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Roselit


Formel: Ca2(Co,Mg)(AsO4)2 · 2 H2O, monoklin

Typlokalität: Schneeberg, Erzgebirge, Sachsen

Erstbeschreibung:
LÉVY, A. (1824): Account of a new Mineral Substance.- Annals of Philosophy 8, 439-441




Roselit. Schneeberg, Erzgebirge, Sachsen. Bildbreite 4 mm. Sammlung und Foto Thomas Witzke.



         Roselit aus Schneeberg

Das Mineral wird von Armand LÉVY 1824 [als PDF-File] erstmals beschrieben. Es fand sich auf einem Exemplar aus Schneeberg in der Sammlung von Mr. TURNER. Es bildet kleine, gut ausgebildete Kristalle von tief rosenroter Farbe in Drusen von Quarz. Das Mineral hat die Härte 3 und zeigt eine sehr gute Spaltbarkeit. LÉVY hält das Mineral nach goniometrischen Messungen für rhombisch.
Der englische Arzt und Naturwissenschaftler John George CHILDREN (1824) [als PDF-File] führte die chemischen Untersuchungen durch. Er hatte zu diesem Zweck drei oder vier kleine Kristalle von LÉVY erhalten. Die geringe, zur Verfügung stehende Substanzmenge erlaubte mit den damaligen Methoden keine vollständige Charakterisierung. CHILDREN fand, dass es sich um ein wasserhaltiges Calcium-Cobalt-Magnesium-Arsenat handelt. Das Verhältnis Calcium zu Magnesium entspricht etwa dem in Picropharmacolit (H2Ca4Mg(AsO4)4 · 11 H2O), aber der Cobaltgehalt liegt erheblich höher als in diesem (STROMEYER hatte bei einer Picropharmacolit-Analyse etwas Co gefunden).
LÉVY benennt das Mineral nach Gustav ROSE (1798-1873), Professor für Mineralogie in Berlin. Der Roselit sollte für mehrere Jahrzehnte eine außerordentliche Rarität bleiben.




Zeichnung eines Roselit-Kristalls, aus LEVY (1824).



         Roselit eine Varietät von Kobaltblüte ?

Wilhelm HAIDINGER veröffentlicht 1825, also nur ein Jahr nach der Erstbeschreibung des Minerals, eine kurze Mitteilung zum Roselit. Er wiederholt etliche Angaben von LÉVY, nennt die Winkel zwischen einigen Flächen und erwähnt, dass das Mineral Glasglanz und einen weißen Strich aufweist. Im Gegensatz zu LÉVY geht HAIDINGER von monokliner Symmetrie aus. Weiter schreibt er, der Roselit
"wurde früherhin als eine Varietät des prismatischen Kobaltglimmers (Rother Erdkobalt Wer.) betrachtet, scheint aber vielmehr zur Ordnung der Haloide (Mohs) zu gehören."
HAIDINGER erwähnt jedoch nicht, wer den Roselit als Varietät des Erythrins betrachtet hat.

Der Chemiker Carl KERSTEN veröffentlichte 1843 die Ergebnisse seiner Untersuchungen zu Sekundärbildungen von Cobalt- und Nickelerzen, darunter auch die "eines der Kobaltblüthe verwandten Minerals von Daniel Fundgrube, bei Schneeberg". Es bildet kleine kugelige, radiale Aggregate aus blättrigen Kristallen. Nach der Analyse besteht das fragliche Mineral aus
"arseniksaurem Kobaltoxydul, arseniksaurer Kalkerde und Wasser". [...] Dieses Mineral ist demnach eine Kobaltblüthe, worin ein Theil Kobaltoxydul durch Kalkerde ersetzt ist, und man kann es daher gewissermassen als Verbindungsglied zwischen Kobaltblüthe und Pharmakolith betrachten [...]. Jedenfalls steht das untersuchte Mineral dem sehr nahe, oder es ist sogar mit demselben identisch, das Levi unter dem Namen Roselit beschrieben hat"
James Dwight DANA stellt 1850 den Roselit in seinem "System of Mineralogy" deshalb zum Erythrin und vermutet, dass es sich nur um eine Varietät von diesem handelt. Auch Armand DUFRENOY geht 1856 in dem Werk "Traité de Minéralogie" davon aus, dass der Roselit lediglich eine Varietät von Erythrin und kein eigenständiges Mineral darstellt.


