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Differenzierte Achondrite / Differentiated Achondrites
Achondrite sind eine sehr heterogene Klasse von Meteoriten, die keine Chondren aufweisen.
Sie stammen von differenzierten, mittelgroßen bis großen Asteroiden (Protoplaneten),
anderen Planeten (Mars und eventuell Merkur) oder dem Erdmond. Auf all diesen Körpern ist
es durch Schmelzprozesse zu einer Trennung von einem metallischen Kern und einem silikatischen
Mantel gekommen. Als Beispiel für einen noch in der Frühphase des Sonnensystems entstandenen
und noch existierenden Protoplaneten, von dem sehr wahrscheinlich Meteoriten stammen, ist
Vesta zu nennen, heute als Zwergplanet bekannt. Andere Protoplaneten wie die Mutterkörper der
Angrite und der Aubrite sind lange zerstört, ihre Reste sind heute unter den kleineren Asteroiden
zu finden. Hinweise auf eine Reihe weiterer zerstörter Körper sind in den unklassifizierten
Achondriten zu finden. Diese sind deshalb besonders interessant, jedoch liegen meist nur
einzelne Vertreter vor. Über deren Mutterkörper ist deshalb auch nur sehr wenig bekannt.
Den Übergang zwischen den undifferenzierten Chondriten und den differenzierten Achondriten
stellen die Primitiven Achondrite (PAC) dar.
In den ursprünglichen Klassifikationen auf rein petrografischer Grundlage beschränkte
sich die Bezeichnung Achondrite auf Steinmeteorite. Jedoch stammen der größte Teil der
Eisenmetorite und ebenso die Steineisenmeteorite ebenfalls von differenzierten Asteroiden.
Es ist deshalb sinnvoll, hier nach Beziehungen und eventuell gemeinsamen Mutterkörpern zu
suchen. Neuere Klassifikationen berücksichtigen dies zum Teil.
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• Angrite
Angrite
Angrite sind pyroxenreiche Achondrite, die auf einem größeren, differenzierten,
planetaren Körper gebildet wurden. Sie weisen ein sehr hohes Kristallisationsalter von
über 4,557 Milliarden Jahren auf, stammen also aus der Anfangszeit des Sonnensystems
von einem der ersten differenzierten Körper. Eine Besonderheit ist, dass der
Angrit-Mutterkörper zu den am stärksten an volatilen Komponenten verarmten Körpern gehört.
Die extreme Na-Armut spricht für einen refraktären, sonnennahen Körper.
Eine Herkunft vom Planeten Merkur wurde diskutiert, erscheint aber derzeit wenig wahrscheinlich,
vielmehr wird von einem separaten, in Sonnennähe entstandenen, inzwischen zerstörten
Protoplaneten ausgegangen. Nach den Reflektanzspektren können die Asteroiden 289 Nenetta
und 3819 Robinson aus dem Asteroiden-Hauptgürtel als Quelle der Angrite in Frage kommen.
Namensgeber der Gruppe ist der in Brasilien gefundene Meteorit Angra dos Reis. Bei den
Angriten handelt es sich um mafische bis ultramafische Gesteine mit
Ca-Al-Ti-Pyroxen, Anorthit, etwas Ca-haltigem Olivin und z.T. Kirschsteinit und anderen
Akzessorien wie Spinell, Kamacit oder Troilit. Sie weisen eine fein- bis mittelkörnige Textur auf
und zeigen z.T. poröse Bereiche und blasige Hohlräume, die bis einige Millimeter
Durchmesser erreichen können.
Alle Angrite weisen eine unterschiedliche CRE (cosmic ray exposure) zwischen unter 0.2 bis
56 Millionen Jahren auf. Dies recht lange Zeit kann auf einen Körper mit stabiler Umlaufbahn
und zahlreichen Impakt- und Auswurfereignissen über die vergangegen 56 Millionen Jahre verweisen.
