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Eisenmeteorite bestehen im Allgemeinen zu über 90 % aus Nickel-Eisen-Legierungen, wobei es jedoch
auch einige Ausnahmen von silikathaltigen Eisenmeteoriten mit deutlich geringeren Metallgehalten
gibt. Hauptphasen in Eisenmeteoriten sind Nickel-haltiges α-Eisen, das als Kamacit bezeichnet
wird (kubisch, Raumgruppe Im3m, Ni-Gehalt 4 - 7,5 %), und Taenit, γ-(Fe,Ni) mit Ni-Gehalten
von üblicherweise 20 - 45 % (kubisch, Raumgruppe Fm3m). Gelegentlich ist auch Tetrataenit, FeNi
(tetragonal, Raumgruppe P4/mmm) vorhanden. Neben Einschlüssen von Silikaten treten in Eisenmeteoriten
auch Graphit, Troilit, Cohenit, Schreibersit, Nickelphosphid, Diamant, Lonsdaleit und einige
weitere Minerale auf.
Eisenmeteorite gehören zu den differenzierten Meteoriten. Ein Teil entstammen Asteroiden,
die so stark erhitzt wurden, dass es zu Schmelzprozessen mit anschließender Trennung von Metall-
und Silikatphase kam. Dabei bildete sich ein metallischen Kern und ein silikatischer Mantel in dem
Körper. Der Asteroid muss groß genug gewesen sein, um eine derartige Aufschmelzung und
Differenzierung zu ermöglichen. Die Abkühlungsgeschwindigkeiten variieren je nach
Größe und Zusammensetzung und verlaufen auch nicht linear mit der Zeit. Bei kleineren
Asteroiden kann es zumindest noch zur Bildung größerer Eisenmassen bei unvollständiger
Differenzierung gekommen sein. Andere Eisenmeteorite sind das Produkt von größeren Impakten
auf einem Mutterkörper, bei denen es zur Schmelzbildung mit Trennung von Silikat- und Eisenphase
und anschließender langsamer Abkühlung kam.
Die Klassifikation der Eisenmeteorite erfolgt nach ihrer Zusammensetzung, dabei werden die Gehalte
an Gallium, Germanium, Iridium und Gold berücksichtigt (siehe Tabelle unten). Höhere römische
Ziffern bedeuten hier sinkende Spurenelementgehalte. Bei Meteoriten einer Klasse ist eine Herkunft von
einem Mutterkörper bzw. eine Bildung unter ähnlichen Bedingungen anzunehmen. Etwa 15 % der
Eisenmeteoriten lassen sich keiner der bekannten Klassen zuordnen. Sie werden als ungruppiert geführt.
Es wird geschätzt, dass die bisher gefundenen Eisenmeteorite über 60 verschiedene Mutterkörper
repräsentieren. Durch spätere Kollisionen oder Impakte wurden diese Körper dann zerstört.
Eine alte Klassifizierung teilt die Eisenmeteorite nach ihrer Struktur in Hexaedrite, Oktaedrite
und Ataxite ein.
Hexaedrite bestehen im Wesentlichen aus Kamacit, der Nickel-Gehalt liegt dementsprechend unter 7,5 %.
Widmanstättensche Figuren sind nicht vorhanden, einige Hexaedrite weisen jedoch feine, parallele
Linien auf, die sogenannten Neumann-Linien. Diese Linien stellen Schock-induzierte Zwillingslamellen
dar, die das Resultat von Impakten sind.
Oktaedrite sind die häufigsten Eisenmeteorite. Verwachsungen von Kamacit und Taenit bilden hier
die Widmannstättenschen Figuren. Die räumliche Anordnung dieser Verwachsungen folgt den Flächen
eines Oktaeders. Die Oktaedrite wurden früher näher nach der Breite der Kamacit-Bänder unterteilt.
Widmanstättensche Figuren bilden sich bei einem Ni-Gehalt zwischen etwa 5 - 15 % und Abkühlungsraten
von etwa 1 - 200ºC pro Millionen Jahre im Bereich zwischen 700 und 400ºC. Neben Abkühlungsgeschwindigkeit
und Ni-Gehalt hat auch der Phosphor-Gehalt einen Einfluss auf die Nickel-Diffusion im Metall und
damit auf Ausbildung der Widmanstättenschen Figuren. Auch in Oktaedriten können die schon erwähnten
Neumann-Linien auftreten.
