsamen Auftretens und da Zinnstein auch gemeinsam mit Schörl in den Brennofen gelangt, als Fundorte und somit heute auch als Typlokalitäten betrachtet werden.
MATHESIUS schreibt:
"Nun kommen wir wieder zum zin / oder zwitter bergwerck / darvon wir den jungen leuten / so es selber nicht gesehen / einen kurtzen bericht thun wollen / was zwitter sey / und wie es breche / und was für falsch ding drinnen und darnach breche [...]. Englisch zyn ist zu unseren zeiten das berühmteste und schönste gewesen / darnach die seiffen und hengster zin / Erbardorff / Geyer / Altenberg haben auch bey mannes gedencken trefflich geschüt / wie Schlackewalde noch ein mächtig zwitter bergwerck ist [...]. Neideck / Plat / Perlinger / da man auch den feilstein in tag fletzen findet und des seiffens am schwartzwasser / muß ich auch gedencken / als unser nachbarn / umb der zin seiffen willen die an diesen orten mächtig seyn. Solche zin bergwerck aber haben eins theils streichende gänge / welche zwar allein nichts sonders thun / es fallen denn geschick oder gefert darzu / wie in der rothen gruben auffm hengst / da der gang an ihm selber kaum einer donnen oder bret breit ist / und wirft doch einen bauch in die vier lachter. Andere bergwerck haben ihre gantze stöck / wie die hube zu Schlackenwalde und Geyer / darauff einer gewerckschafft 14 lachter ins gefirde in ewige teuff seiger gericht verliehen werden / am Schwarzwasser hinter dem Spitzberg / trifft man auch fletz oder werck unter dem modt einer eln oder zwo dick / darüber die Bergleute disputirn / ob es durch die Sündfluth und grossen wolckenbrüchen / von den gängen und stöcken abgewaschen / und zusammen geschoben ist / oder ob es geschaffne fletz seyn. [...]
In solchen seiffen findet man auch offt goldflitzschen und goldkörner / wie in den forenbächen / wie man auch umb den Schneeberg / grüne und weisse / zingräuplein gewaschen hat / sonst ist der zinstein gemeiniglich schwartz / braun oder gilblicht. [...] Seiffenwerck oder geschübe geben offt anleitung wo zwittergänge auszurichten seyn / geschübe heist man ein gediegen zingraupe / oder reiche zwitterstuffe / die von einem mächtigen gang oder stock am tag durch starcke wasser abgestossen oder abgerissen ist / [...] ich hab vom Muckenberg nicht fern von der Gottesgabe / ein gediegen zingraupe gesehen / so groß als ein menschen haupt. [...]
Wenn nun die genge ausgericht und beritten seyn / da gehören bergverständige leute zu / die sichern / probiren / und guten zwitter von falschen unterscheiden können / denn der zwitter bricht selten rein und allein. Es ist eine schwartze bergart / schürl genant / siehet dem zwitter ehnlich / die ist auch schwartz / bißweilen mild und leucht / und im wasser flüchtig / offtmals ist sie auch schwer und feste / daß sie unterm zinstein sitzen bleibet / daß man sie im brennofen mit schaden des zwitters teuben muß / denn sie reubet im feuer / und giebt viel schlacken / und macht das zin hart und weißflecket."
(aus der 9. Auflage der Sarepta von 1679, die Auflage von 1562 bei ERTL zitiert nur mit minimalen Abweichungen in der Schreibweise). MATHESIUS erwähnt hier die Orte "Erbarsdorff" (heute Ehrenfriedersdorf), "Geyer", "Altenberg", "Schlackewalde" (heute Horní Slávkov, Böhmen), "Neideck" (heute Nejdek, Böhmen), "Plat" (heute Horní Platna, Böhmen), "Perlinger" (heute Pernink, Böhmen), "Schwartzwasser hinter dem Spitzberg" (heute Černá Voda, Böhmen), "Schneberg" (Zschorlau ist ein Nachbarort), und "Muckenberg" (heute Komáří hurku, Böhmen). ERTL geht davon aus, dass man diese Orte als die Typlokalitäten von Schörl ansehen kann.