Eine andere Erklärung sind zwei Mutterkörper in verschiedenen Umlaufbahnen (die aber
trotzdem von einem ursprünglichen, zerstörten Körper stammen können), wobei die eher feinkörnigeren
mit einem kleineren CRE von 0.2 - 22 Millionen Jahre von einem (NWA 4590, NWA 4801, NWA 2999) und
die eher grobkörnigeren mit einem CRE von 18 -56 Millionen Jahren von dem zweiten (D'Orbigny,
NWA 1670, NWA 7203, NWA 12004, NWA 12774) stammen (Nakashima et al., 2018).
Angrite sind sehr selten, bisher sind erst 66 Vertreter (Stand März 2026) bekannt, darunter
allerdings eine größere Pairing-Gruppe von 9 verschiedenen NWA-Nummern sowie mehrere
kleinere Pairing-Gruppen, so dass sich die Zahl verschiedener Angrite deutlich reduziert.
Angrite lassen sich in vier Untergruppen einteilen:
Vulkanisch (abgeschreckt bzw. quenched) - basaltisch bis diabasisch: D'Orbigny, NWA 1670, NWA 7203, NWA 12004, NWA 12774 u.a.
Plutonisch - subvulkanisch: NWA 4590, NWA 4801 u.a.
Regolithbrekzie (wahrscheinlich): NWA 2999 u.a.
Dunitisch (aus dem tiefen Mantel)
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D'Orbigny. Achondrit, Angrit.
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Meteorit D'Orbigny.
Achondrit, Angrit, vulkanisch (quenched).
Fund Juli 1979, als Meteorit 2000 bestätigt. D'Orbigny, Coronel Suaréz, Buenos
Aires Provinz, Argentinien. TKW 16,55 kg.
D'Orbigny. Teilscheibe. Größe 42 x 25 mm, Gewicht 4,1 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
D'Orbigny ist ein außergewöhnlicher Meteorit und sehr untypischer Angrit. Er weist
zahlreiche unregelmäßige Drusen und runde Hohlräume auf. Der Meteorit wurde im Juli
1979 beim Pflügen gefunden, aber zunächst für ein indianisches Artefakt gehalten.
Erst 1998 vermutete man einen Meteoriten, was im Jahre 2000 bestätigt wurde. Er weist
eine Vorderseite mit Schmelzkruste und Regmaglypten auf und eine konkave Rückseite.
Front- und Rückseite bestehen aus einem grobkörnigen Gestein mit ophitischer Textur.
Dazwischen befindet sich das poröse, drusige Gestein.
Hauptbestandteile des Meteoriten sind Augit, Anorthit und Olivin. In den unregelmäßigen
Drusen finden sich idiomorphe Augit- und Anorthitkristalle. Der Anorthit hat praktisch
Endglied-Zusammensetzung. Olivin bildet Kristalle mit rhombischem Querschnitt und
Zonierung von Fa20 bis Kirschsteinit. Daneben kommen auch cm-große Olivine und Partien
von Olivinit-Gestein vor (Fa9-11). D'Orbigny ist reich an refraktären lithophilen
Spurenelementen.
D'Orbigny. Kleine Teilscheibe mit Augit- und Anorthit-Kristallen und einem runden Hohlraum. Größe
7 x 5 mm, Gewicht 0,19 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
Ein Hohlraum in der kleinen Teilscheibe.
Die ungewöhnliche Struktur mit alternierender Lithologie und speziell die drusigen und
porösen Bereiche sprechen gegen eine einfache Kristallisation aus einer basaltischen
Schmelze sondern eher für ein gerichtetes Wachstum. Bei den Hohlräumen könnte es sich
um ursprünglich feste Sphären (eventuell aus CaS) handeln, die später instabil wurden.
Es sind keine Anzeichen für Schock oder Metamorphose vorhanden. D'Orbigny weist starke
Ähnlichkeiten zu Sahara 99555 auf. Der Vergleich mit anderen Angriten zeigt, dass durch
partielles Schmelzen mit oder ohne fraktionierte Kristallisation die Angrit-Suite nicht
erklärt werden kann.
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NWA 1670. Achondrit, Angrit.
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Meteorit NWA 1670.
Achondrit, Angrit, vulkanisch (quenched).
Fund 2001. Nordwest-Afrika. TKW 29 g.
