HOME

METEORITE
 





Acapulcoite /
Lodranite



CHONDRITE
 





Tissemouminite
und Winonaite



PRIMITIVE
ACHONDRITE





Ténéréite
 



DIFFERENZIERTE
ACHONDRITE





Brachinite und
Brachinit-ähnliche



EISENMETEORITE
 





ungruppierte
Primitive Achondrite



STEINEISEN
 





Ureilite
 



             Primitive Achondrite    /    Primitive Achondrites

Achondrite sind eine sehr heterogene Klasse von Meteoriten, die keine Chondren aufweisen. Sie stammen von differenzierten, mittelgroßen bis großen Asteroiden (Protoplaneten), anderen Planeten (Mars und eventuell Merkur) oder dem Erdmond. Auf all diesen Körpern ist es durch Schmelzprozesse zu einer Trennung von einem metallischen Kern und einem silikatischen Mantel gekommen.

Den Übergang zwischen den undifferenzierten Chondriten und den differenzierten Achondriten stellen die Primitiven Achondrite (PAC) dar. Auf deren Mutterkörpern ist es zwar zu einer starken Metamorphose und auch zur Bildung vom Schmelzen und teilweisen Trennung von silikatischem und metallischem Material gekommen, und neben größeren Metallanreicherungen z.T. auch schon zur Bildung von einem metallischen Kern. Es hat jedoch noch keine komplette Differenzierung in Kern und Mantel gegeben.
Eine eindeutige Trennung der Primitiven Achondrite von den Chondriten auf der einen Seite und den Differenzierten Achondriten auf der anderen Seite ist nicht möglich. Einige Primitive Achondrite weisen noch reliktische Chondren auf und überlappen so mit den Chondriten, zum Beispiel die Acapulcoite oder die vorgeschlagene Gruppe der Tissemouminite. Die Winonaite stammen von einem partiell differenzierten Körper, dessen äußere Lage noch Relikte des chondritischen Vorläufermaterials aufweist, darunter finden sich metamorphe Lithologien mit teilweise Trennung von Metall- und Sulfid-Schmelzen, residuales Material von Teilschmelzen und ein nicht völlig differenzierter Kern, dem Ursprung der IAB-Meteoriten. Auch die Ureilite stammen von einem bereits mäßig differenzierten Körper, auf dem es auch schon zu Krustenbildungen gekommen ist. In einigen Klassifikationen wurden die Ureilite auch zu den Differenzierten Achondriten gestellt.

In den ursprünglichen Klassifikationen auf rein petrografischer Grundlage beschränkte sich die Bezeichnung Achondrite auf Steinmeteorite. Jedoch stammen der größte Teil der Eisenmetorite und ebenso die Steineisenmeteorite ebenfalls von differenzierten Asteroiden. Es ist deshalb sinnvoll, hier nach Beziehungen und eventuell gemeinsamen Mutterkörpern zu suchen. Neuere Klassifikationen berücksichtigen dies zum Teil.



 
 
        • Ungruppierte Primitive Achondrite
           • CV-Metachondrite
           • CX-Metachondrite
           • LL-Metachondrite
           • L-Metachondrite
           • H-Metachondrite
           • Primitive Enstatit-Achondrite
           • sonstige Primitive Achondrite



             CV-Metachondrite

Die chemische Zusammensetzung von CV-Metachondriten entspricht der von CV-Chondriten und unterscheidet sich von anderen kohligen oder gewöhnlichen Chondriten. Die Sauerstoff-Isotopen-Daten fallen ebenfalls in das CV-Feld. Das Hf/W-Verhältnis und W-Isotopendaten unterscheiden sich nicht von denen des CV-Chondriten Allende. Die Daten weisen auf einen relativ großen und mindestens teilweise in eine Metall+Silikat-Kernregion mit silikatreichem Mantel differenzierten CV-Mutterkörper hin, der von einem Chondren- und CAI-reichen Regolith bedeckt ist. Die tiefsten Regionen wurden wahrscheinlich innerhalb der ersten 10 Millionen Jahre des Sonnensystems metamorphisiert und/oder aufgeschmolzen unter Ausbildung primitiver achondritischer Lithologien.



    NWA 3133.  Primitiver Achondrit, CV-Metachondrit.

Meteorit NWA 3133.
Primitiver Achondrit (CV-Metachondrit), anomal, ungruppiert.

Fund 2004. Marokko. TKW 4,19 kg.


NWA 3133. Teilscheibe. Größe 10 x 9 mm, Gewicht 1,1 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.


