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             Differenzierte Achondrite    /    Differentiated Achondrites

Achondrite sind eine sehr heterogene Klasse von Meteoriten, die keine Chondren aufweisen. Sie stammen von differenzierten, mittelgroßen bis großen Asteroiden (Protoplaneten), anderen Planeten (Mars und eventuell Merkur) oder dem Erdmond. Auf all diesen Körpern ist es durch Schmelzprozesse zu einer Trennung von einem metallischen Kern und einem silikatischen Mantel gekommen. Als Beispiel für einen noch in der Frühphase des Sonnensystems entstandenen und noch existierenden Protoplaneten, von dem sehr wahrscheinlich Meteoriten stammen, ist Vesta zu nennen, heute als Zwergplanet bekannt. Andere Protoplaneten wie die Mutterkörper der Angrite und der Aubrite sind lange zerstört, ihre Reste sind heute unter den kleineren Asteroiden zu finden. Hinweise auf eine Reihe weiterer zerstörter Körper sind in den unklassifizierten Achondriten zu finden. Diese sind deshalb besonders interessant, jedoch liegen meist nur einzelne Vertreter vor. Über deren Mutterkörper ist deshalb auch nur sehr wenig bekannt.

Den Übergang zwischen den undifferenzierten Chondriten und den differenzierten Achondriten stellen die Primitiven Achondrite (PAC) dar.

In den ursprünglichen Klassifikationen auf rein petrografischer Grundlage beschränkte sich die Bezeichnung Achondrite auf Steinmeteorite. Jedoch stammen der größte Teil der Eisenmetorite und ebenso die Steineisenmeteorite ebenfalls von differenzierten Asteroiden. Es ist deshalb sinnvoll, hier nach Beziehungen und eventuell gemeinsamen Mutterkörpern zu suchen. Neuere Klassifikationen berücksichtigen dies zum Teil.


 
 
        • ungruppierte Achondrite
         - Ultramafitite, Dunit
         - Ultramafitite, Lherzolit
         - Ultramafitite, Orthopyroxenit
         - Ultramafitite, Clinopyroxenit
         - Harzburgit
         - Olivin-Gabbro
         - Gabbro
         - Norit
         - Basalt
         - Andesit
         - Albitit





             ungruppierte Achondrite, Ultramafitit, Dunit

NWA 13446 stellt ein ultramafisches Gestein, einen Dunit mit dem Hauptbestandteil Olivin, dar. Es handelt sich um ein magmatisches Gestein mit Kumulat-Textur.


    NWA 13446.  Achondrit, ungruppiert.

Meteorit NWA 13446.
Achondrit, ungruppiert.

Fund 2020. Algerien. TKW 6,48 kg.


NWA 13446. Vollscheibe. Größe 43 x 41 mm, Gewicht 6,00 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.


Bei NWA 13446 handelt es sich um ein ultramafisches, dunitisches Gestein mit magmatischer Kumulat-Textur. Es besteht hauptsächlich aus zoniertem Olivin (Forsterit, etwa 90 Vol-%.) mit einer Zusammensetzung von Fa15.8-27.9. Untergeordnet sind Ca-armer Pyroxen (Fs28.8Wo4.6), Pigeonit (Fs18.3-30.6Wo6.5-18.9), Augit (Fs27.3-43.3Wo23.0-34.2) und Glas mit der Zusammensetzung von Na-Plagioklas (Ab65.4-86.0An15.7-5.8Or18.9-8.2) vorhanden. Als Akzessorien finden sich Chromit, Troilit und sehr selten Kamacit und Taenit. Der Meteorit weist schwarze, dünne Schockschmelzadern auf. Die Sauerstoffisotopen-Daten zeigen Affinitäten zu den L-Chondriten.



NWA 13446, Details. Bildbreite 11 mm.





             ungruppierte Achondrite, Ultramafitit, Lherzolit

Bei der Pairing-Gruppe NWA 12217, NWA 12319, NWA 12562, NWA 13954, NWA 14993, NWA 15663 und NWA 15717 handelt es sich um ultramafische Gesteine mit der Hauptkomponente Olivin, d.h. lherzolitische Zusammensetzung, zum Teil bis um die Grenze zum Dunit.


    NWA 15633.  Achondrit, ungruppiert.

Meteorit NWA 15663.
Achondrit, ungruppiert.

Fund 2023. Nordwest-Afrika. TKW 405 g.


NWA 15663. Fragment. Größe 51 x 37 mm, Gewicht 38,9 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.


Bei NWA 15663 handelt es sich um eine achondritische Brekzie aus etwa 85 Vol.-% Olivin, 10 % Pyroxen und etwa 5 % Akzessorien. Olivin und Pyroxen bilden idiomorphe bis subidiomorphe, meist fragmentierte Kristalle. Die Kristalle sind in sich meist chemisch homogen, die einzelnen Kristalle weisen jedoch chemische Unterschiede aus. Ungewöhnlich sind vereinzelte große, grünliche Pyroxen-Kristalle. Die Olivin-Zusammensetzung reicht von Fa8.9 bis Fa23.9, liegt also komplett im Feld von Forsterit. Bei dem Pyroxen handelt es sich um Enstatit mit einer Zusammensetzung Fs19.2Wo3.8 bis Fs23.8Wo3.8. Vereinzelt tritt Augit (Fs4.8-5.3Wo44.2-45.1) als Entmischung auf. Akzessorisch treten SiO2, Chromit, FeS, Kamacit und Taenit auf. Feldspat konnte nicht festgestellt werden.



