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Gewöhnliche Chondrite / Ordinary Chondrites
H-Gruppe (H Chondrite)
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Chondrite sind eine Gruppe von Meteoriten, die überwiegend aus Silikaten wie Olivin, Pyroxen
und Plagioklas bzw. deren Alterationsprodukten bestehen. Sie können bis zu 20 Vol.-% metallische
Phasen enthalten. Charakteristisches Merkmal sind kugelige Einschlüsse, die sogenannten Chondren,
die bis einige Millimeter (und selten auch Zentimeter) Größe erreichen können.
Chondrite stellen undifferenzierte Meteorite dar. Sie stammen von Asteroiden, die in den meisten
Fällen nicht so stark erhitzt wurden, dass es zu Schmelzprozessen mit anschließender Trennung
von Metall- und Silikatphase und Ausbildung von einem metallischen Kern und einem silikatischen Mantel
in dem Körper kam. Diese Meteorite repräsentieren deshalb primitives Material aus der
frühen Phase unseres Sonnensystems aus der Zeit vor ungefähr 4,56 Milliarden Jahren.
Chondrite sind durch Aggregation von Chondren entstanden. Chondren sind das Produkt eines kurzzeitigen
Prozesses, bei dem Material schnell aufgeheizt wurde und auch schnell wieder abkühlte. Der
genaue Entstehungsprozess der Chondren ist noch unbekannt, hier gibt es mehrere verschiedene Theorien.
Chondren bestehen überwiegend aus Olivin oder Pyroxen und Glas, sofern sie nicht metamorph
verändert sind. Durch Alteration, Metamorphose, Kollisionen und Impakte können die Chondren
unterschiedlich stark überprägt sein. Einige Chondrite enthalten Calcium-Aluminium-reiche
Einschlüsse (CAI's), die als die frühesten aus dem solaren Nebel kondensierten Objekte gelten.
Die Chondrite werden in verschiedene Klassen unterteilt, die sich nach ihrer Entstehungsgeschichte
(z.B. Entfernung von der Sonne) und Mutterkörper unterscheiden.
Gewöhnliche Chondrite weisen ein sub-solares Mg/Si-Verhältnis auf und ihr
Sauerstoffisotopen-Verhältnis liegt über der terrestrischen Fraktionierungslinie.
Charakteristisch ist ein hoher Anteil an Chondren in einer feinkörnigen Matrix.
Gewöhnliche Chondrite stellen die häufigsten Meteorite dar.
Gewöhnliche Chondrite, H-Gruppe (high iron)
Die Vertreter der H-Chondrite weisen einen hohen Gesamtgehalt an Eisen auf, der zwischen 25 und 31 Masse-% liegt. In metallischer Form liegen 15 bis 19 % Eisen vor.
Nach spektroskopischen Untersuchungen kommt der Asteroid 6 Hebe als Mutterkörper der H-Chondrite und der primitiven, nicht-magmatischen Eisenmeteorite IIE in Frage.
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NWA 2843. Gewöhnlicher Chondrit, H3.9.
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Meteorit NWA 2843.
Gewöhnlicher Chondrit, H Gruppe (high iron), H3.9.
Fund 2004. Nordwest-Afrika. TKW 404 g.
NWA 2843. Teilscheibe. Größe 31 x 18 mm, Gewicht 4,6 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
Der Meteorit enthält Forsterit (Fa 17,5) und Enstatit (Fs 15.6). Das Schockstadium liegt bei S2, der
Verwitterungsgrad wird in der Meteoritical Bulletin Database als W0/1 angegeben, erscheint an dem Stück
jedoch etwas höher.
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Gütersloh. Gewöhnlicher Chondrit, H3/4.
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Meteorit Gütersloh.
Gewöhnlicher Chondrit, H Gruppe (high iron), H3/4.
Fall 17.04.1851. Kattenstroth, Gütersloh und auf dem Kalberkamp, Gütersloh, Nordrhein-Westfalen.
TKW ca. 1,238 kg.
Gütersloh. Fragment. Größe 4 x 3 mm, Gewicht 0,022 g. Ex Sammlung Matthias Kurz,
ex Sammlung Peter Jäger. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
Am 17. April 1851 Abends gegen 8 Uhr fiel bei Gütersloh ein Meteorit. Dr. Friedrich-Wilhelm
Stohlmann (DOVE, 1851) berichtet dazu, dass Colonist Dipenbrock, der ein Stück von
der Stadt entfernt wohnt, Abends noch auf seinem Hof arbeitete, als eine Feuerkugel am Himmel eine
ungewöhnliche Helligkeit verbreitete. Die rötliche Feuerkugel zog von Ost nach Südwest
und zerstob nach einigen Sekunden in viele kleine leuchtende Funken. Nach etwa 2 Minuten hörte man
ein Geräusch wie Kanonendonner oder Gewehrfeuer. Der spätere Finder hörte das Geräusch
eines fallenden Körpers und suchte bei zunehmender Dunkelheit vergeblich den niedergefallenen
Gegenstand. Am nächsten Morgen fand er auf einem Pfad einen schwarzen Stein, der sich 1½
Zoll tief in den Pfad eingedrückt hatte. Dr. Stohlmann konnte den Stein für die Königliche
Mineraliensammlung in Berlin gewinnen. Dem Bericht ist ein Nachtrag von Gustav Rose beigefügt,
nach dem der Stein bis auf ein kleines Stück ganz vollständig und fast komplett mit einer
schwarzen Kruste bedeckt ist. Er besitzt ein Gewicht von 1 Pfund 26 1/4 Loth (entspricht 937 g). Der
Stein weist eine grauweiße und eine aschgraue Lithologie auf. Es sind kleine Kügelchen und
Eisen zu erkennen.
Nach Gustav ROSE (1852) wurde im April 1852 bei Gütersloh noch ein weiterer Stein
gefunden, der durch die Oxidation des Eisens schon stark verändert war.
Nach einem Zeitungsbeitrag (Neue Westfälische, 2016) der sich auf die Stadtchronik beruft, wurde
das erste Exemplar von Bauer Depenbrock im heutigen Stadtteil Kattenstroth gefunden, das zweite Exemplar
von 328 Gramm auf dem Kalberkamp, an der Eisenbahnbrücke über die Dahlke.
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Dhofar 195. Gewöhnlicher Chondrit, H3-5.
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Meteorit Dhofar 195.
Gewöhnlicher Chondrit, H Gruppe (high iron), H3-5.
Fund 3. Dezember 1999. Dhofar, Oman (18° 15,8'N, 54° 14,8' E). TKW 2384 g.
Dhofar 195. Teilscheibe. Größe 92 x 64 mm, Gewicht 39,9 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
Der Meteorit Dhofar 195 enthält Klasten verschiedener, wenig bis stärker metamorpher Lithologien
sowie metallisches Eisen. Es wird ein Schockstadium S4 und der Verwitterungsgrad W3 angegeben.
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Elmshorn. Gewöhnlicher Chondrit H3-6
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Meteorit Elmshorn.
Chondrit, H3-6.
Fall 25.04.2023. Elmshorn, Schleswig-Holstein (Hauptmasse in der Irena-Sendler-Straße 27a, 53°45'55.0"N 9°38'04.0"E =
53.76528°N, 9.63444°E). TKW 4,28 kg.
Elmshorn. Die Hauptmasse des Meteoriten von 3736 g im Besitz der Familie Sahin,
Elmshorn. Foto Thomas Witzke auf der Mineralienmesse München, 27.10.2023.
Am 25.04.2023 um 12:14:24 UT (= 14:16:24 MESZ) wurde über Elmshorn in Schleswig-Holstein ein
Feuerball von zwei Meteorkameras und mehreren Augenzeugen aus Deutschland und den Niederlanden
beobachtet. Die Hauptmasse von 3736 g schlug exakt um 14:16:21 Uhr MESZ, genau 114,7 Sekunden
nach Verlöschen der Feuerkugel, mit einer Geschwindigkeit von etwa 300 km/h im Garten des
Grundstücks Irena-Sendler-Straße 27a der Familie Mahmut und Güllü Sahin ein. Das
Aufschlagsgeräusch wurde durch eine Audio/Videokamera vom Nachbargrundstück aufgezeichnet.