NWA 1670. Teilscheibe. Größe 14 x 6 mm, Gewicht 0,246 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
Der Angrit NWA 1670 weist bis 5 mm große Einsprenglinge (Phenocrysten) von Olivin sowie
0,2 - 0,5 mm messende Kristalle von Clinopyroxen und Chrom-Spinell in einer feinkörnigen
Matrix auf. Der Olivin ist ein Forsterit (Fo90) mit einem eisenreicheren Rand (Fo80) und
Überwachsungen (Fo80-Fo60). Bei dem Clinopyroxen handelt es sich um Hedenbergit bis Augit.
Die feinkörnige Grundmasse besteht hauptsächlich aus Plagioklas (Anorthit, An99-100) und
Clinopyroxen, untergeordnet sind Olivin und Kirschsteinit vorhanden. Akzessorisch finden
sich Troilit, Apatit, Rhönit, Cr-haltiger Spinell, Hercynit, Ulvöspinell und Fe-Metall.
Als Einschlüsse in Pyroxen finden sich kleine Schmelztröpfchen von einem Calciumcarbonat
(Jambon et al., 2008).
NWA 1670 kann aus einem primären angritischen Magma abgeleitet werden, das Olivin und
Pyroxen als Xenocrysten aufgenommen hat. Dabei könnte es sich um Mantel-Material handeln,
das während des Magma-Aufstiegs aufgenommen wurde. Alternativ ist auch ein Impaktereignis
in der Diskussion. Das Magma ist recht schnell mit 10 - 50° pro Stunde abgekühlt. NWA 1670
gehört damit zu den sogenannten "quenched angrites" (Mikouchi et al., 2003). Die
Olivinkristalle weisen eine Mosaikstruktur und undulöse Auslöschung auf, was auf ein
späteres Schockereignis durch einen Impakt hinweist.
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NWA 7203. Achondrit, Angrit.
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Meteorit NWA 7203.
Achondrit, Angrit, vulkanisch (quenched).
Fund 2011. Marokko. TKW 107 g.
NWA 7203. Teilscheibe. Größe 16 x 10 mm, Gewicht 0,831 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
NWA 7203 zeigt eine fein- bis mittelkörnige variolitische Textur aus Ca-reichem Olivin und
Plagioklas mit etwas Al-Ti-reichem Clinopyroxen. Akzessorisch treten Ulvöspinell
und Troilit auf. Bei dem Olivin handelt es sich überwiegend um Ca-haltigen Forsterit in
engen, komplexen Verwachsungen mit Ca-reichem Fayalit (bis 20 % CaO). Der am stärksten
Magnesium-reiche Olivin weist eine Zusammensetzung Fa43 auf. Die Clinopyroxene weisen
ebenfalls eine extensive Zonierung auf. Der Plagioklas ist praktisch reiner Anorthit
(An > 99,5).
Die variolitische Textur von NWA 7203 weist auf eine schnelle Abkühlung des Magmas hin,
wie es für "quenched angrites" typisch ist. Die Variation bei der Korngöße von
Bereichen mit ca. 1 mm und Bereichen unter 10 Mikrometern ist aus anderen Angriten nicht
bekannt und lässt sich durch eine langsamere Abkühlung zu Beginn und eine sehr
schnelle in der späteren Phase der Kristallisation des Magmas deuten (Mikouchi & Bizzarro, 2012).
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NWA 12004. Achondrit, Angrit.
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Meteorit NWA 12004.
Achondrit, Angrit, vulkanisch (quenched).
Fund 2018. Nahe Touignin, südliches Marokko. TKW 183 g.
NWA 12004. Vollscheibe. Größe 54 x 43 mm, Gewicht 9,83 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
Der diabasische Angrit NWA 12004 besteht im Wesentlichen aus zoniertem Ca-haltigem Olivin
(Fa36.6-84.1 Ln1.4-15.4) mit Rändern von Kirschsteinit (Fa62.4 Ln33.8), zoniertem Al-Ti-Augit
und Anorthit (An99.5-99.6 Ab0.3 Or0.0). Akzessorisch finden sich Titanomagnetit, Troilit,
Silicoapatit und Rhönit.
