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Megalithgräber und Menhire in Hessen




ungesetztes und teilrekonstruiertes Großsteingrab "Calden 1", Calden bei Kassel

Sprockhoff: Nr. -.

Das teilrekonstruierte Großsteingrab "Calden 1" steht in Calden genau gegenüber der Mittelpunktschule an der Weserstraße. Es befindet sich jetzt östlich von einem kleinen Bach, gefunden wurde es 1948 westlich von dem Bach im Feld, etwas weiter nordwestlich vom jetzigen Standort.
Das Grab war stark zerstört durch Eingriffe in der römischen Kaiserzeit und im Mittelalter. Bei der Ausgrabung 1948 wurden zwei Wandsteine in situ und zwei weitere in die Kammer abgekippte gefunden. Zwei Decksteine konnten im Bereich vor dem ehemaligen Eingang außerhalb des Grabes geborgen werden. Die erhaltenen Steine wurden als eine Art Dolmen um 1950 am heutigen Standort wieder aufgestellt.
Sie stellen aber nur einen kleinen Teil der ursprünglichen Kammer dar. Die Anlage war in Nordwest-Südost-Richtung orientiert. An Hand der Fundamentgräben ließ sich die Außenabmessung der Kammer auf 12,6 x 3,0 Meter rekonstruieren. Die südöstliche Schmalseite war gegenüber den Langseiten um 1,2 Meter zurückgesetzt, es gab also einen Eingangsbereich wie bei dem Galeriegrab Züschen. Es ist zu vermuten, dass es wie bei diesem hier auch einen "Seelenloch"-Stein als Zugang gab. Die Höhe des Grabinnenraums wird auf 1,0 – 1,5 Meter geschätzt. Insgesamt waren wahrscheinlich 20 Wandsteine aus Tertiärquarzit und 10 Decksteine vorhanden.
Trotz der starken Störungen ließen die erhaltenen Skelettreste noch eine Rekonstruktion der Totenhaltung zu. Die Verstorbenen wurden in gestreckter Haltung in Rückenlage parallel zur Längsrichtung und mit dem Kopf zum Eingang abgelegt. Bei den Ausgrabungen wurden mindestens 40 Schädel gefunden, es wird angenommen, dass die ursprüngliche Zahl der Bestatteten bei 100 bis 200 gelegen hat.
Die Verstorbenen wurden mit persönlicher Ausrüstung beigesetzt, wozu u.a. durchbohrte Zähne verschiedener Tiere, Flintklingen und Pfeilbewehrungen aus Flint und Kieselschiefer sowie eine axtförmige, durchbohrte Bernsteinperle gehören. Grüne Spuren deuten auf Kupferausrüstung hin. Keramik fand sich in der Kammer nicht, lediglich im Bereich der kaiserzeitlichen Störung am Eingang. Es wird vermutet, dass die Keramik bei den Ritualen vor der Kammer verblieb und den Verstorbenen nicht beigegeben wurde. Die keramischen Funde waren recht spärlich, rekonstruiert werden konnte ein kleiner Trichterbecher mit Innenösen, weiterhin fanden sich Reste von Trichterrandgefäßen und Schalen.
Nach C14-Datierungen an Menschenknochen kann der Beginn der Bestattungen spätestens um 3400 v.d.Z. angenommen werden, wahrscheinlich um 3200 v.d.Z. ist die Nutzung der Anlage bereits beendet gewesen.
Etwa 40 Jahre vor den Ausgrabungen wurde nur wenige Meter von dem Grab entfernt ein etwa 4,0 x 0,6 x 0,6 Meter großer Stein geborgen (dessen Verbleib nicht bekannt ist). Es lässt sich vermuten, dass es sich um einen Menhir gehandelt hat.

Literatur:
Raetzel-Fabian, D.: Das Galeriegrab Calden I, www.jungsteinsite.de


Koordinaten (GPS gemessen): 51.39956° N, 9.39982° E (WGS84).





Teilrekonstruiertes Großsteingrab Calden 1. Foto 23.04.2006.






Teilrekonstruiertes Großsteingrab Calden 1. Foto 23.04.2006.






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© Thomas Witzke / Stollentroll
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