Der Meteorit weist eine equigranulare Textur aus etwa 0,28 mm großen, subidiomorphen bis xenomorphen Körnern auf. Chondren sind nicht vorhanden. Der Mineralbestand ist hoch equilibriert: Forsterit (Fa 22.2 - 22.6), Enstatit (Orthopyroxen Fs 18.6 Wo 2.8 - Fs 19.2 Wo 2.1), Diopsid (Clinopyroxen Fs 7.3 Wo44.6 - Fs 8.7 Wo 42.2), Anorthit (intermediärer Plagioklas An 50.1 Or2.5 - An 53.5 Or2.3), Merillit, Chromit, Ni-Fe-Metall (Ni = 17.4 - 20.2 wt.%) und Troilit (Schoenbeck et al., 2006).




             CX-Metachondrite (Primitive Achondrite, ultramafisch, Wehrlit)

NWA 10503 stellt einen ungruppierten Achondriten (Metachondrit) mit ultramafischer, wehrlitischer Zusammensetzung dar. Die Sauerstoff-Isotopendaten (δ17O-δ18O-Diagramm) liegen nahe den Werten der CV- und CO-Chondrite, unterscheiden sich aber signifikant von diesen. Sie liegen auf einer separaten Linie zusammen mit dem ungruppierten Pallasiten Milton. Für diese wurde die informelle Bezeichnung CX vorgeschlagen.
Im Δ17O-ε54Cr- Diagramm plotten NWA 10503 und Milton in den Bereich des CV-Clans und teilen wahrscheinlich eine genetische Beziehung. Ein separater Mutterkörper mit ursprünglich kohlig-chondritischer Zusammensetzung ist wahrscheinlich als als Ursprung von NWA 10503 anzusehen (Irving et al., 2016; Sanborn et al., 2018; Irving et al., 2019).
NWA 10859 ist ein Pairing zu NWA 10503.



    NWA 10503.  Primitiver Achondrit, ungruppiert, CX-Metachondrit.

Meteorit NWA 10503.
Achondrit, ungruppiert.

Fund 2015. Nordwest-Afrika. TKW 407 g.


NWA 10503. Teilscheibe. Größe 16 x 15 mm, Gewicht 1,91 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.


NWA 10503 weist eine Triple-Junction-Textur auf. Die Korngröße liegt bei 0,1 - 0,7 mm. Er besteht aus etwa 70 Vol.-% Olivin (Forsterit, Fa31.8-32.0), 20 % Clinopyroxen (Augit, Fs11.4-11.6 Wo42.5-42.6) und 10 % Plagioklas (Albit, An32.3-33.9Or3.2-3.0). Akzessorisch sind Pyrrhotin, Chromit, Taenit und Pentlandit vorhanden (Irving et al., 2016).




    NWA 10859.  Primitiver Achondrit, ungruppiert, CX-Metachondrit.

Meteorit NWA 10859.
Achondrit, ungruppiert.

Fund 2016. Angeblich nahe Tan Tan, Marokko. TKW 215 g.


NWA 10859. Fragment. Größe 11 x 9 mm, Gewicht 1,1 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.


NWA 10859 weist eine Triple-Junction-Textur auf. Die Korngröße liegt bei 0,1 - 0,2, selten bis 0,4 mm. Der Meteorit enthält Olivin (Forsterit, Fa31.8-31.9), Clinopyroxen (Augit, Fs11.4-11.5 Wo43.6-43.4) sowie Plagioklas, Troilit, Chromit, Kamacit und Taenit.




             LL-Metachondrite

Nach den Sauerstoff-Isotopendaten stammen die LL-Metachondrite vom LL-Mutterkörper. Sie sind so stark metamorphisiert, dass Chondren völlig überprägt wurden. Eine Abgrenzung zu LL7-Chondriten wird nicht einheitlich vorgenommen.



    NWA 6260.  Primitiver Achondrit, LL-Metachondrit.

Meteorit NWA 6260.
Primitiver Achondrit (LL-Metachondrit), ungruppiert.

Fund 2010. Nordwest-Afrika. TKW 1130 g.


NWA 6260. Teilscheibe. Größe 23 x 13 mm, Gewicht 1,68 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.


