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Kieserit


Formel: MgSO4 · H2O, monoklin

Typlokalität: Staßfurt, Sachsen-Anhalt

Erstbeschreibung:
E. Reichardt (1860): Das Steinsalzbergwerk Stassfurth bei Magdeburg.- Nova Acta Leopold. Acad. 27, 632-635




REICHARDT beschrieb 1860 als Kieserit ein neues Mineral von Staßfurt, das weiße bis grauweiße, dichte Massen bildet. Sie bestehen aus mikroskopisch kleinen, prismatischen Kristallen. Ein besonderes Kennzeichen ist, dass der Kieserit schwerer wasserlöslich als die umgebenden Salzminerale ist. Kieserit trat nesterweise eingesprengt oder im Gemenge mit Halit auf. Als Zusammensetzung findet REICHARDT "MgO,SO3+3HO".
Bei einer Analyse einer Kieseritprobe von Staßfurt kommt SIEWERT (1861) zu einem anderen Ergebnis. Er findet einen erheblich niedrigeren Wassergehalt, der nur einem H2O pro Formeleinheit entspricht. Da zwischen der von REICHARDT und SIEWERT gefundenen Zusammensetzung erhebliche Differenzen bestanden, führt LEOPOLD (1861) eine weitere Analyse durch. Er findet die Formel "MgO,SO3+HO" und bestätigt damit die Analyse von SIEWERT. REICHARDT nimmt daraufhin an, dass der Kieserit sich erst bei den Vorbereitungen zur Analyse beim Waschen mit Alkohol oder Wasser (um leichtlösliche Chloride abzutrennen) in das Monohydrat und in das leicht lösliche Heptahydrat aufspaltet, was BRÄUNING (1862) durch weitere Analysen widerlegt. Nach eigenen Analysen bestätigt später auch REICHARDT (1866) die Zusammensetzung von Kieserit als Magnesiumsulfat-Monohydrat.
Das Mineral ist jedoch schon vor REICHARDT (1860) analysiert worden: "Weiße feinkörnige Gemenge von schwefelsaurer Talkerde und Chlornatrium" mit 90% NaCl aus Staßfurt wurden von KARSTEN (1845) als Martinsit bezeichnet. "Eine neuerlich vorgekommene Substanz dieser Art" wurde von RAMMELSBERG (1856) untersucht: "Das hier mit 4 Proc. Chlornatrium gemengte Sulfat, welches die Hauptmasse des Ganzen bildet, ist demnach kein gewöhnliches Bittersalz, sondern ein Hydrat mit wenig mehr als 1 At. Wasser ...".
REICHARDT (1860) benannte das Mineral nach Prof. Dietrich Georg KIESER (1779-1862), Mediziner an der Universität Jena und Präsident der Leopoldina. Dass sich der Name Kieserit und nicht Martinsit durchgesetzt hat, liegt vielleicht daran, dass mit dem letztgenannten Namen ursprünglich ein Gemenge bezeichnet wurde.


Literatur:
BRÄUNING, J. (1862): Ueber den Wassergehalt des Kieserits.- Zeitschr. für die gesammten Naturwissenschaften 20, 33-37

RAMMELSBERG, C.F. (1856): Ueber den Tachyhydrit, ein neues Mineral aus dem Steinsalzlager von Stassfurth.- Poggendorffs Annalen der Physik und Chemie 98, 261-263 [als PDF-File (295 KB)]

REICHARDT, E. (1860): Das Steinsalzbergwerk Stassfurth bei Magdeburg. Kieserit.- Nova Acta Leopold. Acad. 27, 632-635 [als PDF-File (2330 KB)]

REICHARDT, E. (1866): Das Steinsalzbergwerk Stassfurt und die Vorkommnisse in demselben.- N. Jb. Min. Geol. Pal., 320-350 (speziell 340-341)
SIEWERT, M. (1861): Ueber die Zusammensetzung des Kieserits.- Zeitschr. für die gesammten Naturwissenschaften 17, 49-51




© Thomas Witzke / Stollentroll

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