          Weitere frühe Erwähnungen von Schörl

Georg FABRICIUS 1565 erwähnt unter dem "Plumbum candidum" (das ist Zinn) lediglich "Schurel od. Schörle", macht aber keine weiteren Angaben dazu.
Johannes KENTMANN (1565) geht in dem Katalog seiner Mineralsammlung etwas ausführlicher auf den Schörl ein. Unter dem "Plumbum candidum" schreibt er
"43. Lapilli nigri steriles, similes forma & colore lapillis nigris proiectis. Quando cum lapillis plumbi candidi coquuntur, plumbum consumunt: & quod remanet, indurescit, & maculis dedecoratur. Schrul / raubt im feuwr das zin / macht es spröde unnd fleckicht."
ERTL (2006) geht davon aus, dass "Schrul" hier ein Druckfehler ist und "Schurl" heißen soll.
Auch Petrus ALBINUS (1589/1590) erwähnt in seiner Meißnischen Land- und Bergchronica den "Schürl". Gegenüber MATHESIUS oder KENTMANN finden sich jedoch keine zusätzlichen Angaben.

In einem Probierbüchlein geht Modestin FACHS 1622 auf das probieren von "Schirrelkörnern" auf Gold ein, gibt aber keine Beschreibung der Körner.


          Schörl, ein Turmalin

GARMANN berichtet 1707, dass holländische Händler 1703 einen von Ceylon (heute Sri Lanka) stammenden, Turmalin oder Turmale genannten Edelstein nach Holland brachten, der die Eigenschaft habe, auf heißer Kohle die Asche wie ein Magnet an sich zu ziehen, aber auch abzustoßen, und deshalb auch "Aschentrecker" genannt wurde. Diese besondere Eigenschaft wurde zuerst von LEMERY 1717 als eine elektrische Kraft angesprochen. Er bezeichnete das Mineral deshalb als "Lapis electricus".
Ausführlich beschäftigt sich Franz Ulrich Theodosius AEPINUS (1756) mit den elektrischen Eigenschaften des Turmalins von Ceylon und beschreibt die positive und negative Elektrizität des Minerals.

Johan Gottschalck WALLERIUS beschreibt den Schörl 1747 in seinem Buch "Mineralogia, eller Mineralriket" unter der lateinischen Bezeichnung "Corneus crystallisatus prismaticus lateribus inordinatus" und dem schwedischen Namen "skjörl".

In seinem "Systema Naturae" von 1748 führt Carl von LINNÉ den Schörl als eine Art unter dem "Stannum" (= Zinn) an:
"Stannum crystallis columnaribus nigris. (Skiörl.) [...]
Constat crystallo columnari oblonges, lateribus rectis saepe striatis hinc figura naturalis difficile extricatur. Possideo unicam crystallum, lateribus omnibus perfectam (Tab. 7. f. 18.) figure fere nitri, sed prismate enneaedro, lateribus tribus inter se æqualibus semper latioribus, spicibus vero omnibus obtuse triquetris ex rhombis."
Seine Zeichnung eines Schörl-Kristalls ist vermutlich die erste publizierte von diesem Mineral. Den roten Turmalin von Ceylon erwähnt LINNÉ in dieser Auflage nicht.

Axel von CRONSTEDT (1758, in der Übersetzung von BRÜNNICH, 1770) kennt unter "Basalt. Säulenstein [...] schw. Schörl." eine Reihe von Mineralen (und Gesteinen), die aber nur teilweise dem Schörl oder Turmalin entsprechen. Soweit es sich erkennen lässt, sind auch verschiedene Hornblenden, Staurolit und das Gestein Basalt damit gemeint. Die Beschreibung ist recht allgemein gehalten und enthält kaum charakteristische Daten. Auf den Turmalin von Ceylon wird an anderer Stelle eingegangen.

