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Differenzierte Achondrite / Differentiated Achondrites
Achondrite sind eine sehr heterogene Klasse von Meteoriten, die keine Chondren aufweisen.
Sie stammen von differenzierten, mittelgroßen bis großen Asteroiden (Protoplaneten),
anderen Planeten (Mars und eventuell Merkur) oder dem Erdmond. Auf all diesen Körpern ist
es durch Schmelzprozesse zu einer Trennung von einem metallischen Kern und einem silikatischen
Mantel gekommen. Als Beispiel für einen noch in der Frühphase des Sonnensystems entstandenen
und noch existierenden Protoplaneten, von dem sehr wahrscheinlich Meteoriten stammen, ist
Vesta zu nennen, heute als Zwergplanet bekannt. Andere Protoplaneten wie die Mutterkörper der
Angrite und der Aubrite sind lange zerstört, ihre Reste sind heute unter den kleineren Asteroiden
zu finden. Hinweise auf eine Reihe weiterer zerstörter Körper sind in den unklassifizierten
Achondriten zu finden. Diese sind deshalb besonders interessant, jedoch liegen meist nur
einzelne Vertreter vor. Über deren Mutterkörper ist deshalb auch nur sehr wenig bekannt.
Den Übergang zwischen den undifferenzierten Chondriten und den differenzierten Achondriten
stellen die Primitiven Achondrite (PAC) dar.
In den ursprünglichen Klassifikationen auf rein petrografischer Grundlage beschränkte
sich die Bezeichnung Achondrite auf Steinmeteorite. Jedoch stammen der größte Teil der
Eisenmetorite und ebenso die Steineisenmeteorite ebenfalls von differenzierten Asteroiden.
Es ist deshalb sinnvoll, hier nach Beziehungen und eventuell gemeinsamen Mutterkörpern zu
suchen. Neuere Klassifikationen berücksichtigen dies zum Teil.
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• Aubrite
• Aubrite von anderen Mutterkörpern
• ungruppierte Enstatit-Achndrite
Aubrite
Aubrite bestehen im wesentlichen aus weißem, Fe-armen bis praktisch Fe-freiem Enstatit
und werden deshalb auch als Enstatit-Achondrite bezeichnet. Untergeordnet können andere Pyroxene,
Olivin, Kamacit, Troilit und einige seltene akzessorische Minerale wie z.B. Oldhamit CaS,
Fe-haltiger Alabandin (Mn,Fe)S, Daubréelit FeCr2S4,
Caswellsilverit NaCrS2 und andere vorhanden sein. Die Zusammensetzung
ist ähnlich der von Enstatit-Chondriten. Beide Gruppen sind unter ähnlichen, sehr reduzierenden
Bedingungen in ähnlichen Regionen des Sonnennebels entstanden. Es wird eine Enstehung nahe der Sonne
im solaren Nebel angenommen, wahrscheinlich innerhalb 1AU. Es wird jedoch ausgeschlossen,
dass die Aubrite auf dem EH-oder EL-Mutterkörper entstanden sind. Dagegen ist praktisch
sicher, dass die Aubrite ein frühes Differenziationsprodukt eines Enstatit-Chondrit-artigen
Vorläufers sind, bei dem es zu umfangreichen Aufschmelzungen und wahrscheinlich zur Bildung
von einem Magma-Ozean kam.
Die Homogenität der Δ17O Werte für die eigentlichen
Aubrite [Δ17O = +0.009 ± 0.010 ‰ (2σ)]
legen nahe, dass sie von einem Mutterkörper stammen (Barrat et al., 2016).
Aubrite weisen große bis sehr große Enstatit-Kristalle auf, die für eine langsame Abkühlung
unter plutonischen Bedingungen sprechen. In den meisten Fällen liegen die Kristalle zum Teil
einzeln, zum Teil in Klasten in einer feinkörnigen Matrix aus Enstatit-Kristallfragmenten
liegen. Fast alle Aubrite sind brekziiert. Gelegentlich sind Xenolithe anderer Lithologien
vorhanden (z.B. Forsterit-reiche Chondrite).