Ataxite bestehen hauptsächlich aus Taenit und zeigen im Anschliff nach dem Ätzen keine
Widmanstättenschen Figuren. Nur in Form von mikroskopischen Lamellen oder Spindeln kann Kamacit
sporadisch vorhanden sein. Der Ni-Gehalt der Ataxite liegt bei über 15 %.
Eisenmeteorite IIAB
Bei den Eisenmeteoriten vom Typ IIAB handelt es sich um Hexaedrite oder Oktaedrite mit grobem bis sehr grobem
Gefüge. Sie bestehen fast nur aus Kamacit. Der Nickelgehalt ist mit der niedrigste in allen Eisenmeteorit-Gruppen
und liegt im Bereich von 5,3 - 6,6 %.
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Nenntmannsdorf. Eisenmeteorit, IIAB Gruppe.
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Meteorit Nenntmannsdorf.
Eisenmeteorit, IIAB Gruppe.
Fund 11. Dezember 1872. Laurich bei Nentmannsdorf, Bahretal bei Pirna, Dresden, Sachsen (etwa 50.89445°N,
13.88062°E). TKW 12,5 kg.
Nenntmannsdorf. Teilscheibe, Größe 48 x 15 mm, Gewicht 8,961 g. Ex Sammlung Moritz
Karl. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
Hans Bruno GEINITZ teilte im Dresdner Journal No. 303 vom 31. Dezember 1872 die
Auffindung eines neuen Meteoriten mit. Danach konnte der Obersteiger B. Schreiter aus Berggiesshübel
Anfang Dezember 1872 in Nenntmannsdorf (heute Nentmannsdorf, ein Ortsteil der Gemeinde Bahretal)
südlich von Pirna "etwa 2 Fuss tief unter der Rasendecke" einen rundlichen Block von 25 Zollpfund
Gewicht, der "aus gediegenem, weichem, hämmerbarem Eisen besteht, das an seiner Oberfläche
mit einer schwärzlichen braunen Oxydhaut bedeckt und mit etwas Magnetkies vermengt ist". Das
Zollpfund wurde 1858 auf 500 Gramm festgelegt, somit ergeben sich 12,5 kg für das Exemplar.
GEINITZ lag das Meteoreisen am 13. Dezember 1872 vor. Er sandte etwas Material an
der Chemiker G.E. LICHTENBERGER in Dresden, der noch im Dezember 1872 eine Analyse
durchführte, bei der er nur Eisen und Nickel fand. Die Gehalte betrugen 94,59% Eisen und 5,31 %
Nickel. Der Meteorit hat wahrscheinlich schon längere Zeit im Boden gelegen. GEINITZ
stellte den neuen Meteoriten auch auf der Sitzung der naturwissenschaftlichen Gesellschaft ISIS
zu Dresden am 23. Januar 1873 vor. Das Exemplar konnte für das Königliche Mineralogische
Museum in Dresden erworben werden (GEINITZ, 1872 und 1873).
Eine weitere Analyse teilte Franz Eugen GEINITZ (der Sohn von Hans Bruno GEINITZ
und ebenfalls Geologe und Mineraloge) 1876 mit. Danach besteht das Material aus 93,04% Eisen, 6,16
Nickel und 0,22 Phosphor. Es zeigten sich keine Widmannstättenschen Figuren nach dem Ätzen.
Eingesprengt zeigten sich Knollen und eventuell auch Kristalle von Troilit. An der Oberfläche
des Meteoriten bildeten sich durch Einwirkung der Luftfeuchtigkeit kleine Tröpfchen und es
blätterte oxidiertes Material ab. An den geschliffenen Bereichen zeigte sich dieser Effekt
jedoch nur gelegentlich.
A. BREZINA (1885) klassifizierte Nenntmannsdorf als einen Hexaedriten. E. COHEN
(1905) stellte dagegen fest, dass es deutliche Abweichungen zu den Hexaedriten gibt und ordnet ihn
als Ni-armen Ataxiten ein.
