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Seit der Entdeckung von dem Silber-Blei-Antimonsulfid Freieslebenit gab es zahlreiche unterschiedliche Angaben zu dessen Kristallsystem. PHILLIPS (1837), LEVY (1837) und HAUSMANN (1839) hielten das Mineral für rhombisch, BROOKE & MILLER (1852) nach Messung an einigen guten Kristallen aus BROOKEs Sammlung für monoklin, NARANJO Y GARZA (1855) beschrieb Kristalle aus Spanien wiederum als rhombisch und BREITHAUPT (1866) hielt Freieslebenit aus dem Freiberger Revier für triklin (nach ZEPHAROVICH, 1871). Der Fund von "Freieslebenit" an einem dritten Fundort, Pribram in Böhmen, und die differierenden Angaben zum Kristallsystem veranlassten Viktor Leopold Ritter von ZEPHAROVICH, sich intensiver mit dem Mineral zu beschäftigen.
ZEPHAROVICH erhielt zur Untersuchung Kristalle aus der Wiener Universität, des k. k. Mineralienkabinetts Wien, der Prager Universität, von Herrn KASER aus Pribram, von A. BREITHAUPT sowie von Dr. KRANTZ.
"Die Resultate, zu welchen mich meine Untersuchungen, von so mancher Seite, wie eben erwähnt, auf das freundlichste gefördert, führten, sind nun die folgenden:
1. Die bisher als Freieslebenit bestimmten Minerale gehören zwei verschiedenen Species, einer monoklinen und einer rhombischen an.
2. Diese beiden Species, welche eine gleiche chemische Zusammensetzung besitzen, sind im specifischen Gewichte verschieden.
3. Die Substanz Ag4Pb3Sb4S11, wäre demnach, wenn es gestattet ist von den geringen Differenzen der vorliegenden chemischen Analysen abzusehen, eine dimorphe.
4. Die rhombische Species, für welche ich den Namen Diaphorit, von diaphora Unterschied wähle, kommt in Pribram ausschliessend, untergeordnet neben Freieslebenit auch in Freiberg vor.
5. Die monokline Species der Freieslebenit, dessen Formen übereinstimmend mit Brooke und Miller’s Angaben befunden werden, erscheint vorwaltend in Freiberg, ferner in Hiendelaencina".
ZEPHAROVICH (1871) geht sehr ausführlich auf die komplizierte Vermessung der Kristalle und Zwillinge aus Pribram ein. Aus den gewonnenen Daten ermittelt er ein rhombisches Kristallsystem mit den Achsenabschnitten a : b : c = 1 : 0.4919 : 0.7344. ZEPHAROVICH merkt jedoch an: "Der Habitus der Diaphorit-Formen ist entweder ein entschieden rhombischer oder, und zwar recht häufig, ein monokliner, in welch’ letzterem Falle, da auch die Kantenwinkel ähnliche sind, eine Verwechselung mit dem Freieslebenit leicht eintreten kann".
ZEPHAROVICH schreibt zu den Eigenschaften, dass REUSS an den Kristallen von Pribram eine Spaltbarkeit parallel "∞P" festgestellt hat, wobei unsicher ist, ob dies (110) nach seinen Vermessungen entspricht, da die Seltenheit des Materials und die geringe Größe keine Bestimmung der Spaltbarkeit zuließ. "Der Bruch ist uneben in’s kleinmuschelige übergehend. Die Härte liegt zwischen Steinsalz und Calcit. Die Substanz ist in hohem Grade spröde. Zur Ermittlung des specifischen Gewichtes wurden mit grösster Sorgfalt zwei Wägungen einer Anzahl von gemessenen und auf ihre Reinheit geprüften Kryställchen im Piknometer vorgenommen. [...] bei 19°C ergaben die Bestimmungen 5.919 und 5.885, daher im Mittel 5.902 als spec. Gewicht des Diaphorit. [...] Die Diaphorit-Krystalle sind stahl- bis bleigrau, stark metallglänzend, zuweilen sind sie dunkel angelaufen und matt. [...]
Diaphorit von Bräunsdorf bei Freiberg.
Unter den Exemplaren, welche mi Dr. Krantz aus seiner Privatsammlung sandte, erregte eines von Bräunsdorf in Sachsen mein besonderes Interesse, da an einem isolirt aufgewachsenen Kryställchen desselben durch Dauber eine flächenreiche Freieslebenit-Combination bestimmt worden war. Am Reflexionsgoniometer ergab sich aber alsbald, dass hier Diaphorit und nicht Freieslebenit vorliege [...]".
ZEPHAROVICH konnte noch einen weiteren, etwas besser ausgebildeten Kristall sowie einen Zwilling von dieser Stufe goniometrisch vermessen. "Das Vorkommen des Diaphorit in Bräunsdorf ist somit sichergestellt und es unterliegt keinem Zweifel, dass man es auch an anderen Freiberger 'Freieslebenit'-Stücken auf Grundlage von Messungen nachweisen werde".
Literatur:
ZEPHAROVICH, V. Ritter von (1871): Über Diaphorit und Freieslebenit.- Sitzungsberichte der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Akademie der Wissenschaften (Wien) 63, 130-156
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Viktor Leopold Ritter von Zepharovich (1830-1890)
Mineraloge
Viktor Leopold Ritter von Zepharovich wurde am 19. 4. 1830 in Wien geboren. Er studierte an der Bergakademie Schemnitz (Banska Štiavnica, Slovakei). 1851 wurde er Volontär am Hof-Mineralien-Kabinett im Wien und ab 1852 arbeitete er als Geologe in der Geologischen Reichsanstalt in Wien. Von 1857 – 1861 hatte er eine Universitäts-Professur für Mineralogie in Krakau inne. Am 1. 10. 1961 wurde Zepharovich als Mineralogie-Professor an die Universität Graz berufen. 1864 wechselte er an der Universität Prag, wo er 1880 ein Mineralogisches Institut errichtete. Zepharovich starb am 24. 2. 1890 in Prag.
Er verfasste zahlreiche mineralogische und kristallografische Arbeiten zu verschiedenen Mineralen. Sein wichtigstes Werk ist das Mineralogisches Lexikon für das Kaiserthum Oesterreich, erschienen 1859 in Wien.
(nach Meyers Konversationslexikon, 1885-1892, und Österreich Lexikon, TU Graz).
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