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Atelestit


Formel: Bi2(AsO4)O(OH), monoklin

Typlokalität: Schneeberg, Erzgebirge, Sachsen

Erstbeschreibung:
A. Breithaupt (1832): Vollständige Charakteristik des Mineral-Systems.- Dresden und Leipzig, 3. Auflage, p. 307




Ein hellbräunlicher Kristall von Atelestit. Grube Junge Kalbe, Schneeberg, Erzgebirge, Sachsen. Bildbreite 1,5 mm. Sammlung und Foto Thomas Witzke.



August BREITHAUPT beschreibt 1832 [als PDF-File (246 KB)] unter dem Namen Atelestit ein neues Mineral von Schneeberg im Erzgebirge. Es bildet schwefelgelbe, fett- bis diamantglänzende, durchsichtige bis durchscheinende Kristalle, "In kleinen hemirhombischen [= monoklin – T.W.] Kombinazionen, welche die grösste Aehnlichkeit mit dem schweizerischen prismatischen Sphen haben. [...] Halbhart. Schwer. Die zarten Krystalle sitzen auf wismutischem Blende-Erz [= Eulytin – T.W.] von Schneeberg im Erzgebirge auf. Reagiren vor dem Lötrohre stark für Wismut".
Eine Erklärung für den Namen gibt BREITHAUPT nicht. Nach HINTZE (1933) wurde der Name nach dem griechischen ateles = unvollkommen gegeben, vermutlich weil die Zusammensetzung des Minerals zunächst unbekannt war.

Erste kristallografische Untersuchungen stammen von G. vom RATH (1869), der die Lage einer Reihe von Flächen vermaß und das Achsenverhältnis a : b : c = 0.869 : 1 : 1.822 mit beta = 110°30' aufstellte. BUSZ (1889) führte weitere Untersuchungen durch und wählte eine andere Aufstellung der Kristalle. Er bestimmte als Achsenverhältnis a : b : c = 0.9334 : 1 : 1.5051 mit beta = 109°17'.

BUSZ (1889) führte auch die erste chemische Analyse an Atelestit durch (s. Tabelle). Das Material stammt von der Grube Neuhilfe. Er fand als Zusammensetzung 3 Bi2O3 · As2O5 · 2 H2O, übertragen in die heutige Schreibweise wäre das Bi3(AsO4)O2(OH)2. Als Dichte für das Wismutarsenat bestimmte er 6.4 g/cm3. Die optischen Eigenschaften wurden von LARSEN (1921) untersucht. Für das optisch zweiachsig positive Mineral fand er die Brechungsindizes alpha = 2.14, beta = 2.15, gamma = 2.18 und 2V = 44°.

Nach einer Röntgenpulveranalyse an zwei Atelestit-Kristallen aus Schneeberg fanden CULVER & BERRY (1963) eine monokline Zelle P21/a mit a = 10.88, b = 7.42, c = 6.98 Å und beta = 107°13'. Gegenüber der Aufstellung von BUSZ sind hier a und c vertauscht. Aus der alten Analyse von BUSZ errechnen sie die chemische Formel Bi8(AsO4)3O5(OH)5 und geben Z = 1 an. Eine Strukturanalyse an einem Atelestit-Kristall aus Schneeberg führten MEREITER & PREISINGER (1986) durch. Sie fanden die Gitterparameter a = 7.000, b = 7.430, c = 10.831 Å, beta = 107.08° und die monokline Raumgruppe P21/c. Die Aufstellung enspricht hier wieder der von BUSZ. Für die Formel Bi2(AsO4)O(OH) ist Z = 4.

Atelestit ist nur wenigen Fundorten auf der Welt bekannt. Neben einigen Gruben im Schneeberger Revier wie Neuhilfe, Junge Kalbe, Pucher-Schacht, Ludwig-Schacht, Weinstock und weiteren, gibt es das Mineral z.B. noch vom Schmiedestollen bei Wittichen und Neubulach im Schwarzwald, Gadernheim in Hessen, Smrkovec in der Tschechischen Republik, der Mammoth Mine, Juab Co. und weiteren Fundorten in Utah, USA. In jüngerer Zeit wurden auch das Phosphat- und Vanadat-Analogon von Atelestit entdeckt: Smrkovecit und Hechtsbergit.


1874 beschrieb A. WEISBACH ein licht gelblichgrünes bis wachsgelbes Wismutarsenat von der Grube Weißer Hirsch in Schneeberg unter dem Namen "Rhagit". Es fand sich neben Walpurgin, Uranglimmer und Uraninit auf dem Uranerzanbruch von 1871, der zahlreiche neue Minerale lieferte. Der Rhagit kam in kugelig-traubigen, feinkristallinen Gebilden vor, das Kristallsystem ließ sich nicht bestimmen. Als Dichte für das Mineral wurde 6.82 g/cm3 bestimmt. Nach einer Analyse von Clemens WINKLER soll die Formel Bi10(AsO4)4(OH)18 lauten. Nach einer röntgenografischen Untersuchung von Atelestit und Rhagit stellt FRONDEL (1943) fest, dass beide Minerale übereinstimmende Pulverdaten aufweisen, ebenso sind die optischen Daten sehr ähnlich. Die Unterschiede bei der chemischen Zusammensetzung sind nur auf ungenaue Analysen zurückzuführen. Beide Minerale sind identisch, Rhagit wird diskreditiert da Atelestit Priorität hat.