Der von einer schwarzen Schmelzkruste bedeckte Stein wurde aus 40 cm Tiefe aus dem Boden
ausgegraben. Er weist eine Flugorientierung mit deutlich ausgeprägten Regmaglypten auf.
Ein weiteres komplettes, mit Schmelzkruste bedecktes Exemplar von 233,5 g schlug auf das Dach
von dem Haus Iltisweg 18 ein und wurde auf dem Grundstück gefunden. Der Finder berichtete,
dass es wenige Minuten nach dem Einschlag noch leicht warm war. Ein weiteres Exemplar traf das
Dach des Hauses Gärtnerstraße 68-72 und zerbrach in etliche Fragmente von zusammen 156,2 g.
Durch intensive Suche konnten im nördlichen Bereich von Elmshorn an 18 weiteren Orten
Exemplare oder Fragmente des Meteoriten gefunden werden. Die Gesamtmasse des geborgenen
Materials beträgt 4,28 kg (Meteoritcal Bulletin Database, 2024; Heinlein, 2023).
Elmshorn. Individual, Größe 32 x 23 x 15 mm, Gewicht 20,65 g. Fund Łukasz Smuła und
Magda Skirzewska, am Ferdinand-Hansen-Weg zwischen Nr. 24 und 29, Koordinaten 53.76636°N, 9.650318°E.
Sammlung und Foto Thomas Witzke.
Elmshorn. Das Individual aus einer anderen Perspektive. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
Elmshorn. Das Individual aus einer anderen Perspektive. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
Bei dem Meteoriten Elmshorn handelt es sich um eine chondritische Brekzie mit großen hellen
und dunklen Fragmenten in einer grauen, klastischen Matrix. Bei den hellen Klasten liegt eine
gut rekristallisierte Lithologie vom Typ 6 mit kaum sichtbaren, reliktischen Chondren und
großen Plagioklas-Körnern vor. Die dunklen Klasten weisen feinkörnigen Olivin und skelettartige
Metallkörner auf. Die Matrix stellt eine Mischung aus lithischen Klasten vom Typ 3 und 4 mit
gut erkennbaren Chondren, geschockten dunklen Klasten, Fragmente von Impaktschmelzen sowie
Mineral- und Chondren-Fragmenten dar.
Olivin in zwei Proben zeigte eine Zusammensetzung Fa19.6±1.5 und Fa20.7±2.3. Weitere Analysen
von nicht equilibrierten, Typ 3-Komponenten zeigten einen Bereich von Fa<1 - Fa32. Einige
Typ 4 Klasten weisen Olivin mit Fa21.5-22 auf, was auf eine intermediäre Zusammensetzung
zwischen H- und L-Chondriten (H/L) verweist. Der Chemismus von zwei Ca-armen Pyroxenen liegt im
Bereich von Enstatit mit Fs16.1±2.4Wo1.6±1.4 und Fs16.2±2.8Wo0.8±0.6. Plagioklas aus einem
H6-Fragment zeigt eine Zusammensetzung An11.3Ab86.6Or2 (Albit). Die mittlere Dichte des Meteoriten
liegt bei 3,448 g/cm3. Anhand der undulösen Auslöschung von Olivin in
lithischen Klasten wurde das Schockstadium als S2 bestimmt.
Die Sauerstoff-Isotopendaten, gemessen an 8 Stücken von zwei verschiedenen Fragmenten, entsprechen
komplett denen von H-Chondriten und liegen mitten im Feld von diesem Typ. Die magnetische Suszeptibilität
verweist auf eine Mischung aus H- und L-Chondritkomponenten. Die Koexistenz von typischen
chondritischen H Klasten und häufigen H/L (oder L) Klasten, aber ohne die Sauerstoff-Isotopensignatur
von L Chondriten, macht Elmshorn zu einer ungewöhnlichen Chondrit-Brekzie (Meteoritcal Bulletin
Database, 2024).
Das Material befindet sich hauptsächlich in privaten Sammlungen. 20,5 g und mehrere Dünnschliffe befinden
sich in der Sammlung des Instituts für Planetologie Münster.
Elmshorn. Fragment, Größe 7 x 5 mm, Gewicht 0,213 g. Fragment von dem Fall auf das Dach
des Hauses Gärtnerstraße 68-72, Elmshorn, Koordinaten 53.75724°N, 9.64921°E. Sammlung und Foto
Thomas Witzke.
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NWA 11422. Gewöhnlicher Chondrit, H3-7.
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Meteorit NWA 11422.
Gewöhnlicher Chondrit, H Gruppe (high iron), H3-7.
Fund 2017. Nordwest-Afrika. TKW 213 g.
NWA 11422. Vollscheibe. Größe 46 x 46 mm, Gewicht 12,01 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
Der Meteorit NWA 12422 enthält in einer klastischen Matrix vom Typ H3 verschiedene
Klasten vom Typ H4 - 7 eingebettet. NiFe-Metall und etwas Sulfid sind vorhanden.
Der Olivin in der Typ 3 Lithologie weist eine Zusammensetzung
Fa17.5 +/- 7.0 (Forsterit) auf. Olivin in Typ 6 Klasten ist stark equilibriert (Fa18.4 +/- 0.1).
Die Typ 7-Klasten zeigen eine rekristallisierte Textur mit 120°-Korngrenzen. Die Korngröße
liegt bei 100- 400 Mikrometern. Der Olivin ist equilibriert (Fa19.3 +/- 0.1) und wird in
einigen Bereichen poikilitisch von Pyroxen mit niedrigem Ca-Gehalt eingeschlossen. Albitischer
Feldspat (An2.1Ab91.7Or6.2) ist häufig und enthält Entmischungslamellen von K-Feldspat (An2.1Ab34.0Or63.9).
In den Klasten vom Typ 7 wurden keine reliktischen Chondren und keine Metalladern beobachtet.
Schockstadium S2, Verwitterungsgrad W2.
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Menow. Gewöhnlicher Chondrit, H4.
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Meteorit Menow.
Gewöhnlicher Chondrit, H Gruppe (high iron), H4.
Fall 7. Oktober 1862. Menow bei Fürstenberg, Brandenburg, Deutschland (ungefähre Position
53.19986°N, 13.08489°E). TKW 10,5 kg.
Menow. Teilscheibe, Größe 29 x 20 mm, Gewicht 1,74 g. Ex Sammlung Moritz Karl. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
Nach Zeitungsberichten fiel am 7. Oktober 1862, Mittags zwischen 12 und 1 Uhr, unter heftigen Detonationen,
Zischen und Sausen in der Luft, ein Meteorit. Der Fall erfolgte auf dem Feld des Erbpachtgutes Menow, am
Ausfluss der Havel in den Zieren-See in der Nähe von Fürstenberg. Vor den Augen eines Schäfermeisters
schlug der Stein etwa 1,5 Fuß tief in den Boden, so dass der Sand rings herum hoch aufspritzte. Der
Schäfer fand den Stein noch sehr heiß. Das Gewicht des Steins wurde später auf 21 Pfund bestimmt. Die
Oberfläche ist mit einer schwarzen Kruste bedeckt. Das Innere ist grau und wird von zahlreichen Körnchen
von Nickeleisen durchsetzt. Der Stein ist Eigentum des Besitzers von Menow, Herrn Ritter aus Alt-Strelitz
(Anonym, 1862). E. BOLL berichtet 1863 ebenfalls über den Meteoriten von Menow. Da inzwischen
mehrere Stücke abgeschlagen wurden, wiegt der Stein jetzt nur noch 16 Pfund. Er wurde für 400 Thaler an
Baron von Reichenbach auf Schloss Reisenberg bei Wien verkauft.
Der exakte Fallort lässt sich nach den Angaben in den frühen Berichten nicht feststellen. Er dürfte etwa
150 Meter ostnordöstlich bis nordöstlich von ehemaligen Gutshaus Kleinmenow, heute Villa Meteor, auf einer Wiese
gelegen haben. Der Bereich ist sandig, während Bereiche näher am See sumpfig sind und deshalb nicht zu dem
Bericht passen.
Der Meteorit enthält Forsterit (Fa 18.9) und Kamacit mit 7,10 % Ni. Schockstadium S1 oder S2,
Verwitterungsgrad W1. CLARKE & SCOTT (1980) konnten Tetrataenit, ein tetragonal
kristallisierendes Mineral mit der Zusammensetzung FeNi und geordneter Verteilung von Fe und Ni durch
optische Untersuchungen in dem Meteoriten Menow nachweisen. BRANNON et al. (1988) wiesen
Merrillit, Ca9MgNa(PO4)7, in
dem Meteoriten nach. Es ist das bei weitem dominierende Phosphat-Mineral.
