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Die erste Erwähnung des Minerals findet sich bei Johann Jakob LERCHE in seiner "Oryctographia Hallensis" von 1730. Er berichtet hier, daß das Mineral wenige Jahre zuvor bei der Anlegung des Botanischen Gartens des Pädagogiums gefunden worden sei. Es tritt hier in weißen, dichten Knollen auf. Lerche bezeichnet das Material als "Lac lunae, terra lenis et friabilis candidissima" und geht vor allem auf den medizinischen Gebrauch ein. Er berichtet, daß es mit präpariertem Bergkristall gemengt, die Milch der Stillenden vermehren soll sowie bei Fieberanfällen und Harnsteinleiden angewendet werden kann.
1759 beschreibt SCHREBER das Mineral näher und sieht es nach Versuchen mit dem Tschirnhausen’schen Brennspiegel für eine gipsartige Erde an. Abraham Gottlob WERNER (1780) hält es für Tonerde (=Aluminiumoxid) und fügt das Mineral mit einer Beschreibung unter der Bezeichnung "Reine Thonerde" in sein System ein. Daraufhin untersuchte SCHREBER (1781) das Mineral nochmals zusammen mit dem Apotheker FRISCHMANN. Nach zahlreichen Versuchen "können die kleinen Krystallchen, aus welchen das Lac Lunae zusammengesetzt ist, keine anderen Bestandteile, als eine höchstreine Alaunerde mit fixer Luft [= Kohlensäure - T.W.] und Wasser vereinigt, haben". SCHREBER gibt eine genaue äußere Beschreibung: "Jedes Stück besteht aus einer stark, doch bald mehr bald weniger platt gedrückten Kugel, oder ist ein unregelmässig gebildeter eckiger Körper. [...] Die Oberfläche nierenförmig oder traubig, und die kugelflächigen Erhabenheiten bald groß, bald klein ...". Bei der Betrachtung unter dem Mikroskop findet SCHREBER "schöne vollkommene Krystallchen, so durchsichtig wie das reinste Glas, spiessig, mit zwo parallelen breitern und an deren Seite schmälern Flächen, und stumpfwinklichen Endspitzen". Abschließend bemerkt SCHREBER zu der "merkwürdigen Erde" von Halle noch "daß selbst Erden würdige Gegenstände mikroskopischer Betrachtungen seyn können". Einen medizinischen Gebrauch der Substanz lehnt SCHREBER ab.
Danach untersuchten die Chemiker FUCHS, VON ARNIM und SAUSSURE das Material. Ihre Ergebnisse waren sehr unterschiedlich, zum Teil fanden sie fast reine Tonerde, zum Teil Tonerde mit wesentlichen Anteilen an Kalk. SAUSSURE glaubte auch, in dem Material neben Tonerde eine neue, unbekannte Erde gefunden zu haben. Diese differierenden Ergebnisse veranlaßten den Berliner Prof. SIMON zu einer weiteren Analyse (siehe Tabelle). Er fand als Hauptbestandteile Ton (=Aluminiumoxid), Schwefelsäure und Wasser (SIMON, 1802). Dieses Ergebnis wich nun von den vorherigen wiederum völlig ab, woraufhin der französische Chemiker FOURCROY eine Analyse durchführte, bei der er als Hauptbestandteile Tonerde, schwefelsauren Kalk und Wasser fand. GEHLEN [nach dem das Mineral Gehlenit benannt wurde] vermutete, daß FOURCROY mit Gips verunreinigtes Material untersucht hat, worauf Streitschriften in verschiedenen Zeitschriften zwischen CHENEVIX [nach dem das Mineral Chenevixit benannt wurde] und GEHLEN zu diesem Thema erschienen. Daraufhin führte BUCHHOLZ 1806 eine weiter Analyse durch (zit. in KEFERSTEIN, 1816), die mit der von SIMON fast völlig übereinstimmte. Da der Name "Reine Thonerde" nun nicht mehr passend erschien, wählte der Weimarer Professor HABERLE 1807 für das Mineral den Namen Aluminit, unter dem es noch heute bekannt ist.
Literatur:
HABERLE, C.C. (1807) Das Mineralreich
KEFERSTEIN, Ch. (1816): Ueber den Aluminit.- Taschenbuch für die gesammte Mineralogie 10, 33-61
LERCHE, J.J. (1730): Oryctographia Hallensis sive fossilium et mineralium in agro Halensi descriptio.- Inaugural-Dissertation, Halle
SCHREBER, I.C.D. (1759): Lithographia Halensis
SCHREBER, I.C.D. (1781): Versuche mit dem hallischen sogenannten Lac lunae.- Naturforscher 15, 209-235
WERNER, A.G. (1780): Axel von Kronstedts Versuch einer Mineralogie. Aufs neue aus dem Schwedischen übersetzt und nächst verschiedenen Anmerkungen vorzüglich mit äusseren Beschreibungen der Fossilien vermehrt.- Leipzig, Verl. Siegfried Lebrecht Crusius
Chemische Analyse von Aluminit (in Masse-%)
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Aluminit von Halle (SIMON, 1802) |
Aluminit von Halle (BUCHHOLZ, 1806) |
Aluminit, theoretische Zusammensetzung |
| Al2O3 |
Thonerde |
32.50 |
31.0 |
29.64 |
| SO3 |
Schwefelsäure |
19.25 |
21.5 |
23.27 |
| H2O |
Wasser |
47.00 |
45.0 |
47.09 |
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sonstiges |
1.25 1) |
2.0 2) |
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Verlust |
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0.5 |
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| Summe |
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100.00 |
100.00 |
100.00 |
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