NWA 15663. Große, grünliche Pyroxen-Kristalle. Bildbreite 24 mm.





             ungruppierte Achondrite, Ultramafitit, Lherzolit

Bei dem Meteoriten NWA 13955 handel es sich um ein lherzolitisches Gestein mit Kumulat-Textur. Die Sauerstoff-Isotopendaten liegen dicht an den Werten von Eucriten und Diogeniten, jedoch passt die Petrologie nicht.


    NWA 13955.  Achondrit, ungruppiert.

Meteorit NWA 13955.
Achondrit, ungruppiert.

Fund 2020. Erg Chech Region, Algerien. TKW 1760 g.


NWA 13955. Teilscheibe. Größe 19 x 17 mm, Gewicht 2,28 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.


NWA 13955 stellt ein lherzolitisches Gestein mit Kumulat-Textur dar. Es enthält etwa 20 % sub-idiomorphe Olivin-Körner (Forsterit, Fa33.8-34.8) und etwa 70 % Pyroxen. Der Pyroxen ist zoniert von kleinen Orthopyroxen-Kernen (Enstatit, Fs19.1-20.5Wo0.7-0.8) zu einem dicken Mantel aus Pigeonit (Fs25.1-26.7Wo7.7-7.8). Weiterhin ist etwas Plagioklas (Anorthit, An79.9-86.3Or1.1-0.5) vorhanden sowie akzessorisch Chromit, Ni-Fe-Metall und als terrestrisches Verwitterungsprodukt Eisenoxide. Vereinzelt sind kleine Hohlräume vorhanden. Die Sauerstoffisotopen-Daten liegen dicht an den Werten von Eucriten und Diogeniten. NWA 13955 unterscheidet sich jedoch von den Diogeniten dadurch, dass Orthopyroxen nur als Kern der Körner vorhanden ist und Pigeonit dominiert.





             ungruppierte Achondrite, Ultramafitit, Orthopyroxenit

Bei NWA 8777 handelt es sich um einen ungruppierten Orthopyroxeniten. Die Sauerstoff-Isotopendaten weisen Ähnlichkeiten zu einigen Brachiniten auf, jedoch bestehen deutliche mineralogische und chemische Unterschiede: der Olivingehalt ist viel niedriger, es fehlen Clinopyroxene und der Gehalt an Ca im Plagioklas ist viel höher, so dass sich keine klare Beziehung zu den Brachiniten herstellen lässt (Irving et al., 2015).


    NWA 8777.  Achondrit, ungruppiert.

Meteorit NWA 8777.
Achondrit, ungruppiert, Ultramafitit, Orthopyroxenit.

Fund 2013. Nordwest-Afrika. TKW 49,1 g.


NWA 8777. Teilscheibe. Größe 22 x 15 mm, Gewicht 1,677 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.


NWA 8777 ist ein ungruppierter Achondrit mit einer Triple-Junction-Textur zwischen den Körnern. Er besteht aus 88.6 Vol.-% Orthopyroxen (Enstatit, Fs41.6-42.7 Wo3.1-3.4), 9 Vol.-% Olivin (Forsterit, Fa30.7-31.1) sowie untergeordnet Plagioklas (Anorthit, An77.3-78.8 Or1.1-0.5), Al-haltigem Chromit, Ni-armen Kamacit und Troilit (Irving et al., 2015).





             ungruppierte Achondrite, Ultramafitit, Clinopyroxenit

Die Meteorite NWA 15915 und Ksar Ghilane 022 weisen hinsichtlich Mineralogie und und nach den Sauerstoff-Isotopendaten Ähnlichkeiten auf, stellen jedoch kein Pairing dar. Es handelt sich um Clinopyroxenite, ultramafische Gesteine mit über 90 % Anteil an Clinopyroxen. In diese Gruppe gehört auch NWA 13307, der jedoch etwas weniger Clinopyroxen enthält und damit in das Feld der Websterite fällt.


    Ksar Ghilane 022.  Achondrit, ungruppiert.

Meteorit Ksar Ghilane 022.
Achondrit, ungruppiert, Ultramafitit, Clinopyroxenit.

Fund 2023. Koordinaten 32.559°N, 9.508°E, Tatawin, Tunesien. TKW 50 kg.


Ksar Ghilane 022. Vollscheibe. Größe 31 x 27 mm, Gewicht 2,23 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.


Der Meteorit Ksar Ghilane 022 weist eine equigranulare Textur mit Aggregaten aus hellgrauen und weißlichen Kristallen. Das Material besteht zu über 90 Vol.-% aus einem Magnesium-reichen, Eisen-freien Augit mit der Zusammensetzung Fs0.0-0.1Wo39.4-42.3 und einer mittleren Korngröße von etwa 1,5 mm. Enstatit (Fs0.1±0.0Wo0.9-3.6) tritt untergeordnet als kleine, irreguläre Einschlüsse und spärlich als feine Lamellen in Augit auf. Akzessorisch finden sich Cr-haltiger Troilit, Daubreelit, Alabandin und eine Mn-Mg-Oxid-Phase. Der Meteorit ist mineralogisch und nach den Sauerstoff-Isotopendaten ähnlich NWA 15915. Ksar Ghilane 022 zeigt jedoch nicht den gleichen Grad an Entmischung von Enstatit aus Augit. Ein terrestrisches Pairing ist weiter ausgeschlossen durch den unterschiedlichen Verwitterungsgrad und die große Entfernung zwischen beiden Funden.