Carl von LINNÉ schreibt in seinem Systema Naturae von 1770 unter den "Minerae. Salia. Borax" den "Basaltes. Skioerl. 3. BORAX lapidosus columnaris politus, pyramidibus triquetris" und den "Electricus. 4. BORAX diaphanus subopacus purpureus maxime electricus" unmittelbar nacheinander und gibt auch an, dass BERGMAN eine Beziehung zwischen beiden annimmt. Erstere Art charakterisiert er:
"Crystallus perfecta rarius occurit vel difficulter extricatur. Prisma 6-s. 4-s. 9-edrum: hoc Planis tribus alternis aut tertiis latioribus, politum. Pyramis obtuse triquetra e Planis rhombeis. Continet saepe ferrum; interdum Stannum aut Plumbum; interdum sterile est solo ferrum."
Für die zweite Art gibt er die Synonyme "Lapis electricus", "Ascendrecker, Trip, Tourmalin" an und geht auf die elektrischen Eigenschaften ein.

Jean Baptiste Louis de ROMÉ DE L'ISLE befasst sich 1772 mit den Kristallformen von schwarzem Schörl und von farbigem Turmalin und kommt zu dem Ergebnis, dass beide einander entsprechen. Beide Minerale kommen in prismatischen Kristallen mit sechseckigem Querschnitt vor.

WERNER & HOFFMANN führen in dem Mineralsystem von 1789 unter dem Geschlecht "Kieselarten" die Gattung "Schörl" mit den Arten "schwarzer Schörl" und "elektrischer Schörl (Turmalin)", geben aber keine weitere Beschreibung. Ähnliche Bezeichnungen finden sich bei Johann Georg LENZ 1800. Er unterscheidet unter der Gattung Schörl zwei Arten: "Schwarzer Stangenschörl. Silex Scorlus niger" und "Electrischer Stangenschörl". Unter letzterem werden die braunen, roten, blauen und grünen Turmaline verstanden.
Ob alle Turmaline als eine Art oder ob sie in verschiedene Spezies oder Varietäten aufgeteilt werden, ist von Autor zu Autor sehr verschieden. So betrachtet LEONHARD (1826) z.B. alle Turmaline, unabhängig von ihrer Farbe, als eine Art.

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts erhielten zahlreiche Minerale den Namen "Schörl", besonders in der französischen Literatur. Erwähnt werden sollen hier nur der "Glasschörl" (oder "Schorl violet", = Axinit), der "weiße Schörl" (oder "schorl blanc", = Adular), "weißer Stangenschörl" (= stängeliger Topas), "grüner Schörl" (= Epidot oder Vesuvian oder Actinolit), "oktaedrischer Schörl" (= Anatas) oder der "rothe Schörl" (oder "Titan-Schörl", = Rutil).
Martin Heinrich KLAPROTH (1810) wendete sich entschieden gegen diese Praxis:
"Die ehemalige Gewohnheit, Fossilien von ganz verschiedener Natur unter einerlei Benennungen aufzuführen, gehöret mit zu den vorzüglichen Ursachen, welche von jeher zu vielfältigen Verwechselungen und Irrthümern in der Mineralogie Anlass gegeben, und dadurch den Fortschritten in der Wissenschaft geschadet haben. Der Schörl giebt davon ein auffallendes Beispiel. Fast jedem neu vorkommenden Fossile, welches man keiner der bekannten Steingattungen anzureihen wusste, nannte man Schörl, und begnügte sich, dessen Verschiedenheit von dem eigentlichen Schörl durch ein meist nur obenhin gewähltes Beiwort anzudeuten. Haüy, welcher 16 verschiedene Fossilien aufzählt, die vor noch nicht langer Zeit sämmtlich unter dem Namen Schörl begriffen worden, deren Liste sich aber noch vermehren liesse, bemerkt daher sehr wahr: dass die Naturgeschichte kaum ein anderweitiges Beispiel von einer grössern Menge in einem so kleinen Raum zusammengehäufter Irrthümer aufzustellen habe.
Indessen ist diese Verwirrung gegenwärtig bereits zum grössten Theile gehoben; indem die mehresten der, unter jener gemeinschaftlichen Benennung sonst begriffenen Fossilien angemessene Namen, und ihren Bestandtheilen entsprechende Stellen im Systeme erhalten haben. [...]
Der gemeine Schörl, schwarzer Stangenschörl, (Tourmaline opaque et noir, H.) ist als das Normal-Fossil zu betrachten, aus dessen äusserer Charakteristik, physischen Verhalten und chemischen Bestandtheilen die Principien zu entnehmen sind, nach welchen anderweitige Fossilien zu bestimmen sind, ob und in wiefern sie der Schörlgattung angehören, oder nicht."