Die Ausbildung großer Enstatit-Kristalle aus einer Schmelze erfordert eine sehr hohe Aufheizung,
sie dürfte 1560°C überstiegen haben. Generell ist für die Aubrite eine komplexe
Entstehungsgeschichte anzunehmen, frühere Vorstellungen als einfache Mantelkumulate oder
andere Modelle sind offenbar zu einfach. Brekziierung und Xenolithe weisen auf Kollision des
bereits differenzierten Mutterkörpers mit einem chondritischen Asteroiden hin (Casanova
et al., 1993; Van Acken et al. (2010).
Spektroskopische Untersuchungen zeigen Ähnlichkeiten mit dem Asteroiden 44 Nysa oder anderen
der Hungaria-Familie. Speziell der Asteroid 3103 Eger mit einem erdnahem Orbit steht in Verdacht,
der Mutterkörper der Aubrite zu sein. Es sind nur sehr wenige Aubrite bekannt.
Neben den eigentlichen Aubriten gibt es einige weitere Meteorite, die auch als Aubrite bezeichnet
wurden, aber von anderen Mutterkörpern stammen. Das betrifft zum Beispiel den Meteoriten
Shallowater, der in der Meteoritical Bulletin Database noch als Aubrit geführt
wird, aber recht sicher von einem anderen Körper stammt (Keil, 2010). Auch die beiden
als anomaler Aubrit geführten Meteorite Mount Egerton und Larned stammen nach der Signatur der
leichten REE wahrscheinlich von einem anderen Mutterkörper als die "normalen" Aubrite.
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Ribbeck. Achondrit, Aubrit
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Meteorit Ribbeck.
Achondrit, Aubrit, brekziiert.
Fall 21.01.2024, 01:33 MEZ. Streufeld bei Ribbeck und Berge, Nauen (westlich von Berlin), Brandenburg, Deutschland. TKW 983 g.
Ribbeck. Individual, Größe 23 x 14 x 13 mm, Gewicht 5,27 g. Fund Lukas Smula. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
Von dem ungarischen Amateur-Astronomen Krisztián Sárneczky wurde am 20.01.2024 um 21:48 UTC (22:48 MEZ) ein
kleiner Asteroid von etwa 1 Meter Durchmesser entdeckt. Von dem Objekt mit der vorläufigen Bezeichnung
Sar2376 gab es in den nächsten 2 1/2 Stunden insgesamt 178 Beobachtungen. Bereits aus den ersten Beobachtungen
identifizierten NASA's Scout und ESA's Meerkat Asteroiden-Impakt Warnsysteme den Körper als Impaktor.
In einer Mitteilung von Peter Birtwhistle um 23:09 UTC wurde der Eintritt in die Erdatmosphäre für den
21.01.2024 um 00:32 UTC (01:32 MEZ) vorhergesagt, der vorausberechnete Ort liegt westlich von Berlin. In der
Folgezeit wurden die Berechnungen weiter präzisiert, und eine halbe Stunde vor dem Impakt war bekannt,
dass der Eintritt in die Erdatmosphäre um 00:33 UTC (01:33 MEZ) in einer steilen Bahn über dem Ort Nenndorf,
etwa 60 km westlich von Berlin, erfolgen wird. Das Ereignis wurde von mehreren Kameras aufgezeichnet und
von zahlreichen Augenzeugen beobachtet. Die Berechnung des Streufeldes erfolgte durch P. Spurný and J.
Borovička (Astronomisches Institut der Tschechischen Akademie der Wissenschaften), danach wurden die
potentiellen Meteorite beim Fall durch starke Winde in ein Gebiet südlich des Dorfes Ribbeck, Kreis Nauen,
verfrachtet (Quellen: Blog von A. Schnabel; Blog von M. Karmaka; Meteoritical Bulletin Database).
Ribbeck. die andere Seite des Individuals. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
Der Asteroid erhielt vom Minor Planet Center, Cambridge, Massachusetts, schliesslich die offizielle
Bezeichnung 2024BX1. Es handelte sich erst um das achte Mal, dass ein Asteroid beobachtet und ein Eintritt
in die Erdatmosphäre erfolgreich vorhergesagt wurde. Spektrale Untersuchungen des Feuerballs durch das
European Fireball Network lieferten Hinweise, dass der Meteorit arm an Eisen und möglicherweise reich
an Enstatit war.
