Die Homepage von Thomas Witzke: Entdeckung von Arsenolamprit
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Arsenolamprit


Formel: As, orthorhombisch

Typlokalität: Grube Palmbaum, Marienberg, Erzgebirge, Sachsen

Erstbeschreibung:
A. Breithaupt (1823): Vollständige Charakteristik des Mineral-Systems.- Dresden, 2. Auflage, p. 129 u. 250-251
     (als "Arsenik-Glanz")
A. Frenzel (1874): Mineralogisches. 4. Arsenglanz.- Neues Jahrbuch für Mineralogie, Geologie und Paläontologie, 677-678
     (Arsenglanz als eine eigenständige Arsen-Modifikation)
C. Hintze (1886): Ueber Arsenolamprit.- Zeitschrift für Krystallographie und Mineralogie 11, 606-608
     (als "Arsenolamprit")



Das Mineral wurde bereits 1796 auf einem Gang in der Grube Palmbaum bei Marienberg, Erzgebirge gefunden, aber für Bleiglanz oder Molybdänglanz gehalten. Es trat hier zwischen den Schalen und in Höhlungen von gediegen Arsen auf. August BREITHAUPT (1823) [als PDF-File (654 KB)] untersuchte das Material schließlich chemisch. Er schreibt dazu: "Ich vermuthete dass, da der Arsenik-Glanz ausgezeichnet in die Ordnung der Glanze gehört, und diese (nicht oxydierte) geschwefelte unmagnetische Metalle sind, auch jener ein geschwefeltes Metall sey. Ich fand bald Arsenik als Hauptbestandthei, allein von Schwefel kaum eine Spur". BREITHAUPT nannte das Mineral Arsenik-Glanz nach dem Chemismus und dem metallischen Glanz. Als weitere Eigenschaften gibt er eine zwischen frisch und schwärzlich bleigraue Farbe, eine Härte von 2 und eine Dichte von 5,2 - 5,5 an.
Die später vorgenommenen Analysen differieren etwas. BREITHAUPT hatte LAMPADIUS und FICINUS etwas Material zur Analyse gegeben. LAMPADIUS fand wie BREITHAUPT fast reines Arsen mit einer Spur Schwefel und einer weiteren, nicht identifizierten Komponente, FICIUS fand ebenfalls Arsen, daneben Eisen und vielleicht Zinn, Silizium und Phosphor.
BERZELIUS hielt das Material für As12S (nach FRENZEL, 1874 b), KERSTEN (1828, 1832) fand dagegen 96,79 % As und 3,00 % Wismut und hielt es für As12Bi. BREITHAUPT (1832) wählte daraufhin die Bezeichnung Wismuthischer Arsenglanz. Später bezeichnete er das Mineral als Hypotyphit, ließ diesen Namen aber offenbar schnell wieder fallen. KOBELL (1831) war der Meinung, daß es sich nur um durch Wismut verunreinigtes Arsen handelt und daß das Mineral als selbstständige Spezies zu streichen ist.

In einer Arbeit über die Beziehungen von Morphologie und Chemismus äußert BREITHAUPT 1835 die Vermutung, daß Arsen trimorph ist, "hexagonal, rhombisch und hemirhombisch [= monoklin – T.W.]", in Analogie zum Schwefel. "Mit dieser Hypothese einer Heteromorphie lässt sich auch eine andere Erscheinung erklären ..." - die Unterschiede bei den Eigenschaften, speziell der Dichte, von "Arsenglanz oder Arsenikglanz" und Arsen. "Denken wir uns aber ein Arsen möglich, vielleicht ganz ohne metallischen Glanz und dann mit geringerem spezifischem Gewichte, so wären sofort die merkwürdigen Charaktere des Arsenglanzes erklärt."

FRENZEL (1874 b) [als PDF-File (504 KB)] führte schließlich eine weitere Analyse des Minerals durch. Er fand, daß es sich tatsächlich um Arsen handelt und die Nebenbestandteile nur zufällige sind. Die Eigenschaften des Minerals "lassen es jedoch gerechtfertigt erscheinen, den Arsenglanz als eine besondere Modification des Arsens zu betrachten".
HINTZE (1886) [als PDF-File (513 KB)] bestätigte nach Analysen von chilenischem Material, welches in allen Eigenschaften mit dem Arsenglanz von BREITHAUPT aus der Grube Palmbaum übereinstimmt, daß es sich um eine eigene Modifikation des Arsens handelt. Er überträgt den Namen Arsenglanz (bzw. Arsenik-Glanz) ins griechische und nennt das Mineral Arsenolamprit, unter dem es heute bekannt ist. Später stellte sich heraus, daß auch BREITHAUPT selber den Namen Arsenolamprit schon verwendet, aber nicht mehr publiziert hat. Bernhard VON COTTA hat in seinem Exemplar von BREITHAUPTs Handbuch der Mineralogie (3. Band, 1847) handschriftlich ein dem Buch fehlendes Inhaltsverzeichnis hinzugefügt und für den ungedruckten 4. Band nach BREITHAUPTs Vorträgen ergänzt. Hier findet sich die Bezeichnung "kryptischer Arsenolamprit, Arsenglanz" (nach HINTZE, 1904).

JOHAN (1959) bestätigte bei röntgenografischen Untersuchungen von Material aus Černý Důl, Riesengebirge (Tschechische Republik) die Existenz des Minerals und auch die vermutete Isotypie mit der schwarzen Modifiktion von Phosphor. Er fand eine orthorhombische Zelle (Raumgruppe Bmab), a = 3.63, b = 4.45, c = 10.96 Å, V = 177.0 Å3 und Z = 8. Die berechnete Dichte beträgt 5.577 g/cm3.


