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Helvin


Formel: Mn4Be3Si4O12S, kubisch

Typlokalität: Friedefürst-Fundgrube bei Breitenbrunn und andere Gruben im Revier Schwarzenberg-Breitenbrunn, Erzgebirge, Sachsen (zunächst mit der ungenauen Angabe "zu Annaberg", Erzgebirge, Sachsen beschrieben)

Erstbeschreibung:
MOHS, F. (1804): Des Herrn JAC. FRIED. VON DER NULL Mineralienkabinett, nach einem, durchaus auf äussere Kennzeichen gegründeten Systeme geordnet, beschrieben, und durch Hinzuthuung vieler, dem gegenwärtigen Zustande der Mineralogie angemessener, erläuternder Anmerkungen und nöthiger Berichtigungen, als Handbuch der Oryctognosie brauchbar gemacht.- Wien, in der Camesinaischen Buchhandlung. Vol. 1, 592 p. (p. 92-93)
     (als "ein Fossil, welches viel Aehnlichkeit mit dem Granat hat, aber doch nicht Granat zu seyn scheint", mit der ungenauen Fundortangabe "zu Annaberg")

Benennung:
WERNER, A.G. (1817): Letztes Mineral-System.- Freyberg & Wien, p. 2 und 29
     (als "Helvin", mit Verweis zu den Fundorten bei Freiesleben)
FREIESLEBEN, J.C. (1817): Helvin.- Geognostische Arbeiten, Band 6. Freyberg, Craz & Gerlach, p. 126-129
     (exakte Fundstellen, Vorkommen in Annaberg ist fehlerhaft)




Helvin in gelben, tetraedrischen Kristallen. Grube Unverhofft Glück an der Achte, Antonsthal bei Schwarzenberg, Erzgebirge, Sachsen. Bildbreite 6 mm. Sammlung und Foto Thomas Witzke.



           Ein granatähnliches "Fossil" mit ungenauer Fundortangabe

"Ein Fossil, welches viel Aehnlichkeit mit dem Granat hat, aber doch nicht Granat zu seyn scheint" findet sich bei der Beschreibung des VON DER NULL'schen Mineralien-Kabinets durch Friedrich MOHS (1804) als Anhang zum Granat:
"Es ist äusserlich von lichte gelblich-brauner Farbe, und nähert sich inwendig einem, mit etwas braun gemischten schwefelgelben. Es bricht eingesprengt und krystallisirt; die Krystalle sind Tetraëder, mit abgestumpften Ecken, auch Segmente des Tetraëders; glattflächig, starkglänzend, und klein. Sie sind auf- und übereinander gewachsen. Inwendig ist es theils matt, theils schimmernd, und in zersprengten Krystallen, selbst wenig glänzend. Der Glanz ist Glasglanz, inwendig ein wenig zum Fettglanze geneigt. Im Bruche ists uneben, von feinem Korne; scheint jedoch in Krystallen zuweilen versteckt blättrig zu werden. Es ist unabgesondert. Stark (wenigstens in den Kystallen) durchscheinend und halbhart. Es bricht mit brauner Blende, Kalkspath, Braunspath, mit Flussspath u.s.w. und ist zu Annaberg im sächsischen Erzgebürge, wie man sagt, nicht mehr als einmal, vorgekommen".


           Die Benennung als Helvin

Abraham Gottlob WERNER (1817) nannte das Mineral schließlich Helvin und listet es unter der "Sipschaft des Granats" auf. Die Benennung erfolgte auf Grund der gelben Farbe, offenbar nach dem griechischen Wort helios = Sonne, was jedoch in der Arbeit nicht erwähnt wird. August BREITHAUPT, der das Werk von WERNER nach dessen Tod herausgab und mit Ergänzungen versah, fügt folgendes hinzu:
"Eine Beschreibung dieses Fossils von Hrn. Mohs findet sich schon, als Anhang beim Granat, in seiner Beschreibung des von der Null’schen Mineralienkabinets Abth. I. S. 92. u. 93.; daraus übertragen in Reuß a.a.O. Th. VI. S. 65. Nähere und neue Bestimmungen des Helvin’s, als solchen, enthalten Hrn. BR. Freiesleben’s Geognostische Arbeiten Bd. V. S. 126. u.f. Der von Hrn. BR. Werner gebildete Name beziehet sich auf die gelbe Farbe des Fossils. B."
WERNER hatte den Namen Helvin vorher schon verwendet, allerdings nicht publiziert.


