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Ronneburgit


Formel: K2MnV4O12, monoklin

Typlokalität: Absetzerhalde vom Tagebau Lichtenberg, Ronneburg, bei Gera, Thüringen

Erstbeschreibung:
WITZKE, T.; ZHEN, S.; SEFF, K.; DOERING, T.; NASDALA, L. & KOLITSCH, U. (2001): Ronneburgite, K2MnV4O12, a new mineral from Ronneburg, Thuringia, Germany: Description and crystal structure.- American Mineralogist 86, 1081-1086




Rotbraune Kristalle von Ronneburgit mit gelblichweißem Picromerit. Absetzerhalde vom Tagebau Lichtenberg, Ronneburg, Thüringen. Bildbreite 2 mm. Sammlung und Foto Thomas Witzke.


 
         Die Entdeckung von Ronneburgit

Im Rahmen einer neuen Erfassung und Untersuchung der Minerale der Uranlagerstätte Ronneburg konnten von Thomas WITZKE und Fritz RÜGER auf der Absetzerhalde des Tagebaus Lichtenberg einige Proben mit einem rötlichbraunen Mineral gefunden werden. Bei einer ersten REM-EDX-Analyse zeigte sich, dass hier ein neues, bisher unbekanntes Kalium-Mangan-Vanadat mit K:Mn:V = 2:1.4 vorliegt. Eine erste Erwähnung findet sich bei WITZKE & RÜGER 1998 in einer Zusammenstellung der Minerale der Ronneburger Lagerstätte unter der Probennummer "RB 210".
Weitere Untersuchungen bestätigten die Eigenständigkeit des Minerals, die Erstbeschreibung erfolgte durch WITZKE et al. 2001. Die Analysen wurden durch Thomas WITZKE (Institut für Geologische Wissenschaften in Halle bzw. Institut für Mineralogie und Lagerstättenlehre in Aachen), Shenyan ZHEN und Karl SEFF (Chemistry Department, University of Hawaii), Thomas DOERING (Institut für Mineralogie, Kristallographie und Materialwissenschaft in Leipzig), Lutz NASDALA (Institut für Geowissenschaften in Mainz) und Uwe KOLITSCH (Institut für Mineralogie und Kristallographie in Wien, Österreich) vorgenommen.


         Die Eigenschaften des Minerals

Ronneburgit bildet rötlichbraune, abgeflachte bis kurzprismatische Kristalle bis etwa 0.5 mm Größe. Die Strichfarbe ist orangebräunlich. Die Kristalle zeigen Diamantglanz und sind durchscheinend. Das Mineral ist spröde, zeigt einen unregelmäßigen Bruch und eine undeutliche Spaltbarkeit in eine Richtung. Die Mohs-Härte beträgt 3. Im UV-Licht ist keine Fluoreszenz festzustellen.
Ronneburgit ist optisch zweiachsig negativ mit alpha = 1.925, beta = 1.960, gamma = 1.988 und 2V = 82°. Ein schwacher Pleochroismus mit X = bräunlichorange mit deutlichen roten Tönen, Y = bräunlichorange und Z = bräunlichorange ist zu erkennen.


         Chemische Zusammensetzung und Struktur von Ronneburgit

Aus der chemischen Analyse mittels Mikrosonde (WDX) wurde eine empirische Formel K1.91Mn0.93Mg0.08V4.00O11.96 (bezogen auf V = 4) berechnet, die sehr dicht an der idealen Zusammensetzung K2MnV4O12 liegt.
Das Mineral kristallisiert monoklin, Raumgruppe P21/n, mit a = 8.183, b = 9.247, c = 8.651 Å, beta = 109.74°, V = 611.4 Å3 und Z = 2. Die gemessenen Dichte liegt bei 2.84, die berechnete bei 2.85 g/cm3. Eine Einkristall-Strukturanalyse zeigte, dass Ronneburgit aus Vierer-Einfachketten aus eckenverknüpften VO4-Tetraedern, die schraubenartig in Richtung [101] laufen, aufgebaut wird. Kalium- und Mangan-Ionen verbinden die Ketten. Ähnliche Tetraeder-Ketten sind aus dem Zink-Aluminium-Vanadat Alvanit bekannt.


         Das Vorkommen von Ronneburgit

Das Mineral konnte nur auf wenigen Exemplaren gefunden werden. Begleitet wird Ronneburgit von Hummerit, Gips, Epsomit, Picromerit, Hämatit und einem nicht identifizierten K-Mg-Mn-Vanadat. Das Mineral ist eine Neubildung auf der Absetzerhalde, auf der Material aus dem Tagebau Lichtenberg deponiert wurde. Neben Ronneburgit sind noch einige weitere Vanadium-Minerale aus Ronneburg bekannt, so z.B. Volborthit, Sincosit, Simplotit, Straczekit, Metahewettit, Shcherbinait und Lyonsit, die jedoch nicht unmittelbar zusammen mit dem Kalium-Mangan-Vanadat vorkommen. Ein primäres Vanadium-Mineral ist in der Lagerstätte bisher nicht gefunden worden. Im Rahmen der Sanierungsarbeiten der Lagerstätte Ronneburg wurde die Absetzerhalde abgetragen und mit dem Material der Tagebau Lichtenberg verfüllt. Fundmöglichkeiten bestehen an der Typlokalität und bisher einzigem Vorkommen keine mehr.

Das Mineral und der Name Ronneburgit wurde von der IMA anerkannt (IMA 1998-069). Das Typmaterial befindet sich in der Mineralogischen Sammlung der Bergakademie Freiberg.



Literatur:
WITZKE, T. & RÜGER, F. (1998): Die Minerale der Ronneburger und Culmitzscher Lagerstätten in Thüringen.- Lapis 23, 7/8, 26-64
WITZKE, T.; ZHEN, S.; SEFF, K.; DOERING, T.; NASDALA, L. & KOLITSCH, U. (2001): Ronneburgite, K2MnV4O12, a new mineral from Ronneburg, Thuringia, Germany: Description and crystal structure.- American Mineralogist 86, 1081-1086





Die Kristallstruktur von Ronneburgit. Rot: VO4-Tetraeder, grau: Mn, grün: K (gezeichnet mit dem Programm ATOMS). Deutlich sind die schraubenartig in [101]-Richtung verlaufenden Vanadatketten zu erkennen.




Die Kristallstruktur von Ronneburgit. Rot: VO4-Tetraeder, grau: Mn, grün: K (gezeichnet mit dem Programm ATOMS). Blick in b-Richtung.




Chemische Analyse von Ronneburgit (in Masse-%)

    Ronneburgit,
  von Ronneburg
  (WITZKE et al., 2001)   
  Ronneburgit,
  theoretische
  Zusammensetzung   
  K2O   16.93   17.50
  MnO   12.44   13.46
  MgO     0.62  
  V2O5   68.54   69.04
  Summe        98.53 100.00




© Thomas Witzke / Stollentroll

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