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Rammelsbergit


Formel: NiAs2, orthorhombisch

Typlokalität: Schneeberg, Erzgebirge, Sachsen

Erstbeschreibung:
HOFFMANN, E. (1832): Ueber die in der Natur vorkommenden Verbindungen des Arseniks mit Metallen.- Poggendorffs Annalen der Physik und Chemie 101 (Neue Folge 25), 485-494
     (als "Arseniknickel")

Benennung:
HAIDINGER, W. (1845): Handbuch der bestimmenden Mineralogie, enthaltend die Terminologie, Systematik, Nomenklatur und Charakteristik der Naturgeschichte des Mineralreiches.- Wien, bei Braumüller & Seidel, 629 p. (p. 560)
     (als "Rammelsbergit")




Rammelsbergit. Schacht 371, Hartenstein, Erzgebirge, Sachsen, Deutschland. Größe der Stufe 7,3 cm. Sammlung und Foto Thomas Witzke



         "Arseniknickel" aus Schneeberg

1832 veröffentlichte Ernst HOFFMANN chemische Analysen von Eisen-, Cobalt- und Nickelarseniden. Bei seinen Untersuchungen fiel ihm auch ein bislang noch nicht beschriebenes Mineral auf. Er gibt an, dass es nicht wie der "weisse Speiskobalt", d.h. der Skutterudit, in Würfeln auftritt, sondern bisher nur derb gefunden wurde.
"Der Arseniknickel ist in den Handbüchern der Mineralogie noch nicht als eigenthümliche Gattung aufgestellt, wiewohl der gewählte Name von Leonhard schon für den Kupfernickel, die Verbindung NiAs, gebraucht ist. Um beide von einander zu unterscheiden scheint es daher besser, der Verbindung NiAs den alten Namen Kupfernickel zu lassen, und der Verbindung NiAs2 den Namen Arseniknickel zu geben.
Das Stück, von welchem ich zur Analyse nahm, ist derb, von unebenem Bruch und ebenfalls von kleinen Schnüren von Quarz durchzogen. Es ist zinnweiss und metallisch glänzend, auf der Oberfläche mit einem erdigen Ueberzuge von arseniksaurem Nickeloxyd bedeckt, wie diess ebenfalls beim Kupfernickel vorkommt. Sein Fundort ist Schneeberg in Sachsen."
HOFFMANNs chemische Analyse des Materials (siehe Tabelle unten) zeigt eine sehr gute Übereinstimmung mit der theoretischen Zusammensetzung des Mineral. Weiter schreibt er:
"Es ergibt sich aus dieser Analyse, dass die chemische Zusammensetzung des Arseniknickels durch die Formel Ni+2As ausgedrückt werden kann."
Auch hier liegt HOFFMANN richtig. Er erwähnt noch einen zweiten Fundort, die Grube Hasselhäue bei Tanne im Harz, jedoch ist das von ihm analysierte Material ein Gemenge. HOFFMANN nahm an, dass es sich um Arseniknickel mit Haarkies, also Rammelsbergit mit Millerit, handelt.


         Weissnickelkies und Rammelsbergit

August BREITHAUPT vermutete 1835, dass es eine orthorhombische Form des Nickeldiarsenids und ein kubisches Mineral mit ähnlicher Zusammensetzung gibt. 1838 schrieb BREITHAUPT, dass er ersteres Mineral, also den Arseniknickel von HOFFMANN, "Weissnickelkies" nennt:
"Zu populären Namen der vier nickelhaltigen Kiese habe ich nämlich folgende Namen vorgeschlagen: Rothnickelkies für den Kupfernickel, Graunickelkies für den Nickelglanz, der denn doch kein Glanz ist, Weissnickelkies für das rhombenprismatische Nickel-Biarseniet von Schneeberg und Gelbnickelkies für das eben erwähnte Mineral."
Rothnickelkies ist heute als Nickelin bekannt, der Graunickelkies als Gersdorffit, BREITHAUPTs Weissnickelkies ist das hier behandelte Mineral Rammelsbergit, und der Gelbnickelkies heißt heute Millerit. Sein vorher vermutetes kubisches Mineral fehlt allerdings in dieser Reihe.
Im Gegensatz zu BREITHAUPT verwendet James Dwight DANA (1844) den Namen Weissnickelkies für das kubische Mineral. Diese Verwirrung um den Namen zieht sich dann auch noch einige Jahre durch die mineralogische Literatur.