V.F. BUCHWALD (1975) stellte fest, dass der Meteorit Nenntmannsdorf Kamacit-Körner
von 0,5 - 5 cm Abmessung aufweist. Schreibersit von 10 - 500 Mikrometern Größe findet sich
entlang der Korngrenzen. Gelegentlich finden sich Relikte von Widmanstättenschen Figuren. 5 -
10 mm breite Lamellen werden durch Taenit und Schreibersit separiert. Das seltene Chromnitrid Carlsbergit,
CrN, findet sich spärlich in 10 x 1 Mikrometer messenden Plättchen. BUCHWALD ordnet
den Meteoriten als einen gröbsten Oktaedriten ein und stellt ihn in die Klasse IIB (heute IIAB).
Der Meteorit wurde nach einer unveröffentlichen Eintragung von H.B. Geinitz im Katalog der Dresdener
Sammlung 120 m westlich vom Gasthof Laurich bei Nentmannsdorf gefunden und am 21.3.1873 vom Obersteiger
B. Schreiter für 500 Taler erworben (pers. Mitteilung K. Thalheim, Senckenberg Naturhistorische
Sammlungen Dresden, Museum für Mineralogie und Geologie). Der Obersteiger ist vermutlich auf der
Suche nach Eisensteinvorkommen gewesen, als er den Meteoriten fand, denn nur etwa 700 m westlich befand
sich die Augusta-Eisensteinfundgrube mit dem Hauswald-Erbstolln.
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Sikhote Alin. Eisenmeteorit IIAB.
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Meteorit Sikhote Alin.
Eisenmeteorit, IIAB Gruppe.
Fall 12. Februar 1947. Sikhote Alin, etwa 500 km nördlich von Wladiwostok, Primorskiy Kray, Russland. TKW mindestens 30 t.
Sikhote Alin. Komplettes Individuum. Größe 13 x 9 x 9 cm, Gewicht 3352 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
Am 12. Februar 1947 fiel bei Sikhote Alin, etwa 500 km nördlich von Wladiwostok, ein großer Eisenmeteorit.
Das Ereignis wurde von zahlreichen Augenzeugen beobachtet. Der ursprüngliche Körper, der in die Erdatmosphäre
eintrat, wird auf eine Masse von etwa 200 Tonnen und einen Durchmesser von rund 4 Metern geschätzt. Der Körper
explodierte in der Atmosphäre und erzeugte eine Schauer von mehreren Tausend Exemplaren, die in einem Streufeld
von etwa 12 km Länge und 4 km Breite niedergingen. Die größten Exemplare erzeugten dabei Krater. Zahlreiche
Stücke zerscherten beim Aufprall auf dem gefrorenen Boden. Diese Exemplare mit z.T. sehr deutlichen
Scherflächen werden als Schrapnelle bezeichnet.
Der Meteorit von Sikhote Alin wird als grober Oktaedrit der IIAB-Gruppe klassifiziert. Er enthält 93 % Eisen,
5,9 % Nickel, 0,42 % Cobalt, 0,46 % Phosphor, 0,28 % Schwefel, 161 ppm Germanium, 52 ppm Gallium und 0,03 ppm
Iridium.
Sikhote Alin. Komplettes Individuum. Größe 7,5 x 5 x 2,5 cm, Gewicht 196,2 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
Sikhote Alin. Schrapnell. Größe 17 x 13 x 3,5 cm, Gewicht 1,94 kg. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
Sikhote Alin. Schrapnell. Das Exemplar zeigt einen Kamacit-Kristall. Größe 5,2 cm, Gewicht 133 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
Sichote Alin. Komplettes Individuum, orientiert, mit Regmaglypten. Größe 33 x 24 mm, Gewicht 35,35 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
Seitenansicht des Exemplars. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
Sichote Alin. Komplettes Individuum mit Regmaglypten. Größe 32 x 18 mm, Gewicht 23,78 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
Rückansicht des Exemplars. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
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Agoudal. Eisenmeteorit IIAB.
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Meteorit Agoudal ("Imilchil").
Eisenmeteorit, IIAB Gruppe.
Fund 2000, die meisten Exemplare wurden in der 2. Hälfte 2012 bis 2013 gefunden. Imilchil, Marokko. TKW > 100 kg.
