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Kainit


Formel: KMg(SO4)Cl · 3 H2O, monoklin

Typlokalität: Leopold-Schacht, Leopoldshall bei Staßfurt, Sachsen-Anhalt

Erstbeschreibung:
C. Zincken (1865): Mittheilung an Prof. H.B. Geinitz vom 18.März 1865 [Über ein neues Mineral, Kainit].- Neues Jahrbuch für Mineralogie, Geologie und Paläontologie, 310




Idiomorpher Kainit-Kristall. Größe des Kristalls 3,8 cm. Grube Brefeld, Tarthun bei Staßfurt, Sachsen-Anhalt. Sammlung und Foto Thomas Witzke.


 
Über den Fund des Minerals berichtet C. ZINCKEN in einer brieflichen Mitteilung vom 18. März 1865 an Professor H.B. GEINITZ, einen Herausgeber des Neuen Jahrbuchs für Mineralogie, Geologie und Paläontologie [als PDF-File (221 KB)]:
"In dem durch sein ausgezeichnetes Vorkommen von Leopoldit (massiges reines Chlorkalium) [= Sylvin – T.W.] bekannten Leopold-Schachte von Leopoldshall bei Stassfurt hat der Berggeschworene SCHÖNE unlängst ein neues Salz entdeckt; dasselbe besteht aus: Kali, Natron, Magnesia, Kalkerde, Chlor, Schwefelsäure und Wasser. Die Verbindung von Chlormetallen mit schwefelsauren Salzen ist eine sehr eigenthümliche, weshalb ich für dieselbe, und zwar mit Genehmigung des Entdeckers, den Namen Kainit (von kainos [im Original in griechischen Buchstaben – T.W.], neu) vorzuschlagen mir erlaube. Der Kainit findet sich bis jetzt nur derb und zeigt nur an einzelnen Stellen kleine krystallinische Partieen, welche einen Schluss auf die Krystallisation nicht gestatten; er besitzt einen ebenen bis splitterigen Bruch, zerspringt leicht in scharfkantige Stücke; H. = 2,5. G = 2,131. Farbe hellgraugrün, durchscheinend; löst sich leicht in heissem Wasser auf. Vorgekommen ist der Kainit vor dem Abbauorte 37 der südlichen Hauptvorrichtungsstrecke der Kaliregion, hart an deren hangender Grenze und zwar sowohl in einzelnen kleinen Partien in dem stellenweise mehrere Lachter mächtigen Steinsalze, welches im südlichen Grubenfelde merkwürdiger Weise über den, das Haupsteinsalz-Lager bedeckenden Kalischichten und unter dem hangenden Salzthone sich findet, als auch in einer 4 Zoll starken Lage unmittelbar über der Carnallit-Schicht."

Kurz danach veröffentlicht ZINCKEN (1865 b) [als PDF-File (226 KB)] eine Analyse des Minerals (siehe Tabelle). Offenbar ist das untersuchte Material etwas mit Halit und Sylvin verunreinigt gewesen.
FRANK (1870) führt eine weitere chemische Analyse durch und findet die Formel "KOSO3 + MgOSO3 + MgCl + 6 HO". Auf Grund der damals zu hoch angenommenen Atomgewichte müssen die Anteile von K, Cl und H in der Formel verdoppelt werden, danach entspricht sie der heute für Kainit gültigen.


Literatur:
FRANK, A. (1870): Vorkommen und Bildung von krystallinischem Sylvin und krystallisiertem Kainit im Steinsalzwerk zu Stassfurt.- Chemisches Zentralblatt 9, 144

GOLDSCHMIDT, V. (1918): Atlas der Krystallformen.- Heidelberg, Band V.

ZINCKEN, C. (1865 a): Mittheilung an Prof. H.B. Geinitz vom 18.März 1865 [Über ein neues Mineral, Kainit].- Neues Jahrbuch für Mineralogie, Geologie und Paläontologie, 310 [als PDF-File (221 KB)]

ZINCKEN, C. (1865 b): Ueber die Zusammensetzung des Kainits von Leopoldshall bei Stassfurth.- Berg- und hüttenmännische Zeitung 24, 288 [als PDF-File (226 KB)]





Zeichnungen von Kainit-Kristallen (GOLDSCHMIDT, 1918).



Chemische Analyse von Kainit (in Masse-%)

    Komponenten,
  nach ZINCKEN (1865)    
  Kainit,
  Staßfurt
  (ZINCKEN, 1865)    
  Kainit,
  theoretische
  Zusammensetzung    
  K   Kalium   17.83   15.70
  Na   Natrium     2.96  
  MgO   Magnesia   14.78   16.19
  CaO   Kalk     0.15  
  Cl   Chlor   19.69   14.24
  SO3   Schwefelsäure     28.09   32.16
  H2O   Wasser   18.52   21.70
  Summe       102.01   99.99




© Thomas Witzke / Stollentroll

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