Das Material ist komplett rekristallisiert, es sind keine Chondren mehr vorhanden. Erkennbar ist eine poikiloblastische Textur mit großen Olivinen. Neben Olivin (Forsterit, Fa31.8-32.0) sind Orthopyroxen (Enstatit, Fs25.1-25.3Wo3.2-3.5), Clinopyroxen (Fs12.7-13.3Wo39.7-38.2), Plagioklas (Albit), Chromit und Chlorapatit vorhanden. Schockstadium S2, Verwitterungsgrad W1. Der Meteorit wurde ursprünglich für einen Olivin-Diogenit gehalten.




    NWA 7078.  Primitiver Achondrit, ungruppiert, LL-Metachondrit.

Meteorit NWA 7078.
Primitiver Achondrit (LL-Metachondrit oder LL7), ungruppiert.

Fund Juni 2011. Sahara, Nordwest-Afrika. TKW 86 g.


NWA 7078. Individual. Größe 13 x 9 mm, Gewicht 1,431 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.


Der Meteorit NWA 7078 ist komplett rekristallisiert mit verbreiteten 120° Korngrenzen (triple junction). Es sind keine reliktischen Chondren vorhanden. Er enthält Olivin (Forsterit, Fa27.9-28.4), Plagioklas (Albit, An8.7-18.0Ab78.7-86.0Or3.1-5.9) und Pyroxene (Enstatit, Fs23.0-23.5Wo2.8-3.9 und Clinopyroxen, Fs10.9-12.6Wo38.1-40.0). Schockstadium S1, Verwitterungsgrad W1-2. Es wurden 61 kleine Fragmente von dem Meteoriten gefunden.





             Primitive Achondrite, LL-Metachondrit-verwandt

Die Sauerstoffisotopenzusammensetzung zeigt Beziehungen zu den LL-Chondriten. Der Gehalt an metallischem Eisen von etwa 10 % ist jedoch höher, als er bei einem stark metamorphen LL-Chondriten zu erwarten ist. Auch die Olivinzusammensetzung liegt außerhalb des Bereichs equilibrierter LL-Chondrite. Das Material dürfte deshalb von einem separaten Mutterkörper stammen.



    NWA 5297.  Primitiver Achondrit, ungruppiert.

Meteorit NWA 5297.
Primitiver Achondrit, ungruppiert.

Fund 2008. Alargoug, Marokko. TKW 130 g.


NWA 5297. Vollscheibe. Größe 23 x 18 mm, Gewicht 3,1 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.


Der Meteorit NWA 5297 besteht aus Forsterit (Fa28.6), Orthopyroxen, Taenit (ca. 10% Ni), Albit (Ab86.2 An9.1 Or4.7) und Troilit. Er weist ein metamorphes, poikiloblastisches Gefüge auf. Reliktische Chondren sind nicht vorhanden.




             L-Metachondrite

Nach den Sauerstoff-Isotopendaten stammen die L-Metachondrite vom L-Mutterkörper. Sie sind so stark metamorphisiert, dass Chondren völlig überprägt wurden. Eine Abgrenzung zu L7-Chondriten wird nicht einheitlich vorgenommen.



    NWA 6348.  Primitiver Achondrit, L-Metachondrit.

Meteorit NWA 6348.
Primitiver Achondrit (L-Metachondrit), ungruppiert.

Fund 2010. Nordwest-Afrika. TKW 134 g.


NWA 6348. Teilscheibe. Größe 34 x 19 mm, Gewicht 2,938 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.


NWA 6348 weist eine fleckige Textur aus Arealen verschiedener Korngröße auf. Wahrscheinlich handelt es sich dabei nicht um verschiedene Klasten. Chondren sind nicht mehr vorhanden. Einige feinere Regionen könnten ehemalige Chondren darstellen. Der Meteorit enthält Forsterit (Fa26.4-33.2), Enstatit (Orthopyroxen, Fs64.0-65.0 Wo2.7), Pigeonit (Clinopyroxen Fs27.3-31.6 Wo42.8-41.6), Na-reichen Plagioklas, Chromit, Kamacit, Taenit und Troilit. NWA 6348 weist dunkle Schockadern auf. Schockstadium S3, Verwitterungsgrad W2.




             H-Metachondrite

Nach den Sauerstoff-Isotopendaten stammen die H-Metachondrite vom H-Mutterkörper. Sie sind so stark metamorphisiert, dass Chondren völlig überprägt wurden. Eine Abgrenzung zu H7-Chondriten wird nicht einheitlich vorgenommen.



    NWA 2635.  Primitiver Achondrit, H-Metachondrit.

Meteorit NWA 2635.
Primitiver Achondrit (H-Metachondrit), ungruppiert.

Fund Herbst 2004. Nordwest-Afrika (Marokko oder Algerien). TKW 4,2 kg.