    NWA 15915.  Achondrit, ungruppiert.

Meteorit NWA 15915.
Achondrit, ungruppiert, Ultramafitit, Clinopyroxenit.

Fund 2022. Nahe Aougrout, Provinz Timimoun, Algerien. TKW 2,84 kg.


NWA 15915. Teilscheibe. Größe 16 x 11 mm, Gewicht 0,5 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.


Von dem Meteoriten NWA 15915 wurden insgesamt vier Exemplare gefunden, die zum Teil mit schwarzer Schmelzkruste bedeckt waren. Das Material weist eine grobkörnige Textur auf mit mittleren Korngrößen um 2 mm. Hauptmineral ist ein homogener, Magnesium-reicher, Eisen-freier Augit mit der Zusammensetzung Fs0.0-0.1Wo37.5-43.3. Sehr spärlich treten dünne Entmischungslammellen von Enstatit auf. Untergeordnet finden sich auch separate Körner von Enstatit (Fs0.1-0.3Wo0.5-3.2). Akzessorische Minerale sind Daubreelit, Alabandin, Troilit, Kamacit und sekundäre Fe-Oxide. Olivin und Plagioklas fehlen. Es handelt sich um ein ultramafisches Gestein, das als Clinopyroxenit eingestuft wurde. NWA 15915 zeigt einige Ähnlichkeiten hinsichtlich Petrologie und Isotopendaten zu dem websteritischen Achondriten NWA 13307, enthält aber viel mehr Clinopyroxen. Große Ähnlichkeiten bestehen auch zu Ksar Ghilane 022, wobei jedoch kein Pairing vorliegt.





             ungruppierte Achondrite, Ultramafitit

NWA 13272 ist ein weiterer Meteorit, der keiner der bisher bekannten Gruppen zugeordnet werden kann. Es handelt sich um ein magmatisches Gestein mit poikilitischer Textur.


    NWA 13272.  Achondrit, ungruppiert.

Meteorit NWA 13272.
Achondrit, ungruppiert.

Fund 2019. Nordwest-Afrika. TKW 1603 g.


NWA 13272. Vollscheibe. Größe 37 x 30 mm, Gewicht 4,8 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.


NWA 13272 weist eine feinkörnige, poikilitische, magmatische Textur auf. Er besteht hauptsächlich aus polysynthetisch verzwillingten Pyroxen-Kristallen mit Domänen von Enstatit (Fs17.9-19.0 Wo2.0-3.8,), Pigeonit (Fs18.9-19.0 Wo7.2-9.0) und Augit (Fs12.2-12.6 Wo33.7-37.1), die Olivin (Forsterit, Fa24.0-29.5) einschließen. Zwischen den Körnern findet sich rekristallisiertes silikatisches Glas. Akzessorisch sind Troilit, Ti-armer Chromit und sehr selten Kamacit vorhanden.
Die Sauerstoffisotopendaten zeigen gewisse Affinitäten zu den L-Chondriten.





             ungruppierte Achondrite, Ultramafitit, Harzburgit (?)

Der Meteorit NWA 7835 stellt wahrscheinlich eine fragmentale Brekzie mit Schmelzmatrix dar. Die Sauerstoff-Isotopendaten sind recht heterogen. Es bestehen Affinitäten zu metallarmen, nicht equilibrierten Chondriten.


    NWA 7835.  Achondrit, ungruppiert.

Meteorit NWA 7835.
Achondrit, ungruppiert.

Fund 2013. Nordwest-Afrika. TKW 56 g.


NWA 7835. Teilscheibe. Größe 19 x 10 mm, Gewicht 0,816 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.


NWA 7835 weist bis 6 mm große Körner aus Olivin (Forsterit, Fa23.7-24.6), zonierte Orthopyroxene (Enstatit, Rand Fs19.5-20.4 Wo1.4-1.6, Kern Fs15.0-15.8 Wo0.8-0.7) sowie etwas Clinopyroxen (Fs7.2 Wo45.0), Chromit und selten Taenit und Troilit in einer spärlichen Matrix aus feldspatischem Glas mit eckigen Mineralfragmenten. Chondren sind nicht vorhanden, auch Kamacit fehlt. Die Sauerstoff-Isotopendaten einer Probe liegen nahe dem Trend für H-Chondrite, drei andere Proben dagegen nahe der TFL. Die Gesamt-Haupt- und Spurenelementzusammensetzung ist annähernd chondritisch, die Zusammensetzung der mafischen Minerale entspricht eher L- als H-Chondriten. Das Feldspat-Glas weist kleine Vesikel auf, die darauf hinweisen, dass es durch ein Event zu partieller Schmelzbildung kam. Dabei kam es jedoch nicht zu einer Homogenisierung bei den Sauerstoffisotopen. Die Heterogenität dürfte deshalb schon in dem harzburgitischen Ausgangsmaterial vorhanden gewesen sein. Es bestehen möglicherweise Affinitäten zu gewissen metallarmen, nicht equilibrierten Chondriten wie NWA 3127, NWA 4468 oder NWA 5717 (IRVING et al., 2014).
Visuell ähnelt NWA 7835 dem Marsmeteoriten Tissint.