Eine Messung der Porosität ergab 13,2%, der für die Verwitterung korrigierte Wert beträgt 18,6%. Damit
liegt Menow oberhalb des durchschnittlichen Wertes von 5 - 10 % für Meteorite mit niedrigem Schockstadium
(STRAIT & CONSOLMAGNO, 2008).
Menow. Fragment, Größe 5,5 mm, Gewicht 0,05 g. Ex Sammlung Anne Black. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
Eine Untersuchung der Argon-Isotope im Meteorit Menow zeigte, dass er bei etwa 2,5 Milliarden Jahren
rund 25% der 40Ar verloren hat. Die Ursache kann eine Aufheizung durch eine Kollision mit einem anderen
Körper sein. Das Ar-Ar-Alter ließ sich trotzdem bestimmen, es liegt bei 4,48 Milliarden Jahren und wird
durch eine Rb-Sr-Datierung bestätigt (DALRYMPLE, 2004). Eine Altersbestimmung mit
Sm-Nd-Isotopen aus Phosphatmineralen ergab 4,55 +/- 0,45 Milliarden Jahre (BRANNON et al.,
1988).
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NWA 5017. Gewöhnlicher Chondrit, H4.
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Meteorit NWA 5017.
Gewöhnlicher Chondrit, H Gruppe (high iron), H4.
Fund 2006. Nordwest-Afrika. TKW 176 g.
NWA 5017. Vollscheibe. Größe 45 x 33 mm, Gewicht 8,2 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
Der Meteorit NWA 5017 enthält Forsterit (Fa 16.8), Pyroxen (Fs 7.2 - 17.5) und etwas Ni-Fe-Metall.
Er weist das Schockstadium S1 und einen Verwitterungsgrad W2-3 auf.
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NWA 2706. Gewöhnlicher Chondrit, H4 Impaktschmelzbrekzie.
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Meteorit NWA 2706.
Gewöhnlicher Chondrit, H Gruppe (high iron), H4, Impaktschmelzbrekzie.
Fund 2005. Nordwest-Afrika (Marokko oder Algerien). TKW 1913 g.
NWA 2706. Vollscheibe. Größe 53 x 33 mm, Gewicht 22,4 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
Der Meteorit enthält Forsterit (Fa 17.5), Pyroxen, Ni-Fe-Metall und Troilit. Ein Teil der Chondren ist
deformiert. Der Meteorit wird von schwarzen Schockadern durchzogen. Schockstadium S3-6, Verwitterungsgrad W2.
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Blaubeuren. Gewöhnlicher Chondrit, H4-5.
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Meteorit Blaubeuren.
Gewöhnlicher Chondrit, H Gruppe (high iron, high metal), H4-5.
Fund 1989, als Meteorit erkannt 2020. Aachtalstraße, Blaubeuren-Weiler, Alb-Donau-Kreis, Baden-Württemberg, Deutschland
(Position 48°24'06.4"N, 9°46'01.3"E = 48.40178°N, 9.76703°E). TKW 30,67 kg.
Blaubeuren. Teilscheibe (Exemplar Nr. B2E2c). Größe 17 x 13 mm, Gewicht 1,696 g.
Sammlung und Foto Thomas Witzke.
Beim Verlegen einer Röhre für ein Elektrokabel in seinem Garten in Blaubeuren-Weiler fand
Hansjörg Bayer in 50 - 70 cm Tiefe einen Stein von mehr als 30 kg Gewicht. Er wies eine
ungewöhnlich hohe Dichte auf und ein Magnet wurde von ihm angezogen. Da der Finder den Stein
für etwas besonderes hielt, wurde er nicht entsorgt sondern von 1989 bis 2015 im Garten platziert. Dort in Freien
war er für über 25 Jahre der Witterung ausgesetzt. Erst ab 2015 wurde er trocken im Keller
aufbewahrt. 2020 wurde der Stein untersucht und als Meteorit erkannt.
Der Stein ist außen stark verwittert und weist eine Masse von 30,26 kg auf. Schmelzkruste
ist nicht mehr vorhanden. Nachdem der Stein als Meteorit erkannt wurde, konnte im Garten
noch ein weiteres Fragment von 410 g geborgen werden, das von der Hauptmasse abgebrochen
war.
Die mittlere Dichte des Meteoriten beträgt 3,34 g/cm3. Er ist
stark verwittert (W3). Verbliebene Metallkörner weisen dicke Ränder aus terrestrischen
Verwitterungsprodukten (Eisenoxide und -hydroxide) auf. Bei dem Gestein handelt es sich
um eine Brekzie mit Gesteinsfragmenten vom Typ H4 und H5. Das Material ist nur schwach
geschockt (S2). Der Olivin (Forsterit) weist eine Zusammensetzung Fa18.0-19.2 auf. Für
Ca-arme Pyroxene (Enstatit) wird Fs15.7-17.4 angegeben.
Das terrestrische Alter des Meteoriten wurde mittels 14C und 10Be Isotopen-Analysen
bestimmt. Danach fiel er vor etwa 10000 Jahren in die Schwäbische Alp (Heinlein, 2020).
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Breitscheid. Gewöhnlicher Chondrit, H5.
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Meteorit Breitscheid.
Gewöhnlicher Chondrit, H Gruppe (high iron), H5.
Fall 11. August 1956, 15.30 Uhr. Breitscheid, Lahn-Dill-Kreis, Hessen. TKW über 970 g, vermutlich etwa 1,5 kg.

Breitscheid. Fragment. Größe 4 x 3 mm. Gewicht 0,022 g. Ex Sammlung Peter Marmet.
Sammlung und Foto Thomas Witzke.
Am 11. August 1956 um 15.30 Uhr fiel in Breitscheid in Hessen ein Meteorit. Der Fall wurde von
Josephine Reich beobachtet. Sie hörte zunächst ein Geräusch wie von einer fallenden
Bombe, das sich immer mehr verstärkte und an eine Lokomotive erinnerte, die Dampf abließ.
Schließlich sah sie, wie von einem Baum Äste und Laub herunterfielen und Erde hochgeschleudert
wurde. Frau Reich, die etwa 45 Meter von der Einschlagstelle entfernt stand, nahm zunächst an,
dass das Geräusch mit einem Flugzeug zusammen hing, das gerade Breitscheid überflog. Ihr
Mann Karl Reich grub 20 Minuten später an der Einschlagstelle und fand in etwa 40 cm Tiefe
einen in vier Stücke zersprungenen Stein. Er war an einem Basaltstück zerschellt. Das
Material wurde zunächst für ein Stück Zement gehalten, dass von dem Flugzeug
herabgefallen war und wertlos sei. Der Stein wurde weiter zerschlagen und verteilt. Ein
Bruchstück wurde im Ofen der Westerwälder Thonindustrie 12 Stunden lang auf 1300°C
erhitzt um zu probieren, ob es schmilzt. Erst zwei Wochen nach dem Fall erkannte der Chemotechniker
Günther THIELMANN, dass es sich um einem Meteoriten handelte. An Hand der
abgeschlagenen Äste und der Lage des Loches konnte die Flugrichtung als West-Ost und der
Aufschlagwinkel von etwa 45° bestimmt werden. Zwei Zeugen hatten an dem bedeckten Himmel eine
Feuerbahn von hellgelber bis roter Färbung gesehen. Der Meteorit war etwa 5 x 10 x 15 cm
groß und wog etwa 1 kg. Er wies eine etwa 2 mm starke, blau-schwarze Rinde auf. Im Inneren
fanden sich viele kleine Teilchen von Nickeleisen. Das Max-Planck-Institut Mainz konnte
schließlich 8 Fragmente des Meteoriten erlangen (THIELMANN, 1989;
LINGENBERG). Die bekannten Bruchstücke ergaben zusammen 970 g, das
ursprüngliche Gewicht wird auf etwa 1,5 kg geschätzt (PANETH, 1959).
HENTSCHEL (1959) charakterisiert den Stein als Bronzit-Olivin-Chondrit. Er
findet in dem Meteoriten Olivin, Enstatit (Bronzit), Clinopyroxen, Kamacit, Taenit, Troilit,
Chromit, Ilmenit und eventuell Plagioklas. In der Schmelzkruste wurde auch Magnetit festgestellt.