Die Suche im Streufeld startete am 22.01.2024 und lief mehrere Wochen. Beteiligt waren unter anderem
Wissenschaftler und Studenten vom Museum für Naturkunde Berlin, des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt,
der Freien Universität Berlin, der Technischen Universität Berlin, Mitglieder des Arbeitskreises Meteore (AKM)
sowie zahlreiche professionelle und Amateur-Sammler (auch der Autor dieser Homepage beteiligte sich an der Suche,
jedoch erfolglos). Der erste Fund in einem Feld westlich von Ribbeck, drei zu einem Exemplar von 171 g
gehörende Fragmente, erfolgte durch die polnischen Sucher Filip Samuel Nikodem, Kryspin Kmieciak und
Michał Nebelski am 25.01.2024. Hierbei zeigte sich, dass es sich um ein ungewöhnliches graues Material
mit weißen Flecken handelt, für das ein Aubrit vermutet wurde. Die Hauptmasse von 229 g wurde am 29.01.2024
von Kryspin Kmieciak gefunden. Es wurden mehrere 10er Exemplare von einer Reihe von Suchern gefunden.
Eine Zusammenstellung der bekannten Exemplare findet sich in dem Blog von Martin Karmaka (Karmaka, 2024).
Das Streufeld erstreckt sich über einen Bereich südwestlich von Ribbeck bis südöstlich
von Berge, Nauen. Der Meteorit erhielt die offizielle Bezeichnung Ribbeck. Der Ort Ribbeck ist durch ein Gedicht von
Theodor Fontane "Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland" von 1889 bekannt.
Das Material wurde innerhalb sehr kurzer Zeit als Aubrit klassifiziert. Es wurden eine Reihe von gerundeten,
eiförmigen und irregular geformten Individuen sowie Fragmente
gefunden, die ein grau-weiß fleckiges Aussehen aufweisen und zum Teil bis voll mit frischer weißer bis
dunkelgrauer und oft mit Rissen durchzogener Schmelzkruste bedeckt sind. Die Schmelzkruste zeigt
zum Teil transparente, oft stark vesikulare Bereiche. Bei dem Meteoriten handelt es sich um eine
grobkörnige achondritische Brekzie, die hauptsächlich aus bis zu 1,2 cm großen, weißen Enstatit-Körnern,
sowie untergeordnet bis 1,5 mm messende Forsterit-Kristalle und etwas Na-Feldspat in einer feinkörnigen
kataklastischen Matrix aus vergleichbarem Material. An akzessorischen opaken Phasen sind Troilit, Alabandin,
Oldhamit, Heideit, Keilit, Djerfisherit, Kamacit sowie Taenit vorhanden. Enstatit und Forsterit zeigen
starke undulöse Auslöschung. Der Enstatit hat mit Fs0Wo0.6-0.9 nahezu Endglied-Zusammensetzung. Bei dem
Olivin handelt es sich um Forsterit mit Endglied-Chemismus (Fa0). Bei dem Plagioklas handelt es sich
um einem Albit (An1.4-4.8Ab93.1-96.2Or2.0-2.4) (Meteoritical Bulletin Database).
Das TKW dürfte noch etwas höher als die angegebenen 983 Gramm sein, da es sicher noch eine Dunkelziffer
an nicht gemeldeten Funden gibt.
Ribbeck. Fragment, Größe 18 x 10 x 8 mm, Gewicht 1,4 g. Die Seite mit Schmelzkruste und deutlich
erkennbaren weißen Enstatit-Kristallen. Fund Kryspin Kmieciak, am 27.01.2024, bei 52.62000°N, 12.75511°E
(= 52°37'12.0''N, 12°45'18.4''E). Sammlung und Foto Thomas Witzke.
Von mehreren Findern wurde ein Geruch nach H2S an frisch gefundenen Stücken
bemerkt. Das ist wahrscheinlich auf eine Reaktion von dem in dem Meteoriten enthaltenen Oldhamit (CaS)
zurückzuführen, welcher mit Feuchtigkeit zu H2S und Ca(OH)2
unter Volumenvergrößerung reagiert. Das Material ist insgesamt recht empfindlich und zerbrechlich.
Ribbeck ist visuell sehr ähnlich dem Aubriten Tiglit, Fall am 9. Dezember 2021 im südlichen Marokko.
Ribbeck. Das Innere des oben gezeigten Fragments mit weißen Enstatit-Kristallen in einer hellen, feinkörnigen
Matrix.
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Peña Blanca Springs. Achondrit, Aubrit.