Ein charakteristisches Merkmal von NWA 12004 sind kugelförmige Hohlräume, vergleichbar
denen in D'Orbigny, die bis mehrere Millimeter Durchmesser aufweisen können. Die Wandungen der
Hohlräume sind zum Teil mit einer dünnen Schicht von sekundärem Calcit und Baryt ausgekleidet
(Irving et al., 2019).
Den äußeren Rand der Hohlräume bilden kleine Kristalle, wie auf einem Detailbild deutlich
erkennbar ist. Die Hohlräume scheinen als Kristallisationskeime funktioniert zu haben.
NWA 12004 stellt kein Pairing zu einem anderen bekannten Angriten dar.
NWA 12004. Die andere Seite der Scheibe mit mehreren deutlich erkennbaren kugelförmigen Hohlräumen.
NWA 12004. Detail aus der Scheibe mit kugelförmigem Hohlraum. Bildbreite 15 mm.
NWA 12004. Detail aus der Scheibe mit kugelförmigen Hohlräumen. Bildbreite 19 mm.
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NWA 12774. Achondrit, Angrit.
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Meteorit NWA 12774.
Achondrit, Angrit, vulkanisch (quenched).
Fund 2019. Nordwest-Afrika. TKW 454 g.
NWA 12774. Teilscheibe. Größe 42 x 21 mm, Gewicht 2,305 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
Bei NWA 12774 handelt es sich um einen abgeschreckten Olivin-phyrischen Angriten. Er
weist Phenokrysten von Olivin und Al-Ti-Augit in einer feinkörnigen Grundmasse auf.
Sehr auffällig sind bis 5 mm große, grüne Olivinkristalle (Megacrysten / Xenocrysten).
Der Olivin weist in den Kernen eine Zusammensetzung Fa16.5-18.9Ln0.7 (Forsterit),
im Mantel Fa34.1-44.7Ln1.1-1.5 (Forsterit) und in den Rändern Fa69.5Ln4.3 (Fayalit)
auf. Für die Al-Ti Augite lässt sich eine Zusammensetzung Fs17.9-19.5Wo56.4-52.9
mit Al2O3 = 17.0-17.7 wt.%,
TiO2 = 1.1-1.5 wt.% angeben. Die feinkörnige, schnell
abgekühlte Grundmasse besteht aus Anorthit, Olivin, Kirschsteinit, Al-Ti-Augit sowie
etwas Troilit, Ulvöspinel und Kamacit. Bei dem Olivin aus der Grundmasse handelt es
sich um Fayalit (Fa76.2Ln4.8). Der Anorthit weist nahezu Endglied-Zusammensetzung
auf (An99.4-99.7Or0.6-0.3). Für den Kirschsteinite wird die Zusammensetzung
Fa61.5-61.7Ln35.5-35.8 angegeben. Weiterhin konnten Silico-Phosphate, amorpher
Kohlenstoff und Graphit nachgewiesen werden (Hoffmann et al., 2020; Meteoritical
Bulletin Database).
NWA 12774. Detail aus der Scheibe oben. Bildbreite 14 mm.
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NWA 18087. Achondrit, Angrit.
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Meteorit NWA 18087.
Achondrit, Angrit, vulkanisch (quenched).
Fund 2025. Mali. TKW 277 g.
NWA 18087. Vollscheibe, mit großem, runden Hohlraum. Größe 31 x 27 mm, Gewicht 2,21 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
Der Meteorit NWA 18087 weist eine subophitische Textur aus meist lattenförmigen Anorthit-Kristallen
(An99.5-99.1Ab0.1-0.5), Al-Ti-Augit und Ca-reichem Olivin (Fayalit bis Forsterit (Fa37.6-75.3La1.4-10.8).
Augit und Olivin weisen eine starke Zonierung in der Zusammensetzung auf. Viele Olivin-Körner sind
von Kirschsteinit überwachsen. Untergeordnet finden sich Titanomagnetit, Ilmenit und Troilit. Der
Meteorit weist reichlich runde Hohlräume auf, die meist mit sekundärem Calcit gefüllt sind.
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Oued Namous 001. Achondrit, Angrit.