         Neue Funde erst nach 50 Jahren

Einen ersten Hinweis auf einen neuen Fund des Minerals gibt August FRENZEL 1873. In einer kurzen Notitz ewähnt er den "Roselith - welcher jetzt in recht hübschen Exemplaren zu Schneeberg gefunden wurde". Weitere Angaben macht FRENZEL jedoch nicht dazu.
Albin WEISBACH, Professor für Mineralogie an der Bergakademie Freiberg, berichtet 1874 in einer ersten Mitteilung, dass ihm vom Bergverwalter TRÖGER aus Schneeberg zwei Stufen zugeschickt wurden, die dieser für Roselit hielt. Nach dem Roselit wurde seit Jahren im Schneeberger Revier gefahndet. Im September 1873 konnte schließlich in der Grube Daniel wieder etwas Material gefunden werden. WEISBACH beschreibt auch eine seit längerem in der Sammlung des Werner-Museums in Freiberg befindliche Stufe, die als Roselit identifiziert werden konnte. Das seltene Mineral wird hier von drei Generationen Quarz sowie von Speiskobalt und gediegen Wismut begleitet. WEISBACH geht von einer Eigenständigkeit des Minerals Roselit aus und zeigt anhand verschiedener Kriterien, wie der Spaltbarkeit und dem Verhalten beim Erhitzen, dass es sich keineswegs um eine Varietät von Erythrin handelt.

Weitere Untersuchungen an dem Neufund werden von Albin WEISBACH und dem Chemiker Clemens WINKLER durchgeführt. WEISBACH (1874 b) schreibt dazu [als PDF-File]:
"Eine der seltensten Mineralspecien, welche es giebt, ist ohne Zweifel der Roselith, 1824 von Lévy bestimmt und zu Ehren von Gustav Rose so benannt. Von ihr existirten meines Wissens bis jetzt nur zwei Stufen, die eine in England in der Turner’schen Sammlung, die andere hier in Freiberg im Werner-Museum. [...]
Was zunächst die Stufe Roselith des hiesigen Werner-Museum anlangt, so zeigt dieselbe als Begleiter Quarz, in welchen Speiskobalt und gediegen Wismuth (sogenanntes Federwismuth) eingesprengt sind. Der Quarz erscheint in drei Generationen, von denen die ältere aus Rauchquarz besteht, welcher von einer Haut weißen trüben Chalcedon’s bedeckt wird; auf dieser Haut sitzen wieder sehr kleine blaulich-weiße klare Quarzkrystalle und auf ihnen endlich die Krystalle des Roselith.
[...] im September erhielt ich nun von Herrn Bergverwalter Tröger in Neustädtel 2 Stufen zugeschickt mit der Bemerkung, daß nachdem seit Jahren in seinen Gruben auf Roselith gefahndet worden, er denselben nun endlich doch in einer neulich aufgeschlossenen Druse des Adam Heber Flachen der Grube Daniel gefunden zu haben vermuthe.
Nach Besichtigung der allerdings zwar kleinen, doch recht scharfkantigen Krystalle konnte ich die ausgesprochene Vermuthung bestätigen und zwar mit um so größerer Bestimmtheit, als ich auch an den beiden neuen Stufen jene 2 Quarz-Generationen auffand, die durch eine dünne Haut milchweißen Chalcedons geschieden waren.
Der Habitus der Krystalle des neuen Vorkommens ist durch Vorherrschen des Makropinakoids (g) desminartig-tafelförmig und wird die Terminirung fast lediglich durch die Pyramide (b) gebildet, indem das Brachydoma (a) nur ganz klein auftritt. [...]
Sehr charakteristisch für Roselith ist sein Verhalten beim Erhitzen im Glasrohr; er wird nämlich hierbei prachtvoll lasurblau und nach völligem Erkalten lavendelblau, wogegen Kobaltblüthe ein nur blaulichschwarzes Ansehen annimmt. [...] Für die hochrothe Varietät fand ich im Mittel zweier nahe übereinstimmender Wägungen das spec. Gewicht 3.46 bei 2° Cels. und dieselbe hierzu benutzte Probe diente auch zur quantitativen Analyse, welche mein gegenwärtiger College Herr Cl. Winkler ausgeführt hat. [...]
Es ist hiernach der Roselith ein Hydroarseniat von Kalkerde, Kobaltoxydul und Magnesia und zwar enthält er auf 1 Atom Arsensäure 3 Atome Basis und 2 Atome Wasser, so daß für ihn die allgemeine Formel
      
