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Annabergit


Formel: Ni3(AsO4)2 · 8 H2O, monoklin

Typlokalität:
Sachsen (sicher sächsisches Erzgebirge); Saalfeld (gemeint ist sicher Kamsdorf) in Thüringen (und Los in Hälsingland und Nordmark in Värmland, Schweden) bzw.
Annaberg, Erzgebirge, Sachsen

Erstbeschreibung:
Axel von Cronstedt [das Buch ist anonym ohne Verfasserangabe erschienen] (1758): Försök til Mineralogie eller Mineral Rikets Upställning.- Stockholm, p. 218
     (als Nickelocker)
H.J. Brooke & W.H. Miller (1852): Elementary introduction to Mineralogy.- London, Gilbert & Rivington
     (als Annabergit)




Annabergit. Grube Markus Röhling, Annaberg, Erzgebirge, Sachsen. Bildbreite 4 mm. Sammlung und Foto Thomas Witzke.



Die Typlokalität Annaberg ist für das Mineral problematisch, da dieser Fundort in der ersten Beschreibung nicht explizit genannt wird. Andererseits gilt traditionell, wenn ein Mineral nach einem Fundort benannt wurde, dieser auch als Typlokalität.
Annabergit wurde 1852 von H.J. BROOKE & W.H. MILLER nach dem Fundort Annaberg im Erzgebirge benannt. Es ist jedoch vorher schon als Nickelocker oder Nickelblüte von verschiedenen Fundorten im Erzgebirge und anderswo bekannt gewesen.

Der schwedische Chemiker Axel von CRONSTEDT entdeckte 1751 im "Kupfernickel" (Nickelin) der schwedischen Cobaltgrube Los in Hälsingland ein neues Metall, dass er nach dem Mineral als Nickel benannte. 1758, nur wenige Jahre nach der entdeckung des neuen Elements, beschrieb CRONSTEDT in seinem "Försök til Mineralogie" (Übersetzung von BRÜNNICH, 1770) auch einen grünen Nickelocker: "Nickel wird gefunden 1) In der Form eines Kalkes. Nicccolum Calciforme. Ochra Niccoli. [...] Ist grün, und zeigt sich als Beschlag auf Kupfernickel." CRONSTEDT nennt für dieses Vorkommen keinen konkreten Fundort, jedoch erwähnt er einige Zeilen weiter für das Kupfernickel drei Fundorte: Sachsen, Saalfeld und die "Koboltgruben zu Los in Helsingeland". Beim Nickelocker schreibt CRONSTEDT weiter, dass er auch "in Normark in Wermelande" ohne sichtbaren Kupfernickel, aber im Ton mit gediegen Silber vorkommt.
Als Typlokalitäten kann man also allgemein Sachsen (sächsisches Erzgebirge), Saalfeld in Thüringen (hier ist mit Sicherheit Kamsdorf bei Saalfeld gemeint, da es in Saalfeld selber kein Nickelin-Vorkommen gibt), Los in Hälsingland und Nordmark in Värmland, Schweden, angeben.

Johan Gottschalk WALLERIUS (1778) kennt das Mineral als "NICCOLUM colore viridi efflorescens. FLOS NICCOLI. [...] NICKEL-BLÜTHE. NICKEL-OCHER", macht jedoch keine Angaben zu einem Fundort.
Lediglich eine Erwähnung ohne weitere Angaben findet sich bei WERNER & HOFFMANN (1789) in ihrem Mineralsystem als "Nikkelokker".
Ausführlicher schreibt MOHS (1804) über das Mineral:
"Nickelocker.
Die beiden Gattungen dieser Sippschaft [gemeint ist noch der Kobaltocker, d.h. Erythrin - T.W.] gehören zu den selteneren, und nur in kleinen Parthien vorkommenden Fossilien. Sie stehen in ziemlich naher Verwandtschaft miteinander; und dies konnte um so mehr dienen, die gegenwärtige Folge zu bestimmen, als dadurch auch die nahe verwandten Gattungen, der Kupfernickel, und der weisse Speisskobalt, in engere Verbindung treten. Der Nickelocker ist eine wahre Ausblühung. Die ausgezeichnete Farbe desselben ist apfelgrün. Er kommt äusserst selten derb vor und besteht aus matten, staubartigen, wenig zusammen gebackenen Theilchen, die auch nur schwach abfärben. Er bildet meistens Uiberzüge, und tingirt zuweilen verschiedene Gangarten." Mohs erwähnt noch zwei Stufen aus Sachsen ohne nähere Fundortangabe.