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Meteorit Peña Blanca Springs.
Achondrit, Aubrit, brekziiert.
Fall 2. August 1946. Peña Blanca Springs, Gage Range, Marathon, Brewster Co., Texas, USA. TKW 70 kg.
Peña Blanca Springs. Teilscheibe. Größe 20 x 8 mm, Gewicht 0,84 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
Der Meteorit weist eine sehr grobe kataklastisch-porphyritische Textur auf. Er enthält
weiße Pyroxen-Kristalle (Enstatit) bis mehrere Zentimeter Größe auf.
In dem Meteoriten Peña Blanca Springs wurde ein ungewöhnlich großer Enstatit-Kristall
von 10 x 7,5 x 6 cm Abmessung gefunden (Londale, 1947).
Hauptminerale des
Meteoriten sind eisenfreier Enstatit (93 %), Diopsid (5 %), Forsterit (0,5 %) und einige
Akzessorien wie Troilit, Oldhamit, Alabandit und Daubreelit u.a. auf. Für das Material
wurde ein Mn-Cr-Alter von 4,5629 Milliarden Jahren und ein CRE-Alter (cosmic ray exposure)
von 75 Millionen Jahren festgestellt.
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Cumberland Falls. Achondrit, Aubrit.
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Meteorit Cumberland Falls.
Achondrit, Aubrit, brekziiert.
Fall 9. April 1919. Im Gebiet der Cumberland Falls, Cumberland River, Whitley County, Kentucky, USA
(ungefähr 36°50'N, 84°21'W). TKW 17 kg.
Cumberland Falls. Mit einem größeren Eisen-Einschluss. Teilscheibe. Größe
50 x 37 mm. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
Nach einem Feuerball und lauten Geräuschen fielen am 9. April 1919 um die Mittagszeit
in Whitley County,
mehrere Steine. Bei dem Meteoriten handelt es sich um einen polymikten Aubriten,
der hauptsächlich aus weißen Enstatit-Fragmenten, etwas Metall, Sulfiden und Frgmenten
von einem Forsterit-Chondriten besteht. Der Enstatit ist sehr Eisen-arm. Das Metall
enthält 6,15 % Ni.
Der prä-atmosphärische Durchmesser wurde zu 1,6 - 2 Metern berechnet. Das CRE-Alter
(cosmic ray exposure) liegt bei 49 +/- 10 Millionen Jahren.
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Norton County. Achondrit, Aubrit.
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Meteorit Norton County.
Achondrit, Aubrit, brekziiert.
Fall 18. Februar 1848. Norton County, Kansas, USA.
Norton County. Teilscheibe. Größe 28 x 28 mm, Gewicht 15,8 g. Sammlung und
Foto Thomas Witzke.
Der Meteorit besteht aus großen Enstatit-Kristallen. Eine feinkörnige Grundmasse besteht
ebenfalls aus Enstatit. Daneben sind ewas Nickeleisen und Graphit vorhanden, akzessorisch
finden sich auch einige Sulfide.
Norton County. Kleiner Ausschnitt. Bildbreite 0,14 mm. Sammlung Thomas Witzke,
Foto Bernhard Pracejus.
Grauer Cronusit, ein seltenes wasserhaltiges Calcium-Chrom-Sulfid. Anschliff für
Mikrosonden-Analyse, Foto im Auflicht, parallele Nicols.
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NWA 6675. Achondrit, Aubrit.
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Meteorit NWA 6675.
Achondrit, Aubrit, brekziiert.
Fund 2010. Nordwest-Afrika. TKW 510 g.
NWA 6675. Endstück. Größe 20 x 15 mm, Gewicht 3,09 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
NWA 6675 zeigt bis 2 mm große Enstatit-Kristalle (En99.0 Wo0.5) sowie Plagioklas-Kristalle
(Ab91.7An3.2Or4.9) in einer feinkörnigen Enstatit-Matrix. Etwas Troilit ist vorhanden
sowie Limonit und andere Verwitterungsbildungen.
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Sebkha el Melah 001. Achondrit, Aubrit.
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Sebkha el Melah 001.
Achondrit, Aubrit, nicht brekziiert.
Fund Ende März 2022. Region "Wad Alhath", etwa 54 km NE von Tamanieret und 245 km SE von Taoudenni, Taoudénit Cercle,
Taoudénit Region, Mali (21.63885 N, 1.82974 W). TKW 17 kg.