aufgestellt werden kann. Die drei Basen
      
sind im Körper ungefähr nach dem Atomverhältnis 3:1:1 (genauer 18:7:5) enthalten, so daß also die Kalkerde auch atomistisch, nicht blos procentual, als die herrschende Basis erscheint."
Die Punkte über den Symbolen in der Formel symbolisieren Sauerstoff. Die Striche unter dem Arsen und Wasserstoff bedeuten eine Verdoppelung. Auf Grund von Unsicherheiten beim Atomgewicht für Wasserstoff muss bei der Übertragung in die heutige Formelschreibweise noch eine Korrektur des Wassergehaltes vorgenommen werden. So ergibt sich dann: R3(AsO4)2 · 2 H2O mit R = Ca, Co, Mg. Als spezielle Formel, die das Kationenverhältnis genauer wieder gibt, nennt WEISBACH noch, ebenfalls korrigiert und in aktualisierter Schreibweise, Ca18Co7Mg5(AsO4)20 · 20 H2O.

Die Ergebnisse der chemischen Analyse hatte Clemens WINKLER bereits vorher in einer kurzen Mitteilung 1874 publiziert. Aus seiner Untersuchung (s. Tabelle unten) stellt er die Formel "3RO, As2O5 + H2O" auf. Auch hier ist zu beachten, dass bei Übertragung in heutige Schreibweise der Wassergehalt von 1 auf 2 pro As2O5 korrigiert werden muss.




Roselit. Grube Daniel, Schneeberg, Erzgebirge, Sachsen. Bildbreite 3,5 mm. Sammlung und Foto Thomas Witzke.



         Weitere Untersuchungen am Roselit

Professor Albrecht SCHRAUF aus Wien führte parallel dazu ebenfalls Untersuchungen am Roselit durch. In einer schon 1873 erschienenen ersten Arbeit über das Mineral schreibt er, dass das k.k. Hof-Mineralien Cabinet in Wien "seit Langem ein Exemplar des ersten älteren Vorkommens" besitzt. Außerdem konnte er etwas Material von dem neuen Fund, den FRENZEL (1873) kurz erwähnt hatte, untersuchen. SCHRAUF schreibt hier
"In beiden Fällen kommt der Roselit eingesprengt in Quarz vor. In kleinen Drusenräumen sitzen die Krystalle, oder bilden kugelförmige Aggregate. Kleine Nester und Gänge undeutlich krystallisirten aber immer Spaltbarkeit zeigenden Roselits durchziehen den Quarz. Die Farbe ist schön roth und von Kobalt hervorgerufen. [...] Das Krystallsystem des Roselit ist aber nicht prismatisch, wie die Lehrbücher angeben, sondern triclin. [...] Die Krystalle sind Zwillinge, ähnlich dem Typus der Plagioklase. Dies ist der Grund der scheinbaren prismatischen Symmetrie des Roselit. [...]
Die vorläufige qualitative Untersuchung erlaubt mir, den Roselit als basisch arsensauren Kalk zu bestimmen, welcher durch Kobalt gefärbt ist. Von Magnesia sind nachweisbare Mengen vorhanden. Das Mineral somit von Kobaltblüthe zu unterscheiden und als Species zu betrachten. Obgleich ich, während diese Zeilen in den Druck gehen, die quantitative Bestimmung der Arsensäure und des Kalkes erst begonnen habe, so glaube ich doch schon jetzt für den Roselit die Näherungs-Formel 3 CaO As2O5 3 H2O andeuten zu können. Ich stütze mich bei dieser Annahme theils auf die Volumsverhältnisse der qualitativen Bestimmung, theils auf den ermittelten Wassergehalt; welcher 12.0 Perc. ist. Die Dichte des Minerals ist 3.59 - 3.74. Die Härte 3 - 3.5."