Zeichnung von einem Schörl-Kristall, aus LINNÉ (1748).



          Erste chemische Analysen von Schörl

Die ersten Analysen von schwarzem Schörl stammen wahrscheinlich von Johann Christian WIEGLEB (1785 und 1786). Er analysierte Proben aus den Burkhardsgrüner Seifen, südwestlich von Zschorlau bei Schneeberg und vom Uhlmann-Stollen am Weinstock, Bockau bei Schneeberg.
Martin Heinrich KLAPROTH untersuchte 1810 schwarzen Schörl von Eibenstock (s. Tabelle unten), der hier in dicken, eingewachsenen, dreiseitigen Säulen vorkam. Die Dichte des Materials bestimmte er zu 3.225.
Auf Grund der besonderen Form der Arten der "Gattung Schörl" nahm J.J. BERNHARDI an, dass sie einen besonderen, bisher nicht erkannten Bestandteil aufweisen, den er "Turmaline" nannte. BUCHOLZ (1811) unternahm einige Analysen von Turmalin vom Gotthard und aus Tirol, um diese Hypothese zu überprüfen. Die Analysen von BUCHOLZ wiesen einen Verlust von 13,92 bis 19,25 % auf, den er sich nicht erklären konnte. Allerdings schreibt der diesen auch nicht BERNHARDIs hypothetischem "Turmaline" zu, "denn sämmtliche gefundene Bestandtheile sind so charakteristisch, dass ihre Natur leicht konnte erkannt werden; selbst die Hypothese, als sie vielleicht mit in die Mischung des Alauns eingegangen, konnte ich bis jetzt nicht bewahrheiten".

Die Differenz zu 100 % in verschiedenen Turmalin-Analysen, sowie die elektrische Polarität, die der Turmalin mit dem Boracit teilt, veranlassten GMELIN und BREITHAUPT zu der Vermutung, dass er eine in den Analysen bisher entgangene Säure enthält. GMELIN vermutete die Flusssäure, konnte sie aber nicht finden (nach VOGEL, 1818). BREITHAUPT nahm "Boraxsäure" an und beauftragte LAMPADIUS mit weiteren Analysen. LAMPADIUS konnte diese tatsächlich nachweisen. VOGEL (1818) bestätigte nach Untersuchung von schwarzem Turmalin aus der Oberpfalz und Madagaskar, dass er "Boraxsäure" enthält.
LEONHARD (1818) vermutet, dass der Schörl seine schwarze Farbe einem gerinen Anteil "Kohlenoxyd" verdankt und berichtet, dass BUCHOLZ tatsächlich Spuren davon gefunden haben will.




Chemische Analyse von Schörl (in Masse-%)

     Schörl,
  Burkhardsgrün
  (WIEGLEB, 1785)   
  Schörl,
  Bockau
  (WIEGLEB, 1786)   
  Schörl,
  von Eibenstock
  (KLAPROTH, 1810)   
  Schörl,
  theoretische
  Zusammensetzung     
  SiO2   41.67   33.33   36.75   34.22
  Al2O3   38.54   40.83   34.50   29.04
  B2O3           9.91
  FeO   18.54   20.42   21.0   20.46
  MgO         0.25  
  Mn-Oxid       3.33     Spur  
  K2O         6.0  
  Na2O           2.94
  H2O           3.41
  Summe        98.75 1)   97.91 2)   98.50 100.00
1) umgerechnet aus: 3 Drachmen 20 Gran Kieselerde, 3 Drachmen 5 Gran Alaunerde, 1 Drachme 29 Gran Eisenerde, von 1 Unze
2) umgerechnet aus: 80 Gran Kieselerde, 98 Gran Alaunerde, 49 Gran Eisen (gemeint ist Eisenoxid), 8 Gran Braunstein, 5 Gran Verlust, ges. 4 Quent