Agoudal. Endstück. Größe 23 x 23 mm, Gewicht 14,2 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
Bei dem Meteoriten Agoudal, auch bekannt unter dem Namen "Imilchil", handelt es sich um einen gröbsten
Oktaedriten. Er wird aus großen Kamazit-Körnern aufgebaut, die oft deutliche Neumann-Linien zeigen.
Auffallend sind bis mehrere cm große Schreibersit-Kristalle, die hier auf dem Foto dunkel erscheinen.
Der Meteorit enthält Ni 5.5%, Co 4.1 mg/g, Ga 58 µg/g, Ir < 0.04 µg/g und Au ~ 1 µg/g.
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Lake Murray. Eisenmeteorit IIAB.
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Meteorit Lake Murray.
Eisenmeteorit, IIAB Gruppe.
Fund vor 1930. J.C. Dodgson Farm, Lake Murray State Park, Carter Co., Oklahoma, USA. TKW 270 kg (+ ca. 500 kg Shale).
Lake Murray. Teilscheibe. Größe 9,5 x 6,5 mm, Gewicht 0,59 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
Eine verwitterte Masse von ca. 270 kg wurde vor 1930 auf der Farm von J.C. Dodgson gefunden.
Erst 1952 wurde sie als Meteorit erkannt, nachdem die Farm Teil des Lake Murray State Parks
wurde. Die Masse war eingebettet in einen 90 - 110 Millionen Jahre alten kreidezeitlichen Sandstein.
Da sie noch von einer ungestörten 30 cm starken Schicht überdeckt war, muss sie zur Zeit der
Ablagerung gefallen und eingebettet worden sein. Unmittelbar an der Masse wurden noch etwa 500 kg
Shale gefunden.
In den Anschliffen zeigten sich körnige Bereiche und untergeordnet Bereiche mit Widmannstättenschen
Figuren. Die körnigen Bereiche zeigen 5 - 30 mm großen Troilit, umgeben von bis zu mehrere cm
mächtigem Kamacit. Das Material ist wahrscheinlich als Folge von einem Schockereignis einer
stärkeren Aufheizung ausgesetzt gewesen. Der Lake Murray Meteorit enthält 6,3 % Ni sowie Ga
53,9, Ge 141 und Ir 0,018 ppm (Buchwald, 1975).
Die kleine Teilscheibe hier enthält viel Troilit und stammt offenbar aus einem körnigen Bereich.
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Unter-Mässing. Eisenmeteorit, IIC.
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Meteorit Unter-Mässing.
Eisenmeteorit, IIC.
Fund Mai 1920. Untermässing, auf dem Katzenberg am Abzweig der Straßen nach Röckenhofen und Österberg, etwa
2 km östlich von Untermässing, Greding, Bayern (ungefähre Position 49.09243°N und 11.33333°E). TKW 79,5 kg.
Unter-Mässing. Teilscheibe. Größe 16 x 11 mm. Gewicht 4 g. Ex Sammlung Rainer
Bartoschewitz. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
Im Mai 1920 stießen die Waldarbeiter Johann und Georg Schäfer beim Roden von Wurzelstöcken
auf einen Metallklumpen und legten ihn frei. Der Klumpen wurde von den Wurzeln einer Fichte in etwa
1,5 Metern Tiefe umwachsen. Er steckte in Richtung seiner größten Ausdehnung (45 cm) senkrecht
im Boden, die maximale Breite betrug 32 cm. An einem der folgenden Tage wurde der Metallklumpen mit
Hilfe von einem Ochsenfuhrwerk von Alois Wittmann ins Dorf geschafft, wobei jedoch auf halber Strecke
die Achse brach. Die beiden Brüder schafften den Metallklumpen dann mit Hilfe einer Schubkarre
ins Dorf. Von einem Schrotthändler aus Thalmässing wurde ihnen 2 Mark für den Fund
geboten. Bevor es jedoch zu einem Verkauf kam, identifizierte der Waldarbeiter und Natur- und
Heimatforscher Franz Kerl, der Mitglied der Naturhistorischen Gesellschaft Nürnberg (NHG) war,
das Exemplar als Eisenmeteoriten und konnte ihn so vor dem Einschmelzen bewahren. Franz Kerl legte
das fast 80 kg schwere Exemplar noch im Mai 1920 im Geschäftszimmer der NHG vor. Die Identifizierung
als Meteorit wurde hier bestätigt. Die Brüder Schäfer erhielten schließlich von
der NHG 150 Mark Entlohnung und 20 Mark für den Transport, für die Vermittlung erhielt
Kerl ebenfalls 150 Mark (HESS, 1920; Bayerisches Landesamt für Umwelt, 2014).
