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Fluorit


Formel: CaF2, kubisch

Typlokalität: Breitenbrunn, Erzgebirge, Sachsen (und Jachymov, Böhmen, Tschechische Republik)

Erstbeschreibung:
G. Agricola (1530): Bermannus sive de re metallica.- Basel, p. 125-127
     (als "Fluss" bzw. "Flüsse")





Das Mineral war schon in der Antike bekannt, wie römische Vasen aus Fluorit belegen. Als erste mineralogische Beschreibung gilt allerdings ein Werk von Georg AGRICOLA. In seinem Buch "Bermannus, sive de re metallica" beschreibt AGRICOLA 1530 eine fiktive Wanderung von drei Zeitgenossen von ihm durch Joachimsthal (Jachymov), wobei sie auch verschiedene Gruben besuchen und den Bergbau, die Minerale und ihre Verwendung betrachten. Dabei wird auch der Fluorit diskutiert und von Bermannus (Bermann, der eigentlich Hüttenmeister war, aber hier als Schichtmeister auftritt) den beiden anderen Personen gezeigt. AGRICOLA verwendet hier in dem lateinisch geschriebenem Werk den deutschen Begriff "Fluss" bzw. "Flüsse". Es werden verschiedene Farben angegeben, in denen das Mineral auftritt – weiß, gelb, rötlich, purpurfarben, grau und fast schwarz. AGRICOLA erwähnt auch, dass unerfahrene Personen das Mineral mit Amethyst verwechseln können und daß es auch gelegentlich als solcher verkauft wird. Weiterhin geht er auf den Glanz ein und beschreibt das Mineral als durchsichtig bis undurchsichtig. Man verwendet es als Zuschlag (Flussmittel) beim Ausschmelzen von Metallen und zur Herstellung von Farben. Das Mineral wird in Breitenbrunn bei Schwarzenberg gewonnen. Weitere Vorkommen werden nicht erwähnt.
Es ist bemerkenswert, daß die verschiedenen Farbvarietäten als ein Mineral beschrieben werden zu einer Zeit, als die Farbe eines der wichtigsten Kriterien zur Unterscheidung gewesen ist. Da das Mineral bei einer Wanderung durch Jachymov vorgestellt und Breitenbrunn explizit als Fundort genannt wird, können beide Orte als Typlokalität gelten. AGRICOLA schreibt nichts zur Kristallform.

Johannes KENTMANN 1565 beschreibt unter den "Fluores" mehrere Minerale und Varietäten. Um was es sich dabei jeweils handelt, ist kaum festzustellen, in einigen Fällen dürfte Calcit gemeint sein. Fluorit ist jedoch auch zu identifizieren: "Fluores. Virides, tesseris similes, pellucidi, prasini coloris. Grüne würfflichte flüsse."
ALBINUS (1589/1590) geht in seiner Meißnischen Bergchronik auch auf "Flösse" ein und beschreibt hier unter anderem "gelbe durchsichtige neben einem grawen Spat / in einem sechseckigen Glantz gewachsen / Man findet sie würfflich / durchsichtig [....] Grüne sind bisweilen Würfflicht / durchsichtig wie ein Pras / eines theils wie ein Smaragd." Allerdings trennt ALBINUS den Fluorit nicht eindeutig von anderen Mineralen ab.

Die chemische Zusammensetzung von Fluorit ist lange Zeit unbekannt geblieben.
Carl von LINNÉ ordnet das Mineral 1748 neben dem Steinsalz und dem Meersalz zu den "Muria". "Muriatische Säure" ist eine alte Bezeichnung für Salzsäure. Die Zuordnung erfolgte aber wohl weniger auf chemischen Grundlagen, sondern mehr nach der äußeren Form - Steinsalz und Flussspat bilden würfelige Kristalle. LINNÉ bezeichnete das Mineral als "Muria lapidea phosphorans. leuchtender Spath, oder Fluß".
Axel von CRONSTEDT schreibt 1758 (in der Übersetzung von WERNER, 1780): "Man hat noch keinen gültigen Grund, die Flusarten unter den Kalk- oder anderen Erdarten aufzuführen [....] übrigens hat man auch kein Mittel gefunden, das geringste von Kalk aus ihnen heraus zu bringen, oder sie zu zerlegen".
Der Chemiker Andreas Sigismund MARGGRAF beschäftigte sich intensiv mit dem Flussspat (1749, 1750, 1768). Er erwähnt die würfelige Kristallform und auch, dass das Mineral bei Apothekern je nach Farbe "Pseudo-Smaragdus", "Pseudo-Hiacynthus" oder "Pseudo-Amethystos" und bei den Bergleuten "Berg-Bluhme, Metall-Bluhme, Metall-Mutter" genannt wird. Als Vorkommen erwähnt er "Stollberg", "Quedlimburg" und "Strausberg" (= Strassberg) im Harz, das sächsische Gebirge, Böhmen und Schweden (1768). Nach ersten Untersuchungen nahm er an, dass der "Flus-Spaht" aus Sachsen Kalkerde und Schwefelsäure enthält und damit in die Verwandtschaft des Gipses gehört (1749, 1750). Bei dem Versuch, den Flussspat aus Sachsen chemisch zu zerlegen, erhielt MARGGRAF 1768 bereits die Flusssäure, ohne dies allerdings zu erkennen. Nach Behandlung des Minerals mit Schwefelsäure und Destillation glaubte er, eine besondere flüchtige Erde erhalten zu haben.