Sebkha el Melah 001. Individual, idiomorpher Enstatit-Kristall. Größe 50 x 19 x 14 mm, Gewicht 23,59 g.
Sammlung und Foto Thomas Witzke.
Der Meteorit wurde Ende März 2022 in einem Streufeld in der Region "Wad Alhath" in Mali durch
Sahrawi Meteoritensammler gefunden. Die Hauptmasse weist eine Gewicht von 3550 g auf. Der Meteorit
weist Kluster von zum Teil sehr großen, bis mehrere Zentimeter messenden, miteinander verwachsenen
Enstatit-Kristallen mit pegmatitischer Textur auf. Die Kristalle sind trüb weiß, gelegentlich
auch farblos durchsichtig bis durchscheinend. Der größte Kristall wiegt 45 bei etwa 5 cm
Länge und 2 cm Dicke. Der Meteorit ist nicht brekziiert. Bei seinem Flug durch die Atmosphäre
ist der Meteorit stark zerfallen, so dass viele einzelne, kleiner bis größere Enstatit-Kristalle
den Boden erreicht haben.
Nach Mikrosonden- und Auflicht-Analysen besteht der Meteorit zu etwa 98 % aus Enstatit. Das ist der
höchste bisher in einem Aubrit festgestellte Enstatit-Gehalt. Der Enstatit hat nahezu
Endglied-Zusammensetzung (Fs0.0±0.0Wo0.9±0.1). Vereinzelt findet sich Diopsid
(Fs0.0±0.0Wo45.5±0.8) und sehr selten Forsterit (Fa0.0). Weitere akzessorische Minerale
sind Kamacit, Taenite, Schreibersite, Ti-Troilite, Troilite und Daubréelit. Die Eisengehalte in
Enstatit, Diopsid und Forsterit sind die niedrigsten in einem Aubrit bisher festgestellten.
Der Kristall aus einer anderen Perspektive.
Der Kristall aus einer anderen Perspektive.
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"Aubrite" - Larned und Mount Egerton,
wahrscheinlich separater Mutterkörper
Die beiden als anomaler Aubrit klassifizierten Meteorite Larned und Mount Egerton stammen nach
Untersuchungen der Signatur der leichten REE von einem anderen Mutterkörper als die normalen
(Hauptgruppen) Aubrite (Barrat et al., 2016).
Bei einer (zukünftigen) Klassifikation stellt sich die Frage, ob es bei der petrografischen
Einteilung bleibt und somit Larned und Mount Egerton (sowie Shallowater) weiter als Aubrite
geführt werden oder der Bezug auf einzelne Mutterkörper im Vordergrund steht und diese
Meteorite zunächst als ungruppierte Enstatit-Achondrite eingestuft werden.
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Larned. Achondrit, Aubrit.
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Meteorit Larned.
Achondrit, Aubrit, brekziiert, anomal (metallreich).
Fund 1977. 1 Meile N und 4 Meilen W von Larned, Kansas, USA (38° 11,97' N, 99° 9,72' W). TKW 28,1 kg.
Larned. Teilscheibe. Größe 62 x 25 mm, Gewicht 12,81 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
Bei dem Meteoriten Larned handelt es sich um eine polymikte Breccie mit metallarmen,
silikatischen Klasten in einer metallreichen Matrix. Das Hauptmineral in den silikatischen
Partien ist Enstatit (nahe Endglied-Zusammensetzung, Fs0,1-0,2 Wo0,4-1,1), akzessorisch
sind Diopsid, Na-Plagioklas-Glas (Ab79 Or21), ein Siliziumdioxid-Polymorph, Schreibersit,
Troilit, Daubreelit, Niningerit, Si-haltiger Kamacit und Taenit vorhanden. Der sehr hohe
Metallgehalt in der Matrix unterscheidet Larned von anderen Aubriten. Der Meteorit wurde
stark geschockt, was sich in zerbrochenen Enstatit-Kristallen und dem Feldspat-Glas zeigt.
Die äußeren Bereiche des Meteoriten sind stark verwittert. Ein terrestrisches
Alterationsprodukt sind dünne Adern von einem Eisensilikat, wahrscheinlich Greenalit,
zu beobachten.
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Mount Egerton. Achondrit, Aubrit.