1845 konnte August BREITHAUPT seine Vermutung bestätigen und das orthorhombische Mineral von Schneeberg und Richelsdorf beschreiben. Die Härte des Minerals gibt er mit 5 ¼ - 5 ¾ an, die Dichte mit 7.099 - 7.188. BREITHAUPT behielt hierfür den von ihm schon früher dafür vergebenen Namen Weissnickelkies bei, während er Chloanthit für das kubische Mineral (heute = Nickelskutterudit) vorschlug.
Wilhelm HAIDINGER wählte ebenfalls 1845 den Namen Rammelsbergit für den Weissnickelkies. Er gibt als Formel "NiAs2", an, hält das Mineral aber für "tessularisch", also für kubisch. Die Härte führt er mit 5,5 und die Dichte mit 7,129 an, was den Angaben von BREITHAUPT für das orthorhombische Mineral entspricht.
James Dwight DANA führt 1850 in seinem "System of Mineralogy" den Rammelsbergit als "monometrisch", d.h. kubisch, mit der Formel NiAs auf. Merkwürdigerweise gibt er für den Chloanthit von BREITHAUPT "trimetrische" = orthorhombische Symmetrie an. James Dwight DANA (1854) legte schließlich den Namen Rammelsbergit für das orthorhombische und Chloanthit für das chemisch ähnliche kubische Mineral fest.


Literatur:
BREITHAUPT, A. (1835): Ueber das Verhältniss der Formen zu den Mischungen krystallisirter Körper.- Journal für praktische Chemie 4, 249-271 (Weissnickelkies p. 265)

BREITHAUPT, A. (1838): Bestimmung neuer Mineralien.- Journal für praktische Chemie 15, 321-338 (speziell p. 333) [als PDF-File (externer Link zu Google Books)]

BREITHAUPT, A. (1845): Ueber das Nickel-Biarseniet.- Poggendorffs Annalen der Physik und Chemie 64, 184-185

DANA, J.D. (1844): A System of mineralogy, comprising the most recent discoveries.- New York and London, Wiley & Putnam, 2nd edition, 633 p. (p. 470) [als PDF-File (externer Link zu Google Books)]

DANA, J.D. (1850): A System of mineralogy, comprising the most recent discoveries.- New York and London, published by George P. Putnam, 3rd edition, 711 p. (p. 471)

DANA, J.D. (1854): A System of mineralogy, comprising the most recent discoveries.- New York and London, published by George P. Putnam, 4th edition, 533 p. (p. 61) [als PDF-File (externer Link zu Google Books)]

HAIDINGER, W. (1845): Handbuch der bestimmenden Mineralogie, enthaltend die Terminologie, Systematik, Nomenklatur und Charakteristik der Naturgeschichte des Mineralreiches.- Wien, bei Braumüller & Seidel, 629 p. (p. 560)

HOFFMANN, E. (1832): Ueber die in der Natur vorkommenden Verbindungen des Arseniks mit Metallen.- Poggendorffs Annalen der Physik und Chemie 101 (Neue Folge 25), 485-494




Chemische Analyse von Rammelsbergit (in Masse-%)

     Rammelsbergit,
  von Schneeberg
  (HOFFMANN, 1832)   
  Rammelsbergit,
  theoretische
  Zusammensetzung     
  As   71.30   71.86
  Ni   28.14   28.14
  Bi     2.19  
  Cu     0.50  
  S     0.14  
  Summe      102.27 100.00





© Thomas Witzke / Stollentroll

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