Der Meteorit wies eine schwarzbraune Oberfläche auf. In Vertiefungen saßen teilweise
Gesteinsfragmente (Kalkstückchen vom Weißjura) und etwas Rost. Nach dem Ankauf wurde ein
Stück von etwa 1 kg abgeschnitten, poliert und geätzt. Dabei zeigten sich schöne
Widmannstättensche Figuren. Schnittspäne wurden für eine chemische Analyse durch Dr.
Kolb von der Landesgewerbeanstalt verwendet, der 89,07 % Fe und 9,93 % Ni fand.
Dichtemessungen lieferten für die Außenbereiche des Meteoriten mit 7,598 g/cm3
einen geringeren Wert als für die Gesammtmasse von 7,890, so dass vermutet wurde, dass Material
im Inneren deutlich dichter wäre. Da man das Stück nicht komplett zersägen wollte,
wurde ein Loch von 10 cm Tiefe und 1 cm Durchmesser in den Meteoriten gebohrt. Die chemische Analyse der
Späne aus dem inneren und äußeren Bereich ergab jedoch einheitlich einen Ni-Gehalt um 10 %.
Bei magnetischen Untersuchungen konnte in dem Meteoriten keine feste Polarität festgestellt werden.
Für die über dem Meteoriten gewachsene Fichte konnte ein Alter von 120 Jahren bestimmt werden,
so dass der Fall früher erfolgt sein muss (HESS, 1920).
Der Meteorit wurde im Nürnberger Museum aufbewahrt. Das Museum wurde im II. Weltkrieg zerstört
und der Meteorit im Keller verschüttet. Drei Jahre nach Kriegsende konnte er wiederentdeckt und
geborgen werden. Die Hauptmasse von etwa 78 kg ist heute im Naturhistorischen Museum in Nürnberg
ausgestellt. Ein Stück von 130 Gramm befindet sich im Rieskrater-Museum in Nördlingen sowie
zwei weitere Stücke in der Mineralogischen Staatssammlung in München, darunter eines von 188
Gramm, das 1951 dem Mineralogen Hugo Strunz für seine Mithilfe bei der Bergung des Meteoriten aus dem
Kriegsschutt überreicht wurde (Bayerisches Landesamt für Umwelt, 2014).
Eine Untersuchung der durch kosmische Strahlung erzeugten seltenen Gas-Nuklide und der Isotopenzusammensetzung
von Kalium ergab für den Meteoriten Unter-Mässing eine ungewöhnlich hohe Konzentration der
Nuklide, die auf ein sehr hohes Bestrahlungsalter von 1,4 Milliarden Jahren hinweisen. Die Masse vor
Eintritt in die Erdatmosphäre hat bei rund 2000 kg gelegen (VOSHAGE et al., 1980).
Als Fundstelle für den Meteoriten gibt HESS (1920) an "eine halbe Stunde östl.
von Unter-Mässing in 49° 5' 25'' nördl. Breite, 11° 20' 0'' östl. Länge und 540 m
Höhe an der Abzweigstelle der Straßen nach Röckenhofen und Oesterberg", das entspricht
49.09243°N und 11.33333°E. Mit diesen Koordinaten liegt die Fundstelle allerdings nicht mehr am Katzenberg,
auch die Höhenangabe scheint nicht richtig zu passen. Möglicherweise lag die Fundstelle etwas
weiter westlich als die Koordinaten angeben.
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Elbogen. Eisenmeteorit IID.
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Meteorit Elbogen (Teilscheibe).
Eisenmeteorit, IID Gruppe, Oktaedrit.
Fund um 1400. Loket (ehemals Elbogen), 10 km WSW von Karlovy Vary, Tschechische Republik. TKW etwa 107 kg.