Carl Wilhelm SCHEELE (1771) gelang erstmals eine Analyse des Minerals. Er versetzte gepulverten Fluorit wie MARGGRAF mit "Vitriolöl" (= Schwefelsäure) und erhielt beim Erhitzen eine Säure, die korrodierend auf die Glasgefäße wirkte. SCHEELE erkannte, dass es sich hier um eine neue, bisher nicht bekannte Säure handelt. Das in der Retorte verbliebene Material identifizierte er als "Kalkerde": "Vornehmlich besteht also Flußspat aus Kalkerde, mit einer eignen Säure gesättigt ...". SCHEELE gelang es auch, aus "diluirter Flußspatssäure" und Kalkwasser Fluorit synthetisch herzustellen, der sich genau wie der natürliche verhielt.


Literatur:
AGRICOLA, G. (1530): Bermannus sive de re metallica.- Basel, p. 125-127

ALBINUS, P. (1589/1590): Meißnische Land und Bergchronica.- Dresden, p. 158-159

KENTMANN, J. (1565): Nomenclaturae Rerum fossilium, que in Misnia praecipue, & in alijs quoque regionibus inueninuntur.- Tiguri (Zürich), p. 40-44. In: GESNER, C. (1565): De omni rerum fossilium genere, gemmis, lapidibus metallis, et huiusmodi, libri aliquot, plerique nunc primum editi.- Tiguri

LINNÉ, C. (1748): Systema Naturæ sistens regna tria naturæ, in classes et ordines, genera et species, redacta tabulisque æneis illustrata.- Lipsiæ, Godofr. Kiesewetteri, p. 164

MARGGRAF, A.S. (1749): Mémoire concernant certaines pierres, qui par la stratification avec les charbons et la calcination, parviennent à un état, et acquièrent une force, par laquelle étant exposées un peu de teins à la lumière, elles brillent ensuite dans un lieu obscur.- Histoire de l'Académie Royale des Sciences et des Belles-Lettres, Année 1749 (gedruckt 1751), Berlin, Haude und Spener, p. 56-70 [als JPG-Files (externer Link zur Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften)]

MARGGRAF, A.S. (1750): Examen des parties qui constituent cette espèce de pierres, qui, après avoir été calcinées par le moyen des charbons, acquièrent la propriété de devenir lumineuses, quand on les expose à la lumière; avec l'exposé de la composition artificielle des pierres de cette sorte.- Histoire de l'Académie Royale des Sciences et des Belles-Lettres, Année 1750 (gedruckt 1752), Berlin, Haude und Spener, p. 144-162 [als JPG-Files (externer Link zur Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften)]

MARGGRAF, A.S. (1768): Observation concernant une volatilisation remarquable d'une partie de l'espèce de pierre, à laquelle on donne les noms de Flosse, Flüsse, Flus-Spaht, et aussi celui d'hespéros; laquelle volatilisation a été effectuée au moyen des acides.- Histoire de l'Académie Royale des Sciences et des Belles-Lettres, Année 1768 (gedruckt 1770), Berlin, Haude und Spener, p. 3-11 [als JPG-Files (externer Link zur Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften)]

SCHEELE, C.W. (1771): Untersuchung des Flußspats und dessen Säure.- Der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften neue Abhandlungen aus der Naturlehre, Haushaltungskunst und Mechanik 33, 122-139, Leipzig

WERNER, A.G. (1780): Axel von Kronstedts Versuch einer Mineralogie. Aufs neue aus dem Schwedischen übersetzt und nächst verschiedenen Anmerkungen vorzüglich mit äusseren Beschreibungen der Fossilien vermehrt.- Leipzig, Verl. Siegfried Lebrecht Crusius




© Thomas Witzke / Stollentroll

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