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Braunit


Formel: MnMn6SiO12, tetragonal

Typlokalität: Oehrenstock bei Ilmenau, Thüringen; Elgersburg, Thüringen; Friedrichroda, Thüringen; Leimbach, Sachsen-Anhalt (und Saint Marcel, Valle d’Aosta, Piemont, Italien)

Erstbeschreibung:
HAIDINGER, W. (1827): On the crystalline Forms and Properties of the Manganese Ores.- Edinburgh Journal of Science, IV, 41- ?




Braunit in kleinen Kristallen. Grube Lutherteufe, Oehrenstock, Thüringen. Bildbreite 4 mm. Sammlung und Foto Thomas Witzke.


 
Bei einem Aufenthalt in Deutschland erhielt der englische Chemiker Edward TURNER von dem Staatsbeamten Wilhelm VON BRAUN aus Gotha Proben eines Manganminerals aus Thüringen, das auf Grund der sehr ähnlichen Kristallform zunächst für das "pyramidale Manganerz" nach MOHS, also für Hausmannit, gehalten wurde. Bei der Untersuchung der Spaltbarkeit bemerkte Wilhelm HAIDINGER jedoch, dass sie nicht der von Hausmannit entsprach. HAIDINGER und TURNER stellten bei den Untersuchungen schließlich fest, dass es sich um ein neues, bisher nicht bekanntes Manganmineral handelt.
Es kommt in fast idealen Oktaedern in Oehrenstock bei Ilmenau, Elgersburg bei Ilmenau und Friedrichroda, alle in Thüringen, sowie Leimbach in Sachsen-Anhalt und St. Marcel in Piemont, Italien, vor. An ersteren beiden Orten fand es sich sowohl in Kristallen als auch derb in Gängen im Porphyr. In Leimbach tritt es in oktaedrischen Kristallen in Höhlungen im Quarz auf. Das neue Mineral wurde "brachytypes Manganerz" oder Braunit genannt nach Wilhelm VON BRAUN (1790 - 1872), ein Freund und Förderer der Mineralogie, der auch das Untersuchungsmaterial zur Verfügung gestellt hatte. HAIDINGER publizierte die Beschreibung zunächst 1827 in einer englischen Zeitschrift und dann 1828 auch auf deutsch.

Braunit bildet vierseitige Dipyramiden, die von einem idealen Oktaeder nur leicht abweichen. Parallel zu den Pyramidenflächen ist eine Spaltbarkeit festzustellen. Der Bruch ist uneben. Braunit weist einen halbmetallischen Glanz und eine dunkel bräunlichschwarze Farbe auf, die Strichfarbe ist identisch. Das Mineral ist spröde. Die Härte liegt bei 6 - 6 1/2. Eine Dichte von 4.818 wurde an Material von Elgersburg gemessen (HAIDINGER, 1831).

Die chemische Analyse an einer Probe von Elgersburg wurde von Edward TURNER (1831) ausgeführt (siehe Tabelle).

Literatur:
HAIDINGER, W. (1827): On the crystalline Forms and Properties of the Manganese Ores.- Edinburgh Journal of Science, IV, 41- ?

HAIDINGER, W. (1828): Mineralogische Beschreibung der Manganerze. I. Prismatoïdisches Manganerz, Manganit. II. Pyramidales Manganerz, Hausmannit. III. Untheilbares Manganerz, Psilomelan. IV. Brachytypes Manganerz, Braunit. V. Prismatisches Manganerz, Pyrolusit.- Poggendorffs Annalen der Physik und Chemie 14, 197-211

HAIDINGER, W. (1831): Mineralogical Account of the Ores of Manganese.- Transactions of the Royal Society of Edinburgh, Vol. II, 119-142 (speziell 132-135)

TURNER, E. (1831): Chemical Examination of the Oxides of Manganese.- Transactions of the Royal Society of Edinburgh, Vol. II, 143-174 (speziell 167-168)




Chemische Analyse von Braunit (in Masse-%)

    Komponenten nach
  TURNER (1831)   
 