Literatur:
BREITHAUPT, A. (1823): Vollständige Charakteristik des Mineral-Systems.- Dresden, 2. Auflage, p. 129 u. 250-251 [als PDF-File (654 KB)]

BREITHAUPT, A. (1832): Vollständige Charakteristik des Mineral-System's.- Dresden und Leipzig, 3. Aufl.

BREITHAUPT, A. (1835): Über das Verhältnis der Formen zu Mischungen krystallisierter Körper.- Neues Jahrbuch für Mineralogie, Geognosie, Geologie und Petrefaktenkunde, 530-538

FRENZEL, A. (1874 a): Mineralogisches Lexicon für das Königreich Sachsen.- Leipzig, Verlag Wilh. Engelmann

FRENZEL, A. (1874 b): Mineralogisches. 4. Arsenglanz.- Neues Jahrbuch für Mineralogie, Geologie und Paläontologie, 677-678 [als PDF-File (504 KB)]

HINTZE, C. (1886): Ueber Arsenolamprit.- Zeitschrift für Krystallographie und Mineralogie 11, 606-608 [als PDF-File (513 KB)]

HINTZE, C. (1904): Handbuch der Mineralogie, Band I, 1. Abteilung.- Leipzig, Verl. Veit & Co., p. 110-111

JOHAN, Z. (1959): Arsenolamprit - die rhombische Modifikation des Arsens aus Černý Důl (Schwarzental) im Riesengebirge.- Chemie der Erde 20, 71-80

KERSTEN, C.M. (1828) Schweigger-Seidels Journal der Chemie und Physik, Bd. II, S. 377

KERSTEN, C.M. (1832): Ueber die chemische Zusammensetzung einiger Sächsischer Mineralien. 3) Arsenikglanz vom Palmbaum bey Marienberg.- Kalender für den Sächsischen Berg- und Hüttenmann, 156-157
KOBELL, F. von (1831): Charakteristik der Mineralien.- Nürnberg



Chemische Analyse von Arsenolamprit (in Masse-%)

   Analyse von
KERSTEN, 1828   
und 1832  
Analyse von
BERZELIUS       
 
Analyse von
FRENZEL, 1874   
 
Arsenolamprit,
theoretische
Zusammensetzung   
As   96.79   96.60   95.86 100.00
Bi    3.00      
S      3.40    0.99  
Fe        1.01  
Summe        99.79 100.00   99.47 100.00







August Breithaupt (1791-1873)

Mineraloge

August Breithaupt wurde 1791 in Probstzella bei Saalfeld/Saale geboren. Von 1809 bis 1811 studierte er in Jena; danach ging er an die Bergakademie Freiberg, um bei Abraham Gottlob Werner seine Studien fortzusetzen. 1813 wurde er Lehrer für Mineralogie an der Freiberger Bergschule und Leiter der Sammlungen der Bergakademie. Nach Werners Tod (1817) übernahm Breithaupt dessen Mineralogievorlesungen, bis Friedrich Mohs ihn 1818 ablöste. Als Mohs 1826 Freiberg verließ, erhielt August Breithaupt die Professur für Mineralogie, die er bis 1866 bekleidete. Neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit förderte Breithaupt den Abbau von Steinkohle im Zwickauer Raum. Gemeinsam mit dem Bergrat Carl Amandus Kühn und den Bankiers Carl und Gustav Harkort gründete er 1840 den Erzgebirgischen Steinkohlen-Aktienverein. Im Jahre 1849 veröffentlichte August Breithaupt sein Werk "Die Paragenesis der Mineralien". Bei seinen Studien über die Eigenschaften und Vorkommen von Mineralen hatte er entdeckt, dass bestimmte Minerale immer wieder gemeinsam auftreten. Die Begründung der Paragenesenlehre, die von großer Bedeutung für die Lagerstättenkunde und den Bergbau ist, gilt als seine bedeutendste Leistung als Wissenschaftler. Er entdeckte und beschrieb über 40 neue Minerale. Für die Bestimmung von Kristallsystemen führte er Bezeichnungen wie tetragonal, hexagonal und rhombisch ein. Er führte etwa 4.500 Dichtebestimmungen durch. August Breithaupt war Mitglied in zahlreichen wissenschaftlichen Gesellschaften, viele Ehrungen wurden ihm zuteil. Im Jahr 1853 wurde er zum Bergrat und 1863 zum Oberbergrat ernannt. Wilhelm Ritter von Haidinger benannte 1859 das Mineral Antimonnickel (NiSb) Breithauptit. 1872 wurde Breithaupt Ehrenbürger der Stadt Zwickau. In den letzten Lebensjahren litt er unter einem schweren Augenleiden, das ihn schließlich erblinden ließ. Eine Augenoperation im Sommer 1873 blieb ohne Erfolg. Er starb am 22. September 1873 in Freiberg, wo ihm zu Ehren eine Straße seinen Namen trägt. Breithaupt war der Vater von Hermann Theodor Breithaupt und der Onkel von Clemens Winkler.
(Text: Wikipedia)

August Breithaupt entdeckte zahlreiche Minerale mit Originalfundort in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt: Safflorit (1817), Amblygonit (1818), Skorodit (1818), Arsenolamprit (1823), Eulytin (1827), Atelestit (1832), Pyrostilpnit (1832), Diadochit (1837), Symplesit (1837), Lavendulan (1837), Variscit (1837), Xanthoconit (1840), Bismutit (1841), Digenit (1844) und Fritzscheit (1865).






© Thomas Witzke / Stollentroll

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