             ungruppierte Achondrite, Olivin-Gabbro

NWA 7325 unterscheidet sich signifikant von anderen Meteoriten und verweist auf einen noch nicht weiter durch Proben vertretenen Mutterkörper. Es handelt sich um ein stark differenziertes Material, der (ursprüngliche) Mutterkörper muss also eine gewisse Größe aufweisen. Die Sauerstoffisotopen-Daten plotten in das Ureilit-Feld, jedoch bestehen keine sonstigen Ähnlichkeiten zu den Ureiliten. Al/Si- und Mg/Si-Verhältnisse sowie der niedrige Fe-Gehalt stehen in Übereinstimmung mit der Zusammensetzung von Oberflächengesteinen auf dem Merkur. Das Ca/Si-Verhältnis weicht allerdings davon ab (Irving et al., 2013). NWA 7325 weist einen außerordentlich niedrigen Magnetismus auf, was ebenfalls konsistent mit einer Herkunft vom Merkur wäre. Ungewöhnlich ist allerdings das hohe Alter von 4,562 Mrd. Jahren (Amelin et al., 2013), was eine schnelle Krustenbildung auf dem Merkur erfordern würde. Ob NWA 7325 tatsächlich vom Merkur oder von einem anderen, wahrscheinlich ursprünglich in Sonnennähe entstandenen Protoplaneten stammt, lässt sich derzeit nicht klären.


    NWA 7325.  Achondrit, ungruppiert, Olivin-Gabbro.

Meteorit NWA 7325.
Achondrit, ungruppiert, Olivin-Gabbro.

Fund 2012. West-Sahara. TKW 345 g.


NWA 7325. Vollscheibe. Größe 19 x 13 mm, Gewicht 0,982 g. Sammlung und Foto
Thomas Witzke.



Bei NWA 7325 handelt es sich um einen kumulaten Olivin-Gabbro mit mittelkörniger, magmatischer Textur. Auffallend sind die grünen, Chrom-haltigen Diopside (27 Vol.-%, Fs1.1-2.6Wo45.1-44.5 und 1 % Cr2O3). Weitere Hauptbestandteile sind Plagioklas (Anorthit, 56 Vol.-%, An88.1-89.2Or0.0) und Forsterit (16 Vol.-%, Fa2.7-2.8). Der Plagioklas ist kristallin und nicht in Maskelynit umgewandelt. Akzessorisch sind ein Cr-haltiges Sulfid (Troilit ?), Chromit, Kamacit, Taenit und Eskolait vorhanden. NWA 7325 ist signifikant verarmt an lithophilen Spurenelementen. Die Zusammensetzung und eine positive Eu-Anomalie weist auf eine Bildung als Plagioklas-reiches Kumulat bei hohen Temperaturen aus einem Mg-Ca-reichen, aber ungewönlich Fe-armen Magma unter extrem niedriger Sauerstoff-Fugazität hin (Irving et al., 2013). Eine eigene röntgendiffraktometrische Analyse mit Rietveld-Quantifizierung ergab 59 Masse-% Anorthit, 27 % Diopsid und 14 % Forsterit (das entspricht etwa 52 Vol.-% Anorthit, 30 % Diopsid und 18 % Forsterit).
Pairing: NWA 8014 (und wahrscheinlich einige Stücke ohne Nummer).





             ungruppierte Achondrite, Olivin-Gabbro

Bei NWA 13921 handelt es sich um ein komplexes Material mit gabbroischen Gesteinsklasten. Die Mineralogie weist einige Ähnlichkeiten zu Diogeniten und Eucriten auf, jedoch widersprechen die Sauerstoff-Isotopendaten einer Beziehung. Sie liegen näher an der TFL (Terrestrische Fraktionierungs-Linie), nahe den Daten von Pasamonte, Moama und Alan Hills 78132.


    NWA 13921.  Achondrit, ungruppiert, Olivin-Gabbro.

Meteorit NWA 13921.
Achondrit, ungruppiert, Olivin-Gabbro.

Fund 2020. Algerien. TKW 807 g (ca. 1 kg ?).


NWA 13921. Individual. Größe 35 x 15 x 15 mm, Gewicht 12 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.