           Die Suche nach der Typlokalität

Noch vor Veröffentlichung des Mineralsystems von WERNER wird der Name Helvin erstmals im Band 6 der Geognostischen Arbeiten von Johann Carl FREIESLEBEN (1817) erwähnt. Hier findet sich eine etwas ausführlichere Beschreibung des Minerals, vor allem jedoch geht FREIESLEBEN auf die fehlerhafte Fundortangabe bei MOHS (1804) und die tatsächlichen Originalfundorte ein:
"Helvin. Mit dieser Benennung hat Herr Bergrath Werner im vorigen Jahre ein Fossil belegt, das nur erst seit einiger Zeit in den Mineralienhandel gekommen ist, und das besonders durch den verstorbenen Mineralienhändler Scheidhauer mit unter dem Namen Aplomgranat verkauft wurde. [...] Alles was davon in den Mineralienhandel gekommen ist, wurde aus Halden alter Flößzechen ausgekuttet, und zwar von einem (ebenfalls verstorbenen) Steiger Berger, so daß es schwer ist, jetzt noch über die eigentlichen bisherigen Fundorte des Helvins in Gewißheit zu kommen. Soviel ich darüber Erkundigung einzuziehen gesucht habe, hat man mir, theils die oben S. 26 unter dem Namen Friedefürst erwähnte Flößzeche bei Bermannsgrün, theils eine unbenannte alte Flößzeche im Pfarrwalde zwischen Breitenbrunn und Krandorf, theils die S. 3 genannte Flößzeche Brüder Lorenz angegeben; so viel ist auf jeden Fall ausgemacht, daß dieß Fossil der im Ersten Aufsatze dieses Bandes beschriebenen Lagerformation angehört. So soll es auch, nach einer nicht ganz zuverlässigen Nachricht, einmal auf der S. 13 erwähnten Flößzeche Glücksburg vorgekommen seyn. Aus der Annaberger Refier aber ist es mir nirgends bekannt".

Nach Recherchen von Mirko MARTIN (1992) ist von Bermsgrün keine Grube "Friedefürst" bekannt. Jedoch bestand um 1790 eine Grube mit derartigem Namen an der Stelle der späteren "St. Richard Fundgrube" bei Breitenbrunn, ca. 5 km südlich von Bermsgrün. Helvin wurde hier auch in jüngerer Zeit noch gefunden.


           Weitere Untersuchungen am Helvin

Die schon von Friedrich MOHS 1804 beschriebenen Kristalleformen präzisiert Johann Carl FREIESLEBEN (1817) noch etwas:
"die Krystalle sind kleine Tetraeder, theils vollkommen, theils mit abgestupften Ecken; gewöhnlich sind dieselben glattflächig und stark glänzend, bisweilen erscheinen die Seitenflächen ganz flach in drey Flächen getheilt, wodurch dann eine eigne Streifung entsteht ..."

Eine ausführliche Beschreibung von Helvin findet sich bei August BREITHAUPT (1818). Er bestimmt u.a. "Spezifisches Gewicht: 3,2 bis 3,3" und geht auf das Verhalten vor dem Lötrohr ein.

Trotz der auffälligen Unterschiede zum Granat und dem schon eingeführten Namen Helvin benennt MOHS das Mineral 1824 "tetraëdrischer Granat".


           Chemische Analysen: ein Berylliummineral

Nach einer ersten, recht fehlerhaften Analyse von VOGEL (zitiert in GMELIN) stellte der Chemiker Christian Gottlob GMELIN (1825), der Probenmaterial von BREITHAUPT erhalten hatte, als Erster den Beryllium- und Schwefelgehalt im Helvin fest (siehe Tabelle).
"Die Resultate dieser Analysen des Helvins sind von der Art, dass man denselben künftig schwerlich mehr neben den Granat wird stellen können. [...] Vielleicht dürfte der Helvin betrachtet werden als eine Verbindung von Doppelsilicaten des Manganoxyduls und der Beryllerde mit einem Oxysulfuretum des Mangans ...".


  
Chemische Analyse von Helvin (in Masse-%)

    Komponenten
  nach VOGEL
  und GMELIN    
  Helvin
  (VOGEL,
  in GMELIN 1825)    
  Helvin,
  Revier Breitenbrunn   
  (GMELIN, 1825)
  Helvin,
  theoretische
  Zusammensetzung    
  SiO2   Kieselerde   39.50   35.271   32.47
  BeO   Beryllerde       8.026  
  Al2O3   Alaunerde   15.65     1.445  
  CaO   Kalk     0.50    
  FeO   Eisenoxydul       7.990  
  Fe2O3   Eisenoxyd   37.75    
  MnO   Manganoxydul     29.344   38.34
  Mn2O3   Manganoxyd     3.75    
  MnS   Schwefelmangan     14.000   15.67
    Verlust b. Glühen       1.155  
  Summe       Summe       97.15   97.231 100.00



Literatur:
BREITHAUPT, A. (1818): C.A.S. Hoffmann´s Handbuch der Mineralogie 4.2.- Freiberg, Verlag Craz & Gerlach, p. 112-114

FREIESLEBEN, J.C. (1817): Helvin.- Geognostische Arbeiten, Band 6. Freyberg, Craz & Gerlach, 312 p. (p. 126-129)

GMELIN, C.G. (1825): Chemische Untersuchung des Helvins.- Poggendorffs Annalen der Physik und Chemie 3, 53-67

MARTIN, M. (1992): Die Typlokalität von Helvin.- Lapis 17, Heft 10, 24

MOHS, F. (1804): Des Herrn JAC. FRIED. VON DER NULL Mineralienkabinett, nach einem, durchaus auf äussere Kennzeichen gegründeten Systeme geordnet, beschrieben, und durch Hinzuthuung vieler, dem gegenwärtigen Zustande der Mineralogie angemessener, erläuternder Anmerkungen und nöthiger Berichtigungen, als Handbuch der Oryctognosie brauchbar gemacht.- Wien, in der Camesinaischen Buchhandlung. Vol. 1, 592 p. (p. 92-93)

MOHS, F. (1824): Grund-Riß der Mineralogie. Zweiter Theil. Physiographie.- Dresden, in der Arnoldischen Buchhandlung, 730 p. (p. 412-413)

WERNER, A.G. (1817): Letztes Mineral-System.- Freyberg & Wien, p. 2 und 29




© Thomas Witzke / Stollentroll

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