Literatur:
AEPINUS, F.U.T. (1756): Mémoires concernant quelques nouvelles experiences électriques remarquables.- Histoire de L'Academie Royale des Sciences et Belles Lettres, 1756 (gedruckt 1758), Berlin, Haude et Spener, p. 105-121 [als JPG-Files (externer Link zur Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften)]

ALBINUS, P. (1589/1590): Meißnische Land und Bergchronica.- Dresden, p. 132

BRÜNNICH, M.Th. (1770): Cronstedts Versuch einer Mineralogie. Vermehret durch Brünnich.- Copenhagen und Leipzig, C.G. Prost und Rothens Erben, 296 p. (p. 57 und 87-91)

BUCHOLZ, C.F. (1811): Beitrag zur genaueren Kenntnis der Mischungsbeschaffenheit der Arten der Gattung Schörl; bestehend in einigen Analysen zweier Arten derselben.- Schweiggers Journal für Chemie und Physik 3, 25-55 [als PDF-File (externer Link zu Google Books)]

CRONSTEDT, A. von [das Buch ist anonym ohne Verfasserangabe erschienen] (1758): Försök til Mineralogie eller Mineral Rikets Upställning.- Stockholm

ERTL, A. (2006): Über die Etymologie und die Typlokalitäten des Minerals Schörl.- Mitteilungen der Österreichischen Mineralogischen Gesellschaft 152, 7-16 [als PDF-File (externer Link zur Österreichischen Mineralogischen Gesellschaft)]

FABRICIUS, G. (1565): De Metallicis rebus ac nominibus observationes variae.- Tiguri (Zürich), p. 18. In: GESNER, C. (1565): De omni rerum fossilium genere, gemmis, lapidibus metallis, et huiusmodi, libri aliquot, plerique nunc primum editi.- Tiguri

FACHS, M. (1622): Probier Büchlein / Darinne Gründlicher Bericht vermeldet / wie man alle Metall / und derselben zugehörenden Metallischen Ertzen und Getöchten ein jedes auff sein Eigenschafften und Metall recht probieren sol. Deßgleichen Lehr und Unterricht / der rechten ProbierOefen / Gewichten / Capellen / und Flüssen. ...- Leipzig, In Verlegung Gottfriedt Grossen, 236 p. + Register (p. 103-104)

GARMANN (1707): Curiöse Speculationen bei schlaflosen Nächten von einem Liebhaber der Immer Gern Speculirt.- Chemniz

KENTMANN, J. (1565): Nomenclaturae Rerum fossilium, que in Misnia praecipue, & in alijs quoque regionibus inueninuntur.- Tiguri (Zürich), p. 87. In: GESNER, C. (1565): De omni rerum fossilium genere, gemmis, lapidibus metallis, et huiusmodi, libri aliquot, plerique nunc primum editi.- Tiguri

KLAPROTH, M.H. (1810): Chemische Untersuchung des gemeinen Schörls.- Beiträge zur Chemischen Kenntniss der Mineralkörper, Band 5, Berlin und Leipzig, p. 144-149 [als PDF-File (externer Link zu Google Books)]

KÖBLER, G. (1993): Althochdeutsches Wörterbuch, 4. Auflage, Online-Version

LEMERY, L. (1717) Hist. de l'Acadamie des Sciences de Paris 1717, 7

LENZ, J.G. (1800): System der Mineralkörper mit Benutzung der neuesten Entdeckungen.- Bamberg und Würzburg, bei Tobias Göbhard, p. 36-39 [als PDF-File (externer Link zu Google Books)]

LEONHARD, C.C. von. (1818): Mineralogisches Taschenbuch für das Jahr 1818.- Frankfurt am Main, in der Joh. Christ. Hermannschen Buchhandlung, p. 39