Der Meteorit besteht aus polymineralischen Gesteinsklasten, unregelmäßig geformten Mineralfragmenten und schnell abgekühlter Schmelze. Das grobkörnige, gabbroische Gestein besteht aus Olivin (Forsterit, Fa29.4-40.9), Ca-armen Pyroxen (fleckig zonierter Orthopyroxen und Pigeonit), Ca-reichem Plagioklas sowie Akzessorien wie Kamacit, Ti-Chromit und Troilit. Die einzelnen, irregulär geformten, zum teil resorbierten Mineralfragmente bestehen aus Olivin, Orthopyroxen, Pigeonit, Augit, SiO2 und Ca-reichem Plagioklas. Die Grundmasse besteht hauptsächlich aus radialen Aggregaten aus sehr dünnen, nadeligen, stark zonierten Pyroxen-Kristallen. Sie sind zum Teil senkrecht auf der Oberfläche größerer Mineralkörner gewachsen und haben diese als Kristallisationskeim bei der Abkühlung / Rekristallisation der Schmelze genutzt.
NWA 13921 stellt einen mafischen, Olivin-gabbroischen Achondriten dar, der teilweise geschmolzen wurde und schnell abgekühlt ist.





             ungruppierte Achondrite, Olivin-Gabbro

NWA 13856 stellt petrologisch ein Olivin-Gabbro dar, es gibt jedoch keine Beziehungen zu den hier vorgestellten Meteoriten NWA 7325 und NWA 13921. Die Sauerstoffisotopen-Daten unterscheiden sich sehr stark von diesen, zeigen aber gewisse Ähnlichkeiten zu den L-Chondriten.


    NWA 13856.  Achondrit, ungruppiert, Olivin-Gabbro.

Meteorit NWA 13856.
Achondrit, ungruppiert, Olivin-Gabbro.

Fund 2020. Algerien. TKW 374 g.


NWA 13856. Vollscheibe. Größe 40 x 35 mm, Gewicht 8,42 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.


Der Meteorit enthält 30 Vol-% Orthopyroxen (Enstatit, Fs20.0 +/-0.8), idiomorphen bis subidiomorphen Olivin-Kristallen, 49 Vol.-% (Forsterit, Fa23.9 +/-0.3) sowie Plagioklas 13 Vol.-% (Albit, Ab85.9 +/-2.2 Or 3.5 +/-0.6). Das Material ist stark geschockt und wird von schwarzen Schockschmelzadern durchzogen. Es weist eine kumulate, magmatische Textur auf.





             ungruppierte Achondrite, Norit

Bei Al Bir Lahlou 001 handelt es sich um einen ungruppierten Achondriten mit noritischer Zusammensetzung. Norite sind Gabbro-ähnliche Gesteine, bei denen jedoch Orthopyroxen anstelle von Klinopyroxen überwiegt. Das Material weist Ähnlichkeiten zu noritischen Diogeniten auf, unterscheidet sich jedoch hinsichtlich Sauerstoffisotopendaten, Geochemie und Mineralzusammensetzungen (z.B. in dem sehr hohen Gehalt an Anorthit). Es wird von einem separaten Mutterkörper ausgegangen.


    Al Bir Lahlou 001.  Achondrit, ungruppiert.

Meteorit Al Bir Lahlou 001.
Achondrit, ungruppiert, Norit.

Fund 2021. 45 km SW der Siedlung Bir Lehlu, West Sahara (26.03884 N, 9.27921 W, dicht an der Grenze zu Mauritanien). TKW 12,4 kg.


Al Bir Lahlou 001. Vollscheibe. Größe 37 x 26 mm, Gewicht 4,92 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.


Der Meteorit weist eine Kumulat-Textur bestehend aus etwa 60 % weißen bis cremefarbenen Plagioklas-Körnern und etwa 35 % grünen Pyroxen-Körnern auf. Die Zusammensetzung von dem Plagioklas liegt nahe dem Endglied Anorthit (An97.9Ab2.0Or0.1). Der Pyroxen ist arm an Ca (Fs28.6±2.7Wo3.6±0.9, mit Cr2O3 = 0.77 Masse-%). An den Korngrenzen von Plagioklas und Pyroxen finden sich Verwachsungen beider Phasen. Untergeordnet treten Olivin (Forsterit, Fa36.0 +/-3.9) als kleine Einschlüsse in Pyroxen, metallisches Eisen (praktisch Ni-frei, Co 0.24 %) und Cr-haltiger Spinell auf.



Al Bir Lahlou 001. Ausschnitt, Bildbreite 13 mm. Sammlung und Foto Thomas Witzke.





             ungruppierte Achondrite, Basalt (Ibitira)

Ibitira repräsentiert ein Eucrit-ähnliches Gestein, jedoch von einem separaten Mutterkörper. Dieser Mutterkörper muss eine basaltische Kruste aufweisen (wie z.B. der HED-, Mesosiderit- und Angrit-Mutterkörper). Weitere Proben liegen von diesem Körper bisher wahrscheinlich nicht vor (Mittlefehldt, 2005).


    Ibitira.  Achondrit, ungruppiert (HED-ähnlich).

Meteorit Ibitira.
Achondrit, ungruppiert (offiziell als Eucrit klassifiziert).

Fall 30. Juni 1957. Ibitira, Minas Gerais, Brasilien. TKW 2,5 kg.


Ibitira. Teilscheibe. Größe 19 x 10 mm, Gewicht 1,926 g. Sammlung und Foto Thomas
Witzke.