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Meteorit Mount Egerton.
Achondrit, Aubrit, nicht brekziiert, anomal (metallreich).
Fund ab 1941. Mount Egerton, Gascoyne River, Western Australia, Australien. TKW 22 kg.
Mount Egerton. Fragment. Größe 8 x 5 mm, Gewicht 0,25 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
Mount Egerton ist ein anomaler, metallreicher, unbrekziierter Aubrit. Er besteht aus
cm-großen Enstatit-Kristallen und enthält etwa 21 % Fe-Ni-Metall. Das Metall zeigt eine
feine pseudooktaedrische Textur durch Kristalle von dem Nickelsilicid Perryit. Etwas
Schreibersit ist auch vorhanden. Die Zusammensetzung der Metallaggregate weist darauf hin,
dass es sich nicht, wie ursprünglich vermutet, um Material der Kern-Mantel-Grenze des
Mutterkörpers handelt, sondern Ergebnis einer fraktionierten Kristallisation ist.
Neue Untersuchungen legen nahe, dass Mount Egerton von einem anderen Mutterkörper als die
Hauptgruppen-Aubrite stammt.
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Ungruppierter Enstatit-Achondrit ("Aubrit") - Shallowater,
separater Mutterkörper
Der als Aubrit klassifizierte Meteorit Shallowater stammt nach neueren Untersuchungen
ziemlich sicher von einem anderen Mutterkörper als die Hauptgruppen-Aubrite und auch
als die Meteoriten Larned und Mount Egerton (Keil, 2010). Dies konnte auch durch
ε54Cr-Analysen bestätigt werden (Zhu et al., 2021).
Zu einer (zukünftigen) Klassifikation gilt das oben bei Larned und Mount Egerton schon
gesagte. Eine Einstufung als ungruppierter Enstatit-Achondrit ist sicher sinnvoll.
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Shallowater. ungruppierter Enstatit-Achondrit ("Aubrit").
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Meteorit Shallowater.
Achondrit, Ungruppierter Enstatit-Achondrit / Aubrit (separater Mutterkörper).
Fund 1936. Shallowater, Texas, USA. TKW 4,65 kg.
Shallowater. Kleines Fragment. Größe 2,5 x 2 mm, Gewicht 0,005 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
Bei Shallowater handelt es sich um einen nicht-brekziierten, grobkörnigen Orthopyroxenit.
Hauptbestandteil (ca. 80 %) ist Enstatit, daneben sind Clinoenstatit, Forsterit,
Plagioklas, Ni-Fe-Metall, Troilit, opakes Material und weitere. Das Gestein weist eine
komplexe, dreistufige Abkühlungsgeschichte auf. Es wird vermutet, dass es das Ergebnis
der Kollision eines ganz oder teilweise geschmolzenem Enstatit-reichen Körpers mit einem
festen, Enstatit-Chondrit-artigem Körper ist.
Shallowater dürfte von einem separaten, Aubrit-ähnlichen Mutterkörper stammen
(Keil, 2010). In der Meteoritical Bulletin Database (Stand März 2024) wird Shallowater
jedoch immer noch als Aubrit geführt.
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Ungruppierter Enstatit-Achondrit - NWA 8173
Der Meteorit NWA 8173 ist generell sehr ähnlich den Aubriten, wurde aber auf Grund einiger Unterschiede
als Ungruppierter Enstatit-Achondrit klassifiziert. Es bestehen keine näheren Beziehungen zu den
weiteren hier beschriebenen Enstatit-Achondriten.
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NWA 8173. Achondrit, ungruppierter Enstatit-Achondrit.
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Meteorit NWA 8173.
Ungruppierter Enstatit-Achondrit.
Fund 2013. Nordwest-Afrika. TKW 67,2 g.
NWA 8173. Vollscheibe. Größe 30 x 22 mm, Gewicht 2,96 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
NWA 8173 besteht hauptsächlich aus prismatischen, unverzwillingten Enstatit-Kristallen,
die nahezu die reine Endglied-Zusammensetzung aufweisen (Fs 0.0; Wo 0.2-0.3). Weiterhin
sind 20 % Si-haltiger Kamacit (Ni 6.3, Si 3.6, Co 0.4 %), sowie akzessorisch Alkalifeldspat
(Albit), Cristobalit (eigene XRD-Analyse - T.W.), Daubreelit u.a. vorhanden. Die
Sauerstoff-Isotopendaten fallen in das Feld der Aubrite und Enstatit-Chondrite, jedoch
unterscheidet sich NWA 8173 von den Aubriten durch die bemerkenswerte Reinheit von Enstatit
sowie die Zusammensetzung des Metalls.