Elbogen. Teilscheibe. Größe 27 x 19 mm, Gewicht 9,12 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
In Elbogen, heute Loket, wurde über Jahrhunderte eine Eisenmasse von Pferdekopf-Form von 191 Pfund
(wahrscheinlich Wiener Pfund, = 107 kg) aufbewahrt, bis sie 1812 von Prof. K.A. Neumann aus Prag als
Meteorit erkannt wurde. Durch Kriege und Feuer wurden jedoch die Archive von Elbogen zerstört, so dass
nicht viele Nachrichten zu dem Exemplar überliefert sind. Vermutet wird, dass die Masse beim Pflügen
gefunden wurde. Die Überlieferung setzt die Eisenmasse mit dem Burggrafen von Elbogen auf der Burg
Elbogen in Verbindung. Der Fund muss dann zwischen 1350 und 1430 erfolgt sein, da es nur dann einen
Burggrafen gab. Der Legende nach wurde der verhasste Burggraf in das Eisen verwandelt, das deshalb auch
"der verwünschte Burggraf" genannt wurde (Neumann, 1812, Buchwald, 1975).
Die Eisenmasse wurde im Keller der Burg aufbewahrt. 1742 warf die französische Besatzungsarmee die
Masse in einen 40 Meter tiefen Brunnen in der Burg. 1776, als die Quelle austrocknete, konnte die
Masse wieder geborgen werden. Danach wurde sie im Keller des Rathauses aufbewahrt, wo Neumann sie fand.
Er vermutete, dass es sich eventuell um eine meteorische Eisenmasse handelt, und konnte an etwas mühsam
abgesägtem Material eine Untersuchung durchführen, bei der er Eisen und Nickel fand (Neumann, 1812).
Neumann teilte seine Entdeckung Chladni mit, der die Masse schließlich auch selbst besichtigte. Chladni
teilte Neumann mit, dass das Eisen die Struktur aufweist, die Widmanstätten an einigen Eisenmeteoriten
nach Polieren und Anätzen beobachtet hatte. Neumann machte daraufhin offenbar eigene Versuche, denn er
schreibt, dass diese Strukturen in unterschiedlichen Richtungen verschieden aussehen. Eine weitere
chemische Analyse wurde von Martin Heinrich Klaproth durchgeführt, der ebenfalls Nickel fand.
1812 wurde die Masse geteilt, 140 oder 150 Pfund gingen nach Wien, während 40 Pfund in Elbogen verblieben.
Später wurde noch weiteres Material entfernt, die heute im Rathaus Loket (Elbogen) aufbewahrte Masse
wiegt noch 14,3 kg (Buchwald, 1975).
Der Meteorit weist eine mittlere Widmannstätten-Struktur mit etwa 0,75 mm weiten Lamellen auf.
Neumann-Linien sind nicht vorhanden. Plessit-Felder nehmen etwa 30 % der Fläche ein. Schreibersit bildet
tafelige, skelettförmige Kristalle bis 10 mm Größe. Troilit bildet 1 - 5 mm große Körner. Spärlich findet
sich Chromit in kleinen Kristallen in Troilit und Schreibersit. An dem Material des Meteoriten wurden
wahrscheinlich Schmiedeversuche angestellt, da er erhitzt wurde. Elbogen enthält 10,25 % Ni, 0,64 % Co,
0,22 % P, 74,5 ppm Ga, 87,0 ppm Ge und 14 ppm Ir (Buchwald, 1975).
Bei einer eigenen Röntgendiffraktometrie-Analyse konnten Ni-haltiges Eisen (Kamacit) mit einem
Gitterparameter a = 2,874 Å und Taenit mit a = 3,595 Å sowie etwas Schreibersit
festgestellt werden.
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Nothing. Eisenmeteorit IID.
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Meteorit Nothing.
Eisenmeteorit, IID Gruppe, Oktaedrit.
Fund 2010. 4,5 km nördlich von Nothing, Mohave Desert, Mohave Co., Arizona, USA (34°31'13.93"N, 113°20'8.93"W). TKW 3,7 kg.
Nothing. Teilscheibe. Größe 23 x 6 mm, Gewicht 1,74 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
Der Meteorit wurde von einem Prospektor auf der Suche nach Gold in 60 cm Tiefe im Boden entdeckt.