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Meteorit Oued Namous 001.
Achondrit, Angrit, vulkanisch (quenched).
Fund 2021. 15 km E des Wadi Al-Namous (Oued Namous) und etwa 10 km N der Straße N6B, El Bayadh Provinz,
Algerien (32.01131 N, 0.36282 W). TKW 1402 g.
Oued Namous 001. Kleines Individual. Größe 12 x 8 x 6 mm, Gewicht 1,074 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
Der Meteorit Oued Namous 001 weist eine subophitische Textur aus Al-Ti-führenden Calcium-reichen
Pyroxenen mit zwei separaten Populationen (Diopsid und Hedenbergit), idiomorphen Kristallen
von Anorthit mit nahezu Endglied-Zusammensetzung (An99.7 +/- 0.2), Olivin mit einem Bereich von
Forsterit bis Fayalit (Fa32.3-87.6), Kirschsteinit (Fa61.1 +/- 2.4 Lrn34.4 +/- 1.6) auf. Untergeordnet
sind Titanomagnetit und Troilit zu finden. Metall ist nicht vorhanden.
Ein charakteristisches Merkmal sind zahlreiche kleine runde Hohlräume, die auch an diesem Exemplar
zu sehen sind.
Als Fundort wird gewöhnlich die Provinz Bechar angegeben. Dies ist jedoch nicht korrekt. Das
namensgebende Wadi Al-Namouns befindet sich zwar tatsächlich in der Provinz Bechar, der
eigentliche Fundort aber schon einige Kilometer außerhalb und liegt schon in der Provinz
El Bayadh.
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NWA 4590. Achondrit, Angrit.
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Meteorit NWA 4590 "Tamassint".
Achondrit, Angrit, subvulkanisch.
Fund Juni 2006. 21 km südsüdwestlich der Oase Tamassint und 18 km südlich von Agoult,
Grenzgebiet Marokko-Algerien, Marokko (30° 19.025' N, 4° 56.573' W). TKW 212,8 g.
NWA 4590. Fragment. Größe 7 x 4 mm, Gewicht 0,122 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
Der Meteorit weist eine grobkörnige, plutonische Kumulat-Textur auf und besteht aus Al-Ti-reichem
Clinopyroxen (Augit-Hedenbergit, 33 %), Anorthit (28 %), Olivin (Fayalit) mit Entmischungslamellen
von Kirschsteinit (14 %), Kirschsteinit mit Entmischungslamellen von Olivin (5 %), Ulvöspinell
(18 %) sowie akzessorischem Glas, Troilit, Merrillit, Cl-haltigen Ca-Silikophosphat und Metall. Die
Zusammensetzung von Olivin und Kirschsteinit weist auf eine Equilibrierung bei etwa 1000 °C vor der
Entmischung hin. Der Glasanteil wird als Produkt einer schnellen Teilaufschmelzung und Abkühlung
durch ein Dekompressions-Ereignis gedeutet. Das Alter des Gesteins wurde nach Isotopenuntersuchungen auf
4,558 Milliarden Jahre bestimmt.
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NWA 4801. Achondrit, Angrit.
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Meteorit NWA 4801.
Achondrit, Angrit, plutonisch.
Fund Mai 2007. Algerien. TKW 252 g.
NWA 4801. Teilscheibe. Größe 12 x 8 mm, Gewicht 1,244 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
Bei dem Meteoriten NWA 4801 handelt es sich um ein grobkörniges, plutonisches Kumulatgestein.
Die Korngröße liegt bei 0,1 - 1,2 mm. Er weist eine metamorphe Textur auf. Der
Meteorit besteht hauptsächlich aus Al-Ti Clinopyroxen, Anorthit, Olivin, Pleonast, Merrillit
und etwas Troilit. Eine Altersbestimmung ergab 4558,0 +/- 0,13 Millionen Jahre (Shukolyukov et al., 2009).
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NWA 2999. Achondrit, Angrit.
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Meteorit NWA 2999.
Achondrit, Angrit, plutonisch/Regolith-Brekzie.
Fund 2004. Nordwest Afrika (Marokko oder Algerien). TKW 392 g.
