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Maucherit


Formel: Ni11As8, tetragonal

Typlokalität: Eisleben, Sachsen-Anhalt

Erstbeschreibung:
F. Grünling (1913): Maucherit Ni3As2, ein neues Nickelmineral aus den Kobaltrücken des Mansfelder Kupferschiefers.- Centralblatt für Mineralogie, Geologie und Paläontologie, 225-226




Tafelige Kristalle von Maucherit. Eisleben, Sachsen-Anhalt. Bildbreite 2,2 mm. Sammlung und Foto Thomas Witzke.


 
Wilhelm MAUCHER (1879-1930), Inhaber der Süddeutschen Mineralienzentrale, bemerkte auf Stufen von Eisleben in Sachsen-Anhalt ein Mineral, das er zunächst für Rammelsbergit hielt. Auf Grund des abweichenden Lötrohrverhaltens vermutete er dann aber ein neues Mineral. Eine von ihm veranlasste chemische Analyse von Prof. C. FRIEDRICH (Institut der Königlichen Technischen Hochschule Breslau) und Dr. PRANDTL (Königliches Bayerisches Staatslaboratorium) bestätigte diese Vermutung. MAUCHER sandte schließlich im Januar 1912 einige Stufen an das Mineralogische Institut der Königlichen Universität München zur weiteren Untersuchung. Die Beschreibung und Publikation erfolgte schließlich durch GRÜNLING (1913) [als PDF-File (291 KB)], der das Mineral nach MAUCHER benannte: "Als Fundort für das neue Mineral wird Eisleben in Thüringen [heute in Sachsen-Anhalt – T.W.] angegeben. Die Mineralvergesellschaftung läßt erkennen, daß man es mit einem Vorkommen der bekannten Kobaltrücken des Kupferschiefergebietes zu tun hat. Die Begleiter des Maucherits sind nämlich Nickelin, Chloanthit, gediegen Wismut, Manganit, Calcit, Baryt, Anhydrit und Gips. Das Nebengestein ist Kupferschiefer, z.T. auch Weißliegendes oder Fäule. [...] Der Maucherit zeigt im Bruch rötlich silberweiße Farbe, die sich nach einiger Zeit in ein rötliches Platingrau oder in ein graues Kupferrot ändert. Die derben Massen zeigen undeutlich faserige, dichte oder zellige Struktur. Nicht selten sind die Räume zwischen den Fasern oder Blättern mit Nickelin erfüllt, wie auch oft die Kristallblätter ganz mit Nickelin überwachsen sind. Die Kristalle bilden dünne, stark glänzende, rechteckige Täfelchen mit zugeschärften Kanten von 1 bis 10 mm im Geviert und sind fast stets zu quirlförmigen Viellingen gruppiert dergestalt, daß die einen Kanten der Quadrate in eine Ebene fallen, die anderen sich parallel laufen. Die Kanten der Kristallblättchen zeigen eine scharfe Riefung. Das Kristallsystem konnte noch nicht festgestellt werden; wahrscheinlich ist es tetragonal oder rhombisch. Die Härte ist 5. Die Dichte ist nach der Bestimmung des Herrn Professors Dr. PRANDTL bei 19° C 7,83. Der Strich ist schwärzlichgrau, der Bruch uneben, spröde." Der Chemismus des Minerals (siehe Tabelle) "entspricht also fast genau der Formel (Ni,Co)3As2 und somit der Zusammensetzung mancher Nickelspeisen".
Erst 1940 konnte PEACOCK nach Einkristalluntersuchungen und chemischen Analysen zeigen, dass die Zusammensetzung von Maucherit Ni11As8 ist.

Eine dem Maucherit entsprechende Nickelspeise (ein Hüttenprodukt), wie sie von GRÜNLING (1913) erwähnt wurde, ist von BREITHAUPT (1841) als das Mineral "Plakodin" beschrieben und von PLATTNER (1843) worden. Die in einem Blaufarbenwerk gefundene Probe soll angeblich von der Grube Jungfer bei Müsen stammen. SCHNABEL (1851) gibt jedoch an, daß in dieser Grube derartiges Material nicht vorkomme und daß es sich wohl um ein Hüttenprodukt (als "Nickelspeise" aus Blaufarbenwerken bekannt) handelt. BREITHAUPT und PLATTNER bestätigen später diese Möglichkeit bzw. schließen sich dieser Ansicht an. Daß es sich bei der "Nickelspeise" und dem "Plakodin" um eine dem Maucherit entsprechende Verbindung handelt, zeigte PEACOCK (1940).


Literatur:
BREITHAUPT, A. (1841) Poggendorfs Annalen der Physik und Chemie 53, 631 ff

GRÜNLING, F. (1913): Maucherit Ni3As2, ein neues Nickelmineral aus den Kobaltrücken des Mansfelder Kupferschiefers.- Centralblatt für Mineralogie, Geologie und Paläontologie, 225-226 [als PDF-File (291 KB)]

PEACOCK, M.A. (1940): On maucherite (nickel-speise, placodine, temiskamite).- Mineralogical Magazine 25, 557-572

PLATTNER, C.F. (1843): Chemische Untersuchung des Plakodins von der Grube Jungfer, bei Müsen, zwischen Eisenspath und Nickelglanz vorgekommen.- Poggendorfs Annalen der Physik und Chemie 58, 283-286

SCHNABEL (1851) Nat.-hist. Verh. Rheinl. 8, 571





Maucherit mit Baryt. Eisleben, Sachsen-Anhalt. Größe der Stufe 8 cm. Sammlung und Foto Thomas Witzke.




Chemische Analyse von Maucherit (in Masse-%)

    Maucherit
  von Eisleben
  (GRÜNLING, 1913) 1)   
  Maucherit,
  theoretische
  Zusammensetzung   
  Ni   52.71   51.86
  Co     2.15  
  Pb     0.20  
  Fe     0.40  
  As   43.67   48.14
  S     0.17  
  Gangart      0.40  
  Summe       99.70 100.00

1) Analyse von PRANDTL




© Thomas Witzke / Stollentroll

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