Er weist gut ausgebildete Widmannstättensche Figuren auf. Der Meteorit enthält 6,63 mg/g Co, 101,3
mg/g Ni, 295 ppm Cu, 75,3 ppm Ga, 4,92 ppm As, 16,1 ppm Ir, 20,2 ppm Pt und 0,628 ppm Au.
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NWA 10224. Eisenmeteorit IID.
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Meteorit NWA 10224 (Vollscheibe).
Eisenmeteorit, IID Gruppe, Oktaedrit.
Fund 2014. Marokko. TKW 317,8 g (2 Exemplare, 288,3 + 29,3 g).
NWA 10224. Größe 35 x 20 mm, Gewicht 8,34 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
Bei NWA 10224 handelt es sich um einen mittleren Oktaedriten mit ausgeprägten Widmannstättenschen Figuren. Der
Meteorit enthält 6,0 % Co, 9,7 % Ni, 240 ppm Cu, 70,0 ppm Ga, 3,5 ppm As, 14,9 ppm Ir, 18,9 ppm Pt, 15,0 ppm Ru,
2,6 ppm W, 1,45 ppm Re und 2,5 ppm Pd. Der Verwitterungsgrad ist niedrig.
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NWA 6716. Eisenmeteorit IIE.
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Meteorit NWA 6716 (Vollscheibe).
Eisenmeteorit, IIE Gruppe, Oktaedrit.
Fund 2010. Nordwest-Afrika. TKW 293 g.
NWA 6716. Größe 37 x 13 mm, Gewicht 4,55 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
Bei dem Meteoriten NWA 6716 handelt es sich um einen rekristallisierten groben Oktaedriten. Bemerkenswert ist,
dass er eine zweifache Rekristallisation zeigt. Durch ein thermisches Ereignis auf dem Mutterkörper hat sich
eine polykristalline Textur aus Kamacit-Körnern gebildet. Häufig sind Triple-juncion-Strukturen zu erkennen.
Die Widmanstättenschen Figuren sind weitgehend überprägt, nur Relikte sind noch vorhanden. In den Randbereichen
ist diese erste Rekristallisationsstruktur durch eine zweite überprägt. Die Kamacitkörner sind hier deutlich
feinkörniger. Diese Struktur ist auf die Erhitzung beim Flug durch die Atmosphäre der Erde zurück zu führen.
Der Meteorit enthält Ni 7,77, Co 0,422 %, Cu 147, Ca 24,3, Ge 62, Ir 4,4 und Au 0,97 ppm.
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Balambala. Eisenmeteorit IIF.
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Meteorit Balambala.
Eisenmeteorit, IIF Gruppe.
Fund 2018. Balambala, Garissa, North-Eastern, Kenya (0°3.555'N, 39°6.45'E). TKW 60,5 kg.
Balambala. Teilscheibe. Größe 54 x 33 mm, Gewicht 19,4 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
Im Januar 2018 identifizierte ein Nomade das schon seit mindestens mehreren Jahrzehnten dort liegende Stück
als Eisenmeteorit und brachte es zu einem Händler in die nächstgelegene Stadt Garissa. Es handelte sich um
eine etwa schildförmige Masse von 33 × 41 cm und 10-15 cm Dicke.
Balambala weist bis cm-große runde Troilit-Einschlüsse und längliche Schreibersit-Einschlüsse von bis zu 1 x 8
mm Abmessung auf. Die Grundmasse besteht aus Kamacit-Spindeln in einer Matrix aus Taenit. Größere Kamacit-Spindeln
oder -Aggregate weisen im Kern of 50 - 100 Mikrometer große Schreibersit-Kristalle auf. Der Meteorit enthält
Ni 13,0 %, Co 0,67 % sowie Ir 5,2, Ge 223, Ga 8,1, As 20,6, W 0,76, Re 0,45, Pt 14,9, Cu 208, Au 2,6 ppm
(Mikrogramm/Gramm).
Balambala. Detail. Bildbreite 20 mm. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
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Eisenmeteorite IIG
Die IIG-Meteorite werden als Produkt einer fraktionellen Kristallisation mit Anreicherung einer P-reichen
Schmelze gedeutet. Die Kristallisation könnte in isolierten Kammern nach Erstarrung der IIAB-Schmelze in
tieferen Kern-Bereichen erfolgt sein (Wasson & Chao, 2009). Die IIG-Gruppe weist den niedrigsten Nickel-
und höchsten Phosphor-Gehalt aller Gruppen an Eisenmeteoriten auf.