NWA 2635. Endstück. Größe 24 x 20 mm, Gewicht 4,73 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.


Der Meteorit ist rekristallisiert und weist eine Textur aus polygonalen Körnern unter 0,5 mm Abmessung auf, nur einige Pyroxen-Kristalle sind etwas größer. Olivin und Orthopyroxen sind homogen (Fa18.9, Fs16.8Wo2.9) und belegen eine starke Equilibrierung. Außerdem sind Albit, Taenit (mit 18.9 % Ni) und Troilit vorhanden. Die Zusammensetzung entspricht etwa der von H-Chondriten. Reliktische Chondren sind nicht mehr erkennbar. Schockstadium S1, Verwitterungsgrad W2.




    NWA 7024.  Primitiver Achondrit, H-Metachondrit.

Meteorit NWA 7024.
Primitiver Achondrit (H-Metachondrit), ungruppiert.

Fund 2011. Sahara, Nordwest-Afrika. TKW 78 g.


NWA 7024. Teilscheibe. Größe 25 x 20 mm, Gewicht 4,409 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.


Der Meteorit NWA 7024 ist komplett rekristallisiert mit einer Triple-junction-Textur, reliktische Chondren sind nicht mehr vorhanden. Er enthält Olivin (Forsterit, Fa17.9-18.0), Orthopyroxen (Enstatit, Fs16.0Wo3.0-3.2), Na-Plagioklas, alterierten Kamacit, Chromit und Troilit.




             Primitive Achondrite, H7-verwandt

NWA 2835 ist ein primitiver Achondrit mit Beziehungen zu H7-Chondriten. Er stammt vermutlich von einem separaten Mutterkörper. Zu dem Meteoriten liegen nur wenige Daten vor.


    NWA 2835.  Primitiver Achondrit, H-Metachondrit-ähnlich.

Meteorit NWA 2835.
Primitiver Achondrit, ungruppiert.

Fund 2005. Nordwest-Afrika. TKW 1233 g.


NWA 2835. Teilscheibe. Größe 17 x 11 mm, Gewicht 0,64 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.


NWA 2835 wurde zunächst als H7-Chondrit angesehen (und findet sich so noch in der Meteoritical Bulletin Database), nach einer bisher offenbar nicht publizierten Isotopenanalyse aber als ungruppierter Primitiver Achondrit eingestuft. Er enthält Forsterit (Fa17.8) und Pyroxen (Fs16.4) sowie Plagioklas (Anorthit, An80). Schockstadium S2, Verwitterungsgrad W4. Weitere Daten liegen zu dem Meteoriten nicht vor. Pairing: wahrscheinlich NWA 2353.




             Primitive Enstatit-Achondrite, Zaklodzie-Typ

Im Gegensatz zu den sehr Enstatit-reichen Aubriten, die aus einer magmatischen Schmelze kristallisiert sind und deshalb differenzierte Achondrite darstellen, weisen einige Enstatit-reiche Meteorite andere Entstehungsgeschichten auf. Für die hier behandelten primitiven Enstatit-Achondrite ist von mehreren Mutterkörpern auszugehen. So wird für NWA 2526 angenommen, dass er residuales Material einer Teilaufschmelzung bei etwa 1100°C mit 10 - 20 % Schmelzbildung darstellt. Ausgangsmaterial ist ein Enstatit-Chondrit-artiges Gestein, wobei keine direkte Beziehung zu den EL- oder EH-Chondriten hergestellt werden kann.
Für Zaklodzie und NWA 4301 wird einerseits von einem Kumulat-Gestein ausgegangen, während andere Autoren es als eine schnell abgekühlte Impaktschmelz-Brekzie von Enstatit-chondritischem Ausgangsmaterial betrachten (Keil & Bischoff, 2008).



    Zaklodzie.  Primitiver Achondrit, Enstatit-Achondrit.

Meteorit Zaklodzie.
Primitiver Achondrit (Enstatit-Achondrit), ungruppiert.

Fund September 1998. Zaklodzie, Zamosc, Polen. TKW 8,68 kg.


Zaklodzie. Teilscheibe. Größe 10 x 7 mm, Gewicht 0,63 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.