Im Jahr 1874 veröffentlicht SCHRAUF in einer ausführlichen Arbeit die Ergebnisse seiner Untersuchungen. Zu dem alten Stück Roselit schreibt er, dass es sich seit etwa 1800 in der Wiener Sammlung befindet und von der Grube Rappold in Schneeberg stammt. Der Roselit bildet hier dunkel rosenrote Kristalle. Das Material aus dem neuen Fund in der Grube Daniel weist dagegen eine hell rosenrote Farbe auf. Die Härte gibt SCHRAUF nun mit 3,5 an. Als Dichte für Kristalle von der Grube Rappold fand er 3,585 und für die von der Grube Daniel 3,506. Bei der chemischen Analyse erwiesen sich die tief dunkelroten Kristalle von der Grube Rappold als deutlich Cobalt-reicher als die aus dem zweiten Vorkommen. SCHRAUF gibt als Formel für den Roselit von der Grube Rappold
"Ca6Mg2Co4As8O52 + 10 H2O"
und für den heller roten von der Grube Daniel
"Ca7Mg2Co3As8O52 + 10 H2O"
an. Als allgemeine Formel für das Mineral wird "R3As2O8 + 3 H2O" angenommen. Nach Flächenvermessungen an Kristallen geht SCHRAUF weiter von trikliner Symmetrie für den Roselit aus und findet z.T. recht komplizierte Indizes für die gefundenen Flächen. Das Achsenabschnittsverhältnis beträgt a : b : c = 2.2046 : 1 : 1.4463, die drei Achsenwinkel 91°0', 89°26' und 90°40'. SCHRAUF nimmt an, dass alle vermessenen Kristalle nach komplizierten Gesetzen mehrfach, z.T. bis zu fünf- oder sechsfach, verzwillingt sind.

Aus den Untersuchungen von SCHRAUF wurde deutlich, dass die Kationenverhältnisse im Roselit etwas variabel sind und dass die Farbe offenbar vom Cobaltgehalt abhängt. Unsicherheiten gab es zu dem Kristallwassergehalt des Minerals, auch wenn dies aus den Analysen selber nicht so offensichtlich wird. WINKLER bzw. WEISBACH gehen von einem Verhältnis von Arsenat zu Wasser von 2 : 2 aus, SCHRAUF dagegen von 2 : 3. Diese Unsicherheit veranlassten Clemes WINKLER, eine größere Menge Material zu erwerben, aus der sorgfältig fast 800 mg reinster Roselit ausgesucht wurden. An diesem Material bestimmte WEISBACH (1877) eine Dichte von 3,550 und 3,561. Als spezielle Formel gibt WEISBACH nach WINKLERs Analysen Ca10Co3Mg2(AsO4)10 · 10 H2O (in heutiger Schreibweise) an. Damit wurde der ursprünglich von WINKLER gefundene Kristallwassergehalt bestätigt.




Zeichnung von Roselit-Kristallen, aus SCHRAUF (1874).



         Das Kristallsystem von Roselit

PEACOCK diskutiert 1936 den Roselit als ein Beispiel für Pseudo-Symmetrie, wo eine niedrigere Symmetrie auf Grund bestimmter Achsenabschnittsverhältnisse und Winkel bzw. durch Verzwilligung eine höhere vortäuscht. Veranlasst durch Zweifel an der durch SCHRAUF vorgenommenen Indizierung der Flächen der Roselit-Kristalle untersuchte PEACOCK Material von zwei Proben aus Schneeberg aus der Sammlung des Harvard Mineralogical Museum. Eine der beiden Stufen enstprach den neueren Funden von der Grube Daniel, während die andere eher SCHRAUFs Beschreibung des Exemplars von der Grube Rappold ähnelte. Die Vermessung ergab, dass Roselit nicht triklin, pseudo-orthorhombisch kristallisiert, wie SCHRAUF (1874) annahm, sondern monoklin und zur holoedrischen oder prismatischen Klasse 2/m gehört. PEACOCK fand ein Achsenabschnittsverhältnis von a : b : c = 0.8780 : 1 : 0.4398 und β = 100°53'. Mit diesen Daten ließen sich auch die Kristalle einfacher indizieren.
PEACOCK untersuchte auch die optischen Eigenschaften des Minerals. Danach ist Roselit optisch zweiachsig positiv, wobei die heller rosafarbenen Kristalle die Brechungsindizes 1.694, 1.704 und 1.719 aufweisen. 2V beträgt 75°, der Pleochroismus X blass rosa (Orientierung [001] = + 0 bis 1°), Y = blasser rosa (= [010]) und Z = sehr blass rosa ([001] = + 90 bis 91°). Die dunkel rosa farbenen Kristalle wiesen höhere Brechungsindizes 1.725, 1.728 und 1.735 auf, 2V = 60° sowie X tief rosa (= [010]), Y blass rosa ([001] = + 12 bis 20°) und Z blasser rosa ([001] = - 78 bis 70°). Damit ändert sich die optische Orientierung mit dem Cobaltgehalt. Weiterhin stellte PEACOCK die Isomorphie von Roselit und Brandtit, Ca2Mn(AsO4)2 · 2 H2O, fest.