Die Porosität liegt bei etwa 10%. Nach PANETH (1959) wurde aus dem
Kalium-Argon-Verhältnis ein Alter von 3,3 Milliarden Jahren bestimmt. Das kosmische
Bestrahlungsalter liegt nach dem Verhältnis Helium 3 zu Tritium bei 20 Millionen Jahren.
Aus der Messung des kurzlebigen Isotops Natrium 22 und des Umwandlungsproduktes Neon 22
errechneten VILCSEK & WÄNKE (1960) ein kosmisches Bestrahlungsalter
von 30 Millionen Jahren. Für die Untersuchung wurden 82,40 g des Meteoriten verbraucht.
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Darmstadt. Gewöhnlicher Chondrit, H5.
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Meteorit Darmstadt.
Gewöhnlicher Chondrit, H5.
Fall 1804 oder etwas eher. Region Darmstadt, Hessen. TKW etwa 120 Gramm.
Darmstadt. Fragment. Größe 3,5 x 2,5 mm, Gewicht 0,020 g. Ex Sammlung Matthias Kurz,
ex Sammlung Peter Jäger. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
Zu dem Meteoriten von Darmstadt sind weder der nähere Fundort noch ein Datum
oder selbst das Jahr des Falls überliefert. Der erste Hinweis findet sich bei
Georg Adolph SUCKOW (1804) in einem kurzen Kapitel über "Aerolithen":
"Hr. Hofrath Blumenbach beschreibt diese Steine ihren äußern Ansehen nach,
daß sie auf der Oberfläche mit einer schwarzen dünne Rinde versehen
sind, und aus einem ungleichartigen Gemenge von rundlichen Körnern, welche nebst
kleinen Parthien von nickelhaltigen gediegen Eisen und Eisenkies eine aschgraue erdige
Grundmasse darstellen. Mit diesen äußerlichen Kennzeichen kommen auch die
Stücke in der Mineraliensammlung der staatswirthschaftlichen Hohen Schule zu
Heidelberg überein, welche sich in dem Darmstädtischen gefunden haben,
nachdem man verschiedene Mahle heftige Knalle in der Luft gehört hatte."
RAMDOHR (1973) beschrieb Troilit, verwachsen mit Fe-Ni-Metall, aus
dem Meteoriten.
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Eichstädt. Gewöhnlicher Chondrit, H5.
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Meteorit Eichstädt.
Gewöhnlicher Chondrit, H Gruppe (high iron), H5.
Fall 19. Februar 1785. Waldgebiet Wittmess, Hof und Ziegelei "Ziegelstadel"
südöstlich von Breitenfurt, bei Eichstätt, südlich von
Nürnberg, Bayern, Deutschland (48°50'58''N, 11°07'08''E = 48.84944°N,
11.11889°E). TKW 2,9 kg.
Eichstädt. Fragment. Größe 8 x 4 mm. Gewicht 0,068 g. Ex Sammlung Gregor Pacer. Sammlung und
Foto Thomas Witzke.
Zu dem Exemplar teilt Abbe Franz Xaver STÜTZ 1790 einen kurzen Bericht
von Herrn Baron von Hompesch, Domherr zu Eichstädt und Bruchsal, mit: "dass es
ein Arbeiter an einer Ziegelhütte bey Winterszeit, da die Erde über einen
Schuh hoch mit Schnee bedeckt war, unmittelbar auf einen heftigen Donnerschlag habe
wollen aus der Luft herabfallen sehen; dass er sogleich hinlief, ihn aus dem Schnee
aufzuheben, welches er aber seiner Hitze wegen nicht konnte, sondern ihn erst im Schnee
abkühlen musste. Der Stein möge ungefähr einen halben Schuh im Durchmesser
gehabt haben, und sey ganz mit der schwarzen Eisenrinde umgeben gewesen."
STÜTZ hält es für ausgeschlossen, dass dieser und andere
Steine vom Himmel gefallen seien, als eine Möglichkeit vermutet er hier einen
Blitzeinschlag. Den Stein selber hält er für Sandstein.
Einen detaillierten Bericht über den Fall, der auf einer Befragung des Augenzeugen
und Finders beruht, gibt Ignaz PICKEL (1805), Hofkammerrat und Lehrer
der Physik zu Eichstädt. Danach hat sich der Fall westlich von Eichstädt im
Waldgebiet Wittmess an einer Ziegelhütte am 19. Februar 1785 nach 12 Uhr Mittags
ereignet. Beobachtet wurde er vom Knecht des Zieglers. Der Knecht hörte ein Donnern
wie von Schüssen, und etwa vier Minuten nach dem Donnern fiel unter Sausen und
Summen der Stein auf unter dem Schnee liegende Ziegel. Der Stein wog "5 Pfund 22 Loth"
Nürnberger Gewicht, bei einem Nürnberger Pfund = 509,5 g und einem Lot =
15,92 g ergibt dies 2,9 kg. Die Geräusche wurden auch von anderen Zeugen in der
Gegend gehört. PICKEL nimmt auf Grund der Beschreibungen an, dass
noch mehr Steine gefallen sein könnten, die jedoch nicht gefunden wurden. Er
vermutet, dass der Stein von der Erde ausgeschleudert wurde und versucht eine Berechnung
der Fallhöhe.
Eine ausführliche Beschreibung des Inneren des Steines sowie eine chemische Analyse
werden von C.W. GÜMBEL 1878 publiziert. Der Meteorit weist reichlich
gut erkennbare Chondren auf. Aus der chemischen Analyse ergibt sich nach GÜMBEL
eine Zuammensetzung von Nickeleisen 22,98, Eisensulfid 3,82, Chromit 0,40, Olivin 31,00,
Pyroxen 31,90, Feldspat und ein feldspatähnliches Mineral 10,00 %. Er analysierte
auch die Chondren separat und fand, dass ihre Zusammensetzung einem Olivin (mit Mg > Fe)
am nächsten kommt.
Der Meteorit wurde später basierend u.a. auf diesen Analysen als H5 Chondrit
klassifiziert. Nach einer neuen Untersuchung durch HOFFMANN et al. (2015)
sind Olivin und Pyroxen (Ortho- und Clinopyroxen), Troilit und Kamacit die dominierenden
Phasen. Weiterhin sind Chromit, Taenit, Plagioklas, Merrillit-Whitlockit, Calcit und
Graphit vorhanden. Das Schockstadium liegt bei S1-2.
Die Angabe zum Gewicht des Steins differieren in der Literatur. Während
BUCHNER (1863) noch "fast 3 K." in Übereinstimmung mit obiger
Berechnung nach Nürnberger Gewicht angab, findet sich bei WÜLFING
(1897) dann eine Angabe von 3,2 kg. Letztere zieht sich dann weiter durch die
Literatur, bis hin zu der Zusammenstellung vom Bayerischen Landesamt für Umwelt
(2014). Bei HOFFMANN et al. (2015) findet sich dann wieder die Angabe
von 2,9 kg.
Die größten erhaltenen Teile sind:
123 g Naturhistorisches Museum Wien,
106 g ETH Zürich,
101,5 g Slg. R. Bartoschewitz
33 g (ehem. 43 g ?) Natural History Museum London.
Im II. Weltkrieg wurden 621 g (3 Teile) in München bei einem Bombenangriff
zerstört, ein weiteres Exemplar von 87 g wurde bei den Unruhen 1956 in Budapest
zerstört.
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Gilzem. Gewöhnlicher Chondrit, H5.
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Meteorit Gilzem.
Gewöhnlicher Chondrit, H Gruppe (high iron), H5.
Fund Frühjahr 1987. Etwa 1 km WNW von Gilzem (auf Flur Meckel), bei Bitburg, Rheinland-Pfalz (49.87361°N, 6.50556°E), TKW 436 g.