Der Meteorit weist eine Kumulat-Textur auf und enthält etwa 60 % Enstatit, 20 % Ni-Fe-Metall, 10 % Troilit, 10 % Albit und einige Akzessorien wie Oldhamit, Alabandin und Keilit. Die Akzessorien, speziell Keilit, weisen auf sehr reduzierende Bedingungen bei der Entstehung hin. Die chemische Zusammensetzung des Meteoriten ist ähnlich der von EL Enstatit-Chondriten, der Mutterkörper gehört deshalb vermutlich zu dieser Klasse von Asteroiden. Das Alter des Materials wurde mit etwa 4,562 Mrd. Jahren bestimmt (Al-Mg-Alter). Durch den Zerfall von 26Al wurde der Asteroid wahrscheinlich vor etwa 4,4 Mrd. Jahren weitgehend aufgeschmolzen. Bei der Abkühlung sind bei etwa 600 - 580ºC die Sulfide auskristallisiert. Durch eine Kollision gab es vor etwa 2,1 Mrd. Jahren vermutlich eine partielle Wieder-Aufschmelzung des Materials (Przylibski et al., 2005).




    NWA 4301.  Primitiver Achondrit, Enstatit-Achondrit.

Meteorit NWA 4301.
Primitiver Achondrit (Enstatit-Achondrit), ungruppiert.

Fund April 2006. Mauretanien oder Algerien. TKW 685 g.


NWA 4301. Teilscheibe. Größe 15 x 14 mm, Gewicht 1,1 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.


Der Meteorit ist dem gerade beschriebenen Zaklodzie sehr ähnlich, wurde jedoch in 3000 km Entfernung von diesem gefunden, so dass es sich sicher nicht um den selben Fall handelt. Beide Meteorite dürften aber aus der gleichen Quelle stammen. NWA 4301 weist eine subequigranulare, magmatische Kumulat-Textur auf. Er enthält etwa 70 % Enstatit, 15 % Ni-Fe-Metall, 10 % Albit, 5 % Troilit und etwas Daubreelit als Einschlüsse in Enstatit.





             Primitive Enstatit-Achondrite, Itqiy-Typ

Itqiy ist das Produkt zweier thermischer Ereignisse, wobei es bei dem ersten zu einer partiellen Schmelzbildung und Abfuhr von Troilit und Plagioklas und in Folge zu der grobkörnigen, rekristallisierten Textur kam. Das zweite thermische Ereignis ist auf einen Impakt zurückzuführen. Das Ausgangsmaterial für Itqiy ist Enstatit-chondritisch, wobei auch hier keine direkte Beziehung zu EL- und EH-Chondriten besteht. NWA 2526 und Itqiy könnten eventuell vom gleichen Mutterkörper stammen.



    Itqiy.  Primitiver Achondrit, Enstatit-Achondrit.

Meteorit Itqiy (Teilscheibe).
Primitiver Achondrit (Enstatit-Achondrit), ungruppiert.

Fall um 1990 (?), wahrscheinlich aber vor ca. 5800 +/- 500 Jahren. Fund Juli 2000. Itqiy, Saguia el Hamra, West-Sahara (26°35'27''N, 12°57'08''W). TKW 4,72 kg.


Itqiy. Teilscheibe. Größe 23 x 20 mm, Gewicht 1,056 g. Sammlung und Foto Thomas
Witzke.



Bei Itqiy handelt es sich nach neuen Untersuchungen um einen Primitiven Enstatit-Achondriten (in Meteoritical Bulletin Database als EH7-anomal klassifiziert), der sich deutlich von anderen Enstatit-reichen Meteoriten wie den Aubriten unterscheidet. Er ist nach Untersuchungen der Sulfid-Zusammensetzungen wahrscheinlich auch nicht aus EL- oder EH-Chondriten entstanden. Die Differenzen zu Zaklodzie legen weiterhin nahe, dass Itqiy nicht von dem selben Mutterkörper wie dieser stammt. Das Material kann als das Enstatit-Äquivalent zu den Lodraniten betrachtet werden (Patzer, A. et al., 2001).

Itqiy weist eine grobkörnige, equigranulare, homogene Textur aus etwa 75 % Enstatit, ca. 25 % Kamacit sowie einigen Akzessorien wie Troilit, Oldhamit und Alabandit auf. Er ist unter sehr reduzierenden Bedingungen entstanden. Es lassen sich zwei thermische Ereignisse bei der Entstehung von Itqiy unterscheiden. Ein erster Hochtemperatur-Prozess führte zu einer intensiven Rekristallisation und Equilibrierung von Enstatit. Dabei wurde durch fraktioniertes Schmelzen ein sulfid- und feldspatreiches Magma produziert, dass später abgetrennt wurde. Ein zweites, jüngeres Ereignis, wahrscheinlich ein Impakt, führte zu undulöser Auslöschung, irregulären Brüchen und Mosaikbildung im Enstatit.