WOLFE (1940) fand bei Einkristall-Röntgenanalysen an Roselit von Schneeberg eine monokline Zelle, Raumgruppe P21/c, mit den Gitterparametern a = 5.60, b = 12.80, c = 5.60 Å, β = 100°45'. Das Achsenabschnittsverhältnis liegt damit bei a : b : c = 0.4374 : 1 : 0.4374. Gegenüber den Werten von PEACOCK ist der Parameter a hier halbiert.

Im Rahmen einer Untersuchung von Mineralen der Fairfieldit-Roselit-Gruppe durch Clifford FRONDEL (1955) wurden auch neun als Roselit bezeichnete Proben aus Schneeberg anlysiert. Acht Exemplare erwiesen sich als der echte monokline Roselit, eines lieferte jedoch ein deutlich abweichendes Röntgendiagramm, das aber weitgehend mit den Daten der triklinen Minerale Fairfieldit und Collinsit übereinstimmte. Nach der chemischen Analyse zeigte aber auch diese Probe einen mit Roselit identischen Chemismus. Die Verbindung Ca2Co(AsO4)2 · 2 H2O erwies sich also als dimorph. Das neue Mineral erhielt den Namen Beta-Roselit um die Beziehung zu Roselit zu verdeutlichen. Die beiden Minerale lassen sich an Hand der Farbe nicht voneinander unterscheiden. Obwohl SCHRAUF 1874 den Roselit als triklin beschrieb, und nun tatsächlich ein echtes triklines Mineral mit dieser Zusammensetzung bekannt ist, hatte er damals keineswegs bereits den Beta-Roselit analysiert.

HAWTHORNE & FERGUSON (1977) führten eine Strukturanalyse an einem sehr Magnesium-reichen Roselit von Schneeberg mit der Zusammensetzung Ca2(Co0.515Mg0.485)(AsO4)2 · 2 H2O durch. Dabei fanden sie eine monokline Zelle, Raumgruppe P21/c, mit den Gitterparametern a = 5.801, b = 12.898, c = 5.6170 Å, β = 107°42' und Z = 2. Die Zelle lässt sich aus der von WOLFE gefundenen ableiten und entspricht auch den anderen Mineralen aus der Roselit-Gruppe.


Zeichnung eines vierfach verzwillingten Roselit-Kristalls, aus PEACOCK (1936). Der Kristall entspricht dem in der Bildmitte auf dem zweiten Foto mit Roselit von der Grube Daniel, Schneeberg (um 90° gedreht).



         Die Roselit-Gruppe

Die Untersuchung eines sehr Magnesium-reichen Roselits mit Co : Mg nahe 1 : 1 aus Schneeberg durch HAWTHORNE & FERGUSON (1977) ließ bereits vermuten, dass es auch ein Mg-dominantes Mineral geben kann. DUNN et al. (1987) fanden dieses Mineral auf Proben von der Sterling Hill Mine, Ogdensburg, New Jersey; Bou-Azzer, Marokko und Coahuila, Mexico und nannten es Wendwilsonit. Bei allen von den Autoren untersuchten Proben aus Schneeberg ließ sich jedoch immer eine Dominanz von Co gegenüber Mg feststellen.

Aktuell umfasst die Roselit-Gruppe fünf Vertreter, die alle im monoklinen System kristallisieren:
Wendwilsonit Ca2Mg(AsO4)2 · 2 H2O
Roselit Ca2Co(AsO4)2 · 2 H2O
Brandtit Ca2Mn(AsO4)2 · 2 H2O
Rruffit Ca2Cu(AsO4)2 · 2 H2O
Zincroselit Ca2Zn(AsO4)2 · 2 H2O
Isostrukturell ist das Sulfat Kröhnkit, Na2Cu(SO4)2 · 2 H2O. Strukturell eng verwandt ist die Fairfieldit-Gruppe mit triklin kristallisierenden Mineralen, zu denen auch der Beta-Roselit gehört.

Inzwischen ist Roselit von weiteren Fundorten bekannt. Sehr schöne Kristalle stammen aus dem Revier Bou-Azzer, Provinz Ourzazate, Marokko. Dabei ist jedoch zu beachten, dass hier auch das Magnesium-dominante Mineral, der Wendwilsonit, vorkommt und eine visuelle Unterscheidung vom Roselit nicht möglich ist. Als weitere Vorkommen sind die Queen Sally Mine, Cloncurry District, Queensland, Australien oder die Grube Friedrich Christian, Schapbach, Baden-Württemberg sowie Bauhaus, Richelsdorf, Hessen zu nennen.