Ibitira wurde offiziell als basaltischer Eucrit eingestuft. Nach neuen Untersuchungen (Mittlefehldt, 2005) gibt es jedoch deutliche Unterschiede zu den Eucriten und anderen Vertretern der HED-Gruppe, die nahe legen, dass Ibitira von einem separaten Mutterkörper stammt. Es handelt sich um ein nicht-brekziiertes, feinkörniges, basaltisches Gestein mit Hornfels-Textur. Auffällig sind die kleinen Hohlräume in dem Gestein. Die Plagioklase sind ungewöhnlich Ca-reich (An95) gegenüber denen in Eucriten (An75-93). Der Alkali-Gehalt ist generell niedriger als in Eucriten. Das Fe/Mn-Verhältnis in Ca-armen Pyroxenen ist deutlich höher als in den basaltischen Eucriten, während das Fe/Mg-Verhältnis signifikant niedriger als bei diesen ist. Diese Unterschiede lassen sich nicht durch Variationen in den Redox-Verhältnissen erklären. Ibitira ist weiterhin angereichert an Ti, verglichen mit anderen inkompatiblen, refraktären Spurenelementen. Ein entscheidender Unterschied zu den Vertretern der HED-Gruppe ist die Sauerstoffisotopen-Zusammensetzung. Ibitira zeigt hier keine Übereinstimmung mit den HED-Meteoriten, jedoch mit den Angriten.





             ungruppierte Achondrite, Basalt, oxidiert

Nach der Petrologie stellt Sayh al Uhaymir 493 einen einzigartigen, metallfreien, mafischen Achondriten mit Ähnlichkeiten zu kumulaten Eucriten dar, jedoch gibt es auch deutliche Unterschiede, die auf einen oxidativen Prozess auf dem Mutterkörper hinweisen (Irving et al., 2011).


    Sayh al Uhaymir 493.  Achondrit, ungruppiert.

Meteorit Sayh al Uhaymir 493.
Achondrit, ungruppiert.

Fund 5. April 2009. Al Wusta, Oman (20°32' N, 57°18' E). TKW 134 g.


Sayh al Uhaymir 493. Teilscheibe. Größe 10 x 7 mm, Gewicht 0,230 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.


Sayh al Uhaymir 493 weist magmatische Kumulat-Textur auf. Er besteht im Wesentlichen aus Orthopyroxen (Ferrosilit, Fs56.3Wo2.9) mit Entmischungslamellen von Augit (Fs25.3Wo42.3) sowie Plagioklas (Anorthit, An88.2-89.7Or0.7). Akzessorisch finden sich Ti-reicher Chromit, Ilmenit, Ti-haltiger Hämatit und ein SiO2-Polymorph. Olivin und Metall fehlen. Die Pyroxenen enthalten deutliche Anteile von dreiwertigem Eisen. Das Vorkommen von Hämatit in einem achondritischem Meteoriten ist einzigartig. Es wird vermutet, dass sowohl der Hämatit als auch das dreiwertige Eisen in den Pyroxenen auf dem Mutterkörper durch eine post-magmatische Oxidation bei hohen Temperaturen entstanden sind (Irving et al., 2011). Schockstadium niedrig, Verwitterungsgrad sehr niedrig.





             ungruppierte Achondrite

Der Meteorit NWA 13791 stellt ein magmatisches Gestein dar, das hauptsächlich aus Olivin und Pyroxen besteht. Die Kombination der Mineralzusammensetzungen passt zu keiner anderen Gruppe von Achondriten. Es bestehen Affinitäten zu L oder H Chondriten.


    NWA 13791.  Achondrit, ungruppiert.

Meteorit NWA 13791.
Achondrit, ungruppiert.

Fund 2020. Nordwest-Afrika. TKW 142,6 g.


NWA 13791. Vollscheibe. Größe 40 x 27 mm, Gewicht 1,98 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.


Bei dem Meteoriten NWA 13791 handelt es sich um ein gleichkörniges, magmatisches Gestein. Bemerkenswert sind die kleinen Hohlräume in dem Material. Es besteht zu etwa 85 % aus mafischen Komponenten (Olivin, Ca-armer Pyroxen mit Ca-reichen Rändern) und etwa 15 % feinkörnigem Material. Metall und Sulfide weisen eine Korngröße von bis zu 800 Mikrometern auf, sind aber komplett oxidiert durch terrestrische Verwitterung.
Olivin (Forsterit, Fa16.4-29.5) zeigt eine magmatische chemische Zonierung mit höheren Fe-Gehalten vom Kern zum Rand. Ca-armer Pyroxen weist die Zusammensetzung Fs18.1-21.4Wo2.2-3.1 und Ca-reicher Pyroxen Fs15.0-22.3Wo21.7-34.1 auf.





             ungruppierte Achondrite, Basalt und Granulit (Pasamonte)

Ähnlich wie Ibitira repräsentiert auch Pasamonte ein Eucrit-ähnliches Gestein, stammt jedoch nach Sauerstoffisotopendaten und chemischen Daten einzelner Minerale ebenfalls von einem separaten Mutterkörper. Der Meteorit PCA 91007 stammt wahrscheinlich vom gleichen Mutterkörper wie Pasamonte.


    Pasamonte.  Achondrit, ungruppiert (HED-ähnlich), Basalt und Granulit.

Meteorit Pasamonte.
Achondrit, ungruppiert (offiziell als Eucrit klassifiziert).

Fall 24. März 1933. Near Pasamonte Ranch, Union Co., New Mexico, USA. TKW 5,1 kg.


Pasamonte. Fragment. Größe 4 x 3 mm. Gewicht 0,04 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.