  Braunit,
  Elgersburg
  (TURNER, 1831)    
  Braunit,
  theoretische
  Zusammensetzung   
  Braunit,
  theoretische
  Zusammensetzung   
  MnO   Protoxide of manganese      86.94   82.12   11.73
  Mn2O3         78.33
  O   Oxygen     9.851   13.23  
  Ba   Baryta     2.260    
  Si   Silica     Spur     4.64  
  SiO2           9.94
  H2O   Water     0.949    
  Summe      100.00 100.00 100.00









Wilhelm von Braun (1790-1872)

Staatsbeamter

Wilhelm Braun wurde am 1. Oktober 1790 in Thal bei Ruhla, Thüringen, geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Gotha studierte er in Jena und Göttingen die Cameralwissenschaften. Herzog August von Sachsen-Gotha stellte ihm die Mittel zu einer größeren Reise durch Österreich, die Schweiz und Italien zur Verfügung. Hier erwarb er sich reichlich Kenntnisse, speziell auf geologischen Gebiet. Nach seiner Rückkehr nach Gotha trat er in den Staatsdienst ein und wurde Kammer-Assessor. 1930 nahm er das Präsidium der Kammer zu Anhalt-Bernburg an und erwarb sich hier große Verdienste bei der Neuordnung des Berg- und Hüttenwesens, des Forstwesens und der Landwirtschaft. Für seine Verdienste wurde Wilhelm Braun geadelt als von Braun. 1848 wurde er Staatsminister, zog sich jedoch noch im selben Jahr in das Privatleben zurück und widmete sich der Wissenschaft. Er war ein großer Freund und Förderer der Geologie und Mineralogie. Wilhelm von Braun starb am 6. Februar 1872 in Gotha.





Wilhelm Ritter von Haidinger (1795-1871)

Geologe und Mineraloge


Wilhelm Haidinger, Lithographie von Josef Kriehuber, 1844
Wilhelm Haidinger wurde am 5. 2. 1795 in Wien geboren. Wie schon sein Vater, Karl Haidinger, interessierte sich auch Wilhelm Haidinger für die Bestandteile der Erdkruste. Er studierte ab 1812 am Johanneum in Graz bei Friedrich Mohs Mineralogie und setzte ab 1817 sein Studium bei Mohs an der Bergakademie Freiberg fort, nach dem dieser als Nachfolger Abraham Gottlob Werners dessen Lehrstuhl in Freiberg übernommen hatte. Dabei assistierte er Carl Gustav Adalbert von Weissenbach bei der Katalogisierung der Gesteinssammlungen Werners und fertigte Zeichnungen der Mineralien. Zwischen 1822 und 1826 bereiste er mit dem Bankier Thomas Allan aus Edinburgh Europa und übersetzte Mohs ins Englische. Mit seinen drei Brüdern leitete er in der Zeit von 1827 bis 1840 gemeinsam die im Familienbesitz befindliche Porzellanmanufaktur im böhmischen Elbogen. 1840 erfolgte Haidingers Berufung als Bergrat nach Wien. Er leitete, ordnete und erfasste die Mineraliensammlung der Hofkammer und gab 1845 eine geognostische Karte für die österreichischen Länder heraus. Am 15. November 1849 begründete Haidinger die "kaiserlich-königliche Geologische Reichsanstalt" Wien (nunmehr Geologische Bundesanstalt), deren Direktor er 17 Jahre lang war. Für seine Verdienste wurde er 1865 zum Erbritter geschlagen. Von ihm wurde auch eine Lupe (Haidingerlupe, Dichroskop) entwickelt, die seinen Namen trägt. Seit dem 7. April 1842 ist Haidinger in der Preußischen Akademie der Wissenschaften als korrespondierendes Mitglied eingetragen. Wilhelm Ritter von Haidinger ging 1866 in den Ruhestand. Er starb am 19. 3. 1871 in Dornbach in Wien.
Das Mineral Haidingerit wurde nach ihm benannt.
(Text und Bild nach: Wikipedia)








© Thomas Witzke / Stollentroll

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