Gilzem. Teilscheibe. Größe 14 x 12 mm. Gewicht 0,87 g. Ex Sammlung Rainer
Bartoschewitz. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
Der Meteorit wurde im Frühjahr 1987 beim Pflügen von einem Herrn Kurt Peters aus
Gilzem gefunden. Das Exemplar fand sich im Nachgang einer Kampagne "Meteorite auf dem Acker"
der Naturwissenschaftlichen Arbeitsgemeinschaft Obertshausen-Moosbach e.V. (NAOM), bei der
bundesweit 1980 - 1985 durch Veröffentlichungen in landwirtschaftlichen Blättern,
im regionalen Rundfunk und durch Ausgabe von Merkblättern auf mögliche Meteoriten
hingewiesen wurde. Die während der Laufzeit der Kampagne bis zum Abschluss 1986
eingesandten Proben erwiesen sich nicht als Meteorite, erst das 1987 gefundenen und im März
1990 erhaltene Exemplar. Von der NAOM wurde es an Jürgen Otto vom Mineralogisch-Petrographischen
Institut der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg zur näheren Untersuchung geschickt.
Nach den Untersuchungen handelt es sich um einen H5 Chondriten. Er zeigt ein rekristallisiertes
chondritisches Gefüge, bei dem die Chondren noch gut erkennbar, aber schon weitgehend
in die kristalline Umgebung integriert sind. Die meisten der 0,2 - 1,2 mm großen Chondren
sind granulare Olivin- oder Pyroxen-Olivin-Chondren sowie porphyrische Olivin-Chondren. Der
Olivin (Forsterit, mit Fa18.6) ist sehr homogen zusammen gesetzt. Das zweithäufigste Mineral
ist Ca-armer Orthopyroxen (Enstatit, mit Fs16.7, Wo0.8). Untergeordnet kommen polysynthetisch
verzwillingter Clinopyroxen sowie Plagioklas (Albit, An11.8, Or6.0) vor. Weiterhin sind
Nickel-Eisen-Metall, Troilit und akzessorisch Chromit vorhanden. Annähernd die Hälfte
des Metalls ist oxidiert. Der Meteorit Gilzem unterscheidet sich deutlich von dem in 46 km
Entfernung gefallenen Meteoriten Simmern, bei dem es sich ebenfalls um einen H5 Chondriten
handelt. Beide gehören zu unterschiedlichen Fällen (OTTO, 1993).
Die Hauptmasse befindet sich im Mineralogisch-Petrographischen Institut in Freiburg. Nach
den bei OTTO (1993) angegebenen Koordinaten liegt die Fundstelle etwa 1 km
westnordwestlich von Gilzem, befindet sich aber bereits auf der Flur Meckel.
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Oesede. Gewöhnlicher Chondrit, H5.
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Meteorit Oesede.
Gewöhnlicher Chondrit, H Gruppe (high iron), H5.
Fall 30. Dezember 1927. Kloster Oesede, Georgsmarienhütte bei Osnabrück, Niedersachsen. TKW 3,6 kg.
Oesede. Fragment. Größe 3,5 x 2 mm. Ex Sammlung Hanno Strufe. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
Der Meteorit fiel am 30. Dezember 1927 nahe dem Kloster Oesede, Georgsmarienhütte bei
Osnabrück auf den gefrorenen Boden. Zeuge des Falls wurde ein Waldarbeiter, der sich
gegen Mittag aus dem Wald in der Nähe des Klosters auf den Heimweg machte. Er vernahm
ein sehr lautes Sausen und dann ein Aufschlaggeräusch. Etwa 30 Meter von ihm entfernt
sah er eine Staubwolke aufwirbeln. Der Waldarbeiter nahm zunächst an, dass eine Granate
eingeschlagen sei und verließ den Ort. Erst 1½ Stunden später kehrte er in
Begleitung zurück. Am Einschlagsort wurde ein halb in den Boden eingedrungener, bis auf
einige Risse intakt gebliebener, schwarzer Stein gefunden. Die Finder übergaben den
etwa 3,6 kg schweren Stein einem Laboranten der Georgs-Marien-Hütte, einem nahe gelegenen
Stahlwerk, wo er auf Edelmetalle analysiert werden sollte. Der Meteorit wurde hier zerschlagen
und ein großer Teil für die Untersuchungen verbraucht. Dem aus Osnabrück stammenden
Geologen Friedrich Imeyer gelang es, noch vier größere Bruchstücke mit einem
Gewicht von zusammen 1302 g sowie weitere Fragmente von ca. 100 g zu erhalten. Zwei der
größeren Stücke von zusammen 575 g gingen an die Sammlung des Naturwissenschaftlichen
Vereins im Museum der Stadt Osnabrück. Diese beiden im Museum Osnabrück befindlichen
Bruchstücke sind im II. Weltkrieg verschollen. Die zwei anderen großen Bruchstücke
von zusammen 727 g konnte das Mineralogische Museum in Münster von der Stadt Osnabrück
erwerben (BUSZ, 1929; GEHLER & REICH, 2015).
BUSZ (1929) untersuchte den Stein chemisch und klassifizierte ihn als
Gewöhnlichen Chondriten. Hierzu wurde Material von den kleineren Fragmenten verwendet.
Der Meteorit weist 28% Nickeleisen auf mit einem Fe:Ni-Verhältnis von 9 : 1.
Neue Untersuchungen wurden durch BARTOSCHEWITZ et al. (2009) durchgeführt.
Der Meteorit Oesede zeigt eine rekristallisierte Matrix mit scharf ausgebildeten Chondren und
Chondrenfragmenten. Der Olivin (Forsterit) weist nach Mikrosonden-Analysen die Zusammensetzung
Fa18.5 (17.7-18.9) auf. Der Orthopyroxen (Enstatit, Fs15.9-16.7) zeigt eine scharfe
Auslöschung unter dem Mikroskop. Feldspat (Albit, An10-16 Or9-5) bildet 2 - 100
Mikrometer messende, zum Teil isotrope Körner. Kamacit enthält 3.7 - 8.2% Ni und
0.6 - 0.9 % Co. Taenit weist 15 - 23 % Ni und 0.6 - 0.9 % Co auf. Der Troilit enthält
unter 0.1% Ni und bis 0.1 % Co. Als akzessorische Minerale finden sich Chromit und Apatit.
Von den urprünglich zwei Fragmenten mit zusammen 727 g befindet sich in im Mineralogischen
Museum Münster heute nur noch ein Fragment von 401,1 g. Es stellt gegenwärtig die
Hauptmasse des Meteoriten dar (GEHLER & REICH, 2015).
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Simmern. Gewöhnlicher Chondrit, H5.
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Meteorit Simmern.
Gewöhnlicher Chondrit, H Gruppe (high iron), H5.
Fall 1.7.1920. Drei Steine: (1) bei Götzeroth, (2) bei Hochscheid und (3) zwischen Hochscheid und Hinzerath, Rheinland-Pfalz. TKW 1,222 kg.
Simmern. Fragmente. Größtes Fragment 4 mm. Gewicht zusammen 0.08 g. Ex Sammlung Harvey Nininger, ex Sammlung Ruben Garcia.
Sammlung und Foto Thomas Witzke.
Am 1. Juli 1920 um 9.15 Uhr vormittags fielen im Hunsrück mehrere Steine. Der Fall war begleitet
von einem donnerähnlichen Rollen und 3 - 4 kurz nacheinander folgenden Detonationen. An dem schwach
bewölkten Himmel war ein dünner Wolkenstreifen zu erkennen, der bald verschwand. Am gleichen
und den folgenden Tagen sind drei Steine gefunden worden. Der erste Stein von 142 g fand sich unmittelbar
nach dem Fall dicht bei Hochscheid auf frisch gemähtem Heu und wurde in vier Teile zerschlagen. Das
zweite Exemplar von 610 g wurde dicht bei Götzeroth (Ortsteil von Kleinich) auf einem Kartoffelacker
gefunden. Der dritte Stein fiel auf die Landstraße zwischen Hochscheid und Hinzerath und zertrümmerte
dabei in viele Stücke. Geborgen werden konnten 470 g. Alle drei Orte befinden sich ca. 20 - 25 km SW
von Simmern. An mindestens fünf weiteren Stellen ist das Herabfallen von Steinen beobachtet worden,
jedoch konnte nichts gefunden werden. Das Streufeld hat eine Länge von etwa 18,5 km und eine mittlere
Breite von 3 km (KÖNIG, 1920 und 1921).
Es handelt sich um einen Chondriten, der viel Eisen, Olivin, Orthopyroxen (Enstatit) und auch Clinopyroxen
enthält (BUSZ, 1921).