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Ungruppierter Enstatit-Achondrit - NWA 7603
Zu dem Meteoriten NWA 7603 liegen gegenwärtig nur sehr wenige Daten vor, die keine nähere
Klassifizierung erlauben. Es fehlen auch Sauerstoff- oder andere Isotopendaten.
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NWA 7603. Achondrit, ungruppierter Enstatit-Achondrit.
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Meteorit NWA 7603.
Ungruppierter Enstatit-Achondrit.
Fund 2012. Sahara, Nordwest-Afrika. TKW 126,9 g.
NWA 7603. Teilscheibe. Größe 33 x 20 mm, Gewicht 3,962 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
Über den Meteoriten NWA 7603 ist derzeit nur wenig bekannt. Er besteht hauptsächlich aus
relativ grobkörnigem Enstatit (Korngröße bis 1,1 mm, Zusammensetzung Fs0.1-0.2 Wo0.6-0.8)
mit Triple-junction-Textur. Weiterhin ist reichlich Metall sichtbar. Akzessorisch sind
Cr-haltiger Troilit und Plagioklas vorhanden. Keine Daten liegen darüber vor, in welcher
Beziehung er zu den Aubriten oder den Primitiven Enstatit-Achondriten steht.
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Ungruppierter Enstatit-Achondrit - Almahata Sitta "MS-MU 036"
Der als Ureilit klassifizierte Meteorit Almahata Sitta enthält zahlreiche andere Lithologien, darunter
auch einen einzigartigen, metallreichen Enstatit-Achondrit. Der Ursprungsort dieses Materials ist sicher
nicht auf dem Aubrit-Mutterkörper zu suchen.
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Almahata Sitta "MS-MU 036". Achondrit, ungruppierter Enstatit-Achondrit.
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Meteorit Almahata Sitta "MS-MU 036".
Ungruppierter Enstatit-Achondrit.
Fall 7. Oktober 2008. Almahata Sitta, Nordost-Sudan. TKW ca. 5 kg.
Almahata Sitta "MS-MU 036". Kleine Teilscheibe. Größe 5 x 3 mm, Gewicht 0,085 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
Der am 7.Oktober 2008 über dem Sudan gefallene Meteorit wies neben verschiedenen ureilitischen Lithologien eine Reihe weiterer
Lithologien auf. Das Exemplar Almahata Sitta "MS-MU 036" erwies sich als ein einzigartiger, metallreicher Enstatit-Achondrit.
Er enthält Enstatite mit verschiedener Zusammensetzung (En98.5Wo1.3, En96.5Wo3.2 und En60Wo40) sowie Si-reiches Fe-Metall und
akzessorische Sulfide.
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Literatur siehe Hauptseite Meteorite
Weitere verwendete Literatur:
Barrat, J.A.; Greenwood, R.C.; Keil, K.; Rouget, M.L.; Boesenberg, J.S.; Zanda, B. & Franchi, I.A.
(2016): The origin of aubrites: Evidence from lithophile trace element abundances and oxygen
isotope compositions.- Geochimica et Cosmochimica Acta 192, 29-48
Casanova, I. et al. (1993) Metal-rich Meteorites from the Aubrite parent body.- Lunar & Planetary Science 24, 250-260
Keil, K. (2010): Enstatite achondrite meteorites (aubrites) and the histories of their asteroidal parent bodies.- Chemie der Erde 70, 295-317
Lonsdale, J.T. (1947) American Mineralogist 32, 354-364
Van Acken et al. (2010) Highly siderophile elements in aubrites.- DMG 2010, Abstracts
Van Acken et al. (2010) 41st Lunar and Planetary Science Conference, 1153.pdf
Zhu, K. et al. (2021): Tracing the origin and core formation of the enstatite achondrite parent bodies using Cr isotopes.- Geochimica
et Cosmochimica Acta 308, 256-277
Peña Blanca Springs:
Lodders, K. & Palme, H. (1991) Lun. Plan. Sci. L. 22, 821
weiter zu
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