LEONHARD, C.C. von (1826): Handbuch der Oryktognosie.- Heidelberg, bei J.C.B. Mohr, 2. Auflage, 851 p. (p. 446-454) [als PDF-File (externer Link zu Google Books)]

LINNÉ, C. (1748): Systema Naturæ sistens regna tria naturæ, in classes et ordines, genera et species, redacta tabulisque æneis illustrata.- Lipsiæ, Godofr. Kiesewetteri, 223 p. (p. 181)

LINNÉ, C. (1770): Systema Naturae, per Regna Tria Naturae, secundum Classes, Ordines, Genera, Species cum Characteribus, et Differentiis.- Vindobonae, typis Ioannis Thomae Nob. de Trattnern, Vol. 3, 236 p. (p. 95-96)

MATHESIUS, J. (1562): Sarepta oder Bergpostill sampt der Joachimßthalischen kurtzen Chroniken.- Gedruckt zu Nürnberg, durch Johann vom Berg und Ulrich Newber, 233 p.

MATHESIUS, J. (1679): Berg-Postilla Oder Sarepta, Darinnen von allerley Bergwerck und Metallen / was ihre Eigenschafft und Natur / und wie sie zu Nutz und gut gemacht / guter Bericht gegeben / Mit lehrhaffter und tröstlicher Erklärung aller Sprüche / so in H. Schrifft von Metall reden / und wie der H. Geist in Metallen und Bergarbeit die Articul unsers Christlichen Glaubens fürgebildet ...- Freyberg, gedruckt und verlegt von Zacharias Beckern, p. 388 und 391 [digitale Version (Link zur Sächsischen Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden)]

ROMÉ DE L'ISLE, J.B.L. (1772): Essai de Cristallographie ou Description des Figures Geometriques, Propres à différens Corps du Regne Minéral, connus vulgairement sous le nom de Cristaux.- Paris, Didot jeune und Knapen & Delaguette, p. 261-270 [als PDF-File (externer Link zu Google Books)]

RÜLEIN VON CALW, U. (1505): Ein wolgeordnetz: unnd nuczlicho büchlin wie man bergwerck suchen und erfinden sol von allerlay mettal die denn die sieben planeten generieren und würcken yeglicher nach seiner natur ....-Augsburg, gedruckt von Erhart Ratdolt, p. 26 und 28

RÜLEIN VON CALW, U. (1527): Ein nützlich Bergbüchlin von allen Metallen / als Golt / Silber / Zcyn / Kupfer ertz / Eisenstein / Bleyertz / und vom Quecksilber.- Gedruckt zu Erffurd / zu Johan Loersfelt, p. 47 [digitale Version (Link zur Sächsischen Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden)]

VOGEL, A. (1818): Ueber die Existenz der Boraxsäure im Turmalin und im Axinit.- Schweiggers Journal für Chemie und Physik 22, 182-186 [als PDF-File (externer Link zu Google Books)]

WALLERIUS, J.G. (1747): Mineralogia, eller Mineralriket, indelt och beskrifvit af Johan Gotschalck Wallerius.- Stockholm, bei Lars Salvii, p. 139

WERNER, A.G. & HOFFMANN, C.A.S. (1789): Mineralsystem des Herrn Inspektor Werners mit dessen Erlaubnis herausgegeben von C.A.S. Hoffmann.- Bergmännisches Journal 2, Band 1, 369-398

WIEGLEB, J.C. (1785): Chemische Untersuchung des schwarzen Stangenschörls.- Chemische Annalen für die Freunde der Naturlehre, Arzneygelahrtheit, Haushaltungskunst und Manufacturen (Crells Chemische Annalen), 1. Stück, 246-253

WIEGLEB, J.C. (1786): Chemische Untersuchung des in einzelnen Säulen vorkommenden schwarzen Stangenschörls.- Beyträge zu den Chemischen Annalen, Band I, Viertes Stück, 21-35

Mittelhochdeutsche Wörterbücher im Verbund, Projekt des Kompetenzzentrums für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften an der Universität Trier, Online




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