Pasamonte wurde offiziell als polymikter Eucrit eingestuft. Die signifikanten Abweichungen bei den Sauerstoffisotopendaten von der Eucrit-Fraktionierungslinie, die Pyroxen- und Chromit-Zusammensetzung sowie anomal hohe Gehalte an siderophilen Elementen (Ni, Os, Ir) legen jedoch nahe, dass Pasamonte von einem anderen Mutterkörper als die Eucrite stammt. Bei Pasamonte handelt es sich um eine polymikte Brekzie mit basaltischen und granulitischen Lithologien, granulitischen Brekzien und Impaktschmelz-Brekzien.





             ungruppierte Achondrite, Basalt, polymikt (Basalte, Gabbros, Norite)

Nach den in ihm enthaltenen Klasten repräsentiert der Meteorit Dhofar 1441 Material von einem größeren, differenzierten Körper. Weitere Proben liegen von diesem Körper bisher wahrscheinlich nicht vor.


    Dhofar 1441.  Achondrit, ungruppiert.

Meteorit Dhofar 1441.
Achondrit, ungruppiert.

Fund 2003. Dhofar, Oman (18°26.16' N, 54°29.03' E). TKW 268 g.


Dhofar 1441. Vollscheibe. Größe 42 x 32 mm, Gewicht 3,88 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.


Bei dem Meteoriten handelt es sich um eine Brekzie mit Gesteins- und Mineralklasten in einer feinkörnigen Matrix. Als Gesteinsklasten liegen Basalte, Gabbros, Norite, metamorphe Pyroxen-Feldspat-Gesteine und klastische Brekzien vor. Die Matrix besteht aus Pyroxen und Feldspat. Die Sauerstoffisotopen-Daten (delta 17O = 2.765, delta 18O = 5.508) liegen sehr dicht an der terrestrischen Fraktionierungslinie.





             ungruppierte Achondrite, Andesite

Bei Erg Chech 002 handelt es sich um einen ungruppierten, magmatischen, andesitischen Achondriten, der sich signifikant von anderen Achondriten unterscheidet. Er repräsentiert die älteste gegenwärtig bekannte differenzierte Kruste eines Protoplaneten und entstand durch partielle Aufschmelzung einer ursprünglich chondritischen Lithologie.


    Erg Chech 002.  Achondrit, ungruppiert.

Meteorit Erg Chech 002.
Achondrit, ungruppiert.

Fund Mai 2020. Nahe Bir Ben Takoul, Erg Chech Sandsee, Adrar, Algerien (26.032°N, 1.611°W). TKW 31,78 kg.


Erg Chech 002. Vollscheibe. Größe 73 x 62 mm, Gewicht 26,92 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.


Erg Chech 002 weist eine nicht brekziierte, magmatische, relativ grobkörnige Textur mit sporadischen großen, grünen Pyroxen-Kristallen auf. Die Grundmasse ist durch Verwitterung etwas braun fleckig. Die großen Pyroxen-Megacrysten zeigen rechteckigen bis ellipsoidalen Umriß und bestehen aus Enstatit mit schwankender Zusammensetzung, Pigeonit oder Augit. Die Megacrysten weisen eine deutliche Zunahme des Eisengehaltes vom Kern zum Rand auf. Enstatit (einer von drei gemessenen Kristallen): Kern Fs17.7Wo3.3; Mantel Fs23.4-31.1Wo3.4-3.8; Rand Fs37.6-42.5Wo2.9-3.3; Pigeonit: Kern Fs21.3Wo7.0; Mantel Fs23.4Wo11.8; Rand Fs40.7Wo5.0; Augit: Kern Fs14.7-19.4Wo38.5-30.2; Rand Fs24.7Wo38.1. In der Grundmasse finden sich entmischter Pigeonit (meist radiale Kluster aus prismatischen Kristallen), Augit und zonierter Plagioklas (Kern Ab68.8-79.0An26.7-17.9Or4.4-2.6, Rand Ab84.4-86.7An11.4-7.1Or4.2-7.0) mit Entmischungen von Kali-Feldspat. Akzessorisch finden sich Ti-hltiger Chromit, Ilmenit, Troilit, Cristobalit, Tridymit (aber kein Quarz), Merrillit und selten Ni-armes Eisen. Erg Chech weist eine andesitische Zusammensetzung mit durchschnittlich 45 % Feldspat, 38 % Pyroxen, 5 % Cristobalit und Tridymit sowie Akzessorien auf. Die Abkühlungsrate betrug etwa 5°C/Jahr im Bereich zwischen 1200 und 1000°C. Das würde zu einem dicken Lavafluss oder einer oberflächennahen Intrusion passen. Es gibt Hinweise auf eine viel schnellere Abkühlung von 0,1 - 1°C/Tag unterhalb von 900°C, vermutlich verursacht durch einen Impakt, der das Gestein freigelegt hat (Yamaguchi et al., 2021).

Die Sauerstoff-Isotopendaten (Δ17O vs. δ18O) plotten zwischen den Fraktionierungslinien von Eucriten und Angriten. Erg Chech unterscheidet sich jedoch signifikant von diesen beiden Gruppen.