NWA 2999. Teilscheibe. Größe 10 x 8 mm, Gewicht 0,8 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
Bei NWA 2999 handelt es sich um ein ultramafisches, plutonisches Gestein mit polygonal-granularer Textur
aus Ca-haltigem, Fe-reichem Olivin (Fa39.8-41.0) und Al- und Ti-haltigem Diopsid. Untergeordnet sind
Cr-Fe-haltiger Spinell,
Na-freier Anorthit und einige weitere Minerale vorhanden. Die Korngröße liegt bei 0,1 - 0,5 mm,
gelegentlich sind bis 5 mm große Plagioklase vorhanden.
Aus Mn-Cr-Isotopen-Analysen wurde ein Alter von 4557,9 (+/- 1,1) Millionen Jahren bestimmt.
Das Material ist damit etwa so alt wie Angra dos Reis und etwa 5 Millionen Jahre jünger als D'Orbigny.
Die Textur spricht dafür, dass NWA 2999 (und Angra dos Reis, LEW86010) thermisch überprägte,
ehemalige Brekzien von ultramafischem Gestein und wahrscheinlich altem regolithischen Material
darstellen (Kuehner et al., 2006).
Pairing: NWA 3158, NWA 3164, NWA 4569, NWA 4662, NWA 4877, NWA 4931, NWA 6291 und NWA 6705.
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Literatur siehe Hauptseite Meteorite
Weitere verwendete Literatur:
Hoffmann, V.H. et al. (2020): Northwest Africa 12774 - a new basaltic/quenched angrite.- 51st Lunar and
Planetary Science Conference, 2323.pdf
Jambon, A.; Boudouma, O.; Fonteilles, M.; Le Guillou, C.; Badia, D. & Barrat, J.-A. (2008): Petrology and mineralogy of the angrite Northwest Africa 1670.- Meteoritics and
Planetary Science 43, 1783-1785.
Kuehner, S.M. et al. (2006): Coronas and symplectites in plutonic angrite NWA 2999 and implications for Mercury as angrite
parent body. Lunar and Planetary Science XXXVII, 1344.pdf
Mikouchi, T. & Bizzarro, M. (2012): Mineralogy and Petrology of NWA 7203: a new quenched angrite similar to NWA 1296 and NWA 1670.- 75th Annual Meteoritical Siciety Meeting, 5120 pdf
Mikouchi, T.; McKay, G.; Koizumi, E.; Monkawa, A. & Miyamoto, M. (2003): Northwest Africa 1670: A new quenched angrite (abstract). Meteoritics & Planetary Science 38, A115
Nakashima, D.; Nagao, K. & Irving, A.J. (2018): Noble gases in angrites Northwest Africa 1296, 2999/4931, 4590, and 4801: Evolution history inferred from noble gas signatures.-
Meteoritic & Planetary Science 53, DOI: 10.1111/maps.13039
Shukolyukov et al. (2009) 40th Lunar and Planetary Science Conference, 1381.pdf
D'Orbigny: Kurat, G. et al. (2001): D'Orbigny: a new and unusual angrite.- Lunar and Planetary Science XXXII, 1753;
Kurat, G. et al. (2001): D'Orbigny: a new window into angrite genesis.- Lunar and Planetary Science XXXII, 1737;
Mittlefehldt, D.W.; Killgore, M. & Lee, M.T. (2002): Petrology and geochemistry of D'Orbigny, geochemistry of Sahara 99555, and the origin of angrites.- Meteoritics & Planetary Science 37, 345-369
NWA 2999: Irving et al. (2005) (http://adsabs.harvard.edu/abs/2005AGUFM.P51A0898I);
Irving et al. (2007) Lunar and Planetary Science XXXVIII, 1221;
Gellissen et al. (2007) Goldschmidt Conference Abstracts A315 und Gellissen et al. (2007) Lunar and Planetary Science XXXVIII, 1612
NWA 4590: Kuehner, S.M. & Irving, A.J. (2007) Lunar and Planetary Science 38, 1522.pdf;
Amelin, Y. & Irving, A.J. (2007) Workshop on Chronology of Meteorites, 4061.pdf
weiter zu
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