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Langbeinit


Formel: K2Mg2(SO4)3

Typlokalität: Bohrloch im Huy, Anderbeck bei Halberstadt, Sachsen-Anhalt

Erstbeschreibung:
S. Zuckschwerdt (1891): Langbeinit, ein neues Kaliummagnesiumsulfat.- Zeitschrift für angewandte Chemie, p. 356




Langbeinit aus der Bohrung am Huy von 1884. Größtes Exemplar 2 cm. Sammlung und Foto Thomas Witzke. Langbeinit mittels Röntgendiffraktometrie bestätigt.
Das Material stammt offenbar vom Originalfund, das Etikett wurde aber noch vor dem Erscheinen der Erstbeschreibung von Langbeinit geschrieben. Die Formel steht in der 1818 entwickelten Schreibweise nach Berzelius, die noch bis etwa 1880 in der Literatur verwendet wurde. Die Punkte stellen Sauerstoff dar, Kaliumoxid wurde noch für KO gehalten. Die Formel ist ansonsten für Langbeinit aber korrekt. In der Erstbeschreibung von 1891 steht die Formel bereits in der heute üblichen Schreibweise. Wer die Analyse vor dem Erscheinen der Erstbeschreibung durchgeführt hat, ist nicht bekannt. Der "Leonit" ist eine spätere Ergänzung in einer anderen Handschrift.



Im Jahre 1884 wurden am Huy, einem nördlich von Halberstadt gelegenen Höhenzug, Kalisalze erbohrt, welche später durch den Schacht Wilhelmshall bei Anderbeck aufgeschlossen wurden. Die chemische Analyse eines aus etwa 230 m Tiefe stammenden Teils des Bohrkerns zeigte neben viel Natriumchlorid auch reichlich Kaliumsulfat und Magnesiumsulfat, aber nur sehr wenig Wasser. ZUCKSCHWERDT (1891) [als PDF-File (331 KB)] schreibt dazu: "Der im Vergleich zu den beiden bisher bekannten Kaliummagnesiumsulfaten – Kainit mit 21,72 Proc. H2O und Schoenit [= Picromerit – T.W.] mit 26,84 Proc. H2O – geringe Wassergehalt des Bohrkerns, sowie die auffallend langsame Löslichkeit des darin enthaltenen Kalisalzes liessen mit Sicherheit annehmen, dass in dem fraglichen Bohrkerne ein neues Kaliummagnesiumsulfat enthalten sein müsse. [....] Das so isolirte Mineral stellt farblose, wasserhelle oder grauweisse, glasglänzende Krystallmassen von muscheligem Bruch dar. Die Härte ist 3 bis 4, das spec. Gewicht 2,86. In Wasser ist es sehr langsam, aber reichlich löslich." LANGBEIN konnte das Mineral von dem begleitenden Halit durch Behandlung mit kalter, fast gesättigter Magnesiumsulfat-Lösung trennen.
Die chemischen Analysen entsprechen sehr gut der theoretischen Zusammensetzung für K2Mg2(SO4)3.
ZUCKSCHWERDT (1891) nannte das Mineral Langbeinit nach dem Commerzienrat Adalbert LANGBEIN aus Leopoldshall bei Staßfurt für seine Verdienste um die Entwicklung der Kalisalzindustrie.

Langbeinit tritt nur sehr selten in guten Kristallen auf. Einige Exemplare sind von Solvayhall bei Bernburg bekannt (LUEDECKE, 1898). An einem bis 20 mm großen Kristall ließ sich gut beobachten, dass Langbeinit im kubischen System, tetraedrisch-pentagondodekaedrische Klasse kristallisiert.


Literatur:
LUEDECKE, O. (1898) Zeitschrift für Kristallographie, Mineralogie und Petrographie 29, 254 (nach
HINTZE, C. (1930): Handbuch der Mineralogie, 1. Bd., 3. Abtl., 2. Hälfte, Berlin und Leipzig)

ZUCKSCHWERT, S. (1891): Langbeinit, ein neues Kaliummagnesiumsulfat.- Zeitschrift für angewandte Chemie, p. 356 [als PDF-File (331 KB)]



Chemische Analyse von Langbeinit (in Masse-%)

    Langbeinit,
  Huy bei Halberstadt
  (ZUCKSCHWERDT, 1891)   
  Langbeinit,
  theoretische
  Zusammensetzung    
  K2SO4   41.30   41.99
  MgSO4   58.20   58.01
  MgCl2     0.22  
  MgO     0.08  
  H2O     0.20  
  Summe     100.00 100.00




Langbeinit-Kristall von Solvayhall, Bernburg, Sachsen-Anhalt (Luedecke, 1898).




© Thomas Witzke / Stollentroll

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