In dem H5 Chondriten Simmern wurden auch Zirkone von 10 Mikrometern Größe in Chromit-Clustern
in Feldspat gefunden. Der Zirkon enthält 1,45 % HfO2. Es handelt sich um
den ersten Nachweis von Zirkon in einem H5 Chondriten (WLOTZKA et al., 1990)
Größte erhaltene Stücke:
366 g Museum für Naturkunde Berlin
200 g Universität Bonn
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Wernigerode. Gewöhnlicher Chondrit, H5.
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Meteorit Wernigerode.
Gewöhnlicher Chondrit, H Gruppe (high iron), H5.
Fund 1970. Wernigerode, Sachsen-Anhalt. TKW 24,3 g.
Wernigerode. Teilscheibe. Größe 14 x 10 mm. Gewicht 0,504 g. Ex Sammlung
M. Dietrich, Dresden; ex Sammlung Peter Jäger (2000). Sammlung und Foto Thomas Witzke.
Der Meteorit wurde 1970 auf dem Dachboden unter einem beschädigten Dach gefunden.
Das Dach wurde schon im II. Weltkrieg zerstört. Es wird deshalb davon
ausgegangen, dass der Fall zwischen 1945 und 1970 erfolgt ist. Der Finder konnte sich
nicht erinnern, wo sich das Haus in Wernigerode befand.
Der Meteorit wiegt 24,3 Gramm und weist eine komplette Schmelzkruste auf. Die
Klassifikation als H5 Chondrit wurde von F. Wlotzka und M. Kurz vorgenommen.
Das Schockstadium liegt bei S2, der Verwitterungsgrad bei W0 und steht also in
Übereinstimmung mit einem frischen Fall. Das kosmische Bestrahlungsalter
liegt bei etwa 7 Millionen Jahren (RUSSELL et al., 2002).
Der Meteorit Wernigerode weist eine rekristallisierte Matrix mit deutlich ausgeprägten
Chondren und Chondrenfragmenten auf. Der Olivin (Forsterit) weist die Zusammensetzung
Fa17.5 auf und zeigt unter dem Mikroskop schwach undulöse Auslöschung.
Orthopyroxen (Enstatit) mit der Zusammensetzung Fs15.-16.9Wo1.0-1.9 zeigt ebenfalls
undulöse Auslöschung. Für Clinopyroxen (Pigeonit) wurde ein Chemismus
En41Wo41 gefunden. Feldspat weist eine intermediäre Zusammensetzung An45Or3 auf.
Kamacit enthält 5.7-6.5 % Ni und 0.6 % Co. Taenit enthält 29-44 % Ni und
0.2-0.3 % Co. Es konnte auch Tetrataenit mit 49 % Ni und 0.2 % Co nachgewiesen
werden. Weiterhin ist Troilit und akzessorisch Chromit vorhanden (BARTOSCHEWITZ
et al., 2009).
Vorhanden sind:
Hauptmasse als private Leihgabe in der privaten Gothenburg-Sternwarte in Radebeul,
3 g und ein Dünnschliff im Max-Planck-Institut für Chemie, Mainz,
2,4 g in der Sammlung Rainer Bartoschewitz,
0,504 g in der Sammlung Thomas Witzke,
ein Dünnschliff im Senckenberg-Museum Frankfurt.
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Bassikounou. Gewöhnlicher Chondrit, H5.
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Meteorit Bassikounou.
Gewöhnlicher Chondrit, H Gruppe (high iron), H5.
Fund 16. Oktober 2006. 11 km SE von Bassikounou, Hodh Ech Chargu, Mauretanien. TKW 46 kg.
Bassikounou. Vollscheibe. Größe 42 x 40 mm, Gewicht 7,65 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
Der Meteorit ist brekziiert und zeigt deutliche dünne, schwarze Schockadern. Er enthält Forsterit (Fa18,6),
Pyroxen (Fs16,3 Wo1,1), Albit (An13,7), Troilit (etwa 6,6 Vol.%) und Fe-Ni-Metall (etwa 8 Vol.-%).
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Capot Rey. Gewöhnlicher Chondrit, H5.
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Meteorit Capot Rey.
Gewöhnlicher Chondrit, H Gruppe (high iron), H5.
Fund März 2004. Capot Rey, Ténéré du Tafassasset, Agadez, Niger (20°07,556'N, 10°12,336'E, Streufeld 7 x 3,5 km). TKW 38 kg.
Capot Rey. Vollscheibe. Größe 66 x 52 mm, Gewicht 10,0 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
Das Material enthält Forsterit (Fa18,1), Pyroxen (Fs15,2) und sehr reichlich Fe-Ni-Metall.
Das Schockstadium von dem Meteoriten liegt bei 2, der Verwitterungsgrad bei 1.
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Chergach. Gewöhnlicher Chondrit, H5.
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Meteorit Chergach.
Gewöhnlicher Chondrit, H Gruppe (high iron), H5 - Impaktschmelzbrekzie.
Fall 2. oder 3. Juli 2007. Erg Chech (Chergach), Tombouktou (Timbuktu), Mali. TKW 100 kg.
Chergach. Endstück. Größe 23 x 17 mm, Gewicht 7,0 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
Das Exemplar weist chondritische Klasten in einer feinkörnigen, schwarzen, silikatischen Impaktschmelz-Matrix
auf. Der Meteorit enthält Fayalit, Plagioklas, Metall und Troilit. Vereinzelt sind kleine Chondren zu erkennen.
Das Schockstadium liegt bei 3 - 4, der Verwitterungsgrad bei 0.
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Gao-Guenie. Gewöhnlicher Chondrit, H5.
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Meteorit Gao-Guenie.
Gewöhnlicher Chondrit, H Gruppe (high iron), H5.
Fall 1960. Gao-Guenie Streufeld, Burkina Faso. TKW ? kg.
Gao-Guenie. Ein komplettes, orientiertes Individuum mit Schmelzkruste. Größe 26 x 22 x 18 mm,
Gewicht 19,05 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
Das Individuum aus einer anderen Perspektive.
Das Individuum aus einer anderen Perspektive.
Gao-Guenie. Vollscheibe. Größe 32 x 28 mm, Gewicht 5,71 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
Die Scheibe zeigt H5 Gao-Guenie Klasten in einer Impaktschmelz-Matrix mit ausgeprägten Fließstrukturen.
Die Klasten sind gerundet, vermutlich durch Abschmelzung. Derartiges Material ist nur sehr selten unter den
Gao-Guenie Exemplaren anzutreffen.
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Tamdakht. Gewöhnlicher Chondrit, H5.
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Meteorit Tamdakht.
Gewöhnlicher Chondrit, H Gruppe (high iron), H5.
Fall 22.37 Uhr, 20. Dezember 2008. Tamdakht, Ourzazate, Marokko (31°09,8'N, 7°00,9'W, Streufeld 25 x 2 km). TKW 100 kg.
Tamdakht. Teilscheibe. Größe 41 x 26 mm, Gewicht 6,3 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
Der Fall des Meteoriten mit einer W-E-Trajektorie wurde von zahlreichen Augenzeugen beobachtet. Der Einschlag
erfolgte im Hohen Atlas-Gebirge. Durch die Schneebedeckung zu der Zeit konnten die ersten Stücke erst einige
Wochen später gefunden werden.
Der Meteorit enthält zahlreiche Chondren von 0,1 - 1,5 mm Größe, die hauptsächlich aus Olivin
(Forsterit Fa18) oder Orthopyroxen (Enstatit En83Fs16Wo2) bestehen. Chromit ist häufig, nur selten treten
Clinopyroxen und Ilmenit auf. Es sind zahlreiche Taschen mit Chromit, Plagioklas (Albit Ab83-86An5-15Or7-2),
Merrillit und Cl-Apatit vorhanden. Etwa 10 % Anteil machen Kamacit, Taenit und Troilit aus. Das Schockstadium
liegt bei 3, der Verwitterungsgrad bei 0.
Tamdakht. Endstück. Größe 23 x 10 x 7 mm, Gewicht 2,850 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
Sehr selten ist in dem Tamdakht-Streufeld ein schlackeartig aussehendes, sehr poröses, hartes Material
gefunden worden, das neben einer Glasphase auch veränderte und unveränderte Fragmente des H5-Meteoriten
sowie aufgeschmolzenes Metall enthält. Eine Impaktschmelze kann ausgeschlossen werden. Möglicherweise
handelt es sich um Schmelzkruste, die sich auf der Rückseite orientiert fliegender Stücke angesammelt
hat und dabei Fragmente des meteoritischen Materials aufgenommen hat, jedoch sind derartig dicke
Schmelzkrustenbildungen bisher nicht bekannt.