Literatur:
BREITHAUPT, A. (1832): Vollständige Charakteristik des Mineral-Systems.- Dresden und Leipzig, 3. Auflage, p. 307 [als PDF-File (246 KB)]

BUSZ, K. (1889): Atelestit von der Grube Neuhilfe bei Schneeberg in Sachsen.- Zeitschrift für Krystallographie 15, 625

CULVER, K.B. & BERRY, L.G. (1963): Flinkite and atelestite.- Canadian Mineralogist 7,547-553

FRONDEL, C. (1943): New data on agricolite, bismoclite, koechlinite, and the bismuth arsenates.- American Mineralogist 28, 536-540

GOLDSCHMIDT, V. (1913): Atlas der Krystallformen, Band I.- Carl Winters Universitätsbuchhandlung Heidelberg

LARSEN, E. (1921) U.S. Geol. Surv. Bull. 679, 237

MEREITER, K. & PREISINGER, A. (1986): Kristallstrukturdaten der Wismutminerale Atelestit, Mixit und Pucherit.- Anzeiger der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 123, 79-81

RATH, G. vom (1869) Poggendorffs Annalen der Physik und Chemie 136, 422

WEISBACH, A. (1874) Neues Jahrbuch für Mineralogie 46 - 48, 302 und 870

WINKLER, C. (1874) Journal für praktische Chemie 118, 190




Atelestit-Kristalle von Schneeberg, Sachsen (Goldschmidt, 1913).



Chemische Analyse von Atelestit (in Masse-%)

   Atelestit,
von Schneeberg
(KERSTEN, 1843)   
Rhagit,
von Schneeberg
(WINKLER, 1874)   
Atelestit,
theoretische
Zusammensetzung     
Bi2O3   82.41   72.76   78.99
Fe2O3, Al2O3    0.51    1.62  
CoO      1.47  
CaO      0.50  
As2O5   14.12   14.20   19.48
Gangart       3.26  
H2O    1.92    4.62    1.53
Summe        98.06   98.43 100.00





August Breithaupt (1791-1873)

Mineraloge

August Breithaupt wurde 1791 in Probstzella bei Saalfeld/Saale geboren. Von 1809 bis 1811 studierte er in Jena; danach ging er an die Bergakademie Freiberg, um bei Abraham Gottlob Werner seine Studien fortzusetzen. 1813 wurde er Lehrer für Mineralogie an der Freiberger Bergschule und Leiter der Sammlungen der Bergakademie. Nach Werners Tod (1817) übernahm Breithaupt dessen Mineralogievorlesungen, bis Friedrich Mohs ihn 1818 ablöste. Als Mohs 1826 Freiberg verließ, erhielt August Breithaupt die Professur für Mineralogie, die er bis 1866 bekleidete. Neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit förderte Breithaupt den Abbau von Steinkohle im Zwickauer Raum. Gemeinsam mit dem Bergrat Carl Amandus Kühn und den Bankiers Carl und Gustav Harkort gründete er 1840 den Erzgebirgischen Steinkohlen-Aktienverein. Im Jahre 1849 veröffentlichte August Breithaupt sein Werk "Die Paragenesis der Mineralien". Bei seinen Studien über die Eigenschaften und Vorkommen von Mineralen hatte er entdeckt, dass bestimmte Minerale immer wieder gemeinsam auftreten. Die Begründung der Paragenesenlehre, die von großer Bedeutung für die Lagerstättenkunde und den Bergbau ist, gilt als seine bedeutendste Leistung als Wissenschaftler. Er entdeckte und beschrieb über 40 neue Minerale. Für die Bestimmung von Kristallsystemen führte er Bezeichnungen wie tetragonal, hexagonal und rhombisch ein. Er führte etwa 4.500 Dichtebestimmungen durch. August Breithaupt war Mitglied in zahlreichen wissenschaftlichen Gesellschaften, viele Ehrungen wurden ihm zuteil. Im Jahr 1853 wurde er zum Bergrat und 1863 zum Oberbergrat ernannt. Wilhelm Ritter von Haidinger benannte 1859 das Mineral Antimonnickel (NiSb) Breithauptit. 1872 wurde Breithaupt Ehrenbürger der Stadt Zwickau. In den letzten Lebensjahren litt er unter einem schweren Augenleiden, das ihn schließlich erblinden ließ. Eine Augenoperation im Sommer 1873 blieb ohne Erfolg. Er starb am 22. September 1873 in Freiberg, wo ihm zu Ehren eine Straße seinen Namen trägt. Breithaupt war der Vater von Hermann Theodor Breithaupt und der Onkel von Clemens Winkler.
(Text: Wikipedia)

August Breithaupt entdeckte zahlreiche Minerale mit Originalfundort in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt: Safflorit (1817), Amblygonit (1818), Skorodit (1818), Arsenolamprit (1823), Eulytin (1827), Atelestit (1832), Pyrostilpnit (1832), Diadochit (1837), Symplesit (1837), Lavendulan (1837), Variscit (1837), Xanthoconit (1840), Bismutit (1841), Digenit (1844) und Fritzscheit (1865).






© Thomas Witzke / Stollentroll

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