             Primitive Achondrite (Bir Ounane 003)

Zu dem Meteoriten liegen derzeit nur wenige Informationen vor. Es handelt sich um ein ultramafisches Gestein mit einer granoblastischen Textur aus Olivin, Plagioklas und Pyroxen.


    Bir Ounane 003.  Primitiver Achondrit, ungruppiert.

Meteorit Bir Ounane 003.
Primitiver Achondrit, ungruppiert.

Fund 22. März 2022. Bir Ounane, Gao, Mali (21°52'2.64"N, 3°16'51.74"W). TKW 5634 g.


Bir Ounane 003. Vollscheibe. Größe 22 x 14 mm, Gewicht 2,42 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.


Am 22. März 2022 wurden etwa 50 Fragmente von dem Meteoriten in Nord-Mali gefunden. Der Meteorit weist eine granoblastische Textur (d.h. metamorph gewachsene, annähernd gleichkörnige und nicht eingeregelte Mineralkörner) aus Olivin (dicht an der Forsterit-Endgliedzusammensetzung, Fa1.1 - 1.2), Plagioklas (Anorthit, An16.9-40.0Ab59.8-82.6Or0.2-0.7) und untergeordnet Augit (Fs1.1-3.1Wo43.2-45.0), der von großen Regionen aus rekristallisiertem Pyroxen (Enstatit, Fs1.3-1.5Wo0.8-1.1) mit Schmelzeinschlüssen umgeben ist. Als opake Phasen treten Kamacit, Troilit, Schreibersit und Daubréelit auf.
Das Material wird im Internet z.T. als Olivin-Websterit bezeichnet. Die Quelle ist nicht bekannt, die Angaben im Meteoritical Bulletin liefern keine quantitativen Verhältnisse von Olivin und Pyroxen, die für eine derartige Einstufung des Gesteins notwendig wäre. Danach lässt sich lediglich sagen, dass ein ultramafisches Gestein vorliegt.




             Primitive Achondrite (NWA 5384)

Zu dem Meteoriten liegen nur wenige Informationen vor, deshalb lässt sich derzeit nichts zu einer näheren Einordnung oder Beziehungen zu anderen Meteoriten sagen.


    NWA 5384.  Primitiver Achondrit, ungruppiert.

Meteorit NWA 5384.
Primitiver Achondrit, ungruppiert.

Fund 2007. Nordwest-Afrika. TKW 331 g.


NWA 5384. Teilscheibe. Größe 14 x 8 mm, Gewicht 0,555 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.


Über den Meteoriten NWA 5384 sind bisher kaum Informationen verfügbar. Schockstadium S2, Verwitterungsgrad W2. Er enthält Olivin (Forsterit, Fa33) und Pyroxen (Fs9,3 Wo47,2).






Literatur siehe Hauptseite Meteorite
Weitere verwendete Literatur:
Irving, A.J.; Kuehner, S.M.; Ziegler, K.; Sanborn, M.E.; Yin, Q.; Kuntz, F. & Sipiera, P.P. (2016): Petrologic and O-Cr isotopic characterization of ungrouped metachondrite Northwest Africa 10503: Clues to a new carbonaceous chondritic parent body.- 79th Annual Meeting of the Meteoritical Society, 6461.pdf
Irving, A.J. et al. (2019): Evidence for a unique carbonaceous chondrite parent body ('CX') and another one with a dunitic mantle.- 50th Lunar and Planetary Science Conference 2019 (LPI Contrib. No.2132)
Keil, K. & Bischoff, A. (2008) Northwest Africa 2526: A partial melt residue of enstatite chondrite parentage.- Meteoritics & Planetary Science 43, 1233-1240
Patzer, A. et al. (2001) Meteoritics and Planetary Science 36, 1495-1505
Przylibski et al. (2005) Meteoritics and Planetary Science 40, 185-200
Schoenbeck et al. (2006) Lunar and Planetary Science XXXVII, 1550 (NWA 3133)




      weiter zu

Acapulcoite /
Lodranite
Tissemouminite
und Winonaite
Ténéréite
 
Brachinite und
Brachinit-ähnliche
ungruppierte
Primitive Achondrite
Ureilite
 



METEORITE
 


CHONDRITE
 


PRIMITIVE
ACHONDRITE


DIFFERENZIERTE
ACHONDRITE


EISENMETEORITE
 


STEINEISEN
 


HOME



© Thomas Witzke