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NWA 8369. Gewöhnlicher Chondrit, H5.
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Meteorit NWA 8369.
Gewöhnlicher Chondrit, H Gruppe (high iron), H5.
Fund 2012. Marokko. TKW 228 g.
NWA 8369. Vollscheibe. Größe 64 x 25 mm. Gewicht 9,6 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
Der Meteorit enthält Forsterit (Fa 20.2) und Enstatit (Fs 18.9 Wo 1.6). Verwitterungsgrad W2. Der
Meteorit enthält schwarze Klasten von wahrscheinlich magmatischer Entstehung.
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Erxleben. Gewöhnlicher Chondrit, H6.
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Meteorit Erxleben.
Gewöhnlicher Chondrit, H Gruppe (high iron), H6.
Fall 15. April 1812, zwischen 16 und 17 Uhr. Zwischen Erxleben und Eimersleben, Magdeburg, Sachsen-Anhalt.
TKW ca. 2,25 kg.
Erxleben. Fragment. Größe 7 x 6 mm. Gewicht 0,27 g. Ex Sammlung Raths-Apotheke Magdeburg,
ex Sammlung Universität Greifswald (2014), ex Sammlung Rainer Bartoschewitz (2015). Sammlung
und Foto Thomas Witzke.
Den ersten Bericht über den Meteoriten geben Johann Friedrich Ludwig HAUSMANN &
Gerhard Anton Ulrich VIETH (1812). Nach einem am 9. Mai 1812 in Erxleben aufgenommenen
Protokoll fiel der Meteorit am 15. April zwischen 16 und 17 Uhr in ein Feld zwischen Erxleben und
Eimersleben. Der Fall wurde von den beiden Landarbeitern Andreas Perlitz und Christoph Herzberg sowie
dem Schäferknecht Heinrich David Dörge beobachtet. Es war zunächst ein Schall wie von
mehreren kurz hintereinander abgefeuerten Kanonen und dann ein Gerolle vergleichbar mit Gewehrfeuer zu
vernehmen. Es folgte ein Gesause in der Luft und dann ein Geräusch, als wenn ein schwerer Körper
auf die Erde schlägt. Die drei Zeugen gingen zu dem Ort und fanden ein frisches Loch, das schräg
von Südost nach Nordwest verlief. Der Stein steckte 1½ bis 2 Fuß tief in der Erde, sein
Gewicht wurde später mit 4½ Pfund bestimmt. HAUSMANN, Professor an der
Universität Göttingen, erhielt vom Postsekretär von Drake aus Magdburg ein Stück
des Meteoriten von 200 g. VIETH, Direktor der Herzoglichen Hauptschule Dessau, konnte
sich ein Stück von 147 Gran (8,94 g) sichern.
WIEDENMANN teilt 1812 mit, dass der größere Teil vom Stein vom Präfekten
des Departments requiriert wurde, weiteres Material wurde an das Museum nach Göttingen geschickt
und ein bedeutendes Stück hat sich ein Durchreisender in Abwesenheit des Besitzers abgeschlagen.
Ein Stück von "anterthalb Unzen weniger 23 Gran" (= 41,1 g) schickte WIEDENMANN an
Ludwig Wilhelm GILBERT, Professor an der Universität von Halle. WIEDENMANN
geht davon aus, dass der Stein sich bei einer Explosion in der Luft gebildet hat. Ähnlich äußerte
sich J.S.C. SCHWEIGGER, der es für ohne jeden Zweifel als bestätigt ansah,
dass Meteorite allgemein und auch der Exlebener Stein atmosphärische Gebilde sind und hier die
Elektrizität eine Hauptrolle spielt.
Eine chemische Analyse führte Friedrich STROMEYER (1812) durch. Er fand Olivin,
Magnetkies, Nickeleisen mit 7,53 % Ni sowie Chromit. Eine weitere Analyse stammt von Christian Friedrich
BUCHOLZ. Er bestimmte den Anteil an Nickeleisen mit 14,25 % und Eisensulfid 21,625 %.
Martin Heinrich KLAPROTH (1815) bestimmte den Anteil an Nickeleisen zu 31,25 %. Eine
Analyse mittels Neutronenaktivierung stammt von NIESE et al. (1990).
Die größten erhaltenen Teile sind:
284 g Fakultät für Geowissenschaften und Geographie, Universität Göttingen.
194 g Tempe, Arizona State University, USA
117 g Institut für Geographie und Geologie, Universität Greifswald
111,0 g (56,5 g + 54,5 g) Museum für Naturkunde Berlin
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Forsbach. Gewöhnlicher Chondrit, H6.
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Meteorit Forsbach.
Gewöhnlicher Chondrit, H6.
Fall 12.06.1900. Forsbach bei Köln, Nordrhein-Westfalen. TKW 240 g.
Forsbach. Fragment, Größe 9 x 7 mm, Gewicht 0,30 g. Ex Sammlung Frank Wlotzka, ex Sammlung
Rainer Bartoschewitz. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
Der Meteorit fiel am 12. Juni 1900 gegen 14 Uhr in ein Feld zwischen Forsbach und Hoffnungsthal bei
Rösrath, östlich von Köln. Der auf dem Feld arbeitende Bauer Johann Peter Volberg
hörte aus der Luft ein Geräusch und nahm an, dass ein Vogel vorbei fliegen würde. Im
selben Augenblick schlug der Stein etwa 1 - 1,5 Meter von ihm entfernt in den Boden ein. Der Bauer
nahm den Stein aus der Erde und stellte fest, dass er noch warm war. Nach mehreren Besitzerwechseln
wurde der Stein von Professor Brauns erworben (BRAUNS, 1919).
Der Meteorit wurde als Gewöhnlicher Chondrit H6 klassifiziert. Der Olivin (Forsterit) weist die
Zusammensetzung Fa19 auf.
Die nahezu komplett erhaltene Hauptmasse wird im Mineralogischen Museum der Universität Bonn aufbewahrt.
Forsbach. Fragment, Größe 9 x 7 mm, Gewicht 0,30 g. Ex Sammlung Frank Wlotzka, ex Sammlung
Rainer Bartoschewitz. Sammlung und Foto Thomas Witzke. Die Seite mit der Kruste.
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Hungen. Gewöhnlicher Chondrit, H6.
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Meteorit Hungen.
Gewöhnlicher Chondrit, H6-Gruppe.
Fall 17. Mai 1877. Waldgebiet zwischen Steinheim und Borsdorf, ca. 5 km SE von Hungen, bei Gießen,
Hessen (ungefähre Position: 50.43846°N, 8.94032°E). TKW 111,8 g (2 Steine).
Hungen. Fragment, Größe 2,5 mm, Gewicht 0,004 g. Ex Sammlung Matthias Kurz, ex Sammlung
Peter Jäger. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
Am 17. Mai 1877 Morgens gegen 7 Uhr ereignete sich bei Hungen ein Meteoritenfall. In verschiedenen Orten
in der Nachbarschaft wurde ein donnerähnliches Getöse wahrgenommen. Der Schreiner Herr Scharmann
war gerade auf dem Weg von Steinheim (gehört heute zu Hungen) nach Borsdorf, als er nach dem Donnern
beim Eintritt in den Wald (ca. 5 km SE von Hungen) ein Brausen, Zischen und Pfeifen hörte, als wenn
viele Steine durch den Wald flögen. Unmittelbar neben ihm schlug ein Stein gegen eine Fichte, bach einen
fingerdicken Ast ab und fiel ihm vor die Füße. Der Mann war so erschrocken, dass er est nach
einiger Zeit den Stein aufhob. Der Stein war kalt. Otto BUCHNER (1877) von der Universität
Giessen hörte erst im August von dem Ereignis und konnte am 15. Oktober eine Nachsuche mit Kollegen
und Schülern organisieren. Dabei wurde noch ein kleiner Stein von 26 Gramm gefunden. Frisch gefallenes
Laub verhinderte das Auffinden weiterer Steine.