Literatur:
CHILDREN, J.G. (1824): Chemical Examination of Roselite.- Annals of Philosophy 8, 441-442 [als PDF-File]

DANA, J.D. (1850): A System of Mineralogy. Third Edition.- New York and London, published by George P. Putnam, 711 p. (p. 478)

DUFRENOY, A. (1856): Traité de Minéralogie. Deuxieme edition, Tome 3.- Paris, Victor Dalmont, p. 73

DUNN, P.J.; STURMAN, B.D. & NELEN, J.A. (1987): Wendwilsonite, the Mg analogue of roselite, from Morocco, New Jersey, and Mexico, and new data on roselite.- American Mineralogist 72, 217-221

FRENZEL, A. (1873): Mittheilung an Professor H.B. Geinitz (Über Agricolit und andere Minerale).- Neues Jahrbuch für Mineralogie, Geologie und Paläontologie, p. 846-948

FRONDEL, C. (1955): Neomesselite and Beta-roselite: two new members of the fairfieldite group.- Amererican Mineralogist 40, 828-833

HAIDINGER, W. (1825): Beschreibung mehrerer neuer oder bisher nur unvollständig bekannter Mineralien. XVIII. Roselit.- Poggendorffs Annalen der Physik und Chemie 81 (N.F. 5), 171-172

HAWTHORNE, F.C. & FERGUSON, R.B. (1977): The crystal structure of roselite.- Canadian Mineralogist 15, 36-42

KERSTEN, C. (1843): Ueber die chemische Zusammensetzung der Producte der freiwilligen Zersetzung der Kobalt- und Nickelerze.- Poggendorffs Annalen der Physik und Chemie 136 (N.F. 60), 251-271

LÉVY, A. (1824): Account of a new Mineral Substance.- Annals of Philosophy 8, 439-441 [als PDF-File]

PEACOCK, M.A. (1936): On roselite and the rule of highest pseudo-symmetry.- American Mineralogist 21, 589-602

SCHRAUF, A. (1873): Zur Charakteristik der Mineralspecies Roselit.- Tschermaks Mineralogische Mittheilungen, Jahrgang 1873, p. 291-293

SCHRAUF, A. (1874): Monographie des Roselith.- Tschermaks Mineralogische Mittheilungen, Jahrgang 1874, p. 137-160

WEISBACH, A. (1874 a): Notiz über den Roselith.- Neues Jahrbuch für Mineralogie, Geologie und Paläontologie, p. 46-48

WEISBACH, A. (1874 b): Mineralogische Notizen. 1. Pucherit. 2. Domeykit. 3. Rhagit. 4. Roselith.- Jahrbuch für das Berg- und Hüttenwesen im Königreiche Sachsen, 249-254 [als PDF-File]

WEISBACH, A. (1877): Mineralogische Mittheilungen. I. Walpurgin, II. Zeunerit und Uranospinit, III. Uranocircit, IV. Bismutosphärit, V. Roselith, VI. Kobaltspath.- Jahrbuch für das Berg- und Hüttenwesen im Königreiche Sachsen, Abhandlungen, p. 42-53

WINKLER, C. (1874): Rhagit und Roselith.- Journal für Praktische Chemie 118 (Neue Folge 10), 190-192

WOLFE, C.W. (1940): Classification of minerals of the type A3(XO4)2 · n H2O.- American Mineralogist 25, 738-753



Chemische Analyse von Roselit (in Masse-%)

    Roselit,
  Schneeberg,
  Grube Daniel     
  (WINKLER,
  1874)
  Roselit,
  Schneeberg,
  Grube Rappold   
  (SCHRAUF,
  1874)
  Roselit,
  Schneeberg,
  Grube Daniel     
  (SCHRAUF,
  1874)
  Roselit,
  Schneeberg,
  Grube Daniel     
  (WEISBACH,
  1877) 1)
  Roselit,
  theoretische
  Zusammensetzung    
  CaO   23.72   18.1 - 19.2   21.9 - 22.5   24.93   24.76
  CoO   12.45   15.9   12.1   10.56   16.54
  MgO     4.67     4.8     1.0 - 1.3     3.95  
  As2O5   49.96   49.6 - 50.4   50.9   52.93   50.74
  H2O     9.69   10.5   10.8 - 11.4     8.35     7.96
  Summe      100.49     100.75 100.00

1) Analyse von C. WINKLER




© Thomas Witzke / Stollentroll

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