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Bunsenit


Formel: NiO, kubisch

Typlokalität: Johanngeorgenstadt, Erzgebirge, Sachsen

Erstbeschreibung:
C. Bergemann (1858): Ueber einige Nickelerze.- Journal für praktische Chemie [1] 75, 239-244
     (als "Nickeloxydul")
J.D. Dana (1868): A system of mineralogy.- 5th ed., New York, p. 134-135
     (als "Bunsenit" ohne eigene Untersuchungen)




Bunsenit. Johanngeorgenstadt, Erzgebirge, Sachsen. Bildbreite 5 mm. Sammlung und Foto Thomas Witzke.



Auf der schon beim Aerugit beschriebenen Stufe von Johanngeorgenstadt fand der Chemiker C. BERGEMANN (1858) [als PDF-File (682 KB)] ein weiteres neues Mineral. Es trat in kleinen, dunkelgrünen Kristallen in Höhlungen mit gediegen Wismut sowie in Verwachsungen mit Aerugit auf. BERGEMANN schreibt, dass nach allen von ihm angestellten Versuchen das Mineral "allein aus reinem Nickeloxydul [= NiO – T.W.]" besteht. Die Kristalle "bilden vollkommen ausgebildete reguläre [= kubische – T.W.] Octaëder, oft mit Granatoëderflächen; sie sind von dunkel pistaziengrüner Farbe, besitzen dabei Glasglanz und sind durchsichtig, der Strich erscheint braunschwarz; die Härte steht zwischen Apatit und Feldspath, 5-6; ihr spec. Gewicht fand ich im Mittel von 5 Wägungen = 6,398." Von Säuren wird das Mineral kaum angegriffen. BERGEMANN erwähnt auch, dass BUNSEN "schon vor langer Zeit ein künstliches krystallinisches Nickeloxydul" herstellte. Das Mineral wird von BERGEMANN nur als Nickeloxydul bezeichnet. Wie schon beim Aerugit erwähnt, sollte ein Name erst vergeben werden, wenn eine größere Menge gefunden wird.

J. D. DANA (1868) [als PDF-File (395 KB)] benennt das Mineral in seinem "System of Mineralogy" schließlich nach Robert Wilhelm Eberhard BUNSEN (1811-1899), Professor für Chemie an der Universität Heidelberg, der, wie schon von BERGEMANN bemerkt, die Verbindung erstmals synthetisierte und durch die Entdeckung der beiden chemischen Elemente Rubidium und Cäsium gemeinsam mit Gustav Robert KIRCHOFF bekannt geworden ist. Eigene Untersuchungen führte DANA an dem Mineral nicht durch, er übernimmt ausschließlich die Angaben von BERGEMANN.

Bunsenit kristallisiert in der Raumgruppe Fm3m und weist eine Halit-Struktur auf. Der Gitterparameter a beträgt 4.1684 Å, das Volumen der Elementarzelle 72.428 Å3 (WYCKOFF, 1963).
Das Mineral ist nur von sehr wenigen weiteren Fundorten bekannt, so von Bon Accord, Barberton Mountain Land, Transvaal, Südafrika neben Bonaccordit (DEWAAL et al., 1974) und aus der Morokweng Impaktstruktur, Südafrika, zusammen mit anderen Ni-Mineralen in durch dem Impakt aufgeschmolzenem Gestein (ANDREOLI et al.)


Literatur:
ANDREOLI, M.A.G.; HART, R.J.; Ashwal, L.D. & TREDOUX, M. (1997 ?): Ni- and PGE-enriched quartz norite in the latest Jurassic Morokweng Impact Structure, South Africa.- http://www.lpi.usra.edu/meetings/impacts97/pdf/6055.pdf

BERGEMANN, C. (1858): Ueber einige Nickelerze.- Journal für praktische Chemie [1] 75, 239-244 [als PDF-File (682 KB)]

DANA, J.D. (1868): A system of mineralogy.- New York, 5th ed., p. 134 [als PDF-File (395 KB)]

DEWAAL, S.A.; VILJOEN, E.A. & CALK, C. (1974): Nickel minerals from Barberton, South Africa. VII Bonaccordite, the nickel analogue of ludwigite.- Trans. Geol. Soc. S. Africa 77, 373 (Abstr. in American Mineralogist 61 (1976) 502)

WYCKOFF, R.W.G. (1963): Crystal Structures 1, 85-237, Interscience Publishers, New York





Robert Wilhelm Eberhard Bunsen (1811-1899)

Chemiker

Robert Bunsen wurde am 30. 3. 1811 in Göttingen geboren. Er studierte Chemie bei Friedrich Stromeyer in Göttingen und promovierte 1831 über Hygrometer. Es folgen ausgedehnte Reisen durch Europa, wobei er u.a. auch eine geologische Reise durch die Eifel unternahm. Bunsen habilitierte 1833 über organometallische Verbindungen. 1836 wurde er Lehrer an der Gewerbeschule in Kassel als Nachfolger von Friedrich Wöhler. 1839 erhielt Bunsen eine Professur am Chemischen Institut der Universität Marburg, wo er sich u.a. mit Arsenverbindungen und Gasanalysen beschäftigte. Hier entwickelte er auch das Bunsenelement, eine Zink-Kohle-Batterie. 1845 unternahm er eine geologische Reise nach Island und untersuchte hier vulkanische Gase und Geysire. Im Jahre 1851 ging er nach Breslau, wo er Gustav Kirchoff kennen lernte. 1852 wurde Bunsen Nachfolger von Leopold Gmelin als Professur für Chemie an der Universität Heidelberg. Hier war Bunsen an der Konstruktion des Bunsenbrenners beteiligt. Zusammen mit G. R. Kirchoff entwickelte er ab 1859 die Spektralanalyse, die zur Entdeckung der chemischen Elemente Cäsium (1860) und Rubidium (1861) führete, ebenfalls gemeinsam mit Kirchoff. 1889 ging Bunsen in den Ruhestand. Er starb am 16. 8. 1899 in Heidelberg.



Robert Wilhelm Eberhard Bunsen. Foto von Eduard Schultze, 25.12.1891.

Gustav Kirchoff (links) und Robert Wilhelm Eberhard Bunsen.




© Thomas Witzke / Stollentroll

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