Der erste Stein wog über 86 Gramm. Einige kleine Stücke brach der Finder ab, BUCHNER
ließ noch 10 Gramm absägen, um eine polierfähige Fläche zu erhalten. Die
Hauptmasse von 73,26 Gramm gelangte in die Mineraliensammlung der Universität Giessen. BUCHNER
erkannte den Stein als einen Chondriten mit deutlichen Gehalten an Eisen und Troilit, weiterhin sind
Olivin und Pyroxen vorhanden. Den zweiten Stein, ein vollständiges Exemplar von 25,8 Gramm,
übergab BUCHNER der Sammlung in Wien (TSCHERMAK, 1877).
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Klein-Wenden. Gewöhnlicher Chondrit, H6.
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Meteorit Klein-Wenden.
Gewöhnlicher Chondrit, H Gruppe (high iron), H6.
Fall 16.09.1843. Münchenlohra, Kleinwenden, bei Nordhausen, Thüringen. TKW 3,25 kg.
Klein-Wenden. Fragment. Größe 6 x 3 mm, Gewicht 0,028 g. Ex Sammlung Matthias Kurz, ex
Sammlung Peter Jäger. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
Am 16. September 1843 gegen 16.45 Uhr wurden die Ehefrau des Holzhauers Caspar Schulze und der Webergeselle
Heinrich Schwarzburger, beide aus Kleinwenden, Zeugen eines Meteoritenfalls. Sie befanden sich in der
Nähe der Domäne Münchenlohra. Plötzlich vernahmen sie eine starken Knall, welchem
etwa 2 Sekunden ein Gesause und Geprassel folgte, und sie bemerkten, dass etwas aus der Luft zur Erde
gefallen war. 66 Schritte von ihrem Standpunkt entfernt fanden sie einen mit der Spitze 5 Zoll in die
Erde eingedrungenen schwarzen Stein. Er war zunächst noch so heiß, dass darauf gespuckter
Speichel sofort verdampfte. Erst nach längerem Warten wagten sie den Stein aufzuheben. Er wurde
schließlich dem Landrat von Byla in Nordhausen zugeschickt. Der Direktor der dortigen Realschule
Fischer und der Oberlehrer Dr. Kützing erkannten ihn als einen Meteoriten. Der Stein wog 6,5 Pfund
(Anonym, 1843).
Eine chemische Analyse führte Carl RAMMELSBERG (1844) durch. Er erkennt in dem
Material Olivin, Augit, Schwefeleisen (= Troilit) und Meteoreisen (Fe-Ni-Metall). Aus der Analyse
berechnet er die Gehalte 38,014 % Olivin, 12,732 Labrador (Plagioklas), 19,704 Augit, 22,904 Nickeleisen,
5,615 Magnetkies (Troilit), 1,040 Chromeisen (Chromit). Das Nickeleisen enthält 10,351 % Ni.
Weiter verweist RAMMELSBERG auf die Ähnlichkeit mit dem Meteoriten von Erxleben.
Die Hauptmasse, der fast komplette, mit einer schwarzen Schmelzkruste bedeckte Stein, befindet sich im
Naturkundemuseum Berlin.
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Portales Valley. Gewöhnlicher Chondrit, H6.
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Meteorit Portales Valley.
Gewöhnlicher Chondrit, H Gruppe (high iron), H6.
Fall 13. Juni 1998. Portales Valley, Roosevelt Co., New Mexico, USA. TKW 71,4 kg.
Portles Valley. Teilscheibe. Größe 35 x 25 mm, Gewicht 1,75 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
Es wurden 53 Exemplare mit einer Masse von zusammen 71,4 kg gefunden. Es handelt sich um einen
H6 Chondriten. Einige der Exemplare sind von metallischen Schockadern durchzogen. Der Meteorit
enthält Forsterit (Fa 19.3), Pyroxen(Fs17.2Wo1.36) und Eisen (Kamacit, mit 0,55 % Co). Das Eisen
in der Matrix entspricht in der Zusammensetzung dem in den Schockadern. Letzteres zeigt feine
Widmannstättensche Figuren.
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NWA 6003. Gewöhnlicher Chondrit, H6.
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Meteorit NWA 6003.
Gewöhnlicher Chondrit, H Gruppe (high iron), H6.
Fund August 2009. Nordwest-Afrika. TKW 301 g.
NWA 6003. Teilscheibe. Größe 42 x 24 mm, Gewicht 6,806 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
Der Meteorit NWA 6003 weist große Aggregate und Adern von Ni-Fe-Metall auf. Chondren sind noch undeutlich
zu erkennen. Es wird ein Schockstadium S3 und ein Verwitterungsgrad W1-2 angegeben.
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NWA 2898. Gewöhnlicher Chondrit, H7.
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Meteorit NWA 2898.
Gewöhnlicher Chondrit, H Gruppe (high iron), H7.
Fund 2003. Nordwest-Afrika. TKW 136 g.
NWA 2898. Teilscheibe. Größe 7 x 6 mm, Gewicht 0,228 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
NWA 2898 weist eine komplett rekristallisierte Textur auf mit verbreitet 120° triple junction-Korngrenzen
von Forsterit (Fa 17.7), Ca-armen Pyroxen (Fs 15.6, Wo 3.6) und Feldspat (Albit, An12.3-18.9). Chondren sind
nicht zu erkennen. Verbreitet findet sich NiFe-Metall.
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NWA 4229. Gewöhnlicher Chondrit, H7.
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Meteorit NWA 4229.
Gewöhnlicher Chondrit, H Gruppe (high iron), H7.
Fund 2005 (2006 ?). Nordwest-Afrika. TKW 439 g.
NWA 4229. Teilscheibe. Größe 22 x 14 mm, Gewicht 2,79 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
Der Meteorit NWA 4299 enthält Forsterit (Fa 18.4-18.7) und Pyroxen (Fs 16.4, Wo 3.1-4.2). Das Material
ist stark metamorph, Chondren sind nicht zu erkennen.
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NWA 2058. Gewöhnlicher Chondrit, H Pseudotachylit.
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Meteorit NWA 2058.
Gewöhnlicher Chondrit, H Gruppe (high iron), Pseudotachylit.
Fund 2001. Nordwest Afrika (Marokko oder Algerien). TKW 80,1 g.
NWA 2058. Endstück. Größe 15 mm, Gewicht 2,03 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
Der Meteorit kann nicht näher klassifiziert werden auf Grund extremer Mylonitisierung durch einen Impakt.
Er enthält überwiegend rekristallisierten Forsterit (Fa 17.1 - 18.4), weiterhin Enstatit (Fs 15.8 - 16.5)
und Troilit. Der Meteorit ist das Resultat von einem Hochgeschwindigkeits-Impakt, bei dem das Material durch die
Reibungswärme aufgeschmolzen und dann sehr schnell abgekühlt wurde. In Analogie zu terrestrischen, durch
Reibung bei einem Impakt oder tektonischen Ereignissen aufgeschmolzenen Gesteinen wird das Material auch als
Pseudotachylit bezeichnet. Schockstadium S6, Verwitterungsgrad W2/3.
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Sacramento Wash 005. Gewöhnlicher Chondrit, H Metall.
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Meteorit Sacramento Wash 005.
Gewöhnlicher Chondrit, H Gruppe (high iron), H Metall.
Fund ab 2004. Mohave County, Arizona, USA. TKW ?.
Sacramento Wash 005. Kleines Individuum. Größe 8 x 4 mm, Gewicht 0,161 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
In der Nähe des Franconia-Streufeldes wurden hunderte von Exemplaren des Meteoriten gefunden, die
meisten davon wiesen weniger als 1 g auf. Das Material besteht überwiegend aus Kamacit (Ni 6.9 %),
Taenit ist in Form von Entmischungslamellen vorhanden. Troilit (ca. 25 % Anteil) findet sich als langgestreckte
Einschlüsse im Metall. Untergeordnet sind Ca-Phosphate, Chromit, metallisches Kupfer oder silikatische
Einschlüsse mit Chondren vorhanden. Es wird davon ausgegangen, dass es sich bei Sacramento Wash 005
nicht um Fe-Ni-Metall von einem differenzierten Körper, sondern um Metall aus einem H-Chondriten handelt.
Die Metallschmelze ist dabei als Folge von einem Impakt entstanden und ist schnell wieder abgekühlt.
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weiter zu
Literatur siehe Hauptseite Meteorite
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© Thomas Witzke
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