Torbern BERGMAN (1782) betrachtet den Nickelocker als eine Verbindung von Nickel mit Luftsäure, also als ein Nickelcarbonat. Richard KIRWAN (1796) sieht es als Nickeloxid mit Arsensäure und Nickelvitriol an, also als ein arsenat- und sulfathaltiges Material. De LA MÉTHERIE (1797) hält das Mineral für Nickeloxid und gibt eine unvollständige Analyse durch KLAPROTH an, der aber offenbar ein Nickelhydrosilikat und nicht Annabergit vorliegen hatte. HAÜY (1801) ist ebenfalls der Ansicht, dass es sich um ein Nickeloxid handelt und führt es unter dem Namen "nickel oxydé". Die vermutlich erste quantitative Analyse stammt von BERTHIER (1820), der Material von Allemont, Frankreich, untersuchte und es als wasserhaltiges arseniksaures Nickeloxydul erkannte. Seine Analyse (siehe Tabelle unten) liegt sehr dicht an der theoretischen Zusammensetzung. Eine Analyse von Annabergit aus Schneeberg stammt vom KERSTEN (1843).

BROOKE & MILLER (1852) schreiben, dass das Mineral wahrscheinlich isomorph mit Erythrin und Vivianit ist. Als Fundorte geben sie an Andreasberg im Harz, Richelsdorf und Bieber in Hessen, Glücksbrunn und Saalfeld in Thüringen, Annaberg, Schneeberg und andere in Sachsen, Joachimsthal (Jachymov) in Böhmen, Allemont in Dauphiné und Texas.



Literatur:
BERGMAN, T. (1782): Sciagraphia regni mineralis, secundum principia proxima digesti.- Lipsia et Dessav, § 217

BERTHIER, P. (1820): Ueber den Kupfernickel und Nickelocher von Allemont.- Neues Journal für Chemie und Physik 28, 155-159 [als PDF-File (externer Link zu Google Books)]

BROOKE, H.J. & MILLER, W.H. (1852): Elementary introduction to Mineralogy.- London, Gilbert & Rivington, p. 503-504 [als PDF-File (externer Link zu Google Books)]

BRÜNNICH, (1770): Cronstedts Versuch einer Mineralogie. Vermehret durch Brünnich.- Copenhagen und Leipzig, C.G. Probst und Rothens Erben, p. 262

CRONSTEDT, A. von (1751): Försök giorde med en malmart frän Los kobolt grufvor i Färila socken och Helsingeland.- Kongliga Svenska Vetenskapens Academiens Handlingar (Stockholm) 12, 287 (und 1754, 15, 38)

CRONSTEDT, A. von [das Buch ist anonym ohne Verfasserangabe erschienen] (1758): Försök til Mineralogie eller Mineral Rikets Upställning.- Stockholm, p. 218

De LA MÉTHERIE, J.C. (1797): Théorie de la Terre.- Paris, Maradan, p. 382-383 [als PDF-File (externer Link zu Google Books)]

HAÜY, R.J. (1801): Traité de Minéralogie.- Paris, 3. Band, p. 516-518 [als PDF-File (externer Link zu Google Books)]

KERSTEN, C. (1843) Poggendorfs Annalen der Physik und Chemie 60, 256

KIRWAN, R. (1796): Elements of Mineralogy.- 2. Aufl., Band 2, p. 283

MOHS, F. (1804): Des Herrn JAC. FRIED. VON DER NULL Mineralienkabinett, nach einem, durchaus auf äussere Kennzeichen gegründeten Systeme geordnet, beschrieben, und durch Hinzuthuung vieler, dem gegenwärtigen Zustande der Mineralogie angemessener, erläuternder Anmerkungen und nöthiger Berichtigungen, als Handbuch der Oryctognosie brauchbar gemacht.- Wien. p. 661-662 [als PDF-File (externer Link zu Google Books)]

WALLERIUS, J.G. (1778): Systema mineralogicum, quo corpora mineralia in classes, ordines, genera et species suis cum varietatibus divisa, describuntur, atqve observationibus, experimentis et figures ænis illustratur.- Editio nova & correcta, Viennæ, ex Officina Krausiana, p. 191

WERNER, A.G. & HOFFMANN, C.A.S. (1789): Mineralsystem des Herrn Inspektor Werners mit dessen Erlaubnis herausgegeben von C.A.S. Hoffmann.- Bergmännisches Journal 2, Band 1, 369-398







Annabergit mit Nickelin und Gersdorffit. Kamsdorf bei Saalfeld, Thüringen. Bildbreite 17 mm. Sammlung und Foto Thomas Witzke.



Chemische Analyse von Annabergit (in Masse-%)


   Nickelocher,
von Allemont
(BERTHIER, 1820)   
Nickelocher,
von Schneeberg
(KERSTEN, 1843)   
Annabergit,
theoretische
Zusammensetzung     
FeO    Spur 1)     2.21  
CoO     2,5    Spur  
NiO   36.2   35.00   37.48
As2O5   36.8   38.90   38.44
SO3      Spur  
H2O   24.5   24.02   24.08
Summe      100.0 100.13 100.00

1) Eisenhaltige Thonerde




© Thomas Witzke / Stollentroll

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