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Guanaco. Eisenmeteorit IIG.
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Meteorit Guanaco.
Eisenmeteorit, IIG Gruppe, Hexaedrit.
Fund 2000. El Guanaco, bei Aguas Verde, Atacama, Chile. TKW 13,1 kg.
Guanaco. Teilscheibe. Größe 15 x 7 mm, Gewicht 0,186 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
Im Guanaco-Meteoriten wurden gefunden: Ni 4,43 %, Co 0,508 %, Ga 44,7 ppm, Ge 71 ppm, As 14,6 ppm, Ir 0,013 ppm,
Au 1,19 ppm. Guanaco weist dünne Schreibersit-Bänder (hier eines im linken Teil auf dem Foto) in einer Kamacit-Matrix
auf.
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Twannberg. Eisenmeteorit IIG.
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Meteorit Twannberg.
Eisenmeteorit, IIG Gruppe, Hexaedrit.
Funde ab 1984. Gruebmatt, Twannbachschlucht und Mont Sujet, bei Biel, Bern, Schweiz. TKW a. 72,4 kg.
Twannberg. Exemplar TW299. Individual. Größe 28 x 22 x 16 mm, Gewicht 27,9 g. Fund am
14.11.2015 durch Andreas Koppelt, Mont Sujet, 47°07.980'N, 7°08.489'E. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
Der Twannberg-Meteorit weist einen Ni-Gehalt von 4,5 % auf. Weiterhin konnten Gehalte an Co = 0,517 %, Ga = 37,3,
As = 18,0, Ir = 0,101; Pt = 1,0, Au = 1,406 ppm . Typisch sind große Schreibersit-Kristalle im Kamacit.
Der Fall erfolgte vor 165.000 +/- 59.000 Jahren. Als prä-atmosphärische Masse wird 33.000 t bei einem
Durchmesser von bis zu 20 Metern angenommen.
Das erste Exemplar wurde 1984 gefunden, weitere wurden 2000 und 2005 als zugehörig zu Twannberg erkannt.
Nach weiteren Funden 2007 in der Twannberg-Schlucht führten ausgedehnte Suchen im Zeitraum 2009 bis
2016 zur Entdeckung zahlreicher weiterer Exemplare, vor allem im Gebiet Mont Sujet. Ende Mai 2016
waren 570 Exemplare mit einem Gewicht von zusammen etwa 72,4 kg bekannt (Hofmann et al., 2016).
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Literatur siehe Hauptseite Meteorite
weitere Literatur:
BREZINA, A. (1885): Die Meteoritensammlung des k. k. mineralogischen Hofkabinetes in Wien am 1. Mai 1885.-
Jahrbuch der geologischen Reichsanstalt Wien 35, 150-276
BUCHWALD, V.F. (1975): Handbook of Iron Meteorites: Their History, Distribution, Composition and Structure
(3 Vol.).- Univ. of California Press, Berkley, 1418 p.
COHEN, E. (1905): Meteoritenkunde. III.- Schweizebart'sche Verlagshandlung, Stuttgart, 419 p.
GEINITZ, F.E. (1876): Das Nenntmannsdorfer Meteoreisen im Dresdener Museum.- Neues Jahrbuch für Mineralogie,
Geologie und Palaeontologie, Jahrgang 1876, 608-612
GEINITZ, H.B. (1872): Dresdner Journal No. 303, 31. Dezember 1872 (Referiert in: Neues Jahrbuch für Mineralogie,
Geologie und Palaeontologie, Jahrgang 1873, p. 221 )
GEINITZ, H.B. (1873): (Über das Meteoreisen von Nenntmannsdorf).- Sitzungsberichte der naturwissenschaftlichen
Gesellschaft ISIS in Dresden, Jahrgang 1873 (gedruckt 1874), p. 4
HOFMANN, B.A.; JOST, M. & KOPPELT, A. (2016): Der Twannberg-Eisenmeteorit.
Funde 1984 -2016.- Space Jewels Switzerland
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© Thomas Witzke
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