Eine Altersbestimmung (Chaussidon et al., 2021) ergab 4565,0 Millionen Jahre, d.h. 2,255 Millionen Jahre nach der Entstehung der CAIs. Die Teilschmelze der ursprünglichen, wohl chondritischen Lithologie entstand nur 1,4 Millionen Jahre nach den CAIs. Erg Chech repräsentiert damit die älteste gegenwärtig bekannte differenzierte Kruste eines Protoplaneten und entstand zeitgleich mit der Bildung der Kerne in den Mutterkörpern magmatischer Eisenmeteorite. Die Temperatur auf dem Mutterkörper von Erg Chech 002 war nicht hoch genug für eine komplette Aufschmelzung und Bildung eines Magmaozeans, sonst hätte sich keine andesitische Kruste erhalten.



Erg Chech 002. Detail mit großen Pyroxen-Megacrysten. Bildbreite 26 mm. Sammlung und Foto Thomas Witzke.





             ungruppierte Achondrite, Albitite

Bei Erg Atouila 001 handelt es sich um einen ungruppierten, magmatischen Achondriten, der fast nur aus Albit besteht und als Albitit oder Trachyt eingeordnet werden kann. Er belegt einen frühen SiO2-reichen Magmatismus im Sonnensystem.


    Erg Atouila 001.  Achondrit, ungruppiert.

Meteorit Erg Atouila 001.
Achondrit, ungruppiert.

Fund August 2020. Norden der Region Taoudenit, Mali (22.489944°N, 4.551744°W). TKW 793 g.


Erg Atouila 001. Vollscheibe. Größe 68 x 40 mm, Gewicht 9,8 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.


Das erste Exemplar von 553 g wurde im August 2020 gefunden, ein zweites Exeplar von 240 g in weniger als 1 km Entfernung im September 2020. Die Stücke zeigen keine Schmelzkruste. Das Innere weist eine weiße bis schwach rosa Farbe mit einigen grüne Flecken auf. Der Meteorit besteht zu 95% aus einem relativ grobkörnigem Albit (Ab91.8Or6.3An1.9). Damit ist er der Meteorit mit dem höchsten gegenwärtig bekannten Gehalt an Albit. Weiterhin sind etwa 3 % Clinopyroxen (Augit, Fs10.0Wo44.0) vorhanden. Als akzessorische Phasen finden sich Kalifeldspat (Ab10.2Or89.3An0.5), Olivin (Forsterit, Fa29.3), Fluorapatit, Troilit, Fe-Metall (mit Ni=0.26) und Ilmenit. Kalifeldspat findet sich als Lamellen im Albit.
Der Meteorit kann petrografisch als Albitit bezeichnet werden. In einem total Alkali-SiO2-Diagramm (TAS) fällt er in das Feld von Trachyt.
Die Sauerstoffisotopenwerte plotten nahe dem Acapulcoit/ Lodranit-Feld. Erg Atouila 001 zeigt jedoch keine nahe liegende petrologische Beziehung zu diesen Meteoriten. Er belegt jedoch einen frühen, SiO2-reichen Magmatismus im Sonnensystem (Agee et al., 2022).






Literatur siehe Hauptseite Meteorite
Weitere verwendete Literatur:
Amelin, Y. et al. (2013): U-Pb age of ungrouped achondrite NWA 7325.- 76th Annual Meteoritical Society Meeting, 5165.pdf
Bischoff, A. et al. (2014): Trachyandesitic volcanism in the early Solar System.- PNAS 111, 12689-12692
Chaussidon et al. (2021): 26Al chronology of Erg Chech 002, the oldest andesite in the solar system.- 52nd Lunar and Planetary Science Conference 2021 (LPIContrib.No.2548), 2222.pdf
Goodrich, C. A.; Hartmann, W. K.; O'Brien, D. P.; Weidenschilling, S. J.; Wilson, L.; Michel, P. & Jutzi, M. (2015): Origin and History of Ureilitic Material in the Solar System: The View from Asteroid 2008 TC3 and the Almahata Sitta Meteorite.- Meteoritics & Planetary Science 50, 782-809
Irving, A.J. et al. (2011): Sayh al Uhaymir 493: an unusual hematite-bearing, eucrite-like mafic achondrite with ferrian pyroxenes.- 42nd Lunar and Planetary Science Conference, 1614.pdf
Irving, A.J. et al. (2013): Ungrouped mafic achondrite Northwest Africa 7325: A reduced, iron-poor cumulate olivine gabbro from a differentiated planetary parent body. 44th Lunar and Planetary Science Conference, 2164.pdf
IRVING, A.J. et al., (2014): Harzburgitic achondrite Northwest Africa 7835 and its potential affinity to ungrouped metal-poor "ordinary" chondrites.-77th Annual Meteoritic Society Meeting, 5332.pdf
Irving, A.J.; Kuehner, S.M. & Ziegler, K. (2015): Petrology and oxygen isotopic composition of orthopyroxenitic achondrite Northwest Africa 8777 and sodic ultramafic achondrite Northwest Africa 10132.- 78th Annual Meeting of the Meteoritical Society, 5254.pdf
Mittlefehldt, D.W. (2005): Ibitira: A basaltic achondrite from a distinct parent asteroid and implications for the Dawn mission.- Meteoritics & Planetary Science 40, 665-677
Yamaguchi et al. (2021): Petrology and geochemistry of Erg Chech 002, the oldest andesite in the solar system.- 52nd Lunar and Planetary Science Conference 2021 (LPI Contrib. No. 2548), 1892.pdf






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