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Amblygonit Formel: LiAl(PO4)F, triklin Typlokalität: Chursdorf bei Penig, Sachsen Erstbeschreibung: BREITHAUPT, A. (1818): Amblygonit.- C.A.S. Hoffmann´s Handbuch der Mineralogie, Band 4.2.- Freiberg, Verl. Craz & Gerlach, p. 159-161
Hellgrauer Amblygonit. Chursdorf bei Penig, Sachsen. Größe der Stufe 35 mm. Sammlung und Foto Thomas Witzke. Die Entdeckung von Amblygonit Das Mineral wurde von Diakon DÜRR aus Kohren im Steinbruch bei Chursdorf nahe Penig entdeckt, aber von G.B. PUSCH (1812) für Skapolith gehalten. August BREITHAUPT (1818) [als PDF-File] erkannte jedoch, dass die Symmetrie, die Spaltbarkeit und die Dichte nicht mit Skapolith übereinstimmen und es sich um ein neues, bisher unbekanntes Mineral handelt. Um den Unterschied zu dem tetragonalen Skapolith darzustellen, wählte BREITHAUPT den Namen Amblygonit nach dem griechischen amblygonios = stumpfwinklig auf Grund der schiefwinkligen Spaltbarkeit. BREITHAUPT schreibt zum Amblygonit:
Chemische Analysen August BREITHAUPT (1823) vermutete einen "namhaften Thonerdegehalt" in dem Mineral und "dass die ungewöhnliche Leichtflüssigkeit vor dem Löthrohre, auf Rechnung von enthaltenen Alkali zu setzen seyn dürfte". Er teilte dies dem schwedischen Chemiker Jöns Jakob BERZELIUS mit, worauf hin dieser eine Analyse durchführte. BERZELIUS schrieb an BREITHAUPT:
Die von RAMMELSBERG angegebene Formel sieht sehr kompliziert aus. Wenn man jedoch berücksichtigt, dass die Alkalien damals noch als zweiwertig und damit die Atomgewichte doppelt so hoch wie die tatsächlichen angenommen wurden, vereinfacht sich die Formel sehr stark, wenn man sie etwas an die heute übliche Schreibweise anpasst: R12Al12P12O48F8O2, mit R = Li, Na, K. Die Formel entspricht dann, abgesehen von einem minimalen Defizit an Hydroxyl als Vertretung für das Fluor, der oben angegebenen für den Amblygonit. RAMMELSBERG schreibt selber, dass ihr sehr einfache Verhältnisse zu Grunde liegen. Der hohe Fluorgehalt im Amblygonit von Chursdorf ist durch eine modernere Teilanalyse bestätigt worden (in ČERNÁ et al., 1973), dabei wurden 11,8 Masse-% Fluor gefunden. Dieser Wert liegt dicht an dem maximal möglichen Fluorgehalt im Amblygonit. Amblygonit und Montebrasit Amblygonit kommt in Lithium- und Phosphor-reichen Granitpegmatiten vor und ist inzwischen weltweit von zahlreichen Fundorten beschrieben. In vielen Fällen liegt jedoch keine Fluoranalyse vor, so dass es sich dabei zum Teil auch um das Hydroxyl-Analogon, den Montebrasit LiAl(PO4)(OH), handeln wird. Wahrscheinlich ist der Montebrasit tatsächlich auch deutlich häufiger als der echte Amblygonit. Nach GROAT et al. (1990) sind Fluor-reiche Vertreter der Amblygonit-Montebrasit-Reihe mit F/(F + OH) > 0,65 generell selten anzutreffen. Der Montebrasit wurde 1871 durch Alfred Louis Olivier Legrand DES CLOIZEAUX von Montebras, Creuse, Frankreich, erstmals beschrieben. 1873 berichtet er auch über einen Fund von Amblygonit von dieser Lokalität und weist ausdrücklich auf die Ähnlichkeit des Materials mit dem von dem Vorkommen bei Penig in Sachsen hin. Die chemische Analyse wurde von PISANI durchgeführt. Nach dieser Analyse ist jedoch mehr OH als F in der Formel enthalten und auch dieses Material ist als Montebrasit im heutigen Sinn zu bezeichnen. Öfter wird fälschlicherweise der Fundort Montebras in Frankreich sogar als Typlokalität für Amblygonit angegeben, z.B. in NICKEL & NICHOLS (1991) oder BLACKBURN & DENNEN (1997), obwohl das Vorkommen erst lange nach dem von Chursdorf beschrieben wurde und es sich nach den alten Analysen gar nicht um echten Amblygonit handelt. Amblygonit kristallisiert im triklinen System, Raumgruppe P-1. An einer Probe von Chursdorf wurden die Gitterparameter a = 5,161, b = 7,207, c = 5,060 Å, alpha = 114,005°, beta = 98,638°, gamma = 67,408° gemessen (ČERNÁ et al., 1973). Zur Amblygonit-Gruppe gehören drei Minerale:
Literatur: BLACKBURN, W.H. & DENNEN, W.H. (1997): Encyclopedia of Mineral Names.- The Canadian Mineralogist Special Publication 1, Ottawa BREITHAUPT, A. (1818): Amblygonit.- C.A.S. Hoffmann´s Handbuch der Mineralogie, Vol. 4.2. Freiberg, Verlag Craz & Gerlach, p. 159-161 [als PDF-File] BREITHAUPT, A. (1823): Amblygonit.- Vollständige Charakteristik des Mineral-Systems. Dresden, in der Arnoldischen Buchhandlung, 2. Auflage, p. 217-218 ČERNÁ, I.; ČERNÝ, P. & FERGUSON, R.B. (1973): The fluorine content and some physical properties of the amblygonite-montebrasite minerals.- American Mineralogist 58, 291-301 DES CLOIZEAUX, A. (1871): Note sur la Montebrasite.- Comptes rendus hebdomadaires des séances de l’Académie des sciences, Paris 73, 306 DES CLOIZEAUX, A. (1873): On a new locality of Amblygonite, and on Montebrasite, a new hydrated aluminium and lithium phosphate.- The Chemical News 27, No. 692, p. 97-98 [als PDF-File] GROAT, L.A; RAUDSEPP, M.; HAWTHORNE, F.C.; ERCIT, T.S.; SHERRIFF, B.L. & HARTMAN, J. (1990): The amblygonite-montebrasite series; characterization by single-crystal structure refinement, infrared spectroscopy, and multinuclear MAS-NMR spectroscopy.- American Mineralogist 75, 992-1008 NICKEL, E.H. & NICHOLS, M.C. (1991): Mineral Reference Manual.- Van Nostrand Reinhold, New York, 250 p. PUSCH, G.B. (1812): Beschreibung einer merkwürdigen Abänderung von Granit und der in ihm beibrechenden Fossilien zu Penig im Königreich Sachsen.- Taschenbuch für die gesammte Mineralogie 6, 126-151 RAMMELSBERG, C. (1845): (Analyse von Amblygonit).- Journal für Praktische Chemie 34, 471-472 [als PDF-File] Chemische Analyse von Amblygonit (in Masse-%)
1) für das Na- und K-freie Endglied |
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